Die satirische Wochenzeitung „Le Canard enchaîné“, in ihrer politischen Polemik meist in recht veralteten Humorklischees erstarrt, hat eine ständige Rubrik eingeführt, die mit Recht viel gelesen wird. Sie nennt sich „Neuigkeiten vom Hof“ und ist im Stil eines Chronisten vom Hofe Ludwigs XIV. (…)
Graf Richard Coudenhove-Kalergi, im 68. Lebensjahr, Professor für Geschichte an der Universität New York, in Basel ansässig, hat 1923 mit seinem Buch „Paneuropa“ den Anstoß zu dem gegeben, was heute als europäische Integration vielfältiger Verwirklichung entgegenreift. Coudenhoves Phantasie war (…)
Vom FORVM wird niemand erwarten, es sei einer Meinung mit Georg Lukács, großem Überlebendern aus Zeiten, da der Kommunismus prästalinistisch intellektuellen Glanz hatte. Vom FORVM wird desgleichen, schon seinem Namen nach, niemand erwarten, es drucke nur, wessen Meinung es ist. Vom FORVM wird, (…)
Die Revolution der primitiven Rebellen
Eine ganze Reihe theoretischer Spielarten des Individualterrorismus beeinflußte das Denken der Gruppe um Gavrilo Princip. Auf Grund der von mir eingesehenen Dokumentation kannten und studierten Princip und seine Freunde: Die klassischen Vorstellungen des Tyrannenmordes, in einem weiten Bogen (…)
Dritte Welt contra erste?
500 Intellektuelle aus 70 Ländern waren Teilnehmer des Kulturkongresses in Havanna, der am 12. Januar 1968 zu Ende ging. Mit ihm hat Kuba die über es verhängte Blockade zumindest kulturell erstmals durchbrochen. Die nachfolgenden Auszüge aus der Diskussion stammen von J.-P. Sartre und Fidel (…)
Bloch, der bedeutendste deutsche Philosoph der Gegenwart, Marxist, ist Gründungsmitglied unseres Internationalen Komitees für den Dialog. Gegen Demokraten helfen nur Soldaten. König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, 1848 Das grauenvolle Prager Geschehen wird nie vergessen werden. Stalin war (…)
Eine außerordentliche Sitzung der österreichischen Mitherausgeber des NEUEN FORVM sowie der in Wien aus Anlaß des Philosophenkongresses anwesenden Mitglieder unseres Internationalen Komitees für den Dialog tagte am 4. September gemeinsam mit Vorstand und Wissenschaftlichem Beirat der (…)
Hromádka, 79 Jahre, Professor in Prag, ist protestantischer Theologe von Weltruf; seit der Oktoberrevolution und auch während der Stalinzeit ergebener Freund der Sowjetunion, Präsident der sowjetfreundlichen Christlichen Friedenskonferenz, Gründungsmitglied unseres Internationalen Komitees für (…)
Garaudy, an der Universität Moskau promoviert, Professor der Philosophie, Politbüromitglied der KPF, ist Gründungsmitglied unseres Internationalen Komitees für den Dialog, Initiator des Dialogs in Frankreich. Hier kann es keinerlei Kompromiß geben: die Standfestigkeit der tschechoslowakischen (…)
Machovec, Professor für Philosophie an der Karls-Universität, ist Gründungsmitglied unseres Internationalen Komitees für den Dialog, Initiator des Dialogs in der ČSSR. An meine Freunde, zugleich auch an alle anderen Universitätskollegen, Wissenschafter und Studenten der ganzen Welt. Meine (…)
Kennzeichnend für die prärevolutionäre Situation Lateinamerikas scheint uns der nachfolgende Text, den wir als Dokumentation insbesondere zu dem vorangehenden Gespräch mit Herbert Marcuse erstmals in deutscher Sprache vorlegen (Übersetzung: H. v. Nussbaum). Er entstammt einem Flugblatt, das in (…)
Kannst du eine Frage nicht lösen? Nun gut, dann untersuche doch ihren gegenwärtigen Stand und ihre Geschichte! ... dann findest du auch die Methode zur Lösung der Frage. Mao Tse-Tung Dieser Artikel basiert auf (kritisch gelesenen) Meldungen und Kommentaren der westdeutschen beziehungsweise (…)
Daß die außerparlamentarische Opposition sich mehr anti- als außerparlamentarisch gibt, entzieht ihr nicht das Verdienst, das politische Interesse breiter Kreise der jungen Generation gestärkt und vor allem auf die Entwicklungsländer gerichtet zu haben. Eine Untersuchung des Lehrstuhls für (…)
P. B. ist Reporter für „Ramparts“, San Franzisko. FORVM publiziert den nachfolgenden Bericht in Kooperation mit dieser befreundeten Zeitschrift. Die Iren sind für England, was die Indianer für Amerika sind. Ihr Land wurde verwüstet, die Einwohner wurden gezwungen, sich in die unfruchtbarsten (…)
Wenig Tauben in Israel
Bei Parlamentswahlen in Israel verlor die Koalition der Arbeiterparteien 5 Sitze (58 statt 63); sie gingen an die Koalition der Rechten („Gahal“, „Heruth“ plus Liberale: 27 statt 22). Über den Hintergrund berichtet E. R., Nahostspezialist von „Le Monde“, in der folgenden Serie, welche FORVM in (…)
Sprünge in Davids Panzer
Die Regel ist unerbittlich. Jeder Araber, der im Verdacht steht, einem Terroristen geholfen oder seine Anwesenheit der Polizei verschwiegen zu haben, muß der Zerstörung seines Hauses gewärtig sein. Verwandte oder Vermieter sind dabei oft unschuldige Opfer. Die israelischen Behörden stellen den (…)
H. C. ist Erzbischof von Olinda und Recife, Nordostbrasilien, zog aus seinem Palast aus, organisierte Radiokurse für die Analphabeten, Freund von Ivan lllich (vgl. Literaturverzeichnis am Ende des Aufsatzes), folglich ein „Roter“, folglich unter ständiger Aufsicht der Polizei und des Vatikans. (…)
Griechenland gehört im Kräftefeld der gegenwärtig dreigeteilten Welt politisch zum US-orientierten „freien Westen“, geographisch zur Interessensphäre des Ostblocks, seiner wirtschaftlichen Situation nach zur dritten Welt der Entwicklungsländer. Durch die künstliche Übernahme verschiedener (…)
Miguel Arraes: Die Erfolge der Stadtguerillas Vorstellung und Empfindung sind zutiefst berührt von den detaillierten Berichten über Brutalität und Gewalt an Hunderten Brasilianern. Ungleich mehr Folterungen und Morde bleiben anonym: jene durch Hunger, Armut, Unterdrückung, Ausplünderung. Dies (…)
Von Israel nach Palästina
Am 11. April 1970 kam es, wie die deutschsprachige israelische Zeitung „Jediot Chadaschot“ (Neueste Nachrichten) berichtet, zu einem „Handgemenge zwischen Polizei und Linksradikalen ... Ursprung des Zwischenfalls war die Absicht einer Gruppe von 130 Angehörigen der Organisation ‚Matzpen‘ und der (…)
G. M., der schwedische Nationalökonom von Weltruf, sprach nachfolgenden Text bei der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels. Eine geeignete Weihnachtsansprache 1970. Der Abstand zwischen der Forschung und den praktisch-politischen Stellungnahmen ist für mich nie eine tief (…)
I. Überlegenheit internationaler Konzerne Die Zunahme multinationaler Gesellschaften ist ein Hauptmerkmal des Kapitalismus der Gegenwart: Ihre Zahl wird auf insgesamt 700 bis 800 geschätzt. Man rechnet damit, daß in 10 bis 15 Jahren 200 von ihnen die Weltwirtschaft beherrschen werden. Die Ära (…)
I. Mobilisierung der Wachstumsreserven Das hervorstechende Merkmal der ökonomischen Rückständigkeit Afrikas, Asiens und Lateinamerikas ist die gewaltige Diskrepanz zwischen den aktuellen Bedürfnissen der Menschenmassen und dem Angebot aus eigener Produktion sowie aus erwirtschafteten Importen (…)
VII. Profitstrategie Im Kapitalismus werden aber Gebrauchswerte nicht um ihrer selbst willen, sondern allein zum Zweck der Kapitalverwertung produziert. Ein kapitalistisches Unternehmen fördert und verarbeitet nur insoweit Rohstoffe, wie es die kaufkräftige Nachfrage zuläßt, und bietet sie nur (…)
Die Randdeutschen
I. Nationale Minderheiten als Binnenkolonien Hans Steinacher (1892-1971) vereinigt in seiner Person alle Züge, die den völkischen Imperialismus ausmachen: Grenzlandlehrer, Weltkriegsoffizier, Freikorpskämpfer, Auslandsdeutschenfunktionär in der Weimarer Zeit und unter Hitler, eingeschränkte (…)
I. Alldeutsche Wissenschaft Ein neuerrichtetes Abwehrkampfmuseum mit Waffen und historischen Puppen, pompöse Umzüge, Verleihungen des „Kärntner Kreuzes“, tönende Reden das war das Bild der 50-Jahr-Feiern zur Unterkärntner Volksabstimmung. Mit diesem Spektakel stieß das offizielle Kärnten im (…)
In der Theorie des internationalen Handels herrschte Einmütigkeit unter den Ökonomen, was an sich höchst bemerkenswert ist. Unter der Annahme der absoluten Unveränderlichkeit der Kapitalien und der Menschen galt es seit einem Jahrhundert für ausgemacht, daß die Preise der international (…)
Das Ziel revolutionärer Marxisten in einer Übergangsgesellschaft müßte es sein, die moderne Form der Arbeitermacht zu entdecken, das Gegenstück zu den russischen Sowjets während und nach der Revolution von 1917. Glauben Sie, daß dies einer der Inhalte des Prager Frühlings war, oder war dieser (…)
Handelskrieg
P. M. Sweezy und H. Magdoff sind die gegenwärtig bedeutendsten marxistischen Ökonomen der USA. Sie haben schon mehrfach die gegenwärtige Entwicklung des Kapitalismus untersucht (H. Magdoff, Das Zeitalter des Imperialismus; Baran/Sweezy, Monopolkapital). Ihre Analysen publizieren sie fortlaufend (…)
1 Konzerne beherrschen Währung Vom währungstechnischen Gesichtspunkt sind die Ursachen für die Dollarkrise leicht zu finden. Die multinationalen Konzerne außerhalb der USA (von denen die meisten unter amerikanischer Kontrolle stehen) haben flüssige oder zumindest teilweise flüssige (…)
1 Zionistische Bevölkerungspolitik Die gegenwärtige Repressionswelle, die vor allem linke antizionistische Organisationen trifft und schon zu Gefängnisstrafen bis zu 17 Jahren geführt hat (für Daud Turki und Ehud Adiv als Führer eines angeblichen „Spionage- und Sabotagenetzes“), das (…)
Sie haben die Macht. Sie haben das Geld. Sie entscheiden über Krieg und Frieden. Und über Glück und Unglück der Menschen. Sie sind mächtiger, als je ein König, ein Kaiser oder ein Präsident es gewesen ist: Dreihundert Konzerne, die „Multinationalen“, die an allen Ecken und Enden der Welt (…)
Die Arbeitsteilung unter den Nationen besteht darin, daß die einen aufs Gewinnen und die anderen aufs Verlieren spezialisiert sind. 1 Rohstoffe geraubt Unser Teil der Welt, heute Lateinamerika genannt, war frühreif: Er war schon in jenen fernen Zeiten aufs Verlieren spezialisiert, als in der (…)
Die Arbeit von Robert Rowthorn ist die klassische Studie der neuesten Imperialismustheorie. Sie beweist, daß die multinationalen Konzerne nicht zu einem friedlichen „Ultraimperialismus‘‘ kommen, wo sich alle friedlich vereinigen, sondern daß eine verschärfte Konkurrenz stattfindet. Im Zuge (…)
Tag für Tag lesen wir in den westlichen Zeitungen, daß uns ‚‚die Araber“ das Öl absperren. In rassistischer Manier werden die Scheichs mit den von ihnen ausgebeuteten Untertanen in einen Topf geworfen. In Wirklichkeit ist der „Ölboykott“ eine Fiktion, ein Paravent, hinter dem sich die Scheichs (…)
Der Kippur-Krieg war dem Kapital willkommen, weil er dazu verwendet werden konnte, seine akute Krise zu bemänteln. Die Ölindustrie steuert die Verknappung überall ganz bewußt (nur in Frankreich ist der Staat besser gewappnet); die Regierungen profitieren insofern, als sie ein Klima der Buße (…)
1 Ein Volk in 5 Teilen Mehr als 50 Jahre nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches ist seine Konkursmasse immer noch nicht liquidiert. An einem Brennpunkt imperialistischer und nationalstaatlicher Interessen hätte nach dem Ersten Weltkrieg auf einem Gebiet von rund 400.000 Quadratkilometern ein (…)
Sozialdemokratie und Imperialismus
Das Schlagwort vom „Sozialimperialismus“ ist jetzt in Mode gekommen, vor allem durch den ausgiebigen Gebrauch‚ den die chinesische Propaganda der Sowjetunion gegenüber davon macht. Ähnlich geht es mit den Stichworten „Führerverrat“ und „Arbeiteraristokratie“; konkrete Untersuchungen, was das (…)
Warum Thieu stürzte
Asien kommt wieder in Bewegung. Seit der „friedlichen“ Ausschaltung der Rechten in Laos Ende August ist die indochinesische Revolution vollendet und die nächste Runde für Thailand, Burma, Malaysia, Südkorea eröffnet — wie ungern man das auch in Washington, Moskau und Peking hören mag. Selbst die (…)
5 Wo die Revolution stark war Die Befreiungsbewegung verfolgte in der letzten Phase des Thieu-Regimes gegenüber der Politik Saigons folgende Ziele: Sicherung der bei Abschluß der Pariser Verträge von der Provisorischen Revolutionsregierung (PRR) kontrollierten Gebiete gegenüber den ständigen (…)
Ökonomischer Völkermord in Chile
Mildon Friedman und Arnold Harberger: Sie werden sich erinnern, daß ich am 6. August 1974, als Harberger Chile seinen ersten öffentlichen Besuch nach dem Militärputsch abgestattet hatte, einen offenen Brief an Sie gerichtet habe. Am 24. Februar 1975, nach Harbergers zweitem Chile-Besuch und (…)
Ein Tiger mit Säbelzähnen Japan hatte seit Beginn der Meji-Periode (1868) seinen technischen und industriellen Rückstand gegenüber den westlichen Industriestaaten dank der beschleunigten Durchführung des „Sangyô-Programms“ („Aufbau des Kaiserreiches auf industrieller Basis“) aufzuholen (…)
Zu den letzten Wehen der Kaiserreichs gehörte in den Anfangstagen des November 1918 auch der erste Anschlußversuch. Der Klagenfurter Historiker Norbert Schausberger, Professor an der dortigen Universität und Verfasser des Standardwerks über die Geschichte des Anschlusses (Der Griff nach (…)
Die Geschichte des Anschlusses in der Ersten Republik enthält noch vieles, was sich unsere Schullehrbücher bisher nicht träumen ließen. Zum Beispiel, daß am Republikgründungstag, dem 12. November 1918, von der provisorischen Nationalversammlung Deutschösterreichs auch der Anschluß an die (…)
Der Verfasser hat zwei Entwicklungshilfeeinsätze, einen in Mexiko und einen in Obervolta, hinter sich. Das erste Land zählt zu den sogenannten Schwellenländern, also jenen Ländern, die scheinbar gar nicht mehr unterentwickelt sind, das zweite laut UN-Statistik zu den drei ärmsten Ländern der (…)
1998 wird Thomas Malthus’ Essay on the Principle of Population as it Affects the Future Improvement of Society zweihundert Jahre alt. Bis dahin wird die Zahl der Menschen auf der Erde von vier auf fast sieben Milliarden wachsen, mit den größten Zuwachsraten dort, wo schon heute Hunger und Elend (…)
Sternstunde für den Club 2 ... Neben Henry Kissinger verblaßten alle ... er wischte Ansätze der Kritik an seinen acht Jahren Weltpolitik mühelos weg. Kurier vom 13. Oktober 1979 Aber außer Joan Baez will das kaum einer von den alten Prominenten der Vietnambewegung zugeben. Kurier vom 3. (…)
Teilung Persiens zwischen US und SU? Der weihnachtliche Sowjeteinmarsch in Afghanistan ist von den Chinesen mit Hitlers Einfall in Österreich im März 1938 verglichen worden. Schwejk sagt zwar, man soll niemand mit niemand vergleichen, aber wenn Breschnew Hitler ist, also auf Hitlers Spur in (…)
„Freundlicher Faschismus“ in USA? JIRAK: Sie sagten einmal: Gäbe es heute einen vernünftigen faschistischen Diktator, er würde sich das amerikanische System als Herrschaftsinstrument erwählen. CHOMSKY: Ich glaube nicht, daß es ernsthafte Aussichten auf Faschisierung in den USA gibt, (…)
Militär geht im Kreis Afghanistan ist ein Staat von 650.000 Quadratkilometern und mehr als 20 Millionen Einwohnern. Auf einen Quadratkilometer kommen also im Durchschnitt 31 Personen (in Österreich 90, in der BRD 247). Staatsreligion ist der sunnitische Islam (im Gegensatz zum schiitischen (…)
Brauner Bär & weißer Falke
„Die USA sind schon tot, der Imperialismus ist tot. Das westliche Denken und seine Philosophie ist ein nekrophiles Unikum. Es ist nicht frei, es ist bereits tot. Wenn dieses westliche Denken Leute durch Terror und künstliche Religionen manipuliert, dann ist es schon tot. Wir müssen es nur bald (…)
ln Budapest zur Jahreswende las Willy Brandt, Vorsitzender der nach ihm benannten Kommission für Entwicklungshilfe, den Russen die Leviten in Sachen Entwicklungspolitik. Er tat’s auf seine Weise, behutsam und ein bissel umständlich, aber wahrhaft deutlich. Aus seinem Vortrag vor der Ungarischen (…)
„Friedenskampf“ statt „Klassenkampf“ lautet die Devise der neuen sowjetischen Außenpolitik. Und ökonomische Unterstützung von „Dritte-Welt“-Ländern weicht zusehends Handelsbeziehungen, die sich für die Sowjetunion rentieren. Anfang Februar dieses Jahres besuchte der sowjetische Außenminister (…)
Nicht nur in den kapitalistischen Ländern werden Sozialprogramme und Staatsausgaben gekürzt. Auch die fortschrittlichen Länder der sogenannten „Dritten Welt“ können dem Druck des Weltmarktes und der militärischen Zermürbung immer weniger entgegensetzen. Ihr Handlungsspielraum wird zusehends (…)
Von der Hoffnung und den Zwängen
Vor genau 10 Jahren wurde der nicaraguanische Diktator Somoza gestürzt. Das „Neue Nicaragua“, das nach der Machtübernahme der Sandinisten als soziales Modell Hoffnungen erweckte, ist heute in die ökonomische Krise geraten. Über die Einschätzung von 10 Jahren Sandinismus lud die MOZ zur (…)
Die Vorbereitungen zur österreichisch-ungarischen Weltausstellung sind auch in Budapest voll im Gang. Die einen hoffen, auf den europäischen Zug aufspringen zu können. Die anderen befürchten den Staatsbankrott. Politische Metaphern haben das Schicksal, von den Journalisten gnadenlos (…)
Das sowjetische Imperium steht nicht nur wirtschaftlich vor dem Abgrund, sondern auch nationalitätspolitisch vor einer Zerreißprobe. Dem russischen Büren stehen über 100 scharfe Wölfe gegenüber, die sich gegenseitig zu zerfleischen drohen. Wenn das Haus eines Großen zusammenbricht werden viele (…)
Daß religiöser Fundamentalismus kein Monopol der Ayatollahs ist, macht ein Blick auf die Szene in Lateinamerika deutlich. Dort predigen evangelische Pfingstkirchen den Ärmsten das Himmelreich. Soziale Bewegungen und Befreiungskräfte werden als Teufel gebrandmarkt. Die Abendsonne versinkt (…)
„Der Kalte Krieg ist vorbei!“ schlagzeilten westliche wie östliche Medien. Gorbatschow und Bush sind einer Meinung, nämlich der des letzteren. Nach dem Gipfel von Malta scheint die Kriegsgefahr gebannt. Wenn wir den Urteilen von Politikern, Ökonomen und Medienmännern folgen, dann liegen wahrlich (…)
In Kolumbien stammt schätzungsweise die Hälfte des gesamten Geldumlaufes aus dem Drogengeschäft. Ohne die Medellin-Mafia läuft gar nichts. Die Maßnahmen der Regierung gegen das Kartell wirken hilflos und unangemessen. Kein Wunder: Die Schutzengel der Drogenbosse sitzen in Washington. Ende 1985 (…)
Die Vordenker der Moskauer Perestroika arbeiten zur Zeit an einer Neugestaltung der Beziehungen zur südlichen Halbkugel. Statt von „Imperialismus“ und „Ausbeutung“ ist nun von „ost-westlicher Interessensidentität“ und „Konfliktvermeidung“ die Rede. Die antiimperialistische Phraseologie soll (…)
Peymann begehrte mit Claudius, nicht schuld zu sein. Die ganze UN-Welt begehrte das Gegenteil, aber wußten die eigentlich, was das heißt? Siege sehen anders aus Im „Forvm“, März-Heft, prophezeite ich: „Die ‚westliche Wertegemeinschaft‘, im Grunde eine AG Kapital Global, dankt moralisch in (…)
Der politische Witz profitiert allemal von nationalen Talfahrten, er verkümmert im Aufwind des Wohlstandes. In den neuen deutschen Bundesländern, die noch vor Jahresfrist DDR hießen, fragt man heute in bitterer Selbsterkenntnis: Was ist der Unterschied zwischen Ossi und Terrorist? Antwort: Der (…)
Das vorläufige Resultat von einigen Jahrzehnten Entwicklungspolitik in Afrika war so beschaffen: Neger sind verhungert, die dortigen Staaten waren ein Teil des Weltschuldenproblems. In Somalia, und nicht nur dort, ist kürzlich aber sogar der Staat verhungert. Damit fehlt über kurz oder lang in (…)
In einem allerdings läßt Bosnien einen eher gespenstischen Rückschluß aufs Dritte Reich zu: Vermutlich hätte niemand Hitler Widerstand geleistet, wenn er sich darauf beschränkt hätte, Juden und Zigeuner auszurotten. PM. Lingens »Standard« vom 16./17.1.1993 Moral = Kriegshetze Die europäische (…)
Gegenstand weder linker noch sonstiger Kritik Chile z.B., im Jahre der Herren 94 Über dem Getöse um die diversen »Sorgenkinder« der Neuen Weltordnung, die unbedingt mit Militäreinsatz betreut werden müssen, ist das, was in den alten Hinterhöfen des Imperialismus der Normalfall ist, ziemlich (…)
Der nachfolgende Text entstand im März 1999 als Aufmacher für die Zeitschrift ÖkoLinX, Heft 30, die leider nicht erschien. Jugoslawien wird, wie der NATO-Oberkommandierende General Wesley Clark formulierte, systematisch angegriffen und verwüstet. Die Bomben der westlichen Wertegemeinschaft (…)
Eine Anknüpfung an die Beiträge „Die Folgen des NATO-Krieges gegen Jugoslawien“ (Context XXI, Nr. 3/99) und „Interesse, Gewissen und Projektion im Jugoslawienkrieg“ (Context XXI, Nr. 4-5/99) nebst einer Besprechung des Sammelbandes von Hannes Hofbauer zum Konflikt auf dem Balkan von Erinnert (…)
Die österreichische Strategie, mit der EU im Rücken, den Osten zu beglücken, leidet derzeit an den Sanktionen der europäischen Partner. Das Programm der neuen österreichischen Regierung bietet in den Bereichen Sicherheit und Bundesheer keine großen Überraschungen. Mensch spürt förmlich die (…)
Nach der Niederlage der russischen Armee im ersten Tschetschenienkrieg versucht diesmal die Regierung Putin mit einen Vernichtungskrieg gegen die tschetschenische Bevölkerung der abtrünnigen Kaukasusrepublik Herr zu werden. Die neue Kriegsführung der russischen Regierung erinnert dabei eher an (…)
Die sozialen und politischen Umgestaltungen Indonesiens lassen auch die Menschen auf Westpapua neue Hoffnung schöpfen. Während auf den Molukken, Sumatra (Aceh im Norden der Insel) oder Borneo separatistische Bewegungen den politischen Umbruch nutzen um Autonomie oder Unabhängigkeit zu (…)
Kosovo und Auschwitz
„Aus Auschwitz kann man nicht lernen, und niemand, indem er antistaatlich und antivölkisch ist und die beiden essentiellen Bestandteile der Genoziddefinition damit vermeidet, ist aus dem Schneider.“ Ilse Bindseil hat das anläßlich des Kosovo-Kriegs über „die Geburt der internationalen (…)
In ihrem Buch Empire analysieren Hardt / Negri die Umstrukturierung des Kapitalismus vom Imperialismus zum Empire. Dieses Buch führt in eine Diskussion, die sich weder auf das Beklagen der Schrecken des kapitalistischen Systems noch auf das Hochjubeln einer wie auch immer gearteten (…)
Zum ersten Mal in der Geschichte sind amerikanische Truppen auf dem Boden der ehemaligen Sowjetunion stationiert. Um den zentralasiatischen und kaspischen Raum tobt ein Machtkampf. Zwischenergebnisse eines imperialistischen Gerangels um Vormachtstellung und Rohstoffsicherung. Als die USA (…)
Ergänzungswirtschaftsraum
Die kleinere der beiden verbliebenen Teilrepubliken des nunmehr Serbien-Montenegro genannten ehemaligen Jugoslawien ist ein gutes Beispiel für den ökonomischen und politischen Zugriff Deutschlands, Westeuropas und der USA auf den Balkan, wie Alex Dajkovic auf Einladung der Ökologischen Linken (…)
Ende Jänner dieses Jahres erschien auf der rechtsextremen Homepage Wiener Nachrichten Online (WNO) ein bezeichnender Text unter dem Titel „Opernball und Antiimperialismus“. Der Autor verfügt offenbar über ausgezeichnete Kenntnisse der antiimperialistischen Szene Wiens und berichtet dort voller (…)
Auf den Kopf gestellt
Liest man die Schriften anttiimperialistischer Gruppen aller Couleur zum Irak, so fühlt man sich zurückerinnert an den Wahn, mit dem christliche Sekten Schallplatten der Beatles oder der Rolling Stones rückwärts abspielten, um einer geheimen Botschaft auf die Spur zu kommen. In etwa (…)
Robert Kurz: Weltordnungskrieg. Das Ende der Souveränität und die Wandlungen des Imperialismus im Zeitalter der Globalisierung. Horlemann Verlag, Bad Honnef 2003, 448 Seiten, EUR 19,80 Lange Jahre haben sich Robert Kurz und seine Mitstreiter und -streiterinnen von der Nürnberger (…)
Wer bin ich?
„Heute endet einer der teuersten Zeiträume in unserer Geschichte — leidvolle, mühevolle, sogar blutige Zeit der Unabhängigkeitskämpfe; eine neue Zeit beginnt — eine qualitativ andere, aber genauso wichtige Zeit,“ titelte die auflagenstärkste Tageszeitung Litauens Lietuvos rytas in ihrer Ausgabe (…)
Zwei Aufgaben gilt es parallel zu meistern: Im Innern müssen wir wieder zu einem Volk werden, nach außen gilt es etwas zu vollbringen, woran wir zweimal gescheitert sind. Klaus Kinkel, damaliger deutscher Bundesaußenminister 1993 Die Anstrengungen Deutschlands die Nachkriegsordnung zu (…)
Ein interessanter Artikel zur Lage in der Ostukraine
Ein Text eines Aktivisten von Borotba informiert über die Lage im Donbass und kritisiert jene Linke, die die Auseinandersetzung als innerimperialistische Rivalität missinterpretieren. http://alexithymian.blogspot.de/2015/08/wiktor-schapinow-marxismus-und-der.html
Der »Krisenimperialismus« ist kaum mehr auf Beherrschung aus. Ziel ist, die »Überflüssigen« von den kapitalistischen Zentren fernzuhalten Der Kapitalismus ist kein Naturding. Er ist nicht die ewige Voraussetzung menschlicher Entwicklung, wie es die herrschende Ideologie mit ihrer (…)
Russland steht geopolitisch mit dem Rücken zur Wand – und gerade dies macht das derzeitige Vabanquespiel um die Ukraine so gefährlich. Vielleicht ist das landläufige Klischee, wonach die europäischen Großmächte unbewusst, quasi schlafwandelnd in den Ersten Weltkrieg als die Urkatastrophe des (…)


