Grundrisse, Nummer 7
September
2003

Soziale Bewegungen in Österreich. Die fordistische Ordnung

Dieser Text ist Teil eines umfangreichen Projekts zur Geschichte der sozialen Bewegungen in Österreich. Wir werden in den nächsten Ausgaben der grundrisse laufend einzelne Anschnitte daraus veröffentlichen.

Die nach dem Sieg der Bolschewiki in der russischen Oktoberrevolution 1917 ausgelöste revolutionäre Welle führte nicht zur Weltrevolution, sondern zur Einkreisung der jungen Sowjetunion und zum Bürgerkrieg. Der Pragmatismus von Lenin führte über den Kriegskommunismus zur Planwirtschaft (vor 1917 hat es keine Diskussion über eine „sozialistische Wirtschaft“ gegeben), inspiriert übrigens von der Kriegsökonomie des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg (vgl. Hobsbawm 377). Nach einer zwischenzeitlichen Öffnung in der Neuen Ökonomischen Politik (NEP) wurde die Planwirtschaft das Modell für den Sozialismus schlechthin. Auch der westliche Kapitalismus führte teilweise geplante Strukturen ein. Durch den Erfolg, aus einer weitgehend agrarischen Gesellschaft einen Industriestaat zu machen, wurde die Sowjetunion zum Modell für eine Reihe von Revolutionen im Trikont (Asien, Afrika, Lateinamerika). So ähnelt sie einem „Entwicklungsregime“ (einer Diktatur zur Durchsetzung der Industrialisierung) eher als einem Sozialismus oder Kommunismus.

Gegen die revolutionäre Welle konnte sich in Europa der Nationalismus durchsetzen, weil die sozialen Bewegungen, auch die systemfeindlichen, mit nationalistischen Elementen durchsetzt waren. Das betrifft das taktische Verhalten der SozialistInnen und SozialdemokratInnen ebenso (bis zur Einteilung in fortschrittliche und geschichtslose Völker) wie die meist rassistische Politik der Gewerkschaften: eine Hauptforderung war immer Verhinderung von Zuwanderung, um die eigene Verhandlungsmacht aufrecht zu erhalten. In Europa kommt es in der Phase zwischen 1914 und 1950 zur Durchsetzung der (bis auf Ausnahmen wie die Schweiz) einsprachigen Nationalstaaten. Einzig die Sowjetunion konnte einen multinationalen Staat auf einem großem Territorium aufrecht erhalten, was mit der prinzipiell internationalistischen Sichtweise der Bolschewiki zu tun hatte. Die Verbindung der sozialen Bewegungen mit dem Nationalismus hat sich nicht nur insofern katastrophal ausgewirkt, als sich ein großer Teil der Bevölkerungen (auch der sozialistisch organisierten ArbeiterInnen) auf der Seite des jeweils eigenen Imperialismus in den Ersten Weltkrieg hetzen ließen, sondern auch danach: überall in Europa setzten sich (tendenziell) monoethnische Staaten durch – teilweise verbunden mit einem „Bevölkerungsaustausch“ (z.B. zwischen Griechenland und der Türkei in den 1920ern), was heute „ethnische Säuberung“ genannt würde. Als faschistische Antwort auf die ArbeiterInnenbewegung wurden die (auch proletarischen) Massen in „Völker“ vereinheitlicht.

Die „reformistische“ Antwort auf die revolutionäre Welle 1917 bis 1920 und die Weltwirtschaftskrise ab 1929 war zuerst in den USA der New Deal: Der Staat übernimmt eine entscheidende Rolle in der Regulierung der Ökonomie. ArbeiterInnen werden nicht nur als Arbeitskraft vernutzt, sondern auch als KonsumentInnen anerkannt, die Löhne sind so hoch, daß sich große Teile der Bevölkerung Autos oder andere Konsumgüter leisten können. In der Zeit des Wirtschaftswunders steigen die Einkommen mehr als die Inflationsrate, bleiben aber unter den Produktivitätssteigerungen durch technologische Weiterentwicklung und Umstrukturierung der Arbeit. Die soziale Absicherung außerhalb der Produktionssphäre, durch Krankengeld, Pensionen etc., bedeutet aber neben den Vorteilen für die Menschen auch die Kontrolle des Staates über alle Lebensäußerungen. Dieses System muß auf dem Nationalstaat aufbauen, denn die zur Verfügung gestellten Mittel für die Reproduktion – die (Wieder-) Herstellung von Leben - sollen in das eigene, relativ abgeschlossene Wirtschaftssystem fließen.

In Deutschland und ab 1938 in der „Ostmark“ hat der Nationalsozialismus erste Ansätze zu einer sozialstaatlichen Entwicklung gesetzt. Die Verherrlichung der Arbeit und des Staates im NS-Regime führte bereits in Friedenszeiten zu einer Anerkennung der Nachfrageorientierung der ArbeiterInnen. Großprojekte (häufig militärisch) wurden durch Schulden des Staates – in Erwartung späterer Kriegsgewinne – durchgeführt und beendeten die Arbeitslosigkeit, erste soziale Privilegien für die deutsche Bevölkerung wurden eingeführt (oder angedacht): Autobahnen, der Volkswagen für jede Familie, Urlaub und Reisen durch „Kraft durch Freude“. Die meisten Ansätze dafür wurden durch den Krieg abgebrochen, vieles von der Massenmobilität im eigenen Kraftfahrzeug bis zum Urlaub erst im „goldenen Zeitalter“ (Hobsbawm) verwirklicht.

Eine spezielle Situation hat der Nationalsozialismus in Österreich geschaffen. Durch die Vertreibung und Vernichtung der größten jüdischen Gemeinde im deutschsprachigen Raum wurde in Wien praktisch das Wohnungsproblem für die deutschösterreichischen ArbeiterInnen gelöst. [1] Auch ein großer Teil der Industrie, wie z.B. die Hermann-Göring-Werke, die spätere VOEST in Linz, wurde während des Krieges zu einem großem Teil von ZwangsarbeiterInnen errichtet. Auch wenn Teile dieser Industrien durch Kriegseinwirkungen zerstört oder beschädigt wurden, bildeten sie die Grundstruktur für das Wirtschaftswunder ab den 1950ern (vgl. Jacob 2000, S. 22ff). Der Wiederaufbau basierte nicht nur auf der Arbeit der „österreichischen“ Bevölkerung, sondern auch auf der Vernichtung durch Arbeit unter dem Nationalsozialismus. [2] Durch den Mythos, daß Österreich das erste „Opfer“ des Nationalsozialismus gewesen sei und die Verstaatlichung der arisierten und der neu errichteten Industrien konnten Demontagen durch die Alliierten teilweise verhindert werden. Dieses Profitieren der österreichischen Bevölkerung erklärt, warum in der Öffentlichkeit so hartnäckig über die eigene Vergangenheit geschwiegen wurde. Im Familienkreis und am Stammtisch wurde darüber gesprochen, daß „der Hitler ja die Arbeitslosigkeit beendet und die Autobahnen gebaut hätte“.

Nach dem Krieg war der Marshall-Plan und damit die Förderung des fordistischen [3] Wirtschaftssystems in Westeuropa auch eine Antwort auf die „kommunistische Bedrohung“. Der Machtbereich der Sowjetunion hatte sich über große Teile von Ost- und Mitteleuropa ausgedehnt. In Italien und Frankreich drohten demokratische Wahlsiege durch große kommunistische Parteien, wie es überhaupt durch die prekäre soziale Lage zu Unruhen und Streiks kam. In Europa konsolidiert sich die Aufteilung zwischen West und Ost, entlang den Abmachungen zwischen Stalin, Churchill und Roosevelt und weitgehend unabhängig von kommunistischen und/oder revolutionären Bewegungen.

Ausgehend von den USA dominierte eine Politik der Eindämmung des „Kommunismus“, die Luftbrücke nach Berlin gegen die sowjetische Blockade wurde durchgeführt, von 1950 bis 1953 dauerte der Koreakrieg und immer wieder wurden Diktaturen und reaktionäre Regimes gegen den (vermeintlichen) Vormarsch des Kommunismus unterstützt. Der „reale Sozialismus“ hatte weitgehend vom Weltmarkt abgeschlossene Wirtschaftsräume geschaffen, und es zeigte sich eine ähnliche Tendenz in einem Teil der neuen Staaten, die von den alten Kolonialreichen in die Unabhängigkeit entlassen wurden. Der Kapitalismus stieß an seine Grenzen, ihm blieb nur noch die Entwicklung nach innen.

Diese Begrenzung wurde so gemeinsam mit der kommunistischen Bedrohung der Motor des Wirtschaftswunders. Um die Bevölkerungen, besonders die ArbeiterInnen zufrieden zu stellen, wurden sie nicht nur als auszubeutende Arbeitskraft gesehen, sondern sie bildeten auch neue Märkte nach innen. Die Entwicklung der Konsumgüterindustrie erlaubte Wachstumsraten der Wirtschaft, wie sie nie in der kurzen Geschichte des Kapitalismus vorgekommen sind. Gegen Ende der 1950er wurde das für große Teile der Bevölkerung in Westeuropa spürbar, die Bedrohung durch „Arbeitslosigkeit“ wich einem Arbeitskräftemangel.

Die Geschlechterordnung

Wie der Nationalismus erreicht auch die geschlechtliche Arbeits- und Rollenverteilung, das „Familienmodell“ [4] einen Höhepunkt im Fordismus. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ist die Geburtenrate stetig zurückgegangen, in den 1940ern schnellte sie steil in die Höhe (das bedeutete eine Umkehrung eines zweihundertjährigen Trends, Tyler May 1999, S. 383). Verbunden war das mit einer Phase, in der Popularkultur und politischer Diskurs um Familienwerte kreisten (Tyler May 1999, 584), es führte zum so genannten Baby-Boom und einer Tendenz zur frühen Heirat. In den USA begann diese Phase direkt bei Kriegsende und dauerte ungefähr bis 1965. Auch in Österreich hat es eine ähnliche Entwicklung gegeben, war die Fruchtbarkeitsrate (eine rechnerische Größe, die angibt, wieviele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens zur Welt bringt), 1934 bei 1,6 (Hausa 1980, S. 103), 1937 bei 1,55, stieg sie 1951 das erstemal über zwei (2,02), stieg von da an immer an (1954: 2,15, 1957: 2,57, 1960: 2,69), erreichte den Höhepunkt 1963 mit 2,82 und sank dann kontinuierlich ab (1966: 2,66, 1969: 2,49 – Zahlen nach Faßmann 1995, S. 401).

In der revolutionären Phase vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1920er und 1930er Jahre hat es Versuche gegeben, aus der herrschenden Geschlechterordnung auszubrechen: die erste Frauenbewegung (bürgerlich und proletarisch-sozialistisch), die erste Homosexuellenbewegung (Magnus Hirschfeld), Diskurse über Sexualität von der Psychoanalyse und Wissenschaft bis hin zu Frauenzeitschriften. Durch die Kriegszeiten sind viele Frauen auch in männliche Berufe gekommen, aber nach dem Ende des Krieges, als viele Männer aus der Gefangenschaft zurückkommen, setzt sich die Familienideologie als dominierend durch.

Im bäuerlichen Patriarchat und in den kleinbürgerlichen Familienbetrieben hat es keine Trennung zwischen Haushalt und Betrieb gegeben. Männer und Frauen führten (teilweise) verschiedene Arbeiten am gleichen Ort aus. (Prost 1999,, S. 23ff) Die Machtverteilung war patriarchal, Männer hatten die Entscheidungsgewalt über Frauen und Kinder, die Arbeit erschien aber für beide Geschlechter gleich schwer. [5] Privatheit gab es nicht, sie war ein Privileg der Reichen, des Bürgertums. In den Städten fand die Vermischung zwischen öffentlichem und privatem Leben an der Schwelle zwischen Haus und Straße statt, die Wohnungen waren zu klein und zu überfüllt, um dort zu leben (Prost 1999, S. 18). Auch im frühen Kapitalismus, in den „alten Fabriken“ gibt es keine Privatheit: ArbeiterInnen hatten keine eigene Wohnung, sie wohnten (oder besser schliefen) zu einem großem Teil in Nebengebäuden oder in angrenzenden Internaten (vgl. Prost 1999, S. 33ff). Diese Lebenssituationen führten nicht gerade zu einer bürgerlich-gesitteten Lebensweise. Sowohl die Frauenbewegung wie die ArbeiterInnenbewegung verwendeten als AufklärerInnen den „sittlichen Verfall“ als Argumente für ihre Forderungen nach Gleichheit und Gerechtigkeit.

Wurden in der ersten Phase des Kapitalismus Männer, Frauen und Kinder aus den nicht kapitalistischen Sektoren angesaugt (weil die bäuerliche Überlebensstrukturen zerstört wurden oder weil die Menschen aus der Enge des Patriarchats flüchten wollten) und wieder auf die Straße gesetzt, wenn sie nicht mehr gebraucht wurden, so kommt es durch Revolten und Kämpfe und die sich später herauskristallisierende ArbeiterInnenbewegung zu ersten Elementen der Reproduktion. Die ersten Sozialversicherungen wurden organisiert, Frauen- und Kinderarbeit eingeschränkt.

Der revolutionäre Aufbruch in der Geschlechterfrage Anfang des 20. Jahrhunderts geht dann zu wenig weit, außer in Randbereichen setzt sich die Moral der herrschenden Strukturen durch. Die Anerkennung der ArbeiterInnen als Subjekte nach Revolution, Krise und Kriegen führte nicht nur zu hohen Löhnen und Sozialleistungen zur Sicherung der Reproduktion außerhalb des Arbeitsplatzes, sondern die Institution Familie bekommt ab diesem Zeitpunkt die entscheidende Funktion zur Herstellung, Wiederherstellung, aber auch zur Organisation des Lebens außerhalb der Fabrik. Bezeichnenderweise wurden gerade in der „fortschrittlichen“ Phase des New Deal in den USA die Frauen durch staatliche Maßnahmen von ihren Arbeitsplätzen verdrängt (in die sie übrigens kurz darauf wegen des Zweiten Weltkrieges wieder einrücken mussten, Tyler May 1999, S. 575ff).

Mit dem Familienmodell wurde das erste Mal die ganze Gesellschaft der Organisation des Kapitalismus unterworfen. Früher war das „Leben“ außerhalb der Gewinnung von Wert durch Arbeit einfach „unkontrolliert“ vorhanden, andere Produktionsweisen wurden über den Handel in den Kapitalismus eingebunden, das Leben außerhalb der Verwertung wurde entweder verdrängt oder in den Kapitalismus eingesaugt (als „Proletarisierung“). Jetzt wird die Familie von kapitalistischen Institutionen propagiert, ExpertInnen versuchen sie zu formen und zu beeinflussen. Wurde vorher aus dem Meer von Leben und Überleben geschöpft, so ist jetzt die Reproduktion Teil der Ordnung des Kapitalismus. Die hohen Löhne, die aus dem Widerstand und den Kämpfen der ArbeiterInnen und der kommunistischen Bedrohung entstanden sind, werden jetzt als Familienlöhne definiert, der Mann bekommt die „Ernährerfunktion“. Ein „verkehrter“ Diskurs setzt sich durch, nicht die Frau im Haushalt ist die Ernährerin, sondern der Mann, der den abstrakten Wert, das Geld zur Verfügung stellt. Die Frau verschwindet im Haushalt, sie wird nur über den Mann definiert. Die eintönige Arbeit, z.B. am Fließband, wird bei entsprechend hohen Löhnen akzeptiert, weil die Freizeit zugenommen hat und die Familie zu einer Insel der Entspannung und Erholung wurde (Tyler May 1999, S. 562). Die Frau wird für das „angenehme Klima“ in der Familie verantwortlich. Hausa (1980, S. 110) zitiert eine Fessel-Studie von 1972, wo die Frauen als ihre Aufgaben neben dem Haushalt und der Erziehung der Kinder die Aufrechterhaltung des Zusammengehörigkeitsgefühls und der Familienatmosphäre sehen.

Das Familienmodell konnte allerdings nur so stabil sein, weil es auch „von unten“ und nicht nur von Männern gewünscht wurde. Der Wunsch nach Selbstbestimmung und Sexualität förderte den Wunsch nach Privatheit. Da durch die geschlechtliche Arbeitsteilung, die ja schon vorher bestand, die Hausarbeit von Frauen gemacht wurde, und so entweder zu Doppelbelastung oder zur Verwahrlosung der ArbeiterInnen und Kinder führte, entstanden natürlich Wünsche nach Entlastung von einer Seite her. Die „Linke“ stand der Konstituierung und Ideologisierung der Familie nicht entgegen. Die geordneten Verhältnisse der bürgerlichen Familie wurden ein Idealbild der aus dem Schmutz, dem Nicht-Privaten, dem „Unsittlichen“ kommenden Proletarierfrauen. [6]

War die romantische Liebe ein Diskurs im BürgerInnentum (die Ehe der Unterklassen war meist zufällig und zweckbestimmt [7]), wurde (nach Tyler May 1999, S. 567 in den USA um 1890) der Wunsch immer größer, Ehe und Liebe zu verbinden. Durch das Entstehen der Massenkultur, beginnend mit Liebesromanen, fortgesetzt durch Filme setzte sich dieser Wunsch nach der romantischen Liebe bei größeren Teilen der Bevölkerung durch.

In den 1950er erreichte die Familie als Modell für die Reproduktion der Arbeitskraft (durch Kindererziehung und Ernährung des Mannes) und als Insel der Erholung sowohl in den USA wie in Westeuropa seinen Höhepunkt. In den USA wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die Kindheit idealisiert, aber auch der Vater bekam eine neue Rolle, er wurde erst als Vater zum richtigen Mann (nicht wie in der bürgerlichen „viktorianischen“ Familie des 19. Jahrhunderts, wo der Vater nur machtausübender Patriarch war, Tyler May 1999, S. 586ff). In Österreich wurde die autoritär-patriarchale Struktur, gefördert durch die katholische Kirche, aber auch durch den Nationalsozialismus aus der bäuerlichen und kleinbürgerlichen Großfamilienstruktur auf die Kleinfamilie übertragen. Das durchzieht dann alle Schichten der Gesellschaft, BürgerInnen, KleinbürgerInnen, ArbeiterInnen, Angestellte, auch die BäuerInnen.

Modellhaft ausgedrückt bedeutet diese grundsätzliche Struktur, daß die Männer in ihrer Jugend in den Arbeitsprozess eintreten und dann (meist in der gleichen Firma) bis zur Pension arbeiten. Frauen arbeiten in ihrer Jugend bis zur Heirat oder zumindest bis das erste Kind da ist und scheiden dann aus dem Erwerbsleben aus (vgl. Cyba 1995, S. 439). An den Arbeitsplätzen gibt es weitgehend geschlechtliche Segregation, bestimmte Branchen wie z.B. die Textilindustrie sind typisch weiblich, ebenso ein großer Teil des Dienstleistungssektors (Gesundheitswesen, Körperpflege, Lebensmittel). Führungspositionen sind meist mit Männern besetzt. Die geschlechtliche Segregation setzt sich auch in anderen Institutionen der „Disziplinargesellschaft“ fort, im Gefängnis, in der Schule beginnt die Koedukation in der Oberstufe erst Anfang der 1970er Jahren. Auch Jugendgruppen sind in ihrer Freizeitgestaltung teilweise geschlechtlich getrennt.

Die Freizeit wird als Erholung von der Arbeit definiert und scheint mit der Arbeitszeitverkürzung und der Verlängerung der Urlaubszeit immer mehr zuzunehmen. 1950 arbeiteten unselbstständig erwerbstätige Männer durchschnittlich 50 Stunden pro Woche, 1959 wurde der 45-Stunden-Tag eingeführt, der aber konjunkturbedingt noch keine Auswirkung auf die Steigerung der Freizeit hatte, weil er durch Überstunden kompensiert wurde. Erst 1969 wurde per Kollektivvertrag der Übergang zur 40-Stunden-Woche und damit die 5-Tage-Woche bis 1975 eingeführt. Nach Fischer-Kowalski (1980, S. 201) hat die durchschnittliche Freizeit im Bevölkerungsdurchschnitt 1965 im Vergleich zu 1935 abgenommen: 1935: zwischen 4,9 und 6,8 von 24 Stunden, 1965 zwischen 2,3 und 6,2 Stunden. Das liegt an einer leichten Zunahme der Arbeitszeit und Arbeitsnebenzeiten (1935: 3,5 bis 4,2 Stunden, 1965: 4,1 bis 5,0 Stunden - das hat mit den Überstunden in der Hochkonjunktur, aber auch mit einer Steigerung der Fahrtwege als Arbeitsnebenzeit zu tun), besonders aber an einer starken Zunahme der aufgewendeten Zeit für den Haushalt (1935: 1,5 bis 2,9 Stunden, 1965: 3,5 bis 4,9). Durch die Rollenverteilung und die Bindung ans Haus fällt der Haushalt vollkommen den Frauen zu, die Freizeit zu einem maßgeblichen Teil den Männern (Fischer-Kowalski 1980, S. 206). Die Benutzung von Haushaltsgeräten hat die Frauen somit nicht entlastet. Abgenommen hat bis Mitte der 1960er nur die Zeit für die Zubereitung der Mahlzeiten und die Instandhaltung der Kleidung, zugenommen haben die Einkaufszeiten und auch die Wartung der größeren Anzahl von Haushaltsgeräten (Fischer-Kowalski 1980, S. 198). Wahrscheinlich haben sich aber auch die Ansprüche an Sauberkeit, Anpassung an Moden und ähnliches geändert.

Der Freizeitbereich ist teilweise segregiert, es gibt die männlich dominierten Vereine, während die Freizeit der Frauen meist „mit der Familie“ verbracht wird. Insbesonders für junge Burschen und Mädchen gibt es gemischte Bereiche, bedeutend sind in diesem Zusammenhang Jugendorganisationen, die Heimabende und gemeinsame Veranstaltungen wie Ausflüge oder kulturelle Ereignisse organisierten. Im Laufe der Zeit kommt es zu einer größeren Individualisierung, öffentliche Orte, Cafés und Tanzlokale, teilweise aber auch das Schwimmbad oder sonstige Freizeiteinrichtungen werden die bedeutenderen Treffpunkte, die beinahe als „Heiratsmarkt“ bezeichnet werden könnten. Um die heterosexuelle Anziehung zu fördern, wurde dort die Maskerade der Geschlechtlichkeit am stärksten forciert.

Obwohl die (Kern)-Familie, wie oben beschrieben, erst seit kurzem existierte, erschien sie als völlig „natürlich“. Allerdings, kaum, daß sie entstanden ist, wird sie durch die kapitalistische Entwicklung in Frage gestellt. Die Suche nach neuen Märkten und die Anerkennung der Frau als Konsumentin (wenn auch für „frauenspezifische“ Artikel wie Haushaltsgeräte, Kleidung und Kosmetik) schafft auch neue Bedürfnisse, die dann auch mit eine Grundlage für den folgenden Aufbruch der Frauen sind, für den Aufbruch des Feminismus der zweiten Frauenbewegung.

Von 1968 ist oft von einer antiautoritären Revolte gegen die Familie die Rede, weil die Ansprüche und die Wirklichkeit auseinanderfallen. Meist war der Kampf gegen die Familie nur Pose, während die Hauptfeinde der Antiautoritären die Institutionen der Disziplinargesellschaft (Heime, Psychiatrie etc) waren. Gerade in Österreich hatte der Kampf gegen die Disziplinierung in den Mittelschulen, gegen autoritäre LehrerInnen, zu einem gar nicht so kleinem Teil noch alte Nazis, eine größere Bedeutung als der „Kampf in der Familie“. Es waren zu einem Teil die Kinder aus liberalen Familien, die sich wegen der teilweisen Unterstützung der Eltern gegen verkrustete und veraltete Institutionen wehren konnten. Wenn sich ein Widerspruch ausgewirkt hat, dann der zwischen der strengen Sexualmoral in den Familien und dem „Sex“ als zu konsumierenden Produkt – von Filmen bis zu Büchern und Zeitschriften. Die Zersetzung der Familie erfolgte weniger durch den Kampf in der alten Familie als durch den Versuch der nachfolgenden Generationen, andere Lebensprojekte auszuprobieren.

Die Verstaatlichung der ArbeiterInnenklasse

Die Anerkennung der organisierten ArbeiterInnenbewegung (in Österreich die SPÖ und der ÖGB) ist entscheidend für die Konstitution des Nachkriegskapitalismus in den Industriestaaten. In der Zwischenkriegszeit hat ein unversöhnlicher Gegensatz zwischen den beiden „Lagern“, dem sozialistischen und dem katholischen bestanden, was in der Zerschlagung der (noch teilweise) legalen Sozialdemokratie im Februar 1934 seinen Höhepunkt erreichte. Die politische „Gesinnung“ oder „Weltanschauung“, wie es damals hieß, war in den sozialen und regionalen Strukturen verankert. So hat es in Wien typische Bürgerbezirke und typische Bezirke der ArbeiterInnen gegeben. Politische Traditionen wurden über die Generationen weitergegeben. Die Errichtung von Gemeindebauten in der Zwischenkriegszeit verstärkte diese Strukturen noch, soziale Zusammenhänge außerhalb der Arbeitszeit waren mindestens genauso wichtig wie der Zusammenhang der ArbeiterInnen in den Fabriken.

Der Nationalsozialismus hatte als Ziel, diese sozialen Strukturen zu zerschlagen und die Menschen – unter Verwendung der Kommunikationsformen der ArbeiterInnenbewegung wie Aufmärsche und Fahnen – in eine nationale Einheit zu formen. Die Individuen sollten allein dem (deutschen) Staat untergeordnet werden. Einerseits wurden Familien gefördert, anderseits funktionierte die Jugendorganisation, die Hitlerjugend als Instrument zur Konstitution des „Volkes“. Die Situation der Nachkriegszeit zeigte aber, daß ihnen das nicht gelungen war. Nach dem Sieg der Alliierten bestanden die gleichen sozialen Zusammenhänge, die gleichen „Lager“, nur die vertriebenen und vernichteten JüdInnen als Kern eines bürgerlichen Liberalismus waren nicht mehr da und werden auch nicht mehr kommen. Auch die massiven demographischen Umwälzungen in den ersten Nachkriegsjahren durch Flüchtlinge änderten nichts an dieser Situation, hunderttausende von Displaced Persons wurden in Barackenlagern und Stadtrandsiedlungen gettoisiert. [8]

Während die sozialen Trennungen aus der Zwischenkriegszeit aufrecht blieben, suchten die Eliten der beiden großen Parteien ÖVP und SPÖ, bis 1947 auch die KPÖ, die Zusammenarbeit. Die Angst vor revolutionären Umwälzungen wie nach dem Ersten Weltkrieg waren groß wie auch unbegründet, u.a. weil die antagonistischen Auseinandersetzungen von der pragmatischen Politik der KPÖ und der internationalen Politik Stalins gezähmt wurden. Die Angst vor dem Kommunismus und die Erfahrungen aus der Weltwirtschaftskrise 1929 führten zur großen Koalition, die bis 1966 andauerte, aber auch zu den Elementen einer „Planwirtschaft“ – das bedeutete in der damaligen Diskussion nicht das Modell des „realen Sozialismus“, sondern nur die Verstaatlichung zentraler Sektoren der Wirtschaft, wie sie die SPÖ vertrat (Deutsch 1979, S. 56ff) oder eine „gelenkte Wirtschaft“ von Seiten der ÖVP (Deutsch 1979, S. 68ff). Die Verstaatlichung großer Teile des Bergbaus, der Maschinen- und Metallindustrie, des Fahrzeugbaus, der Elektroindustrie und der chemischen Industrie am 19. Juli 1946 wurde aber auch zur Verhinderung – insbesonders sowjetischer – Demontageabsichten durchgeführt. Ein großer Teil dieser Grundstoffindustrie wurde unter den Nazis von ZwangsarbeiterInnen errichtet und bildete damit die Grundlage für den nachfolgenden Boom als Zulieferer für die in Westeuropa entstehende Konsumgüterindustrie.

Der ÖGB wurde 1945 als Einheitsgewerkschaft (sozialistisch, christlich und kommunistisch) von oben gegründet, konnte sich aber sehr schnell gegenüber den ArbeiterInnen etablieren. Die sozialen Unruhen in den ersten Jahren des Krieges waren von der schlechten Versorgung und der Mangelwirtschaft geprägt. „Hungerstreiks“ für eine angemessene Versorgung erreichten um 1947 einen Höhepunkt, immer wieder hat es Tumulte auf den Märkten und Forderungen nach Preiskontrollausschüssen gegeben. Ab 1947 stimmte der ÖGB den (ab dann jährlichen) Lohn-Preis-Abkommen zu: die Gewerkschaften verpflichteten sich zu einer moderaten Lohnpolitik, die Wirtschaftskammer zu einer Beschränkung der Preiserhöhungen. Da sich die UnternehmerInnen nicht disziplinieren ließen, kommt es immer wieder zu Unmut in der Bevölkerung. So gibt es sowohl 1948 wie 1949 Streiks und Krawalle.

1950 kam es, ausgehend von Oberösterreich, zu spontanen Streiks und Demonstrationen gegen das vierte Lohn-Preis-Abkommen. In der VOEST (im damaligen amerikanischen Sektor) waren für die entqualifizierten Arbeiten besonders viele DPs und Flüchtlinge beschäftigt, die noch nicht gewerkschaftlich diszipliniert waren. Dort und in der SPÖ-Hochburg Steyr begann 26. September 1950 die mehrtägige Streikbewegung. Bei Demonstrationen in Wien wurden mehrere Polizeikordons durchbrochen. Obwohl diese Bewegung immer als kommunistischer Putschversuch denunziert wurde, kamen die Streiks auch der sowjetischen Verwaltung nicht gelegen, weil jeder Streiktag sehr viel Geld koste, wie der KP-Leitung vermittelt wurde (vgl. Spira 1979, S. 16). Schon am zweiten Tag, gerade als die spontane Bewegung ihren Höhepunkt erreichte, beschloß eine KPÖ-dominierte Versammlung eine gesamtösterreichische Betriebsrätekonferenz für den Samstag, den 30. September und die Aussetzung des Streiks. Dadurch wurde die spontane Bewegung abgewürgt. Die Arbeit wurde besonders in den KP-dominierten Betrieben im sowjetischen Sektor wieder aufgenommen, während in Oberösterreich weiter gestreikt wurde. Die Betriebsrätekonfernez am 30. beschloß ein Ultimatum zur Zurücknahme des Lohn-Preisabkommens bis 3. Oktober, sonst würde weitergestreikt. Am 4. Oktober befolgten fast nur noch die KommunistInnen die Streik- und Demonstrationsaufrufe, in Oberösterreich wurde die Arbeitsaufnahme durch die Gendarmerie mit aufgesteckten Bajonetten erzwungen. In Wien und Niederösterreich machten die Schlägertrupps („Fünfzig-Schilling-Manderl“) des Führers der Bau- und Holzarbeitergewerkschaft Franz Olah Jagd auf KommunistInnen und zerschlugen Blockaden der ArbeiterInnen. Es zeigte sich, daß keine Bewegung außerhalb des Rahmens des Kalten Krieges möglich war.

Durch die Niederschlagung des 1950er-Streiks hat sich der ÖGB als Vertretung der ArbeiterInnen etabliert, was nicht bedeutet, daß damit schon die „Sozialpartnerschaft“ begonnen hätte. Auch nach dem letzten Lohn-Preis-Abkommen 1951 vertrat der ÖGB eine „vorsichtige Lohnpolitik“ zur Stabilisierung der Währung und der österreichischen Zahlungsbilanz. Ab 1953 war Österreich das erste Mal gezwungen, ohne Auslandshilfe auszukommen (Klenner 1979, S. 1996). Nach dem Ende der Boom-Phase zur Zeit des Koreakrieges 1950 bis 1953 (die kriegsbedingt hohen Staatsausgaben durch die USA bewirkten eine erhöhte Nachfrage nach Gütern in Europa uns Japan) war der wirtschaftliche Einbruch in Österreich nicht so groß, weil die Bundesrepublik Deutschland als Konjunkturlokomotive zu laufen begann. Trotzdem erreichte die Arbeitslosigkeit im Winter 1954 das größte Ausmaß in der zweiten Republik. Der Raab-Kamitz-Kurs von 1953 bis 1957 der Bundesregierung, [9] der als Ziel einen ausgeglichenen Staatshaushalt hatte, wurde vom ÖGB nicht bekämpft – der ÖGB erwies sich als staatstragend, das nationale Interesse war ihm immer wichtiger als die „Einzelinteressen“ der ArbeiterInnen. [10] Trotz der gewerkschaftlichen Forderungen nach der Fortsetzung der Zusammenarbeit wie zur Zeit der Lohn-Preis-Abkommen (das 1951 eingeführte Wirtschaftsdirektorium wurde 1954 wieder abgeschafft), wurde die Paritätischen Kommission erst am 27. März 1957 konstituiert. Dieses Organ musste zu konsensualen Ergebnissen kommen und hatte hauptsächlich über Lohn- und Preiserhöhungen zu beraten (Klenner 1979, S. 2017), die dann erst von den entsprechenden Organen beschlossen werden sollten. Wobei der ÖGB mit einer „latenten Unruhe“ 1956 gegen den Preisauftrieb drohen kann (Klenner 1979, S. 2007: „Eine weniger verantwortungsbewußte Führung hätte die latente Unzufriedenheit zu übermäßigen Lohnforderungen genutzt und dadurch die Wirtschaft schwer gefährdet.“ – tatsächlich weist die Streikstatistik des ÖGB 1956 als Spitzenjahr zwischen 1950 und dem Beginn der 1960er aus. Am 1. Februar 1959 tritt die 45-Stunden-Woche in Kraft, der ÖGB sieht sich in Zusammenhang mit der Paritätischen Kommission als Motor der Produktivitätsentwicklung (Klenner 1979, S. 2026: die Wirtschaft soll die Arbeitszeitverkürzung nicht auf die Preise aufschlagen, sondern eine Kompensation „durch entsprechnede Produktivitätssteigerungen, betriebliche Rationalisierungen und Umstellungsmaßnahmen“ zu erreichen [11]).

Ab 1959 geriet die Paritätische Kommission in eine Krise, die Gewerkschaft wollte an mehr planenden Maßnahmen der Wirtschaft beteiligt sein. Der ÖGB kritisierte den Preisauftrieb durch die Konjunktur zu Beginn der 1960er, die Nachfrage stieg stärker als die Güterproduktion (Klenner 1979, S. 2035). Am 28. Dezember unterzeichneten der damalige Chef des ÖGB, Franz Olah und der Alt-Bundeskanzler und Präsident der Bundeswirtschaftskammer Julius Raab von der ÖVP ein Abkommen, das dann als Raab-Olah-Abkommen bekannt werden sollte. Es war vor allem als Belebung der Paritätischen Kommission gedacht, sollte diese durch Konstituierung eines Unterausschusses entlasten und legte Bedingungen für die Anwerbung von „Fremdarbeitern“ fest (Klenner 1979, S 2126ff). Bis auf die Anwerbung von AusländerInnen funktionierte die Sozialpartnerschaft noch nicht, sowohl Olah wie auch Raab waren in ihren eigenen Parteien umstritten, in der Öffentlichkeit wurde darüber diskutiert, daß die beiden eine „Nebenregierung“ bilden wollten (Klenner 1979, S. 2039). Olah war im Herbst 1961 als Nationalratsabgeordneter zurückgetreten, nachdem SPÖ und ÖVP das Budget für 1962 beschlossen haben, ohne ÖGB-Forderungen (Olah: „...sozial gerechtfertigte Wünsche der Arbeiter, Angestellten und Beamten..“) zu berücksichtigen (Klenner 1979, S. 2254ff). Klenner (1979, S. 2256) sieht das in Zusammenhang mit Bemühungen um das Zustandekommen einer kleinen Koalition zwischen SPÖ und FPÖ, dessen Proponent Olah war, meint aber auch, daß die Verhandlungen mit Raab ohne Rücksprache im ÖGB passiert seien.

Obwohl am 4. April der Nationalrat die Maßnahmen des Raab-Olah-Abkommens bestätigt, bedeutet das nicht, daß es keine Unruhe in den Betrieben gegeben hätte. Es hat immer wieder Schwierigkeiten gegeben, „....den Gewerkschaftsmitgliedern die Ergebnisse von Abschlüssen klarzumachen und ihre Zustimmung zu erreichen.“ (Klenner 1979, S. 2061). So kommt es im Frühjahr 1962 zum größten Streik der Zweiten Republik, 200.000 Metall- und BergarbeiterInnen streikten vom 9.Mai bis zum 13. Mai, um arbeitsrechtliche Verbesserungen des Kollektivvertrages zu erreichen. Ein Streik der Exekutive verursacht am 2. August 1962 ein Verkehrschaos, ein größerer Streik konnte mehrmals „nur mit Mühe“ (Olah) verhindert werden (Eppel, Lotter 1980, S. 314). Am 8.Oktober 1963 wurde der Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen gebildet, der die wirtschaftliche Entwicklung weiter beeinflussen sollte. Die Grundlagen für die funktionierende Sozialpartnerschaft wurden gelegt, aber noch keineswegs verwirklicht. Der ÖGB legte 1964 zwar eine halbjährliche Lohnpause ein, „um die wirtschaftliche Entwicklung nicht zu gefährden“, aber 1965 kommt es durch einen Warnstreik bei Post und Eisenbahn zur dritthöchsten Anzahl an Streikstunden. Ab 1966 ist es mit größeren Streiks in der Zweiten Republik vorbei, die organisierte ArbeiterInnenklasse kann ab da als in die Wirtschaft integriert, als verstaatlicht gelten. [12]

Es besteht der Mythos, daß der ÖGB hauptsächlich Streiks verhindert hätte. Das stimmt zumindest für die Zeit vor 1966 nur teilweise. Eher ist es so, daß die gewerkschaftlichen Funktionäre Unruhe unter den Mitgliedern ausnützten, um in die entscheidende Funktion zur Lenkung der Wirtschaft zu kommen, im Sinne des Nationalstaats genauso wie im Sinne der „ArbeitnehmerInnen“. Karlhofer (1983, S. 34) stellt richtig fest, daß der ÖGB Streiks dann inszenierte (oder auch unterstützte), wenn es den UnternehmerInnen schadete, aber es wurde immer das Gesamtinteresse im Auge behalten. Karlhofer sieht die sozialpartnerschaftlichen Steuerungsinstanzen als Ursache für eine Minimierung der Streikquote: „So fallen etwa die beiden Jahre 1957 (Schaffung der Paritätischen Kommission) und 1963 (Installierung des Wirtschafts- und Sozialbeirats), verglichen mit dem Vorjahr, als besonders streikarme Jahre auf. Die Streikstatistik der Zweiten Republik ist daher in einem hohem Ausmaß als Indikator für die Wirksamkeit sozialpartnerschaftlicher Konfliktsteuerung anzusehen.“ (1983, S. 36 [13]) Diese Beobachtung stimmt nur teilweise, die Streikbeteiligung in diesen streikarmen Jahren sind um oder nur wenig unter dem Durchschnitt der meisten Jahren. Es scheint eher so zu sein, dass Abkommen immer nach besonders unruhigen Jahren abgeschlossen wurden, der ÖGB also den Druck der Streiks für seine gewünschte Teilhabe an der Wirtschaftslenkung ausnützen konnte:

Streikstunden (Klenner 1979, S. 2737) [14]:

1951 677.452
1952 602.758
1953 304.817 Höhepunkt der Arbeitslosigkeit
1954 410.508
1955 464.167
1956 1,227.292
1957 364.841 Paritätische Kommission
1958 349.811
1959 404.290
1960 550.582
1961 911.025 Raab-Olah-Abkommen
1962 5,181762
1963 272.134 Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen
1964 283.588
1965 3,387.787
1966 570.846
1967 131.285
1968 53.365
1969 148.139

In dem Punkt hat Karlhofer recht, daß nicht mehr explizit ökonomische Faktoren für die Streiktätigkeit maßgeblich sind. Sind die Gewerkschaften (und linke Parteien) in früheren Phasen nur als GegnerInnen gesehen worden, die durch ökonomischen Druck etwas erreichen konnten, so sind die ArbeiterInnen über die Bürokratien zum Transmissionsriemen im staatlichen Gesamtinteresse geworden. Sie sind notwendig, um das Gesamtinteresse auch gegen kapitalistische Einzelinteressen durchzusetzen. Ihre typische Machtausübung ist die geordnete Massenmobilisierung. Dauerten in der Zwischenkriegszeit Streiks relativ lange bei relativ geringer Beteiligung, so sind Streiks in der Zweiten Republik kurz, aber mit großer Beteiligung (Karlhofer 1983, S. 32). Wurden früher meist einzelne Unternehmen bestreikt, so sind es jetzt Streiks um Verträge in einer gesamten Branche. Sie sind auch viel häufiger erfolgreich, enden meist in formalen Abschlüssen oder Kompromissen. Die jetzt diskutierten Zahlen betreffen natürlich nur die gewerkschaftlich anerkannten Streiks, nach Angaben von Karlhofer hat es immer das gleiche Ausmaß an „wilden“ Streiks gegeben, sie finden also auch in der Zeit nach 1966 statt, wo die Zahl gewerkschaftlicher Streiks rapide abnimmt. „Wilde“ Streiks entstehen aus lokalen Ungerechtigkeiten und sagen nichts aus über die Integration der ArbeiterInnenklasse in den kapitalistischen Staat. [15] Mit der Integration von linken Parteien und Gewerkschaften in den fordistischen Staat und die Anerkennung als „Motor“ der Produktivität, der mit ausgehandelten Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen funktioniert, ohne von Streiks und Demonstrationen gestört zu werden, haben sie ihre größte Macht erreicht. Durch die weiter steigenden Einkommen ist die Unruhe in den Betrieben gering, SPÖ und ÖGB führten 1969 ein Volksbegehren für die Einführung der 40-Stunden-Woche durch, nach langen Verhandlungen wurde das Gesetz zur schrittweisen Einführung am 11. Dezember 1969 noch unter der ÖVP-Regierung verabschiedet, wenige Monate vor den Nationalratswahlen, die Bruno Kreisky für die SPÖ knapp gewann und die ÖVP für sechzehn Jahre in die Opposition verbannte.

In den 1960ern verändert die zunehmende Privatisierung des Lebens und Individualisierung die Strukturen der Bevölkerung. Die Identifikation mit einer „ArbeiterInnenklasse“, die sozialen Zusammenhänge, in die die Menschen in ihren Wohnvierteln eingebunden waren, wurde immer schwächer. Mann oder Frau wird Parteimitglied, weil eine Wohnung gebraucht wird oder sonstige Leistungen. Das gleiche gilt für die Gewerkschaften, die auch immer mehr Serviceorganisation wird. Selbst Lohnerhöhungen und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen werden teilweise individuell gesucht. Die Vollbeschäftigung gewährleistet, daß sicher wieder ein Job gefunden wird, was auch Druck auf die Unternehmen ausübt. Die „Lohndrift“ in Richtung höherer Löhne wird wichtiger als Kollektivverträge, 1970 erreicht die Bruttolohndrift mit 4,2% den höchsten Wert (Klenner 1979, S. 2725). [16] In Österreich scheiterten die Versuche der studentischen Linken kläglich, Kämpfe gemeinsam mit ArbeiterInnen zu führen. Anfang 1966 sollte das Raxwerk in Wiener Neustadt reprivatisiert werden, die ArbeiterInnen wehrten sich mit einem Streik, der VSStÖ hielt ein Seminar mit dem Betriebsratsobmann ab, trotzdem setzte sich der ÖGB mit der Aushandlung von Abfertigungen und nicht mit der „Sicherung der Arbeitsplätze“ durch (Keller 1983, S. 34). Im Mai 1968 demonstrierten Studierende und SchülerInnen gemeinsam mit ArbeiterInnen gegen Entlassungen in der Wiener Lokomotivfabrik, die Betriebsräte sprachen sogar in einem besetzten Hörsaal vor den dort Versammelten. „Die Solidaritätsaktion mit den Arbeitern war erfolglos, die Belegschaft der Lokomotivfabrik lehnte es in einer Urabstimmung ab, gegen die Entlassungspläne zu streiken. Warum sollten die Arbeiter auch streiken, wenn sie jederzeit eine neue Stellung bekommen konnten?“ (Keller 1983, S. 77)

Revolutionen im Kapitalismus

Ab 1950 beginnt weltweit eine Phase der gesellschaftlichen Entwicklung, die Hobsbawm (1994) als soziale (S:287ff) und als kulturelle Revolution (320ff) bezeichnet. Schnelle Umwälzungen haben sich bisher auf die Bevölkerungen des industrialisierten Teils der Welt und einer kleinen Elite im Trikont bezogen, seit den 1950er handelt es sich um die „dramatischste, schnellste und universelle soziale Transformation in der menschlichen Geschichte“ (Hobsbawm 1994, S. 288). Er bezieht sich nur am Rande auf die „Studentenbewegung“ 1968, sieht sie als (kleinen) Teil davon. Diese Dynamik ist als Antwort auf vorherige Revolten und Bewegungen zu sehen, die Brüche hervorruft und dadurch neue Revolten erzeugt.

Mit Massenproduktion und Massenkonsum beschleunigt sich die technologische Entwicklung schon während und zwischen den Kriegsjahren, aber dann fortgesetzt im Wirtschaftswunder des goldenen Zeitalters. Das bedeutet eine massive Änderung des Alltagslebens, besonders in dem Bereich, der als „privat“ bezeichnet wird, die Haushaltsführung im Familienmodell betrifft. 1935 wurde Nylon erfunden, aber erst nach dem Krieg hat die kommerzielle Massenproduktion z.B. von Nylonstrümpfen begonnen, in den 1950ern tauchten der Kühlschrank auf, die Waschmaschine, der Fernseher und das Auto wurden in der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts zu Massenartikeln (Hobsbawm 1994, S.264). 1951 besitzen in Östereich 2,3% der Haushalte einen PKW, 1955 sind es 6,4%, 1965 33% und 1971 52,3% (Waschmaschinen: 1951: 0.14%, 1955: 1,7%, 1965: 20,6%, 1971: 36,9%, Kühlschränke: 1951: 0,96%, 1955: 3,4%, 1965: 40,5%, 1971: 66,8%, Zahlen nach Karazman-Morawetz 1995, S. 413). Maßgebliche Veränderungen des Lebens haben im 20.Jahrhunderts durch die Einführung von Radio und Fernsehen stattgefunden. Zuerst hat es das Radiogerät als Mittelpunkt des Haushalts gegeben (der „Volksempfänger“ der Nazis, in den 1960er nimmt der Fernseher die Rolle des zentralen Geräts in der Familie ein. Durch den Transistorradio wurden die Geräte kleiner und billiger und konnten auch von den einzelnen Familienmitgliedern besessen werden, es kommt zu einer Individualisierung innerhalb der Familie (Prost 1999 S. 140ff). Jugendliche konnten ab 1967 Ö3 (vorher „Radio Luxemburg“) hören. Im November 1955 hat in Österreich der Fernsehbetrieb begonnen (Bernold 1995, S. 226), Damals gab es in ganz Österreich ein paar hundert Fernsehgeräte, 1965 hatten 29,6% der Haushalte einen Fernseher, 1971 61,6% (Karazman-Morawetz 1995, S.413).

Neben den Veränderungen des Alltags hatten die “technologischen Erdbeben” weitere Konsequenzen, die für die weitere gesellschaftliche Entwicklung von großer Bedeutung waren (Hobsbawm 1994, S. 265ff): die komplexere Technologie erforderte einen größeren Aufwand an Forschung und Entwicklung, was die Bildungsexpansion auslöste oder zumindest Diskussionen darüber. Weiters konnten die neuen Technologien viel Arbeit einsparen. (z.B. durch die Automatisierung der Fließbänder). Die Ausdehnung von Produktion und Dienstleistung durch die steigenden und sich verändernden Wünsche der KonsumentInnen bedeutete trotz der „Einsparungen“ durch neue Technologien einen massiven Anstieg der Zahl der erforderlichen Arbeitskräfte (zumindest bis zur Ölkrise 1973). Die gewaltigen Produktivitätssteigerungen erlaubten die starke Erhöhung von Löhnen und Sozialleistungen und damit wieder eine Steigerung des Konsums.

Um 1950 hat eine sich beschleunigende Entwicklung begonnen, die darauf hinausläuft, daß das erstemal seit der neolithischen Revolution (das Seßhaftwerden und das Entstehen der Landwirtschaft) die Mehrheit der menschlichen Bevölkerung nicht mehr BäuerInnen sind. Das betrifft nicht nur die Industriestaaten, sondern gerade auch den Trikont: am Ende des Zweiten Weltkriegs waren in Lateinamerika überall (mit der Ausnahme von Venezuela) mehr als die Hälfte der Bevölkerung BäuerInnen, jetzt sind sie bis auf Haiti und kleine mittelamerikanische Staaten nur noch Minderheiten, in den Staaten des westlichen Islams ist die bäuerliche Bevölkerung von zwischen zwei Drittel bis drei Viertel auf ein Viertel zurückgegangen. (Hobsbawm 1994, S. 290ff, Zahlen jeweils zwischen 1950 und Anfang der 1980er). Hobsbawn (S. 291) sieht nur drei Ausnahmen, das subsaharische Afrika, Indien und China. Seit den 1980ern erreicht aber auch in den meisten südasiatischen Staaten (Indonesien, Philippinen, Pakistan, Bangladesh, Sri Lanka) die Abnahme des Agrarsektors „revolutionäre“ Ausmaße. Auch an den Rändern Chinas (Taiwan, Südkorea) wurde die Landwirtschaft zu einem demographischen Randphänomen (Hobsbawm 1994, S. 291). Und in den letzten fünfzehn Jahren findet auch in China eine massive industrielle Entwicklung und eine Abwanderung in die Städte statt. Die sich ab den 1970ern und 1980ern beschleunigende Entwicklung ist mit einem rasanten Anwachsen der Städte verbunden, Mitte der 1980er lebt die Hälfte der Weltbevölkerung in den Städten.

In Österreich hat die rasante Veränderung der Landwirtschaft durch Rationalisierung in den 1950ern und 1960ern stattgefunden, verlangsamt in den folgenden Jahrzehnten. 1951 waren noch 30,3% der Beschäftigten in der Landwirtschaft beschäftigt, 1993 nur noch 5,2%. Diese Umbrüche, die in einigen Staaten zu reaktionären Revolten der BäuerInnen geführt (z.B. in Frankreich in den 1950ern), führten auch in Österreich immer wieder zu Demonstrationen, die sich besonders gegen die „eigene“ Partei die ÖVP richteten. Diese sah sich gezwungen, einen Spagat zwischen der bäuerlichen Basis und kapitalistischer Modernisierung durchzuführen.

Eine weitere Entwicklung ist die gewaltige Mobilisierung der Menschen, nicht nur in die Städte, sondern während des goldenen Zeitalters in Europa durch die Arbeitsmigration in die entwickelteren Regionen. In den ehemaligen Kolonialreichen Frankreich und Großbritannien beginnt die Zuwanderung aus Kolonien schon früher, in Westdeutschland Ende der 1950er. Österreich ist als Land mit niedrigen Löhnen später dran, 1963 gibt es erst 21.300 ausländische Arbeitskräfte, am Höhepunkt 1973 226.801 (Faßmann 1995, S. 403). Durch die Segregation von der österreichischen Wohn- und Arbeitsbevölkerung kommt es in der ersten Phase zu keinen sozialen Bewegungen, die sich aufeinander beziehen. Als unterstes Segment und noch nicht diszipliniert durch die Einbindung in die hiesigen Gewerkschaften, sowie auch durch ihre Herkunft aus ländlichen Kulturen mit einer anderen Zeitstruktur waren MigrantInnen oft die Hauptakteure mancher Auseinandersetzungen, z.B. der wilden Streiks in Westdeutschland 1973. Trotz Wirtschaftskrise und rassistischem Diskurs ist die Zuwanderung und die Ausbeutung migrantischer Arbeitskräfte nie abgerissen. Es entwickelte sich eine Eigendynamik, die von den Staaten und vom Kapital trotz brutalster Maßnahmen nie völlig kontrolliert werden konnte.

Die Ausdehnung des Kapitalismus bedeutete auch eine rapid steigende Zunahme der Beschäftigung von Frauen. Schmidt (1984, S. 81) bringt einige Zahlen für die OECD-Staaten: in den USA steigt die Beschäftigung der weiblichen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 von 1950 37,2% bis 1980 auf 59,1% (um 21,9%), in Kanada um 24,2% von 26,2% auf 50,4%, in Schweden gar um 38,7% von 35,1% auf 73,8%. Verhältnismäßig schlecht steigt dabei die Bundesrepublik aus, es gibt nur eine Steigerung von 44,3% auf 49,2%. Die Zahlen für Österreich bei Schmidt (1984) zeigen nämlich gar keine Änderung, sie sind sowohl 1950 wie 1980 51,1%. Es dürfte sogar so gewesen sein, daß zum Höhepunkt des Familienmodells in Österreich in den 1960ern die Beschäftigung von Frauen abgenommen hat, nach einer Grafik von Cyba (1995, S. 439) ist die Erwerbsbeteiligung der Frauen 1971 unter 50%, einen deutlichen Anstieg gibt es erst in den 1980ern. [17] Das könnte mit ein Grund für das etwas verspätete Auftreten der Frauenbewegung in Österreich (und auch der BRD) sein.

Eine weitere dramatische Veränderung in den letzten Jahrzehnten ist die Zunahme der Bildung, nur noch die zurückgebliebensten Staaten wie Afghanistan haben eine große Rate des Analphabetismus (Hobsbawm 1994, S 295). Auch die Universitätsbildung nimmt zu, in den ambitioniertesten Staaten steigt die Studierendenrate aus dem Promillebereich auf bis zu 2,5% der Gesamtbevölkerung. Selbst im Trikont gibt es ambitionierte Staaten wie Ecuador mit 3,2% Studierendenrate oder die Philippinen mit 2,7% (Hobsbawm 1994, S. 295). In Österreich beginnt die Umwälzung zu Beginn der 1960er unter Bundeskanzler Gorbach, wo in der Regierungserklärung von einer Mobiliserung des geistigen Kapitals gesprochen wird, der wirtschaftliche und soziale Aufstieg sei im Zeitalter von Forschung und Entwicklung von der Bildung der jungen ÖsterreicherInnen abhängig. Bildung wird nicht mehr als Teil der Kultur von Eliten gesehen, sondern als notwendiger wirtschaftlicher Aspekt (Lassnig 1995, S. 461ff). Schon in dieser Phase wird mit dem Ausbau der Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS, „jedem Bezirk eine höhere Schule“ – Lassnig 1995, S. 462) begonnen. Die Zahl der AHS-SchülerInnen hat von 1953 bis 1963 nur wenig zugenommen (von 67.191 auf 80.678), ist dann aber sprunghaft angestiegen, bis 1973 hat sich die Anzahl beinahe verdoppelt: 160.500 (Lassnig 1995, S. 482). Die Expansion der höheren Bildung erfolgte für die PolitikerInnen etwas überraschend, sie glaubten, die Bildung durch zusätzliche Maßnahmen fördern zu müssen und waren überrascht, daß die Bevölkerung ein so großes Interesse an der Aneignung von Wissen hat (Lassnig 1995, S. 463 [18]). Auf den Universitäten stieg die Zahl der Studierenden nach einem ersten Schub Anfang der 1960er (von 1955: 13.888 auf 1963: 36.387) erst in den 1970ern in einem größerem Ausmaß, nach der Abschaffung der Studiengebühren durch die Regierung Kreisky 1972 (1963 gibt es 36.387 HörerInnen, 1973: 58.613, aber 1983 bereits 124.111 – Lassnig 1995, S. 482). Der Übergang von einer Eliten- zur Massenuniversität kann als ein Auslöser der „Studentenbewegung“ gesehen werden. Kleemann (1971, S. 88ff) sieht die US-StudentInnen-Revolte u.a. als Reaktion auf die steigende Anonymität, die damals entstehenden Free Universities als der Versuch, das persönliche „sokratische“ LehrerInnen-SchülerInnen-Verhältnis wieder herzustellen. [19]

Die Verschiebung in Richtung Massenkonsum bedeutet auch Veränderungen in der Art der Produktion. Um die Produkte zu verkaufen, müssen die KonsumentInnen darauf aufmerksam gemacht werden. In der ersten Phase, wo es noch um die Einführung z.B. neuer Haushaltsgeräte geht, wird Werbung noch als Produktinformation bezeichnet, immer mehr aber verschiebt sich die Struktur in die Richtung, daß Bedürfnisse geschaffen werden, die Werbung erhält immer mehr die Rolle der Imageproduktion. [20] Da diese Entwicklung parallel mit Rationalisierung der Produktion, der Einsparung von Arbeitskräften und einer teilweisen Verlagerung in den Trikont geht, kommt es zu einer Verschiebung der kapitalistischen Arbeit in Europa. Hat es früher beinahe nur „persönliche Dienstleistungen (z.B. Friseusen, Krankenschwestern) gegeben, so kommt es jetzt zu einer Vermehrung unternehmensbezogener Dienstleistungen (z.B. Werbung). Da die geschlechtliche Arbeitsteilung erhalten bleibt, nimmt die Beschäftigung durch die Steigerung der Zahl der Arbeitsplätze für Frauen im schlecht bezahlten Dienstleistungsbereich weiter zu.

Die steigende Bedeutung der Werbung, und dadurch das Eindringen des Kapitalismus in immer größere Bereiche des Alltags und des Lebens, führt das zu einem Element der Revolte der zweiten Hälfte der 1960er. Da die werbenden Firmen auf der einen Seite möglichst viel verkaufen wollen, aber vieles nur verkauft werden kann, weil es etwas besonderes ist, wird das von vielen Menschen als Entfremdung empfunden. Aus diesem Grund entsteht der Wunsch auf das vermeintlich „Authentische“ als Grundlage der Konsumkritik. Gerade durch „Bedürfnislosigkeit“ und „Konsumverweigerung“ als Protest gegen die Überflußgesellschaft“ (Luger, 1995, S. 506) wiederholten z.B. die Hippies auf „natürliche“ und „ursprünglichere“ Weise die Buntheit der Werbung.

Nachdem die Privatheit der Familie gerade entstanden ist, wird sie bereits wieder verändert. Immer mehr Elemente werden ins Private verlagert (vom Kino zum Fernseher, aus dem öffentlichen Verkehrsmittel in den Innenraum des Autos, das Zelt als Kopie des eigenes Hauses im Urlaub am Campingplatz – vgl. Prost 1999, S. 76), besonders aber verschwinden die Übergangsbereiche zwischen privat und öffentlich. Das drückt sich in den Wohnhausanlagen der 1950er und 1960ern aus: während früher Innenhöfe eine Art dörflicher Struktur kopierten (z.B. in den Wohnbauten des Roten Wien der Zwischenkriegszeit), so sind die Grünflächen der Nachkriegsneubauten nur noch Durchgangsflächen. [21] Alles ist auf den Konsum des Individuums und der individuellen Familie zugeschnitten. Der Verlust des Übergangsbereiches zwischen privat und öffentlich, der soziale Strukturen ermöglichte, war dann häufig die Motivation für Jugend- und Kulturzentren zu kämpfen – für einen öffentlichen Bereich als Ersatz für die sozialen Kontakte im Bezirk, auf der Straße, in den früher noch ortsgebundenen Jugendorganisationen.

Um KonsumentInnen (besonders Frauen) zu erreichen, muß der geschützte Bereich des Privatlebens durch Kommunikation immer wieder aufgebrochen werden. Über die Medien scheint die Richtung nur einseitig zu sein, die Vereinzelung insbesonders der Hausfrauen (aber auch der Kinder) scheint ein unabwendbares Schicksal. Aber gerade diese Verbindung mit einer (vielleicht imaginierten) Außenwelt ist auch ein maßgeblicher Anstoß für die Infragestellung. Es entsteht Kommunikation über das „Private“, was mit ein Anlaß für die Forderung wird, die Unterdrückung in der Familie nicht privat sein zu lassen, sondern das Private öffentlich zu machen.

Ein Element des Konsums ist die „mobile Privatisierung“ (Luger, Rest 1995) als eines der bedeutendsten Kennzeichen des Westens. Was mit der Sommerfrische der Privilegierten im 19. Jahrhundert beginnt, wird im 20. Jahrhundert zum Allgemeinzustand. Insbesonders seit der Massenmobilisierung durch den Autoverkehr ist der Urlaub nicht nur mit Erholung, sondern auch mit Reisen verbunden. In den 1950ern und beginnenden 1960ern genügt noch der Ausflug an die obere Adria, in der Folge verlangt der Wunsch nach Neuem und Besonderem nach immer neuen Destinationen. Auch hier erzeugt die Suche nach dem „Authentischen“ ein Element der Revolte. Für viele Jugendliche in den 1960ern ist eine Reise nach Indien, Nepal oder Afghanistan ein Ausbruch aus der fordistischen Ordnung des normalen Urlaubs (vgl. Reitter 2002, S. 14ff). Die steigende Reisetätigkeit der Jugendlichen, z.B. durch Autostop, schaffte aber auch Kontakte zu den Szenen in anderen Städten, Musik und Klamotten wurden eingekauft, Drogen kennengelernt, aber auch Politkontakte wurden geknüpft.

Am bedeutendsten für die Entstehung von „Jugend“revolten und damit auch 1968 ist die „Entdeckung“ von Jugendlichen als soziale Subjekte (Hobsbawm 1994, S.324), sie werden mit steigendem Familieneinkommen auch als KonsumentInnen interessant. Im Zentrum der Konsumgesellschaft steht die Idee, daß die Menschen arbeiten, um zu leben, besser gesagt, um zu konsumieren. Das bedeutet, die entfremdeten Arbeitsbedingungen (z.B. am Fließband) zu akzeptieren, um genug Geld zum Leben zu haben (Karazman-Morawetz 1995, S. 418ff). Die Halbstarken der 1950er waren eigentlich die Vertreter, teilweise Vorläufer der fordistischen ArbeiterInnen, sie haben nur das Konzept des Konsums zu früh zu wörtlich genommen. Die noch im Wiederaufbau steckenden Erwachsenen störten sich besonders an „unvernünftigen Vergnügen“ und „sinnlosem Herumfahren“ mit dem Moped (Karazman-Morawetz 1995, S. 420). Für die weitere Entwicklung konnten die kapitalistischen Produktinnovationen an den verschiedenen Wellen der Jugendrebellion anknüpfen. So passiert es das erste Mal in der Geschichte, daß sich in Mode und Kultur die Älteren teilweise nach den Jugendlichen richten Diese gesteigerte „Wertschätzung“ ist grundsätzlich ein Ansporn für Jugendliche, sich wichtig zu nehmen und darum revolutionäre oder gesellschaftsverändernde Aktionen zu setzen.

Mit dem Kult um die Jugend ist auch der Kult um den Sex verbunden. Der Blick auf den weiblichen Körper wird ins Zentrum gestellt. Nach Prost (1999, S. 98) ist es die Wirtschaft, die HerstellerInnen von Haarwaschmitteln, Deodorants, Damenwäsche und Unterbekleidung, die eine Explosion der (Bild)-Reklame bewirkten und in Folge die Körperbilder prägten. Bereits in den 1950ern hat ein Diskurs um die Sexualität in der Ehe oder als Vorbereitung für die Ehe begonnen (Prost 1999, S. 90). Mit dem Rock´n Roll wurde die Sexualität und Unsittlichkeit der Unterklassen (der African-American) mit der romantischen Liebe, aber auch dagegen, populär gemacht – auch wenn es bei körperlichen Andeutungen blieb. In der „Sexwelle“ sind dann die jugendlich-weiblichen Körperbilder (von einem unsichtbaren Mann gesehen) und die Akzeptanz und Befreiung der Körper und der Sexualität zusammengefallen. Diese Sichtweise auf die Sexualität war dann einer der wichtigsten Anstöße für die Jugendrevolten, die mit 1968 verbunden werden. Immer wieder war die geschlechtliche Trennung z.B. in Studierendenheimen Auslöser von Demonstrationen und Aktivitäten. Die Beziehung zwischen Macht und Blick auf der einen Seite und Körperlichkeit und Weiblichkeit auf der anderen Seite, war dann ein Motiv für die FeministInnen, gegen die männlichen „Revolutionäre“ von 1968 zu aufzubegehren.

Auch das Umweltbewußtsein entsteht aus der Umwälzung der Lebensrealitäten. War die Orientierung nach dem Krieg und noch bis in die 1960er auf Wohlstand gerichtet (genug Geld für ein annehmbares Leben verdienen), so geht es mit der materiellen Absicherung immer mehr auch um Lebensqualität (Karazman-Morawetz 1995, S. 420). So ist es nicht zufällig, daß die ersten Bürgerinitiativen als Vorläufer der Ökologiebewegung dort entstehen, wo die materielle Absicherung früher vorhanden war, in den „bürgerlichen“ Bezirken. Dort wird aber auch die Grundlage für die auch linke Ökologiebewegung gelegt.

[1Im März 1938 lebten 183.000 JüdInnen in Österreich (176.000 in Wien), 65.000 wurden ermordet, durch Vertreibung und Ermordung wurden 70.000 Wohnungen frei (zum Vergleich, im Roten Wien der 1920er und 1930er Jahre wurden 32.000 gemeinnützige Wohnungen gebaut). Nach dem Krieg wurden keine Mietwohnungen zurückgegeben (Jacob 2000, S 21ff)

[2Für Linz spielte die Nähe zum Konzentrationslager Mauthausen eine wichtige Rolle, dort waren bis 1945 335.000 Menschen inhaftiert, von denen etwa 120.000 überlebten. Allein in den „Reichswerken Hermann Göring“, der späteren VOEST, kamen 7.000 Menschen zu Tode (Jacob 2000, S. 25).

[3Ab jetzt werde ich den Begriff „Fordismus“ verwenden, um das Regime des modernen Wohlfahrtsstaats zu bezeichnen (in Abgrenzung zum „Postfordismus“), das auf der Trinität von Fordismus, Taylorismus und Keynesianismus besteht. Das fordistische Element beruht auf der Erzeugung von Massenprodukten (z.B. Autos, Fernseher, Nylonstrümpfe), die sich die „Massen“ leisten können, darum die Zahlung hoher Löhne. Der Taylorismus ist die Organisation der Arbeit durch die Aufteilung der Arbeitsschritte, typischerweise am Fließband. Der Keynesianismus ist die makroökonomische Theorie, die die Wirtschaft sowohl innerhalb der Staaten wie auch international reguliert.

[4Die Familie ist das Modell der heterosexuellen Matrix (Judith Butler), alle späteren Formen des Zusammenlebens sind bereits ein Aufbrechen, wenn auch oft nur in Randbereichen. Sie ist die Institution, in der die Unterscheidung zwischen öffentlich und privat, zwischen Hausarbeit und „Arbeit“ am stärksten mit der Zweigeschlechtlichkeit zusammenfällt. Das bedeutet nicht, daß sie tatsächlich funktioniert hat. Obwohl es (auch von Frauen) gewünscht wurde, war die Zufriedenheit mit der Lebenssituation keinesfalls gegeben. Tyler May (1999, S. 589ff) zitiert eine Frau aus einer Langzeitstudie, die wegen der damals „extrem hohen persönlichen, emotionalen und finanziellen Kosten einer Scheidung“ über 30 Jahre an einer unglücklichen Ehe festhielt (sie ließ sich erst in den siebziger Jahren scheiden). Auch Homosexualität hat es gegeben, mußte aber im Verborgenen, in der Subkultur gelebt werden, viele Homosexuelle heirateten damals.

[5Prost (1999, S. 41ff) meint, der Aufbruch der Frauen gegen die patriarchale Ordnung habe mit der sukzessiven Trennung von Arbeit und Haushalt zu tun. Bei der Arbeit am gleichen Ort hätte es eine Wertschätzung der Arbeit des/der Anderen gegeben, erst danach wurde die Hausarbeit massiv abgewertet.

[6Ohne dabei die Möglichkeit zu haben, durch Dienstboten ein angenehmes Leben als Herrscherin des Hauses zu führen. Die freie Zeit der Bürgerfrauen könnte mit dazu beigetragen haben, die Hausarbeit in der Folge unterzubewerten.

[71880 waren in Österreich nur 53,1% der erwachsenen Frauen nicht ledig (verheiratet oder verwitwet), im Vergleich dazu waren es 1971 78,1% (Hausa 1980, S. 101).

[8Der national-rassistische Konsens bestand bereits damals, wie Äußerungen des ÖGB und der SPÖ zeigen sollen: „(Der ÖGB fordert die) eheste Evakuierung der DP und Feststellung, daß Österreich nicht verpflichtet ist, für die Versorgung der DP aufzukommen.“ Aus einem Memorandum des ÖGB an den Alliierten Rat (Kocensky 1970, S. 173). Innenminister Oskar Helmer (SPÖ): „Die österreichische Regierung wünscht ernstlich, alle DPs und die Flüchtlinge aus Österreich wegzuschaffen;..“ (Kocensky 1970, S. 292)

[9Nach den Wahlen 1953 war die ÖVP gestärkt und führte unter Bundeskanzler Julius Raab und Finanzminister Reinhard Kamitz (ein ehemaliger SS-Mann) eine Wirtschaftspolitik zur Stabilisierung des Staatshaushaltes durch.

[10„... besonnene Gewerkschaftspolitik führten zu einer in der Ersten Republik fehlenden Staatsnähe der Arbeiter und Angestellten. Das kann die Zweite Republik als wertvolles Aktivum buchen“ - schreibt der offizielle Gewerkschaftshistoriker Fritz Klenner (1979, S. 1910). Die GewerkschaftlerInnen sind endgültig nicht mehr Staatsfeinde, sondern sehen sich als konstituierendes Element des kapitalistischen Nationalstaates.

[11Sollen die ÖGB-GewerkschaftlerInnen als Krypto-OperaistInnen gesehen werden? Der „Operaismus“ vertritt die These, daß sich der Kapitalismus immer nur auf Grund von Kämpfen und Forderungen der ArbeiterInnenklasse weiterentwickelt. In der Phase der Hochblüte des Fordismus sieht sich der ÖGB als Modernisierer tatsächlich in dieser Funktion. Die Zunahme der Produktivität wird mit Lohnsteigerungen (und Arbeitszeitverkürzungen) verbunden, die damals kontinuierlich stattgefunden haben. Die Verschärfung der Arbeitsbedingungen durch Umstrukturierungen („Arbeitshetze“, stärkere Kontrolle) wurde für höhere Löhne und mehr Freizeit auch von den ArbeiterInnen in Kauf genommen.

[12„Verstaatlichung“ hat natürlich Anklänge an den „realen Sozialismus“, der nur staatlich organisierte Gewerkschaften erlaubte. Der Unterschied ist, daß diese Art der Verstaatlichung nicht an eine Partei gebunden war, sie funktionierte völlig unabhängig von den entsprechenden Regierungen. So kommt es während der ÖVP-Alleinregierung von 1966 bis 1970 zu weniger Streiks als vorher, obwohl der ÖGB von der SPÖ dominiert wird.

[13Karlhofer (1983) erklärt damit, daß die Streiktätigkeit nicht mehr von Konjunktur und Arbeitslosigkeit abhängig ist wie in der Ersten Republik). Streiks haben damals bei guter Wirtschaftslage und geringer Arbeitslosigkeit stattgefunden.

[14Die verringerte Streiktätigkeit 1953 zeigt noch die Abhängigkeit von Arbeitslosigkeit und Konjunktur. Für das Raab-Olah-Abkommen ist überhaupt kein Zusammenhang mit der Streiktätigkeit zu erkennen, was vermutlich damit zu tun hat, daß es nicht anerkannt wurde.

[15In Italien, Frankreich, aber auch anderen Staaten ist es um 1968, angestachelt durch das antiautoritäre Moment, zu Kämpfen und Streiks auch in den Betrieben gekommen. Aber selbst dort beendeten Kompromisse die Auseinandersetzungen (am 27. Mai 1968 in Frankreich, am 21. Dezember 1969 in Italien), die ArbeiterInnenklasse endete wieder unter der Kontrolle von linken Parteien und Gewerkschaften als Motor der kapitalistischen Entwicklung. Die (meist studentischen) Revolutionäre beklagten, daß sich die ArbeiterInnen durch Lohnerhöhungen abspeisen ließen.

[16D.h. die Effektivlöhne sind um 4,2% höher gestiegen als die Tariflöhne. Die Lohndrift ist noch bis 1974 relaitiv hoch (1971: 2,8%, 1972: 2,8%, 1973: 2,2%, 1974: 2,6%), erst nach der ersten Ölkrise sinkt sie auf negative Werte (1975: -0,3%, 1976: -0,4%).

[17Andere Daten zur Frauenbeschäftigung beziehen sich als allgemeine Erwerbsquoten auf die ganze Bevölkerung, wo die Zahl z.B. durch die Einführung des neunten Schuljahres 1962 verzerrt ist – so hat auch die Erwerbsquote der Männer abgenommen.

[18Später gibt es eine ähnliche Überraschung über die große Zahl der Studierenden in den geisteswissenschaftlichen Fächern, wo doch die Jobchancen in anderen Bereichen größer wären. Es gibt immer ein „autonomes“ Wollen der Multitude, wie wir schon bei der Unmöglichkeit der Kontrolle der Migration gesehen haben.

[19Es gibt eine Studierendenbewegung Anfang der 1960er, die aber keinen Einfluß auf die Entwicklungen 1968 hat, die Auseinandersetzungen werden in dieser Zeit von konservativen und rechten Studierenden getragen.

[20Ich kann mich noch erinnern, daß „Werbung“ gegenüber KritikerInnen noch als notwendige Produktinformation verteidigt wurde. Dieses Argument würde heute niemand mehr ernst nehmen.

[21Die Architektur ist nicht „schuld“ an der Auflösung der gemeinschaftlichen Strukturen, sondern sie ist eher realistischer Ausdruck der veränderten Struktur der Gesellschaft.

Literatur:

  • Bernold, Monika (1995): Austrovision und Telefamilie. Von den Anfängen einer „historischen Sendung“. In: Sieder et. al. (ed): Österreich 1945-1995, S. 223-235.
  • Cyba, Eva (1995): Modernisierung im Patriarchat? Zur Situation der Frauen in Arbeit, Bildung und privater Sphäre 1945 bis 1995. In: Sieder et. al. (ed): Österreich 1945-1995, S. 435-457.
  • Deutsch, Renate (1979): Chance auf Veränderung. Geschichte der Verstaatlichung in Österreich II. Wien: In Sachen Heft 7.
  • Ebner, Paulus, Vocelka, Karl (1998): Die zahme Revolution. ’68 und was davon blieb. Wien: Ueberreuter.
  • Eppel, Peter, Lotter, Heinrich (ed) (1981): Dokumentation zur österreichischen Zeitgeschichte. 1955-1980. Wien: Jugend und Volk.
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