Hermann Knoflacher

Professor für Verkehrsplanung an der Technischen Universität in Wien.

Beiträge von Hermann Knoflacher
MOZ, Nummer 55
Interview

„Frächterkommunismus“

■  Hermann Knoflacher ▪ Karl Lind
September
1990

Hermann Knoflacher ist Professor für Verkehrsplanung an der Technischen Universität in Wien. Karl Lind sprach mit ihm über „Lückenschließen“, die EG-Verkehrspolitik, Transit und die Geschichte des Straßenwahnwitzes. MONATSZEITUNG: Herr Knoflacher, Sie sind Mitinitiator einer Petition an den (...)

Hermann Knoflacher (in der Mitte) und Heiner Monheim (links) während des 18. Bundesweiten Umwelt- und Verkehrskongress BUVKO an der Universität Trier am 19. März 2011

Hermann Knoflacher (* 21. September 1940 in Villach, Kärnten) ist ein österreichischer Zivilingenieur. Er ist Professor emeritus am Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik der Technischen Universität Wien.

Leben, Forschung und Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Knoflacher studierte Bauingenieurwesen, Vermessungswesen und Mathematik an der TU Wien. Er ist seit 1975 Professor an der Technischen Universität Wien[1] und war seit 1985 Vorstand des Instituts für Verkehrsplanung und -technik.[2] Seine Lehrschwerpunkte sind Raum- und Stadtplanung sowie Einflüsse der Mobilität. Seine Thesen stellen einen wesentlichen Beitrag zum Konzept der Sanften Mobilität dar. Seit 1982 ist Knoflacher Leiter des Institutes für Verkehrswesen im Kuratorium für Verkehrssicherheit Wien, seit 1993 ist er ordentliches Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste,[3] seit 2004 ist Knoflacher Präsident des Club of Vienna. Außerdem ist er Mitglied des Club of Budapest und globaler Fußgehervertreter der Vereinten Nationen. Von 2004 bis 2018 war Knoflacher auch Vorsitzender des Fahrgastbeirats der Wiener Linien.[4][5] Hermann Knoflacher schreibt die Umwelt-Kolumne in der auflagenstarken österreichischen Wochenzeitung Die ganze Woche.

Hermann Knoflacher wurde vom Veranstalter für die Verkehrsplanung für die Olympischen Winterspiele im Februar 2014 beigezogen.

2017 wurde er mit dem Würdigungspreis des Kulturpreises des Landes Kärnten ausgezeichnet.[6]

Kritik an der automobilen Gesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Knoflacher in seinem Gehzeug, einer Karikatur des enormen Platzbedarfs des motorisierten Individualverkehrs

Bekannt ist Knoflacher für seine Kritik am Automobil und seinen Folgen für die Umwelt des Menschen.[7] Das Auto ist für Knoflacher „wie ein Virus“:

„Wir ziehen uns mehr oder weniger freiwillig in abgedichtete Häuser mit Lärmschutzfenstern zurück, um den Außenraum dem Krach, dem Staub und den Abgasen der Autos zu überlassen.“

Hermann Knoflacher im Zeit-Interview[8]

Um die Problematik unseres Verkehrswesens aufzuzeigen, entwickelte er 1975 das „Gehzeug“. Dabei handelt es sich um einen Holzrahmen, den sich Fußgänger umhängen können, um dieselbe Fläche wie PKW-Fahrer in Anspruch zu nehmen. Es wird vor allem in Österreich in Demonstrationen gegen den Autoverkehr, für mehr Fußgängerfreundlichkeit und die Verkehrswende eingesetzt und verbildlicht die auch von Knoflacher formulierte Kritik an der Irrationalität des Straßenverkehrs, vor allem des städtischen, und an dessen relativ hohem Platzbedarf.[9][10]

Laut Knoflacher fehlt dem Menschen beim Autofahren die Rückmeldung des Energieverbrauchs, den er als Fußgänger dagegen unmittelbar verspürt:

„Der Mensch ist darauf evolutionär überhaupt nicht vorbereitet. Es überwältigt ihn. Und deshalb setzt sich das Auto ganz tief im Stammhirn des Menschen fest. Und er beginnt, sich mit dem Auto zu identifizieren“

Hermann Knoflacher im n-tv-Interview[11]

Auswirkungen, Konflikt mit Umweltzielen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Interviews mit dem Spiegel[12] und der ARD[13] gab Knoflacher an, Maßnahmen gegen den Autoverkehr initiiert zu haben, welche die Bevorzugung desselben in Frage stellen und teilweise beseitigen sollten. Ein Auto dürfe laut Knoflacher nicht mehr Platz verbrauchen als andere Verkehrsteilnehmer auch. Tatsächlich sei es aber ein Vielfaches. Parkraum sei in Städten subventioniert und damit zu günstig. Durch bauliche Hindernisse sollten Autofahrer gezwungen werden, an Haltestellen hinter den öffentlichen Verkehrsmitteln zu warten. Der öffentliche Verkehr solle das Tempo bestimmen und das des Autoverkehrs darauf reduziert werden.

Kritiker bemängeln, dass Knoflachers Politik mehr rote Ampeln statt grüner Wellen schaffe, was zu gehäuften Brems- und Beschleunigungsvorgängen, Wartezeiten im Leerlauf und sehr niedrigen Geschwindigkeiten mit steigendem Schadstoffausstoß, Kraftstoffverbrauch und Lärm führe.[14][15]

Knoflacher wurde von ÖVP, FPÖ und dem ÖAMTC für die von ihm umgesetzten Verschlechterungen für den motorisierten Individualverkehr heftig kritisiert.[16][17]

„‚Seit fünf Jahrzehnten setzen Sie sich für eine andere Verkehrspolitik und eine andere Verkehrsplanung ein. Hat es Sie getroffen, dass Sie viel Kritik einstecken mussten?‘
Am Anfang vielleicht, aber eigentlich auch damals nicht. Ich freue mich immer, wenn ich persönlich angegriffen werde, weil das bedeutet, dass mein Gegenüber keine Sachargumente hat.“

Hermann Knoflacher: Berliner Zeitung, 22. Juli 2020 (im Interview mit Peter Neumann)[18]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Technische Universität Wien: Porträt Hermann Knoflacher
  2. Webseite des Instituts für Verkehrswissenschaften an der TU Wien
  3. Donau Universität Krems: Porträt o.Univ.-Prof. DI Dr. Hermann Knoflacher
  4. Neuer Vorsitzender für den Fahrgastbeirat auf wienerlinien.at vom 26. November 2018, abgerufen am 2. Dezember 2018
  5. Fahrgastbeirat der Wiener Linien bekommt neuen Chef auf diepresse.com vom 26. November 2018, abgerufen am 2. Dezember 2018
  6. orf.at: Literatur-Landeskulturpreis für Peter Turrini. Artikel vom 14. Dezember 2017, abgerufen am 14. Dezember 2017.
  7. Raus aus der Autofalle!. In: Die Presse, 5. April 2013.
  8. „Das Auto macht uns total verrückt“ (13. September 2007)
  9. Der Mensch in der Falle, in: Der Spiegel, Ausgabe 9/1997, S. 19.
  10. Was war da los, Herr Knoflacher, in: Der Spiegel, Ausgabe 1/2010, S. 44.
  11. „"Das Gehirn wird vom Auto manipuliert"“ (6. September 2020)
  12. "Manche Autofahrer haben geschrien, vor Verzweiflung", in: Der Spiegel, Ausgabe 10/2018
  13. Stauplanung richtig, ARD Wien, 16. April 2018
  14. Heinz Steven Fachtagung Tempo 30 - Chancen, Hindernisse, Erfahrungen Arbeitsring Lärm der Deutschen Gesellschaft für Akustik, 8. November 2012
  15. Günter Murr Dicke Luft durch Tempo 30, Frankfurter Neue Presse, 2. September 2016
  16. Josef Gebhard Haben Stau erzeugt, kurier.at, abgerufen 19. August 2018
  17. Wiener Verkehrsplaner: "Autofahrer kein Mensch", oe24.at, abgerufen 19. August 2018
  18. Peter Neumann: Verkehr: „Das Auto steht überall im Weg, auch in Berlin. Man muss es wegräumen“. Die Verlängerung der Stadtautobahn sei Irrsinn, eine City-Maut wäre Unsinn: Ein Gespräch mit dem österreichischen Mobilitätsexperten Hermann Knoflacher über den Berliner Verkehr. In: www.berliner-zeitung.de. Berliner Zeitung, 22. Juli 2020, abgerufen am 6. Juni 2020 (Hermann Knoflacher im Interview mit Peter Neumann).