FORVM, No. 487-492

Internationale Zeitschrift für kulturelle Freiheit, politische Gleichheit und solidarische Arbeit, begründet 1954 von Friedrich Hansen-Loeve, Felix Hubalek, Alexander Lernet-Holenia und Friedrich Torberg; 1966-1986 fortgeführt von Günther Nenning. Medieninhaber/Verleger und Herausgeber Gerhard Oberschlick. Hersteller: Typographische Anstalt, 1190 Wien

Beiträge
Landesgericht für Strafsachen Wien, Abt. 9b, am 2. Juli 1994 (I.)
Oberlandesgericht Wien, Abt. 27, am 28. September 1994 (II.)

Mitteilung gemäß § 37 MedienG

1

Das Oberlandesgericht hat die Rechtsansicht des Landesgerichtes, wonach die unter II. inkriminierten Ausdrücke keine Beschimpfungen wären, korrigiert und zugleich die integrierte Veröffentlichung beider aufgetragenen Mitteilungsteile angeregt. Mittlerweile, am 1. Dezember 1994, hat der (...)


Die Wahrheit wird transportiert

1

Molussische Apokryphe über das Blamieren Vor 1938, für den Druck überarbeitet 1973 Nicht aufgenommen in die Buch-Ausgabe: Die Molussische Katakombe, München 1992 (Ans Ende.) »Der Dritte«, so erzählte Olomonokoro, »der die Ewigkeit der Ideen leugnete und die Ideen zu Interesseworten der Machtgruppen (...)


Er hat sich schon wieder blamiert

Oder auch nicht, denn wieder einmal hat’s niemand bemerkt.

1

Weil ich doch jetzt so aufpassen muß, daß mich die Justiz nicht wieder drankriegt, werde ich alle immanenten Tatsachenbehauptungen immer gleich festhalten, um sie anschließend zu belegen. Aber zuerst will ich die Identität des Gemeinten zweifelsfrei machen, schon um jede womöglich ehrenrührige (...)


Kanzleieröffnung Dr. Alfred J. Noll

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Liberales Forum / Liberale Jugend

Dr. Noll, wir bedauern!

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Gemeinwissen vs. Geheimwissen

4

Ein Handbuch über die »Österreichische Literatur im Nationalsozialismus« ist im Entstehen, auf der Basis von Archivmaterial, das die Forschungsgruppe des Grazer Germanisten Uwe Baur bisher nicht frei zugänglich machen will oder darf. Derfens des? oder derfens des nicht derfen? Eine Frage der (...)


Es war mein Fehler

Das unendliche Panorama, 40. Folge

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Das Leben nach der Bombe*

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W. G., Philosophie-Dozent in Graz, war Adressat einer Briefbombe der ersten Welle: als Exponent der slowenischen Minderheit in der Steiermark, ganz wie, bei der zweiten Bomben-Serie, der Verleger Lojse Wieser in Kärnten. Die — partes pro tote — Solidarität mit ihnen bleibt hilflos, ich weiß, aber (...)


Two Happy Years

6

Die Jahre 1993 und 1994 haben indes für die Slowenen in der Steiermark einige kleine Erfolge gezeitigt: Vom 25. bis zum 27. Mai 1993 fand die erste wissenschaftliche Tagung über die steirischen Slowenen an der Universität Maribor statt. Mitveranstalter waren die Slowenische Akademie der (...)


Träumen nach vorn!

11

Die nachstehende Rede* wurde in den österreichischen Medien nicht oder lustvoll verdreht reportiert, z.B. als hätte H. S. seinen »ersten Schritt zu wertschöpfungsbezogenen Abgaben« im Ausmaß von 1,2 Milliarden Schilling zwecks Budget-Sanierung vorgeschlagen — eine Entlastung von nur einem Prozent für (...)


Poldi Kircherl im (D-)ORF

Kalte Privatisierung praecox

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Die SPÖ auf dem Weg zur STÖ. Der Beginn des Telekratismus auch in Österreich. Die nächste Regierung heißt Höchtl/Haider. Warum der Rundfunk Goldes wert ist und warum die Zeitungen beider Konzerne den neuen GI des ORF so überschwänglich begrüßten. Daß auch der ORF sich der »Neuen Zeit« — jener der (...)


Die sogenannte 3. Welt heute

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Gegenstand weder linker noch sonstiger Kritik Chile z.B., im Jahre der Herren 94 Über dem Getöse um die diversen »Sorgenkinder« der Neuen Weltordnung, die unbedingt mit Militäreinsatz betreut werden müssen, ist das, was in den alten Hinterhöfen des Imperialismus der Normalfall ist, ziemlich (...)


Grenzüberschreitung

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Der »genetische Fingerabdruck« spielte im Fall Unterweger eine entscheidende Rolle für die Urteilsfindung. Als gelernter Mathematiker und Experte für medikamentöse Dosis-Wirkungs-Beziehungen untersucht J.Z. die Eignung der jungen Methode zur Wahrheitsfindung. Der genetische Fingerabdruck ist in der (...)


Porca puttana!

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Berlusconis Niedergang begann am Fußballplatz und auf den Wassern. Machen wir ein wenig Geschichtsunterricht: 1922 wollte Mussolini keine totalitäre Macht installieren. (...) ›Ein Italien, in dem nur eine Meinung dominiert, ist kein Italien mehr, in dem man leben kann‹, sagte er noch ’24. Gewiß, (...)


Ultima ora, Milano, 28.11.94

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Als wäre auch das noch seine Schuld gewesen und nicht wieder wie immer die des altkorrupten Regimes, daß nämlich die zuständigen Behörden die Faxmeldungen über die »Sintflut« irgendwie wohl für einen Spaß der Lega Nord gehalten und nicht unter der Bevölkerung weiterverbreitet haben, wo hätte man die (...)


Günther Anders’ »Mariechen«

oder: Wie man auf dem Kissen philosophiert

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1. Sich mit Günther Anders auseinanderzusetzen, ist so gefahrlos nicht, und das in einem ganz körperlichen Sinne, denn er sagt von sich: »Wenn Kunst-, Musik- oder Literaturwissenschaftler philosophische Floskeln in den Mund nehmen, ziehe ich den Revolver.« Abgesehen einmal davon, daß diese (...)


Vom Herrschaftsnutzen langer Wörter

Kleine Grammatikkunde für Patriarchatsüberdrüssige

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Gewiß: Daß alle Fortschritte auf dem Wege zur Gleichberechtigung der Frauen das gewünschte Resultat — also die Überwindung des Patriarchats — noch nicht erbracht haben, mag man — je nach Temperament — zum Anlaß für Wut, Ungeduld oder Verzagnis nehmen. Allzu viele der Wütenden, Ungeduldigen und Verzagten (...)


Über Patriarchinnen, Biopolitik und moralische Vergewaltigung

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Offener Brief an Elfriede Hammerl wegen »Verwirrte Begriffe«, »profil« 23/1994, 113 Liebe Elfriede Hammerl! Wie Sie wissen, gehöre ich, altmodisch gesagt, zu Ihren Verehrern, Ihre geistreichen Kommentare zu Geschlechterkampf und Familientohuwabohu lese ich mit vorbehaltlosem Vergnügen. Regelmäßig (...)


»Kursbuch« Hundertsechzehn

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Auf der Höhe der Zeit Kursbuch 116: Verräter, Rowohlt Berlin 1994, 186 Seiten, 15 DM Zu Zeiten des Kalten Kriegs unterstellten moskautreue Kommunisten ihren Gegnern den Vorwurf, Russen würden kleine Kinder verspeisen. Indem sie die Absurdität dieser Behauptung nachwiesen, meinten sie, auch (...)


Der süddeutsche »Joseph-Roth-Preis«

Nachgedanken eines zu Recht durchgefallenen Kandidaten

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Ein Juror hatte mich eingeladen, am Wettbewerb um den Joseph-Roth-Preis, den »kleinen Bruder« des Ingeborg-Bachmann-Preises in Klagenfurt teilzunehmen. Daß ich dabei leer ausging, ist gerecht, denn es wurde eine Reihe von Texten vorgetragen, die auch ich für besser und preiswürdiger halte als (...)


Wer ist zuständig für den Zeitgeist?

Über Historiker, Soziologen und den Streit um die Deutungsvorherrschaft ihrer Wissenschaft

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Ein Saison-Hit am Broadway in den frühen 60er Jahren war das Schauspiel »Wer hat Angst vor Virginia Woolf?« von Edward Albee. Unter dem vieldeutigen Titel verbirgt sich ein grimmiger, drei Stunden währender Streit zwischen einem Historiker und seiner Frau, der an den Nerven der Zuschauer zerrt. (...)


Über Hirten und Herden

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Beantwortung der Frage: Wer, wo oder was ist das »Österreichische«? Österreich wird österreichischer. Ein guter Indikator für galoppierendes Österreichbewußtsein war schon immer der Österreichische Rundfunk. Man denke an das altehrwürdige »Made in Austria«, das Hochamt des Produktpatriotismus, oder an (...)


Versalzen

51

Die Mächtigen, der Geist und die Gespenster des Zeitgeists im Spiegel der Eröffnungsreden zu den Salzburger Festspielen 1994 »Europa beginnt in doppeldeutiger Magie.« Mit diesem Satz leitete der Philosoph George Steiner seine Festrede ein. Bevor auf seine Ausführungen und Schlußfolgerungen (...)


Der seltsame Geruch der Synkope

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Der Titel ist ein Verdikt von Frank Zappa und bezog sich auf die »zahlreichen Versuche, den Jazz totzureden«. Der Wiener Komponist Franz Koglmann und der Schweizer Musikkritiker Peter Rüedi fragen heute wieder, ob diese Musik »als lebendiges Phänomen das Jahrhundert überleben wird, das sie geboren (...)


Hören, Schauen, Lesen

Über synästhetische Zusammenhänge in meiner Musik

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I. »Kaum wird man einen Autor finden, der nicht einen Großteil seines Lebens mit Hören, Schauen oder Lesen verbringt und der sich dann mit einer unbegreiflichen ... Passion seiner Musik, seinem Bilde, seinem Gedicht zuwendet.« (Ernst Jünger) — Exakt in diesem Sinn bilden Werke der bildenden Kunst, (...)


Canetti, Bier- und Peymann sowie die Wiener Zeitungskultur

Schließtage sind eben Schließtage

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Es ist schon ein alter Hut, daß vor Premieren im Peymann-Imperium einige Schließtage die Gemüter des Rechnungshofes, der Oppositionsparteien — allen voran der FPÖ —, selbst des Koalitionspartners der SPÖ und der gesamten Tagespresse erhitzen. Großes Gezeter über den ungeliebten Theaterdirektor hebt an (...)

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