radiX, Texte
 
1998

Antiislamismus als rechtsextremes Ideologieelement aus der „Mitte der Gesellschaft“

1. Einleitung

Mit der „islamischen Revolution“ im Iran 1979 begann in Europa und der USA ein Wideraufleben alter Stereotypen und Propagandalügen gegen „den Islam“ und „die Moslems“, die ihren Höhepunkt im auch hierzulande bekannten und beliebten Propagandafilm „Nicht ohne meine Tochter“ fanden.

Im Vergleich zum Feind im Osten, dem „Kommunismus“ verblaßte jedoch der neue Gegner immer noch. Ganz im Gegenteil um vermeintliche oder wirkliche KommunistInnen bekämpfen zu können unterstützten westliche Staaten - allen voran die USA - bis in die jüngste Vergangenheit hinein extreme, islamisch-integralistische Gruppen wie die verschiedenen afghanischen Mudschaheddin-Gruppen oder später die dortigen Taliban. Saudi-Arabien gilt heute noch als verläßlichster Verbündeter des Westens in der Region.

Mit dem endgültigen Zusammenbruch der Sowjetunion ist aber auch sowohl das Feindbild als auch das militärisch-politische Gegengewicht zum Westen verschwunden. Somit konnte sich EU-Europa und die USA verstärkt ihrem neuen, alten Feindbild widmen. Mit der Definition Saddam Husseins als „neuem Hitler“ wurde dabei in der Propaganda des Golfkrieges sogleich auf eine Relativierung des Nationalsozialismus zurückgegriffen.

Die von oben erklärte Gefährlichkeit des Islams und „der fanatischen Molems“, sanktionierte dabei auch ein wichtiges Ideologieelement des hiesigen Rechtsextremismuses. Die allgemeine „AusländerInnen“feindlichkeit in Österreich, aber auch in Deutschland und Frankreich, spezifiziert sich hier schon lange als besondere Ablehnung muslimischer „AusländerInnen“.

Hierzulande ist schon seit Beginn der Arbeitsmigration türkischer Staatsbürger nach Österreich von verschiedensten „AusländerInnen“feinden die Rede von einer „neuen Türkengefahr“. Der Kampf gegen Moscheen, islamische Schule,... gehört nicht nur zum Feld eingefleischter RechtsextremistInnen, sondern zu den Aktivitäten „des Volkswillens“. Hier wächst zusammen, was zusammen gehört.

Daß damit auf alte ideologische Elemente aufgebaut werden kann, wird diese Arbeit ebenso zeigen, wie die wesentlich weitere Verbreitung dieser Ideologieelemente über den klassischen Rechtsextremismus hinaus.

2. Rechtsextremismus als Phänomen aus der „Mitte der Gesellschaft“

Bürgerliche Faschismustheirien - sofern diese überhaupt als „Theorien“ betrachtet werden können - betrachten den Rechtsextremismus als Randphänomen einer politischen Gesellschaft. In diesem Bild befindet sich in der „Mitte der Gesellschaft“ die positiv konotierte, „politische Mitte“, ein schwammiges Sammelsurium aus Sozialdemokratie, Liberalismus und christdemokratischem Konservativismus. An den Rändern dieser Mitte aber befänden sich demokratiefeindliche Extremismen wie der Kommunismus und Linksextremismus auf der einen und der Faschismus und Rechtsextremismus auf der anderen Seite. Dieses Bild impliziert schließlich auch oft die Gleichsetzung von Kommunismus und Nationalsozialismus und befindet sich damit bereits auf der Diskursebene der „Neuen Rechten“, die mit dieser Gleichsetzung die einzigartigen Verbrechen des Nationalsozialismus relativieren will und die Opfer der Schoa mit jenen des Gulag aufrechnet.

Ich gehe entgegen dieser Position der bürgerlichen „Rechtsextremismusdefinition“ davon aus, daß Rechtsextremismus kein Randphänomen der Gesellschaft darstellt. Als geschlossenes Weltbild, das sich schließlich in organisierter Aktivität offenbart, mag „Rechtsextremismus“ zwar immer noch eine (wenn auch wachsende) Minderheit ansprechen, die einzelnen Ideologeme eines geschlossen rechtsextremen - ja selbst eines faschistischen - Weltbildes sind jedoch, zumal in Österreich, integraler Bestandteil der „Mitte der Gesellschaft“. „Die hohe Kontinuität der für Rechtsextremismus zentralen Ideologeme gründet in philosophischen Grundauffassungen, die so gut wie alle Bewegungen der extremen Rechten verbindlich gemeinsam haben.“ (HOLZER, 1993: 33) Eine solche Kontinuität der Ideologeme besteht insbesondere in Österreich, wo 1945 lediglich die NSDAP mit ihren engsten Vorfeldorganisationen aufgelöst wurde und einige ausgewählte Kriegsverbrecher bestraft wurden, aber keinerlei ideologischer Bruch mit diesen einzelnen Ideologemen die sich im Nationalsozialismus verdichteten stattfand.

Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, völkisches und autoritäres Denken, korporativistische Wirtschaftsideen,... waren und sind viel weiter verbreitet als organisierter Rechtsextremismus.

Um zu einem geschlossen rechtsextremen Weltbild zu gelangen bedarf es dann nur noch einer Bündelung und bis zu einem bestimmten Grad einer „Systematisierung“ der einzelnen Ideologeme die ein solches Weltbild ausmachen. Die grundlegende Basis dafür ist aber in den Familien, an den Stammtischen und all den anderen Foren der „Volksseele“ bereits gelegt.

Wie schnell sich diese einzelnen Ideologeme zu einer rechtsextremen Massenbewegung bündeln lassen, zeigt die jüngste Entwicklung in Österreich. Mit einem dezidiert ausländerfeidlichen Wahlkampf („Stoppt die Überfremdung“ auf Wahlplakaten der Wiener FPÖ) und antisemitischen Anspielungen („Zwei echte Österreicher“ als Anspielung des ÖVP-Plakates gegen den „Juden“ Keisky „Ein echter Österreicher“) konnte die FPÖ bei den jüngsten Nationalratswahlen 27% der Stimmen auf sich vereinigen und mit Hilfe der postaustrofaschistischen ÖVP schließlich in die Bundesregierung eintreten.

Zu diesen, in unserer Gesellschaft hegemonialen, Elementen einer rechtsextremen Gesinnung gehört neben den bereits erwähnten Ideologemen auch eine sehr weit verbreitete Islamfeindlichkeit, die weit über die „Rechte“ hinausgeht. Orientalistische Konstruktionen, Feind- aber auch Wunschbilder von „dem Orient“ zeichnen die Europäische Geschichte schon viel länger aus, als es so etwas wie eine „extreme Rechte“ überhaupt gibt. Der europäische und damit auch der österreichische Rechtsextremismus hat dieses Element nur im Nachhinein übernommen und in die „Gesamtideologie“ eingebaut und hat damit je nach Bedarf auch einen sehr pragmatischen Umgang gepflegt. Ging es etwa gegen den „gemeinsamen Feind“, die Jüdinnen und Juden waren Muslime durchaus fallweise als taktische Verbündete willkommen.

3. Islamfeindlichkeit als konstitutives Element christlich-europäischer Identität

Islamfeindlichkeit ist keine Position einer kleinen politischen Strömung, sondern weitgehender Konsens in der Bevölkerung. Dabei kann teilweise auf jahrhundertealte Mythen und Vorurteile zurückgegriffen werden. Diese haben mit dem realen Islam oder den Muslimen wenig bis gar nichts zu tun, viel mehr jedoch mit unserer eigenen Gesellschaft und Identität.

3.1. Das „christliche Abendland“ entsteht durch den Islam

Vor der Ausbreitung des Islams im siebten Jahrhundert unserer Zeitrechnung gab es kaum eine Vorstellung von „Europa“ oder einem „christlichen Abendland“.

Obwohl der Begriff „Europa“ älter ist als das Christentum, meinte er bis zum Aufkommen des Islams bestenfalls eine sehr ungenau definierte geographische Region. Der Begriff hatte fast ausschließlich als regionale Bezeichnung des heutigen Griechenland, Bulgarien und der europäischen Türkei gegenüber der römischen Provinz Asien (heutiges Anatolien) eine Bedeutung.

Der Mittelmeerraum hatte bis zur islamischen Eroberung Syriens, Ägyptens und Nordafrikas wesentlich mehr verbindendes als trennendes. Die Eroberung dieser Länder durch den Islam hinterließ unter den orthodox-katholischen Christen des byzantinischen Reiches und der anderen christlichen Staaten einen Schock. Während die christlichen BewohnerInnen Syriens und Ägyptens die neuen Herrscher überwiegend als Befreier begrüßten - zu sehr hatte die orthodoxe, byzantinische Reichskirche die Angehörigen der alten, orientalischen Kirchen als Ketzer verfolgen lassen (SCHWEIZER, 1998: 66) - war für das christliche Europa plötzlich ein Kernland des frühen Christentums verloren gegangen.

In der Abgrenzung gegen diese neuen Herren Syriens und Ägyptens entsteht nur als Gegenallianz zum Islam der Begriff vom „christlichen Abendland“. Hier beginnt die Orientalisierung des Orients, denn wie jede vorgestellte Gemeinschaft konstituiert sich auch dieses Europa als „christliches Abendland“ primär in der Abgrenzung zu jenen die nicht zu diesem Europa zählen. Europa wird durch die Konstruktion eines Gegenbildes, eines Orients als Antithese zu sich selbst konstruiert.

Orientalism is never far from what Denys Hay has called the idea of Europe, a collective notion identifying „us“ Europeans as against all „those“ non-Europeans, and indeed it can be argued that the major component in European culture is precisely what made that culture hegemonic both in and outside Europe: the idea of European identity as a superior one in comparison with all the non-European peoples and cultures. (SAID, 1979: 7)

Erst mit der Übernahme der Herrschaft des Islams als politisches System - und damit ist noch lange nicht die Religion gemeint - in Nordafrika und den Ländern des fruchtbaren Halbmondes entstand die Möglichkeit des christlichen „Europas“ sich anhand seines Gegenbildes selbst zu konstituieren. „Der Orient“ wurde zum Gegenbild „des Okzident“. Und so waren denn auch die Kreuzzüge gegen die Muslime in Syrien / Palästina und in Andalusien, die ersten gemeinsamen Kriege die diese neue vorgestellte Gemeinschaft der „Europäer“ führte und sie weiter zusammenschweißte, gleichzeitig aber auch NichtchristInnen verstärkt aus dieser Gemeinschaft drängte. Schließlich richteten sich die Kreuzzüge insbesondere auch gegen die Europäischen JüdInnen, die den Massakern der marodierenden Kreuzritter-Banden zu Tausenden zum Opfer vielen.

Die Konstruktion der Gemeinschaft „der Europäer“ über den Krieg gegen Muslime und JüdInnen ist denn auch der Grund, warum heute noch der bei liberalen wie konservativen österreichischen KatholikInnen beliebte Kardinal Franz König in der Festschrift zum Österreichischen EU-Vorsitz festellen kann: „Die Soldaten des Karl Martell, die im Jahr 732 in der Schlacht von Tour und Poitiers die Araber besiegten, hießen bereits“Europäer". (KÖNIG, 1998: 22)

Tatsächlich war es diese Abgrenzung, waren es diese Schlachten gegen den Islam die die Idee Europas als „christliches Abendland“ entstehen ließen. So kann sich Kardinal König denn auch darüber freuen, daß „als Fortsetzung des“Imperium Romanum„[...] jene“Civitas Die„[wuchs], die in der Kaiserkrönung Karls des Großen in Rom im Jahre 800 als“Pater Europae„ihren sichtbaren Höhepunkt erfuhr.“ (KÖNIG, 1998: 22)

Die christlichen Hierarchien Europas sahen im Islam abwechselnd eine christliche Häresie oder Heidentum. In beiden Fällen war es mit allen Mitteln zu bekämpfen. „Wie Gott Heuschreckenplagen und anderes Ungemach zur Strafe für sündhaftes Handeln geschickt hatte, so sandte er nun die Sarazenen zur Prüfung, die es zum Beweis der rechten Glaubensstärke zu bestehen galt.“ (ROTTER, 1993: 53)

Es gab unter den „EuropäerInnen“ jener Zeit zwar „neben den“Taufe oder Tod„predigenden Kriegstreibern wie z.B. Bernhard von Clairvaux auch die sanfteren, um Mäßigung nachsuchenden und um Ausgleich bemühten Stimmen“ (ROTTER, 1993: 55), diese wurden aber weitgehend überhört, oder sogar für ihr Bemühen um Verständigung selbst verfolgt.

3.2. Der „Orient“ als Gegenbild und Projektionsfläche „unserer“ Wünsche und Ängste

Die Konstruktion des „Orients“ als Gegenbild zu Europa wurde über Jahrhunderte hinweg vor allem auf zwei Ebenen versucht: auf der Ebene der Gewalt und jener der Sexualtität.

Dem Islam wurde von allem Anfang an bis heute seine angebliche Gewaltbereitschaft vorgeworfen. Insbesondere aus der Tatsache, daß der Islam im Gegensatz zum Christentum von Anfang an auch politisch erfolgreich war, also ein Staatswesen errichten konnte, wurde geschlossen ihm läge eine Gewaltbereitschaft inne, die das ach so friedliebende Christentum missen ließe.

Natürlich hatte das islamische Staatswesen, wie alle Staatswesen von Anfang an auch eine Staatsgewalt mit Militär, Rechtssystem,... zur Verfügung. Und natürlich war diese Staatsgewalt auch von Anfang an - auch militärisch - expansiv. Nur trifft dies eben genauso für das Christentum zu, hatte es sich einmal irgendwo der Staatsgewalt bemächtigt.

Die Vorstellung, der Islam sei „mit Feuer und Schwert“ verbreitet worden, hat sich in West- und Mitteleuropa bis in die Gegenwart gehalten.„(HEINE, 1996: 23) Besonders dort wo das“christliche Abendland„direkt an die islamische Welt grenzte wurde die Beschäftigung mit den expansiven Momenten des Islams betrieben. Im Allgemeinen wurde dabei“aus christlicher Sicht kein Unterschied gemacht zwischen der militärischen Expansion, die in der Tat zu einer beträchtlichen Ausbreitung des Islams auch als politischen und juristischen Systems führte, und einem Religionswechsel vom Christentum hin zum Islam. In der Realität erfolgte ein derartiger Religionswechsel in der Regel nicht im unmittelbaren Sog der militärischen Expansion. (HEINE, 1996: 23)

Teilweise verbreitete sich der Islam als Religion erst viel später in den islamisch beherrschten Gebieten - Ägypten oder Syrien waren noch Jahrhunderte nach ihrer Eroberung mehrheitlich christlich -, teilweise eilte der Religionswechsel aber auch dem politischen System voraus. In Ungarn gab es etwa schon lange vor der Eroberung des Balkan durch die Osmanen islamische Gemeinden. „Während des ganzen Mittelalters hatten die Ungarn mit dem Islam als einer Randerscheinung zu tun.“ (BALIC, 1995: 23) Und trotz harter antiislamischer Maßnahmen finden wir noch kurz vor der Eroberung durch die Osmanen im „14. Jahrhundert [die] Erwähnung von Muslimen im ganzen Donaubecken: in Ungarn, Sirmien, Nordserbien, der Walachei und der Dobrudscha.“ (BALIC, 1995: 24)

In den ersten Jahrzehnten islamischer Expansion wurden die Muslime oft von Christen um Hilfe gerufen. Die Mehrheit der Bevölkerungen des Mittleren Osten waren nämlich Angehörige altorientalischer Kirchen (Kopten, Monophysiten, Nestorianer,...), die von der orthodoxen Reichskirche Byzanz verfolgt wurden. Für die Mehrheit der Bevölkerung Ägyptens, Syriens und des Iraq waren die Muslimischen Eroberer Befreier vom Joch der byzantinischen Herrschaft. Für die koptischen, armenischen, monophysitischen und nestorianischen Christen des Mittleren Osten brachte die islamische Herrschaft vorerst eine relative Freiheit gegenüber dem vorhergehenden Zustand.

In späteren Jahrhunderten erlebte der Islam seine großen Erfolge in der Mission Afrikas und Südostasiens primär durch Händler und friedliche Mission. Die Idee der Verbreitung des Islam „mit Feuer und Schwert“ hat also wesentlich mehr mit einem europäischen Mythos zu tun als mit geschichtlicher Realität

Besonders eindrücklich wandten sich die abendländischen Kritiker des Mittelalters gegen die Djihad-Vorstellungen des Korans. (HEINE, 1996: 22)

Dem liegt primär eine (bewußte?) Falschübersetzung des Begriffes „Gihad“ (Djihad, Jihad) zugrunde. „Gihad“ meint nämlich „Anstrengung, starkes Bemühen“ und kann ganz unterschiedliche Dinge bedeuten. Selbst zwischen den verschiedenen Rechtsschulen und Sekten des Islam wird der Begriff unterschiedlich gedeutet.

In den sunnitischen Rechtsschulen wird meist zwischen einem inneren und äußeren Gihad unterschieden. Der „innere Gihad“ ist dabei der Kampf zwischen „gut“ und „böse“ im Inneren eines Menschen. Diese Form des Gihad wird als die entscheidende begriffen. Der „äußere Gihad“ wird hingegen als Schutz der islamischen Gemeinschaft, der Umma, und des „dar al-Islam“, des Islamischen Landes begriffen.

Wann nun diese Form des Gihad eintritt, ist eine heftig umstrittene Frage in der islamischen Philosophie und Rechtslehre. Sie ist durchaus vergleichbar mit der christlichen Debatte um den „gerechten Krieg“ und die meisten Positionen islamischer Gelehrter nähern sich auch jenen, die der offizielle römisch-katholische Kirchenphilosoph Thomas von Aquin für seinen „gerechten Krieg“ entwarf. (HAESE, 1991: 126 f)

Auf keinen Fall ist der „Gihad“ ein Angriffskrieg gegen nichtmuslimische Bevölkerungen. Er ist immer eine Verteidigung des „dar al-Islam“ gegen das „dar al-harb“, also gegen nichtislamische Staaten.

Trotzdem wurde und der Gihad in Europa benutzt um die „Gewalttätigkeit“ des Islam zu „beweisen“.

3.3. Von der „neuen Türkengefahr“, „Fundamentalisten“, „Terroristen“, und dem „neuen Hitler“ Saddam - Das Wiederaufleben des Feindbild „Islam“

Mit der Entkolonialisierung und der Entstehung neuer, islamisch geprägter Staaten in Nordafrika und im Mittleren Osten traten muslimische Politiker wieder an das Licht der Weltöffentlichkeit. Trotzdem wurde jahrzehntelang in Europa kaum von einer „Islamsichen Gefahr“ gesprochen. Anschläge palästinensischen Befreiungsbewegungen wurden immer „Arabern“ zugeordnet, nicht aber „Muslimen“. So überwiegte bis in die Achzigerjahe hinein antiarabische Stereotypen im rassistischen Diskurs Europas, antiislamische Stereotypen blieben jedoch auf christliche IntegralistInnen beschränkt.

Erst in der Folge der islamischen Revolution im Iran gelang es wieder „den Islam“ zu einer vieldiskutierten „Gefahr“ für Europa zu machen. Selbsternannte „Experten wie Gerhard Konzelmann oder Peter Scholl-Latour spielten in der Aufbereitung dieses neuen, alten“Feindbild Islam„eine ebenso wichtige Rolle, wie der beliebte US-Propagandafilm“Nicht ohne meine Tochter".

Peter Scholl-Latour konnte in den Achziger- und Neunzigerjahren nicht nur mit Bestsellern auf dem Buchmarkt das deutschsprachige Publikum mit „Argumenten“ gegen den Islam beliefern, sondern auch über öffenlich-rechtliche Fernsehanstalten. Scholl-Latour suggeriert „in seinem vierteiligen Fernsehfilm Das Schwert des Islam (ZDF), die Einwanderung von Arbeitern und Arbeitssuchenden nach Frankreich sei ein Teil einer Zangenbewegung, die Europa von Osten her, aus den Steppen, als“neuer Tatarensturm„- so der Titel der vierten Folge - bedrohe. Dagegen helfe nur ein“Bündnis der weißen Menschheit„- der Islam als finsterer äußerer Feind.“ (HALM, 1993: 11)

Scholl-Latour definiert nie was er denn unter seinem vielgebrauchten Begriff „Fundamentalismus“ versteht, es gibt auch keinerlei „Analyse der fundamentalistischen Ideologie oder Trägerschaft, da beide bereits im Ansatz aus dem Islam und seinen Gläubigen ableitbar seien. Entsprechend geht für den Leser jedes erkennbare Maß verloren. Islamische Fundamentalisten sind weder ihrer Handlungsmaxime noch ihrer Zahl nach einschätzbar. Vielmehr sind sie irrationale exotische Wesen, die nach historischen Handlungsmustern handlen, die für den okzidentalen Leser in keiner Weise nachvollziehbar sind, und der Autor tut alles andere, als sie nachvollziehbar zu machen.“ (ABDALLAH, 1998: 83f)

Ein anderer Bestsellerautor, Gerhard Konzelmann, schreibt nicht weniger abwertend und verallgemeinernd in seinen Büchern über den Islam. In seinem Jerusalem-Buch beschreibt er etwa die Eroberung der Stadt Gaza, welche von „Kämpfern erobert [wurde], die im Namen Allahs stritten. Sie töteten, für diesen Gott, die christlichen Soldaten der Garnisonvon Gaza. [...] Zum erstenmal waren Christen durch das“Schwert des Islam„gefallen.“ (KONZELMANN, 1994: 348)

Aber auch seriösere „Experten“ wie der Politikwissenschafter Bassam Tibi unterstützen letztlich die Konstruktion eines Feindbildes Islam. War Tibi in seinen populärwissenschaftlichen Büchern über den Islam „bereits in der Bestimmung des Phänomens islamischer Fundamentalismus wenig präzise, so ist er es ebensowenig in der Analyse desselben.“ (ABDALLAH, 1998: 82)

Diese „mangelnde Konkretisierung der Trägerschaft fundamentalistischer Bewegungen durch Tibi trägt dazu bei, islamischen Fundamentalismus als eine konturlose, aggressive Massenbewegung gefährlichen Ausmaßes einzustufen.“ (ABDALLAH, 1998: 82)

Daß irrationale Warnungen vor der „Gefahr des Islam“ gerade seit den Achzigerjahren in Europa auf so guten Boden fielen hat jedoch seine Ursache nicht nur in der islamischen Revolution im Iran und der damit verbundenen Angst des Westens, weitere islamische Staaten könnten in dieser sensiblen Region einen antiwestlichen Block bilden, sondern hat auch mit der Entwicklung in Europa und mit dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes zu tun. Einerseits kamen europäischen Militärstrategen spätestens mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion traditionelle Feindbilder abhanden, die durch neue ersetzt werden mußten. Andererseits bedrufte aber auch die Schaffung eines neuen Nationalbewußtseins in der EU, eines Euro-Nationalismus einer verstärkten Abgrenzung nach Außen. Konnte sich die Kreation der „Deutschen Nation“ noch an ihrem französischen Pedant abgrenzen und reiben, so bedarf es für Europa schon eines wesentlich bedeutenderen Feindes.

Daneben gibt es seit den Siebzigerjahren durch eine spezifische politische und ökonomische Entwicklung vieler islamischer Staaten tatsächlich einen gewissen Aufschwung islamisch-integralistischer Bewegungen. Nicht wenige davon, wie die Taliban in Afghanistan waren jedoch erst durch die Förderung westlicher Staaten zu einer realen politischen Kraft geworden.

4. Die Weitergabe der Vorurteile - Österreichische Medien und Schulbücher und der Islam

Antiislamische Vorurteile und Stereotypen werden - ebenso wie antisemitische oder rassistische Steretypen - durch verschiedenste „Medien“ von einer Generation auf die nächste weitergegeben. Neben der mündlichen Tradierung ist dabei insbesondere die Medienlandschaft und die Schule ein wichtiges Feld der Stereotypenreproduktion.

4. 1. Tagespresse

In der österreichischen Tagespresse tut sich dabei nicht nur wieder einmal die „Neue Kronen Zeitung“ hervor, sondern auch seriösere Zeitungen geben immer wieder antiislamische Positionen von sich. Das Bild vom „islamischen Terroristen“ oder der armen, unterdrückten islamischen Frau wird auch in Standard, Presse oder Salzburger Nachrichten immer wieder verbreitet. Auch die an sich von mir sehr positiv gesehene Thematisierung weiblicher Genitalverstümmelungen im Sudan oder Ägypten, wird meist mit dem falschen Hinweis versehen, daß es sich dabei um einen islamischen Brauch handle. Daß auch ChristInnen und NichtmonotheistInnen im Niltal und vielen subsaharischen Staaten diese (Un-)Sitte kennen und sich pharaonsiche Beschneidungen bereits in Mumien des antiken Ägypten finden, wird dabei genauso wenig erwähnt, wie die Stellungnahmen vieler islamischer Geistlicher gegen diese unislamische Körperverstümmelung.

4. 2. Schulbücher

Wie in der Tagespresse, finden sich aber auch in offiziellen österreichischen Schulbüchern eine Fülle falscher und tendenziöser „Informationen“ über den Islam.

Das Märchen vom "Heiligen Krieg wird dabei genauso weitertradiert, wie die vermeintliche Fortschrittslosigkeit der islamsichen Welt und andere bereits beschriebene Stereotype.

In einem evangelischen Religionsbuch heißt es etwa: „Zu den Pflichten der Anhänger des Islams gehörte der Heilige Krieg, der Kampf gegen die Andersgläubigen bis zu deren Vernichtung“ (zit. nach HEINE, 1995: 131)

Ein katholsiches Religionsbuch meint hingegen: „Allah lenkt“die Gesetze von Gut und Böse im Gewissen vollkommen unmittelbar und willkürlich„. ...So findet auch das sittliche Leben keinen Ansatz im Herzen der Menschen. ... Damit hängt es zusammen, daß der Koran, im Gegensatz zur Bibel, durch seine Vorschriften der Entwicklung der Gesellschaft enge Grenzen zieht. ... Für Fortschritt ist wenig Raum.“ (zit. nach HEINE, 1995: 143)

Im Österreich-Lesebuch 4, für Niederösterreich und Wien, werden die christlichen Eroberungsfeldzüge der Kreuzzüge ledigleich als Zurückeroberung dargestellt, ohne daß über die antisemitischen Pogrome oder die christlichen Gemetzel an der muslimischen Bevölkerung berichtet würde: „Vor ungefähr 900 Jahren eroberten mohammedanische [sic!] Herrscher die Stätten, an denen Christus gelebt und gewirkt hatte. Die christlichen Kaiser, Könige, Fürsten und Ritter des Abendlandes zogen nun in das Heilige Land, um das Gebiet zurückzuerobern.“ (zit. nach HEINE, 1995: 152)

Im Geschichtsbuch „Spuren der Zeit 2“ heißt es zur Verbreitung des Islam: „Geeint verbreiteten sie [die arabischen Stämme] den Islam mit“Feuer und Schwert„, wie es der Islam vorschreibt.“ (zit. nach HEINE, 1995: 219)

Über muslimische Frauen heißt es in einem anderen Geschichtsbuch: „Die Frau wird nach den Lehren des Islams geringer geachtet als der Mann.“ (zit. nach HEINE, 1995: 219) ohne dazuzusagen, daß diese Aussage für das Christentum mindestens so zutreffen würde wie für den Islam. In „Geschichte für Fachschulen 1“ wird dieses Bild über die islamische Frau noch weiter zugespitzt: „Die Männer stehen über den Frauen:“Die Frau hat keine Seele„.“ (zit. nach HEINE, 1995: 219)

In manchen Schulbüchern geht die (bewußte) Entstellung des Islam so weit, daß sich „nicht nur entstellte Koranzitate und falsche Stellenangaben, sondern auch [...] Texte aus der Hadith-Tradition als Korantexte ausgegeben [finden]. Nicht genug damit, präsentiert zum Beispiel ein weiteres Geschichtsbuch unter fälschlicher Angabe von Sure 74, 1-2 einen Ausschnitt aus einer Propheten-Biographie über die Berufung Muhammads.“ (HEINE, 1995: 86)

Bei der weit verbreiteten Obrigkeitsgläubigkeit der österreichischen Bevölkerung kann sich die/der LeserIn selbst ausmalen, wie hier Falschinformationen mit der Autorität eines Schulbuches von einer Generation an die nächste weitergegeben werden.

5. Islamfeindlichkeit und Organisierter Rechtsextremismus in Österreich

Die ideologische Ablehnung allen „semitischen“ und „islamischen“ im deutschen und österreichischen Faschismus und Rechtsextremismus trifft auch heute noch zu. Offen rechtsextreme Gruppierungen können dabei - wie wir bereits gesehen haben - auf weit verbreitete Stereotypen zurückgreifen.

Bei aller ideologischer Ablehnung alles „orientalischen“ war das realpolitische Verhältnis zu Muslimen aber immer ein ambivalentes. Speziell die ideologischen Grundsätze der Nazis müssen von der Realpolitik der NSDAP an der Macht unterschieden werden.

Die nationalsozialistische Außenpolitik suchte in antikolonialistischen, arabisch-nationalistischen Bewegungen durchaus Verbündete, die sich von Deutschland Hilfe gegen die britischen und französischen Kolonialmächte und die zionistische Siedlungspolitik in Palästina erhofften. Als der bekannteste islamische Nazi-Kollaborateur sei hier nur der Mufti von Jerusalem erwähnt.

Hajj Amin al-Husseini hatte vor allem das Ziel „die jüdische Ansiedlung in Palästina zu beenden“, machte sich aber „auch zum Vorkämpfer panarabischer und panislamischer Interessen und rief überdies zum weltweiten Kampf gegen das“Judentum„auf.“ (BUNZL, 1989: 40) Als Gegenleistung für eine deutsche Absichtserklärung, die jüdische Auswanderung nach Palästina zu verhindern und die Ansiedlung in Palästina beseitigen zu wollen, machte sich Hajj Amin al-Husseini „bei der Aufstellung von muslimischen Verbänden, die am Balkan und in der Sowjetunion an der Seite Nazideutschlands kämpften, nützlich.“ (BUNZL, 1989: 40)

Trotz aller Vereinnahmungsversuche arabischer NationalistInnen und muslimischer Bewegungen und Autoritäten durch die Nazis gelang es aber nie im Nahen Osten einen ähnlich systematischen, rassisch motivierten Antisemitismus bzw. Antijudaismus als Massenbewegung zu erzeugen wie in Deutschland und Österreich. In Ägypten bildete sich gegen die Versuche von NSDAP-Agenten einen solchen Antisemitismus zu propagieren sogar eine „Liga gegen den deutschen Antisemitismus, die zwar von Juden getragen war, aber Unterstützung in breiteren Kreisen der ägyptischen Gesellschaft fand, sodaß ein NS-Vertreter in Kairo feststellen mußte: ‚Für das Verständnis der Rassentheorie ist der Bildungsgrad der breiten Masse nicht fortschrittlich (!; der Verf.) genug. Das Verständnis für die Gefahren des Judentums ist hier noch nicht geweckt.‘“ (BUNZL, 1989: 51)

Die realpolitische Ambivalenz der NSDAP, setzte sich bei den Nachfolgeparteien und Gruppierungen des „3.Lagers“ vor allen dort fort wo es um einen gemeinsamen antijüdischen Kampf ging. Die Suche nach arabischen Verbündeten mit entsprechend antijüdischem Hintergrund hatte sich seit der Gründung des Staats Israel 1948 und der Vertreibung großer Teile der arabischen Bevölkerung Palästinas für österreichische und deutsche Antisemiten entsprechend erleichtert.

Über Syrien hält sich das hartnäckige Gerücht, daß es österreichischen NS-Kriegsverbrechern Unterschlupf gewährte. Funktionäre, Teil- und Vorfeldorganisationen der FPÖ hatten immer wieder engeren Kontakt zu arabisch-nationalistischen Regimen im Iraq und in Libyen. Während auf Einladung der libyschen Regierung vor allem linke und grüne Organisationen das Land besuchten, wurden auch mehrmals FPÖ und RFS-Delegationen in arabischen Jamahiriya Libyen empfangen. Erst im Mai dieses Jahres pilgerte Jörg Haider zu Qaddafi persönlich und wurde von diesem in seiner Zeltresidenz empfangen.

Wenn es aber nicht gerade um den Kampf gegen den gemeinsamen Hauptfeind ging, fuhren und fahren alle Gruppierungen der extremen Rechten einen scharf antiislamsichen Kurs, der meist die allgemeine AusländerInnenfeidlichkeit und den Rassismus dieser Bewegungen übertraf. Die zuvor beschriebenen Stereotypen und Gegenbilder, die in der Gesamtbevölkerung weit verbreitet sind, können dabei problemlos angesprochen und aufgegriffen werden.

Stellvertretend für die Fülle rechtsextremer Organisationen und Publikationen in Österreich soll hier nur auf einige wichtige näher eingegangen werden um anhand einiger Beispiele das darin wiedergegebene Islambild zu beschreiben. Neben der FPÖ, als politisch bedeutendste Kraft der extremen Rechten in Österreich, soll hier die Zeitschrift „der 13.“ als Beispiel für integralistisch-katholische und klerikalfaschistische Positionen beschrieben werden, die Aula, als Zeitschrift des akademischen Deutschnationalismus mit einem gewissen Hang zur „Neuen Rechten“, sowie einige Publikationen der „Österreichsichen Landsmannschaft“ (Eckart-Schriften).

In der FPÖ spiegelt sich die ganze Ambivalenz der Beziehung des österreichischen Rechtsextremismus zum Islam wieder. In ihren ideologischen Überzeugungen lehnt die FPÖ den Islam wie alles „fremdartige“ massiv ab. Als realpolitische Massenpartei kommt es aber durchaus zur punktuellen Zusammenarbeit mit muslimischen Staatschefs.

So sind es vor allem lokale FPÖ-Politiker die über die allgemeine Ausländerfeindlichkeit der Partei hinausgehend speziell gegen Muslime hetzen. So engangierte sich etwa 1998 speziell die FPÖ-Bezirksgruppe im 15. Wiener Gemeindebezirk gegen den Bau der ersten islamischen Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht in Österreich. FPÖ-Lokalpolitiker beziehen in ganz Österreich immer wieder Stellung gegen den Bau von Moscheen. Bei den Nationalratswahlen 1999 wurde die rechtsextreme Konkurrenz, „Die Unabhängigen“ (DU) des Baumeisters Lugner, von FPÖ-Seite damit diskreditiert, daß die Firma Lugners vor Jahren die Moschee des Islamischen Zentrums in Wien errichtet hatte.

Auf internationaler Ebene versuchen FPÖ-Politiker, allen voran Jörg Haider, aber immer wieder gute Beziehungen zu Politikern in islamisch dominierten Staaten aufzubauen. Schließlich geht es dabei auch gegen den gemeinsamen jüdischen Feind und die Regierungen des Iraq, Syriens und Libyens waren schließlich unter den wenigen, die auf die Regierungsbeteiligung der FPÖ positiv reagierten.

Ein wichtiger Bereich des Antiislamismus findet sich im klerikalfaschistischen und christlich-integralistischen Bereich des österreichsichen Rechtsextremismus.

„Der 13.“ ist die führende Zeitung dieses politischen Spektrums in Österreich. Keiner einzelnen, bestimmten Organisation zuordenbar fungiert die Zeitschrift als Bindeglied zwischen Pornojäger, AbtreibungsgegnerInnen (Pro Live u.a.), integralistischen Splitterparteien wie die Christliche Wählergemeinschaft (CWG), Christlich Soziale Union Österreichs (CSU-Ö), oder die Christlich Soziale Allianz (CSA) Karl Habsburgs, der monarchistisch-konservativen StudentInnenorganisation JES und dem rechten Rand von ÖVP und Kirchenhierarchie. Herausgegeben wird die Zeitung von der „Albert-Engelmann-Gesellschaft“ mit Sitz in Kleinzell in Oberösterreich.

Das im „der 13.“ vermittelte Islambild ist weit weg von den Versuchen der offiziellen katholischen Kirchenhierarchie mit Muslimen in einen ökumenischen Dialog zu treten. Bewußt wird mit Falschinformationen aber auch mit Auslassungen und einem einseitigen Focus auf kleine terrrotistische Gruppen des islamischen Integralismus ein Bedrohungsszenario für das „christliche Abendland“ erzeugt, das jedem Bezug zur Realität entbehrt.

In einer Kurzbeschreibung des Islam in der Nummer vom 13. Juni 1998 wird abgesehen von einer Reihe von Verkürzungen und Falschinformationen über die Aufnahme in den Islam, ein islamisches „Credo“ (sic!),... über die Stellung der Frau geschrieben: „Moslems sollen (nicht Erlaubnis, sondern“Befehl„im Koran 4,3) bis zu vier Frauen heiraten. Die Frauen werden als“niedrigere„Menschen gesehen. Ihre Zeugnisse sind nur halb zu glauben. Ihr Erbanteil ist nur die Hälfte des Erbanteils eines Sohnes.“ (DER 13., 13. Juni, 1998: 6)

In dieser kurzen Textstelle finden sich gleich mehrere Falschinformationen und manipulative Entstellungen. Sure 4, Vers 3 auf die hier Bezug genommen wird lautet nämlich nach allen wissenschaftlichen Koranübersetzungen völlig anders. In der Übersetzung von Rudi Paret, die heute in allen islamwissenschaftlichen Instituten des deutschsprachigen Raumes als die beste Übersetzung gilt, da sich bei Unklarheiten auch verschiedene Varianten angibt heiß dieser Vers 3 der Sure 4:

Und wenn ihr fürchtet, in Sachen der (eurer Obhut anvertrauten weiblichen) Waisen nicht gerecht zu tun, dann heiratet, was euch ansteht (?) (oder: beliebt?), (ein jeder) zwei, drei oder vier.

Wenn ihr aber fürchtet, (so viele) nicht gerecht zu (be)handeln, dann (nur) eine, oder was ihr (an Sklavinnen) besitzt! So könnt ihr am ehesten vermeiden, unrecht zu tun (PARET19.. S 60)

Die Bedeutung dieses Verses ist sowohl unter Muslimen, als auch in der europäischen Islamwissenschaft umstritten. Tilman Nagel schreibt dazu: „Unter dem Eindruck einer bestimmten Notlage und nicht als eine ewig geltende Anordnung scheint auch die Bestimmung in Vers 3 entstanden zu sein, aus dem man in der Regel herausliest, der Muslim dürfe bis zu vier Ehefrauen haben. In Wirklichkeit geht es in diesem Vers, dessen Inhalt nicht ganz klar ist, um die Behandlung weiblicher Waisenkinder durch ihren Vormund. Manche klassischen Koran-Kommentatoren glauben, dieser Vers sei nach der Schlacht von Uhud offenbart worden, in der viele Muslime den Tod gefunden hatten; doch es muß nicht gerade dieses Ereignis der Anlaß zu dem Vorschlag gewesen sein, verwaiste Mädchen zu verehelichen, um ihnen eine gewisse Absicherung zu gewährleisten. [...] Die Frage, ob es sittlich oder verwerflich sei, mehr als eine Ehefrau zu haben, wird im Koran nie angeschnitten; sie stellte sich dem damaligen Araber nicht. Die Ehe wird im Koran vor allem unter dem Gesichtspunkt der Herstellung fester und sicherer Beziehungen innerhalb der Anhängerschaft des Propheten betrachtet.“ (NAGEL, 1983: 314)

Von einem „Befehl“ vier Frauen ehelichen zu müssen kann also bei Sure 4, 3 keine Rede sein. Viel mehr handelt es sich um ein Verbot mehr als vier Frauen zu heiraten, was in vorislamischen arabischen Stammesgesellschaften durchaus möglich war, und im Falle einer Ehe mit mehr als einer Frau alle Frauen gleich und gerecht zu behandeln. „Der 13.“ dreht somit die Bedeutung der Sure 4, Vers 3 geradezu um um die Frauenfeidnlichkeit des Islam zu „beweisen“. Auch der Rest des Textes ist manipulativ, denn dem Zeugnis einer Frau ist nicht „halb zu glauben“, sondern lediglich vor einem religiösen, bzw. traditionellen Gericht wird die Zeugenaussage einer Frau so gewichtet, daß sie die Hälfte der Aussage eines Mannes wiegt. Daß Freuen durch das islamische Erbrecht die Hälfte eines Mannes erben, war gegenüber dem vorislamischen Erbrecht eine Verbesserung für die Frauen, die bis dahin nichts erben konnten. Der höhere Erbanteil für die Männer wird von islamischen Rechtsgelehrten damit erklärt, daß Männer auch Sorgepflichten für noch minderjährige Familienmitglieder oder fianziell abhängige Frauen haben, während der Erbanteil der einer Frau zufällt ihr allein zur Verfügung steht. Natürlich ist dies Ausdruck einer patriachalen Gesellschaft, daß sich darüber aber ausgerechnet Vertreter eines katholischen Integralismus beschweren kann wohl nur als Treppenwitz der Geschichte gelten.

Natürlich wird in demselben Artikel auf den unweigerlichen „heiligen Krieg“ Bezug genommen: „Wenn die Moslems für den Islam jemanden oder ein ganzes Volk töten, dann sind sie nicht schuldig, weil Allah das ganze Blut auf sich nimmt. Heiliger Krieg heißt Dschihad, und alle Moslems sollen teilnehmen, wenn Dschihad ausgerufen ist.“ (DER 13., 13. Juni 1998: 6)

Was Gihad wirklich ist wurde bereits zuvor beschrieben, hier wird einmal mehr die übliche Fehlübersetzung und Fehlinterpretation benützt. Und selbst das Judentum wird in diesem Falle benützt um gegen den Islam zu hetzen: „Der Islam hält das Judentum und den Götzendienst für die größten Feinde, weil Mohammed von ihnen abgelehnt worden war.“ (DER 13., 13. Juni 1998: 6) Der eigene Antisemitismus des 13ten wird hier offensichtlich auf den Islam übertragen, was historisch wie theologisch unrichtig ist. Der Islam hat das Judentum immer mit dem Christentum gleichgesetzt und als Buchreligion (ahl al-kitab) betrachtet, die unter islamischem Schutz weiterhin ausgeübt werden kann. Juden und Christen waren in islamischen Staaten zwar Staatsbürger mit minderen Rechten und Pflichten, wurden im Gegensatz zu Minderheiten in christlichen Staaten aber immerhin toleriert und konnten mit Ausnahme direkter Obrigkeitsfunktionen auch politische Ämter ausüben. Keinesfalls wurden Juden im Islam jemals mit „Götzendienst“ gleichgesetzt.

Der Autor endet seinen Artikel schließlich damit, daß es „unzählige Unterschiede zwischen Koran und Evangelium [gibt]. Und in diesen Unterschieden ist einfach zu erkennen, daß das Gottesbild des Islams mit dem Satansbild des Christentums sehr ähnlich ist.“ So schnell werden Muslime für katholische Integralisten und Klerikalfaschisten also zu Satansanbetern.

Unter der Schlagzeile „Moslem-Demo in Karlsruhe“ berichtet eine andere Ausgabe des „13.“ schließlich von „zweitausend Türken“, die am „9. April vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe, dem höchsten deutschen Gericht“ demonstiert hätten und kritisiert weiter hinten unter dem Titel „Grüne & Islam & Bischöfe“den Rottenburger katholischen Bischof Walter Kasper und den evangelischen Bischof Ludwig Kohlwage, die einen islamischen Religionsunterricht gefordert hätten, etwas das es in Österreich bereits seit Jahren gibt. (DER 13., 13. April 1999: 2f)

Schon am 13. Dezember 1995 wurde der Bürgerkrieg im Sudan genutzt um einen Artikel unter der Schlagzeile „Christenverfolgung im Sudan“ zu publizieren. Darin wird u.a. das Schauermärchen von dem muslimischen Sklavenjägern, die arme Christen versklaven verbreitet: „Die Sklavenjäger bieten zum sexuellen Mißbrauch Kinder ab sechs Jahren im Gegenwert bis zu 50 Dollar feil, Arbeitssklaven für eine Handvoll Dollarnoten.“ (DER 13., 13. Dezember 1995: 8)

Auch Samuel Huntingtons „Kampf der Kulturen“ wird natürlich willig aufgenommen. Im März 1997 titelt „Der 13.“: „Kirche und Politik versagen gegen Islam“ und leitet ganz im Huntington´schen Sinne den Artikel ein: „Wird es einen“clash of civilisations„, mit dem fanatisierten mittelalterlichen“homo islamicus„geben oder wird das christliche Establishment zu einer solchen Kraftanstrengung nicht mehr fähig sein?“ (DER 13., 13. März 1997: 1) Diesem Artikel auf der Titelseite folgt im Blattinneren ein Artikel über den Kampf eines evangeischen Pfarrers gegen die Errichtung einer Moschee mit drei Kurzmeldungen über einen Anschlag gegen eine kath. Kirche in Bosnien, der Muslimen zugeordnet wird, eine Amerikanerin, die behauptet im Harem des Sultans von Brunei als Sexsklavin gehalten worden zu sein und das Begräbnis eines Bischofs auf den Philippinen, der von Muslimen ermordet worden sein soll. (DER 13., 13. März 1997: 2f)

Im Juni 1997 schreibt der Chefredakteur des 13ten Friedlich Engelmann unter dem Kürzel f. e. und der Headline „Islam missioniert völlig unbehindert“ einen Artikel gegen genau jene Tätigkeit die für die katholische Kirche völlig selbstverständlich ist und stellt ganz entsetzt fest: „Auch in Österreich mehren sich die Veranstaltungen, mit denen der Islam seinen Glauben verbreiten will. Die Führung der katholischen Kirche nimmt daran keinen Anstoß.“ (DER 13., 13. Juni 1997: 2)

Einen Monat später scheinen die Missionsbestrebungen des Islam schon um vieles weiter gekommen zu sein. Jedenfalls heißt im Juli 1997 die Überschrift bereits „Islam überrennt Europa Der Widerstand wächst“. Nach einer Aufzählung wo denn überall der Islam in Europa anwachse läßt das Blatt den deutschen Verfassungsschutz, die „Bekenntnisbewegung Kein anderes Evangelium“, die „Evangelische Notgemeinschaft in Deutschland e. V.“ und „katholische Initiativgruppen“ vor dem Islam warnen. Dem Artikel angeschlossen findet sich auch noch ein sehr oberflächlicher Beitrag über Frauenbeschneidungen in Ägypten. Obwohl diese altägyptische Sitte nichts mit dem Islam zu tun hat, von vielen islamischen Autoritäten bekämpft wird und bei ägyptischen Christen ähnlich häufig vorkommt wie bei Muslimen, wird selbst diese Grausamkeit noch dem Islam in die Schuhe geschoben. (DER 13., 13. Juli 1997: 2f)

Und noch zwei Monate später ist es bereits „Der militante Islam“ der Europa „verunsichert“ (DER 13., 13. September 1997: 2), was sich schließlich bis November 1997 zum „Islam-Terror“ auf der Titelseite des 13ten verwandeln sollte. Der Tübinger Theologe Hans Küng wird in einem Artikel für seine differenzierte Haltung gegenüber dem Islam kritisiert und auf der folgenden Seite heißt ein Artikel über Muslime in Deutschland: „Islam schört Rache“ (DER 13., 13.September 1997: 2)

Im Jänner 1998 erscheint im 13ten ein Artikel über Diözese Rottenburg-Stuttgart, welche „das Recht von Moslems betont, in Deutschland eigene Gotteshäuser errichten zu dürfen. [...] Das Rottenburger Dokument zu Moschee-Bauten in Deutschland erschien pünktlich am Beginn des mohammedanischen [sic! Anm.] Fastenmonats Ramadan - ein Faktum, das viele Katholiken empörend finden.“ (DER 13., 13. Jänner 1998: 3) Zu diesen empörten Katholiken gehört wohl auch die Redaktion des 13ten. Schließlich ist dieser Artikel strategisch richtig plaziert. Auf der selben Seite befindet sich ein Artikel und ein Kommentar über die Verfolgung syrisch-orthodoxer Christen in der Türkei. Die nationalistische Verfolgungspolitik eines laizistischen Regimes werden darin eindeutig mit Muslimen in Verbindung gebracht. Und um zu beweisen, daß eben nicht nur die türkische Regierung Christen verfolgt, sondern auch noch die „muslimische“ Opposition wird auch gleich noch die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ zitiert, „daß am 13. Dezember eine paramilitärische Einheit der kurdischen PKK in Nähe des Dorfes Mangisch, fünf Kilometer südlich von Dohuk in der nordirakischen UN-Schutzzone, ein Massaker an sechs christlichen Bauern verübt hat“. (DER 13., 13. Jänner 1998: 3) Sowohl die Repressionspolitik der laizistischen türkischen Nationalismus, als auch das angebliche Massaker der ehemals marxistisch-leninistischen - nunmehr nur noch völkisch-nationalistischen - Kurdischen Arbeiterpartei werden unter der Überschrift „Was wäre, wenn das Europa gegen den Islam täte? Verbotener Religionsunterricht“ (DER 13., 13. Jänner 1998: 3) abgehandelt.

Einen Monat später findet sich neben einem Artikel über die Seligsprechung des „Türkenbefreiers“ Marco d´Aviano unter der Überschrift „Türkenbefreiung nicht opportun“ ein Foto einer deutschsprachigen Quranübersetzung mit der Bildunterschrift: „[...]Christen sollten sich dennoch über den Inhalt des Korans gut informieren: Dann kämen sie nämlich darauf, daß sie bei einer Machtergreifung des Islam einiges zu fürchten hätten. Läsen christliche Frauen den Koran, würden sie erkennen, wie schwierig es für sie wäre als Frau in einem durch den Islam dominierten Staat zu leben.“ (DER 13., 13. Februar 1998: 2)

Das mittlerweile aufgehobene Todesurteil gegen einen deutschen Geschäftsmann, dem ein Verhältnis mit einer iranischen Muslimin zu Last gelegt worden war, wird auf der nächsten Seite unter der 3 cm hohen Schlagzeile „Islam im Iran ohne Gnade“ mit ganzen drei Sätzen abgehandelt. Und nach einem antisemitischen Artikel gegen die Entfernung christlicher Symbole im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz ist wieder einmal die Türkei an der Reihe: „Neuer Terror gegen Kirche“ heißt ein Artikel über einen Einbruch in eine Kirche in Istanbul. (DER 13., 13. Februar 1998: 3)

Im April titelt der 13te schon wieder mit „Radikaler Islam“. Im zugehörigen Artikel beruft sich die Zeitung schließlich auf den deutschen Verfassungsschutz: „Kaum eine Woche vergeht, ohne daß Peter Frisch, der deutsche Präsident des Amtes für Verfassungsschutz, auf die Gefahren des militanten Islam hinweist.“ (DER 13., 13. April 1998: 2)

Und auf der gleichen Seite heißt es schließlich: „Mohammedaner müßte man sein:“Keine Bewilligung nötig!„:“In dem kleinen österreichischen Bundesland Vorarlberg gibt es schon 30 islamische Gebetsräume. [...]" (DER 13., 13. April 1998: 2)

Aber nicht nur die katholische Fraktion des österreichsichen Rechtsextremismus benützt die Islamfeindlichkeit der österreichischen Bevölkerung als Agitationsfeld.

Auch das klassich deutschnationale Lager agitiert gegen Muslime und den Islam. Stellvertretend sei hier die Zeitschrift Aula als Beispiel herausgegriffen, deren Herausgeber die Freiheitlichen Akademikerverbänden Steiermark, Wien-Niederösterreich-Burgenland, Oberösterreich, Salzburg, Tirol-Vorarlberg und Kärnten-Osttirol [1] darstellen.

Die Aula stellt eine wichtige „Brücke von der FPÖ zu allen außerparlamentarischen Strömungen des Rechtsextremismus und Deutschnationalismus bzw. auch zu einzelnen Vertretern des Rechtskonservativismus [dar]. Im wesentlichen repräsentiert die“Aula„das deutschnationale bis rechtsextreme Millieu in Österreich, ausgenommen den militanten jugendlichen Neonazismus.“ (BAILER / NEUGEBAUER, 1993: 122)

In ihrer Nummer 2/95 hat sich die Aula den Schwerpunkt „Militanter Islam“ gesetzt. Unter einem bärtigen Ayattollah Khomeni und über einigen bewaffneten Männern die ihre Fäuste in die Höhe recken prangert dieser Schriftzug auf der Titelseite dieser Ausgabe.

Der wiederaufgehende Halbmond und die geopolitische Bedeutung des Iran„heißt schließlich ein Artkel im Inneren des Heftes in dem Islamfeindlichkeit mit Verschwörungs- und Allmachtsfantasien vermischt wird:“Als auf Welteroberung angelegte Glaubensgemeinschaft verfügt der Islam verschiedentlich über geopolitische Trümpfe. Er hat mit der Türkei nicht unbedingt zum Vorteil Europas (aber sehr zum Schaden der mißhandelten Kurden) - seine Finger im atlantischen Bündnis, sitzt am Persischen Golf auf dem Öl, am Suezkanal auf der Brücke Vorderasiens nach Afrika, am Bosperus wiederum auf der von Vorderasien nach Europa, in Pakistan und Turkestan auf Sprungbrettern nach Indien und Sibirien, schließlich im Iranischen Hochland im Schwerpunkt der Alten Welt. Sein Einflußbereich innerhalb der Alten Welt ist der geographisch kompakteste, seine weiteren Stärken sind sein Bevölkerungsüberschuß und seine Intrasigenz. Ohne Gegenseitigkeit zuzugestehen, verfügt er über aggressive Vorposten in allen europäischen Großstädten. (LOHAUSEN, 1995: 14)

Die islamische Bedrohung wird vom Aula-Redakteur dann schließlich noch mit einer Prise Antiamerikanismus gewürzt:

Trotz amerikanischem Bündnis mit den Ölfürsten erneuerte der Golfkrieg auf empfindlichste Weise die noch unvergessene Demütigung der Araber durch europäische Kolonialmächte. Neuerliche Strafaktionen gegen islamische Machthaber - so in Libyen und Somalia - lassen die offene Wunde nicht ausheilen. Noch gilt für die Machthaber der islamsicehn Staaten das Wort des Koran: „Küsse die Hand, die du nicht abschlagen kannst.“ Die Vergeltung jedoch wird als erstes unfehlbar das unmittelbar vor der eigenen Tür gelegene Europa erreichen, nicht das zu weit abgelegene Amerika. Gegen sie, gegen dessen allzu willfährige Handlanger, wird die islamsiche Bevölkerungsexplosion, wird der durch diese immer mehr anschwellende Einwanderungsdruck, unterstützt von den immer selbstbewußter auftretenden fünften Kolonnen der von den gewinnsüchtigen Europäern ins Land geholten oder farlässig hereingelassenen Fremdlinge zum aussichtsreichsten Mittel eines aller Erfolge Karl Martells, der spanischen „reconquista“ und sämtliche Siege Prinz Eugens wettmachenden Angriffs. [...] Die Überalterung der Europäer, ihre Wehrunwilligkeit, das verhätschelte Phantom einer multikulturellen Gesellschaft, die Feigheit ihrer Politiker, dazu die Blindheit nur noch konsumsüchtiger Massen öffnet hier alle Tore. Die Rechnung der Fundamentalisten könnte eines Tages aufgehen, Nostradamus zufolge wird sie das auch, kommen ihr nicht andere apokalyptische Ereignisse zuvor. (LOHAUSEN, 1995: 17)

Ein weiterer Artikel des Schwerpunktes beschäftigt sich dann auch gleich mit den armen, vom Islam überrannten Europäern: „’Allah über Albion’ Das Problem der Briten mit dem Islam“ heißt ein Artikel über Muslime in Großbritannien:

Zu den islamischen immigranten aus den Commonwealth.Ländern haben sich bereits mehr als 30.000 Einheimische - darunter 10.000 Frauen - gesellt. Seit mit der „Hizb ut Tahir“, einer pro-iranischen Fundamentalistengruppe, eine anti-westlich militante Gruppierung sich immer radikaler in Szene setzt, ist Londons Zentralregierung um eine Sorge reicher. (GLÜCK, 1995: 17)

1999 hatte sich die Aula dann schließlich einen Schwerpunkt „Vorderer Orient - Chance für Frieden?“ gegeben, wobei im Konflikt mit dem alten Feindbild der österreichsichen Rechten die muslimischen Araber immer noch lieber zu sein scheinen, als die jüdischen Israelis. Lediglich in einigen Seitenhieben im Rahmen eines Türkeiartikels wird noch auf die Gefahren des politischen Islam verwiesen.

Auch die „Österreichische Landsmannschaft“, eine „Rechtsextreme Organisation, die vor allem im publizistischen Bereich beträchtliche Aktivitäten setzt und aufgrund ihrer ideologisch-kulturellen Tätigkeit eine wichtige integrative Funktion für das deutschnationale und rechtsextreme Lager erfüllt“ (BAILER / NEUGEBAUER, 1993: 179) hat mehrfach zum Thema Islam publiziert. Erwähnenswert ist dazu v. a. die Broschüre „Der Vormarsch des Islam“ von Helmut Müller, die als Heft 138 der Reihe Eckartschriften erschien. In diesem Heftchen wird sowohl von der Gefahr der Islamisierung Europas gewarnt, wie auch über das vom Liberalismus so verkommene Europa gelästert: „Europa, unfruchtbar geworden, geistig-kulturell vom Ursprünglichen, Eigenschöpferischen sich entfernend, dem Sinn des Lebens in weiterer Folge entsagend, schafft ein Vakuum, in das andere hineinstoßen. Unter anderem der Islam als geistig-religiöse Kraft, er kann auf dem von einem extremen Liberalismus gedüngten Boden besonders gut vorankommen.“ (MÜLLER, 1996: 121)

Was Müller vom Zusammenleben mit Muslimen in Österreich hält macht er im Kapitel „“Musterland„Österreich“ klar: „Wenn die Österreicher [...] an den Integrationswillen aller eingewanderten Muslime glauben, so sollten sie wohl bedenken, daß Präsident Abdelrahimsai klarstellt, in Zweifelsfällen müßten sich Muslime nicht für die neue Heimat, sondern für die Religion entscheiden.“Kriegsentscheidend„[sic!] wäre dies gewiß noch nicht, obwohl nach Meinung des Militärkommandanten von Wien, Karl Semlitsch, die Anzahl der türkischen Präsenzdienser derzeit schon für die Aufstellung einer Kompanie reichen würde. Bei der Fruchtbarkeit muslimischer Frauen [sic!] dürfte sich aber auch hier in Zukunft eine größere Verschiebung ergeben.“ (MÜLLER, 1996: 105f)

Daß das Feindbild Islam auch im österreichischen Bundesheer sorgfältig gepflegt wird beweist eine Broschüre, die die „Autorengemeinschaft der Milizoffiziere in der Österreichischen Landsmannschaft“ ebenfalls in den „Eckartschriften“ veröffentlicht hat.

Unter dem Titel „Wenn Kulturen zusammenprallen“ wird dabei v. a. der These Samuel Huntingtons vom „Kampf der Kulturen“ das Wort geredet:

Einen „Krieg der Kulturen“, einen Zusammenprall der Zivilisationen, sieht daher Samuel Huntington in seiner prägenden Analyse. Selbst wenn man ihm nicht in allen Einzelheiten folgt, so bleibt im Kern eines unbestreitbar: Neben dem Wettlauf im Welthandel; der Konkurrenz in der Technik und in der Wissenschaft, um Militärstützpunkte oder um Rohstoffe - der ideologische Anspruch der unterschiedlichen Kulturen wird sich ganz dramatisch auswirken.

Es ist eben nicht völlig gleichgültig ob in eine Gesellschaft die Scharia (das islamische Strafrecht) importiert wird, oder der Code Napoleon bzw. das Westgalizische Gesetzbuch. (AUTORENGEMEINSCHAFT, 1998: 6f)

In der Broschüre wird jedoch nicht nur der Huntington´sche Ansatz popularisiert und verbreitet, sondern auch auf die Debatte über Huntington im österreichischen Bundesheer Bezug genommen, wo sich der Prediger des „Kampfes der Kulturen“ offensichtlich großer Beliebtheit erfreut.

Damit wären wir wieder am Ausgangspunkt dieser Arbeit angekommen. Die beschriebenen ausgewählten Beispiele aus verschiedenen Spektren des organisierten Rechtsextremismus, sind nur Zuspitzungen gesellschaftlich hegemonialer Ideologeme. Wie der Antisemitismus und der Rassismus, ist auch die Islamfeindlichkeit in der Mitte der österreichischen Gesellschaft fest verankert und trägt u. a. auch in der aktuellen politischen Situation ihre Früchte

[1Allein schon mit dieser Einteilung der Bundesländer folgen die Freiheitlichen Akademikerverbände weitgehend der Einteilung der Nationalsozialistischen Gaue zwischen 1938 und 1945, als Osttirol und Kärnten ebenso zu einem Gau zusammengefaßt worden waren wie Tirol und Vorarlberg. Das Burgenland war zwischen der Seitermark und „Niederdonau“ aufgeteilt worden.

Bibliographie

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    Berlin, 1998
  • AULA 6/99: S 28 - 34
  • AUTORENGEMEINSCHAFT der Milizoffiziere in der Österreichischen Landsmannschaft: Wenn Kulturen zusammenprallen; Eckartschriften Heft 146
    Wien, 1998
  • BALIC, Ismail: Zur Geschichte der Muslime in Österreich
    in:
    HEINE, Susanne: Islam zwischen Selbstbild und Klischee
    Wien, 1995
  • BAILER, Brigitte / NEUGEBAUER, Wolfgang: Rechtsextreme Vereine, Parteien, Zeitschriften- (kreise), informelle/illegale Gruppierungen
    in:
    DOKUMENTATIONSARCHIV des Österreichischen Widerstand (Hg.): Handbuch des Österreichischen Rechtsextremismus
    Wien, 1993
  • BUNZL, John: Juden im Orient, Jüdische Gemeinschaften in der islamischen Welt und orientalische Juden in Israel
    Wien, 1989
  • DER 13., Zeitung der Katholiken für Glaube und Kirche: Jahrgänge 1995 - 1999
  • GLÜCK, Erich: „Allah über Albion“, Das Problem der Briten mit dem Islam
    in: Aula 2/95, S 17 - 18
  • HALM, Heinz: Vorwort
    in:
    KLEMM, Verena / HÖRNER, Karin: Das Schwert des „Experten“, Peter Scholl-Latours verzerrtes Araber- und Islambild
    Heidelberg, 1993
  • HAESE, Ute: Die Kontroverse um die ethische Fundierung der Verteidigung in der katholischen Kirche
    Bielefeld, 1991
  • HOLZER, Willibald I.: Rechtsextremismus, Konturen, Definitionsmerkmale und Erklärungsansätze
    in:
    DOKUMENTATIONSARCHIV des Österreichischen Widerstands (Hg.): Handbuch des Österreichischen Rechtsextremismus
    Wien, 1993
  • HEINE, Peter: Konflikt der Kulturen oder Feindbild Islam, Alte Vorurteile - neue Klischees - reale Gefahren
    Freiburg im Breisgau, 1996
  • KÖNIG, Franz Kardinal: Europa sucht seinen Weg
    in:
    SCHÜSSEL, Wolfgang (Hg.): Austria - Zur ersten EU-Präsidentschaft Österreichs 1998
    Wien, 1998
  • LOHAUSEN, Heinrich Jordis: Der wiederaufgehende Halbmond und die geopolitische Bedeutung des Iran
    in: Aula 2/95 S 14 - 17
  • MÜLLER, Helmut: Der Vormarsch des Islam; Eckhartschriften, Heft 138
    Wien, 1996
  • NAGEL, Tilman: Der Koran: Einführung, Texte, Erkäuterungen
    Frankfurt a. M., 1983
  • PARET, Rudi: Der Koran, 2. Auflage
    Stuttgart, 1980
  • ROTTER, Ekkehart: Die Sarazenenseuche oder Wie ein Feindbild entsteht
    in:
    ROTTER, Gernot: Die Welten des Islam
    Frankfurt am Main, 1993
  • SAID, Edward W.: Orientalism
    New York, 1979
  • SCHWEIZER, Gerhard: Syrien, Religion und Politik im Nahen Osten
    Stuttgart, 1998
  • SENOCAK, Zafer: War Hitler Araber?, IrreFührungen an den Rand Europas.
    Berlin, 1994
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