Heft 1/2001
März
2001

„Nigerianische Drogenmafia“ und die „Reinheit unseres Volkes“

Konsensuales Verhalten und die Reaktionen eines sozialdemokratischen Innenministeriums. Ein Interview mit Charles Ofoedu*

Die Übermacht und die undurchschaubare Struktur der „organisierten Kriminalität“, der Schutz „unserer Frauen“ und „unserer Kinder“ und nicht zuletzt die „Reinheit unseres Volkes“ führen zu einem konsensualen Verhalten unter dem Titel: Wir verfolgen wen wir wollen!

Im februar 1999 wurde Ahmed F. der aus dem senegal vor 10 jahren nach österreich migrierte in einer wiener u-bahnstation von polizeibeamten so lange geschlagen bis er tot war. Am 1. Mai 1999 starb Marcus Omofuma beim versuch des österreichischen staates ihn per flugzeug nach nigeria zu deportieren. Die rassistische praxis in staat und gesellschaft führte schließlich dazu, dass sich migrantInnen selbst zu einem breiten bündnis zusammen schlossen und mehrere demonstrationen in wien organisierten. Die erste dieser demonstrationen lief unter dem titel „stoppt den rassistischen polizeiterror“. [1]

Die notwendigkeit dieser parole wurde in den nächsten monaten mehr als deutlich. Am 27. Mai 1999 startete die größte polizeiaktion der zweiten republik, die „operation spring“. Damit war das konstrukt der nigerianischen drogenmafia durchgesetzt. Von medien und gesellschaft wurde es begierig aufgenommen. Die antisemitischen und rassistischen ressentiments dieser verfolgungspraxis stießen auf einen breiten konsens. AfrikanerInnen werden heute ständig zu drogendealerInnen stigmatisiert, die in übermächtigen strukturen organisiert sind und die sicherheit der ganzen welt bedrohen. Im frühling 2000 wurde Imre B. in seinem auto sitzend von einem polizeibeamten erschossen. Das ist die lehre, die polizei und medien aus ihrem kampf gegen afrikanerInnen gezogen hat. Erst schießen und dann fragen, schließlich geht es um unsere sicherheit.

Doch von mord darf nicht gesprochen werden. mord als politische kategorie zu benennen, führt wieder zu strafverfolgung. Eine aktivistin der african community brachte es im mai 1999 auf den punkt: „sie haben beschlossen, dass wir nicht hier sein dürfen und jetzt bringen sie uns einfach um“.

In deinem buch morgengrauen hast du deine erlebnisse mit der „operation spring“ und der medialen hetze niedergeschrieben. Jetzt schreibst du an einem neuen buch über einen afrikaner, der in österreich um asyl ansuchen will. Wie siehst du die verbindung zwischen kunst und politik, zwischen deiner literatur und den herrschenden zuständen in der gesellschaft?

Als schriftsteller bin ich teil dieser gesellschaft. Das schreiben muss daher auf meine umgebung zurückwirken. Wir sind ja auch politische menschen. Auch wenn jemand schreibt um kultur zu schaffen, handelt es sich letztlich immer um politik. Die politik ist ein teil des lebens der menschen. Für mich ist es sehr wichtig immer über themen zu schreiben, die mich bewegen. SchriftstellerInnen könnten auch als die augen einer gesellschaft angesehen werden. Es gibt schriftstellerInnen, die kritiseren und die etwas zu sagen haben, und andere, die nur über liebe schreiben. Ich sehe mich als jemand, der schreibt um politik zu machen.

Charles du bist bei den bunten und bei der african community. Wie würdest du diese zusammenschlüsse charakterisieren?

Die bunten existieren seit 4 oder 5 jahren und sind eine politische organisation, die leute aus den einzelnen kontinenten zusammengebracht hat. Die beteiligten kommen aus unterschiedlichen zusammenhängen und bringen ganz individuelle voraussetzungen mit. Es sind leute aus afrika, aus lateinamerika, aus asien, aus europa. Gegründet hat sich diese gruppe um für die würde der menschen zu kämpfen, egal welcher religion, welcher hautfarbe oder welcher kultur sie sich zugehörig fühlen.

Unser ziel ist es die unterdrückungen zu beenden. Wir versuchen, dass unsere stimme gehört wird. Es gibt auch eine zeitung, die bunte zeitung. [2] Da wir keinerlei budget haben ist es oft sehr schwierig, die zeitung überhaupt zu produzieren.

Die african community ist eine zusammensetzung von verschiedenen gruppen, die hauptsächlich von afrikanerInnen getragen werden.

Die community gibt es seit ca. zwei jahren und sie ist für alle afrikanischen vereine und personen offen, die sich dafür interessieren. Es gibt hier keinen vorstand oder was ähnliches. Wir kommen zusammen, erzählen uns von unseren problemen und überlegen, wie wir sie lösen können und weiter arbeiten können. Wir sprechen auch oft über integration und was wir dazu beitragen können. Aber ich habe das gefühl, dass meist integration mit assimilation verwechselt wird. So etwas wie integration kann es hier nicht geben.

Auch innerhalb der bunten gibt es oft widersprüche. Die bunten sind ja eine gemischte gruppe von männern und frauen. Man darf nicht vergessen, dass frauen immer sagen, dass sie sich emazipieren müssen. Was bedeutet emanzipieren? Die männer haben die frauen immer diskriminiert. Wenn man sagt, du musst zuhause bleiben, du kannst nicht rausgehen, dann macht man den gleichen druck wie er gegen afrikanerInnen gemacht wird. Die afrikanerInnen sollen lieber nicht kommen, die sind so gefährdet. Wir haben viel von den feministinnen gelernt und wir können noch viel lernen.

Die bunten wurden oft, vor allem aus der „österreichischen“ linken, kritisiert, zu unpolitisch zu sein und sich nur für menschenrechte — á la amnesty international — einzusetzen. Wie geht ihr mit solchen kritiken um?

Wir haben eine klare politische linie. In erster linie geht es uns darum, dass wir selbst für unsere rechte einstehen und dafür auch kämpfen können. es gibt auch noch andere kritiken, die von migrantInnenvereinen kommt. Die bunten würden versuchen alle migrantInnen zu vertreten. Aber wir sagten, das geht nicht, und das wollen wir auch nicht. Wir können nur uns selbst vertreten. Die anderen müssen das auch selber tun.

Ich denke mir, dass eine gruppe, die nie kritisiert wird, auch nicht wahrgenommen wird. Deswegen freut mich diese kritik. Sie zeigt, dass wir zumindest schon gehört werden und auffallen. So freut es mich, dass ich noch der obmann der bunten bin.

Im frühling 1999 kam es zu großen demos gegen rassismen. Am 19. März unter dem motto „stoppt den rassistischen polizeiterror“.

Diese demonstrationen waren die ersten, bei denen die afrikanerInnen überhaupt selbst auf die straße gegangen sind. Viele menschen hatten die ganze zeit angst. Sie wußten, niemand könne uns hier verteidigen. Aber die nigerianerInnen in wien haben zumindest schon einmal vorher eine demonstration organisiert. Nach der wahl in nigeria kam ein rechter präsident an die macht und da gab es eine aktion vor der botschaft in wien. Aber es war nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Es waren fast nur österreicherInnen und polizistInnen dabei. Wir waren nur ganz wenige. Alle, die uns sahen, haben uns mit großen augen angestarrt, so unter dem motto „was machen die afrikanerInnen in österreich auf der straße“.

Wir haben oft, schon bevor Marcus Omofuma starb, über die brutalität der polizei gesprochen. Wir diskutierten auch über die angriffe, denen afrikanerInnen auf der straße und bei der polizei ausgesetzt sind. In der öffentlichkeit hat aber niemand etwas gesagt oder etwas getan. Die demonstrationen bei ahmed f. und marcus omofuma waren dann dafür da, dass wir überhaupt gehört werden. Wir arbeiteten mit verschiedenen organisationen zusammen. Dabei lernten wir, wie demos organisiert werden. Das war protest, der sagt, wir sind menschen und wir können zusammen für unsere rechte kämpfen. Wir haben gezeigt, dass wir zusammen arbeiten können. Nach den demonstrationen hat der staat auf die afrikanerInnen eingeschlagen um ihre ganze zusammenarbeit zu zerstören. Ich hoffe, dass wieder eine zeit kommt, in der die afrikanerInnen in österreich auf die straße gehen können, um für ihre rechte zu kämpfen.

Es gab, wie du auch erzählt hast, unzählige übergriffe bis zu morden an migrantInnen. Warum wurde aus marcus o. eine „ikone“?

Marcus Omofuma kam ohne papiere als asylwerber nach österreich. Wenn er nicht gestorben wäre, würde wahrscheinlich niemand Marcus Omofuma kennen. Ich kannte ihn auch nicht. Ich habe ihn nie gesehen. Bekannt geworden ist er aufgrund der situation. Er ist in einem flugzeug bei einer abschiebung erstickt und die polizisten hatten die verantwortung. Die reaktionen der österreichischen politik unter schlögl und klima waren unglaublich. Marcus wurden alle seine rechte genommen. Die leute, die afrikanerInnen, haben dagegen gekämpft, sonst wäre es unter den teppich gekehrt worden und niemand hätte darüber geredet, wie immer in österreich. Darum mussten wir die geschichte von Marcus Omofuma in der gesellschaft bekannt machen und polizei und regierung dazu zwingen, zu diesem vorfall stellung zu nehmen. Marcus omofuma darf nie vergessen werden.

Wichtig — für das bekannt werden — war auch, dass er in bulgarien gestorben ist. Denn wäre das in österreich passiert, hätten medien und politikerInnen sicher wieder versucht, ihn als dealer darzustellen, um behaupten zu können, er sei an drogen gestorben.

Anläßlich der ersten demo nach Marcus Omofumas tod entstand die plattform für eine welt ohne rassismus. Es kam zu einer zusammenarbeit zwischen migrantInnen und „mehrheitsösterreicherInnen“.

für eine welt ohne rassismus ist eine struktur, die schnell entstand und es war großartig, dass wir eine solche organisation hatten. aber für uns als afrikanerInnen ist es immer dasselbe. Es wird immer gesagt, dass wir nichts machen können, und dass andere für uns entscheiden müssen. Das diskriminiert uns. Ich habe gut gefunden, dass wir zusammen gearbeitet haben, aber meine eigene erfahrung war immer wieder die selbe. Wir diskutieren über ein thema und am ende entscheiden immer die österreicherInnen. viele afrikanerInnen in der plattform dachten, dass ihnen das helfen kann. Aber ich habe gesehen, dass die plattform nichts für die afrikanerInnen tun kann. Wir haben zuviele probleme hier, mit wohnungen und arbeit. Ich glaube jetzt, es ist besser, wir bleiben so wie wir sind. Da können wir nicht einfach unter den tisch fallen und zusammenarbeiten können wir trotzdem. Viele der afrikanerInnen sind auch einfach nicht mehr gekommen aufgrund dieser irren repression, die gegen sie eingesetzt wurde. Für sie ist es jetzt sehr wichtig sich wieder selbst stark zu organisieren.

Was in der plattform passierte war das gleiche wie überall anders auch. Alle haben ihre eigenen interessen. Manchmal lache ich, wenn wer sagt, ich kämpfe gegen rassismus. Ich frage mich, was bedeutet rassismus überhaupt. Wir kämpfen gegeneinander mit intrigen und dann sprechen wir von antirassismus. Rassismen gibt es in vielen verschiedenen formen, bewußt und unbewußt. Die leute verhalten sich oft rassistisch und erklären, dass sie eigentlich rassismus bekämpfen wollen. Oft habe ich das gefühl, sie haben nichts anderes zu tun. Meist können sie gar nicht verstehen was passiert, weil sie ganz anders davon betroffen sind und meistens ja profitieren. Von einigen hat sich auch die plattform getrennt, oder die leute sind eh selber gegangen.

Ich denke mir, die leute sollten sich mal fragen, was rassismus überhaupt ist. Wie passiert rassismus in der gesellschaft, in der religion, in der kultur? Was ist rassismus in den menschen?

Kannst du differenzen nennen zwischen widerstand und demonstrationen in nigeria und dem was du hier erlebst?

Ich habe dabei viel gelernt. Ich habe österreich kennengelernt. Wie sich die menschen hier verhalten, wie sie arbeiten. Ich habe auch gelernt, dass wir protestieren können. In jeder gesellschaft schmerzen demonstrationen die regierung. Daher werden aktivistInnen auch immer von der staatsmacht attackiert. Die demos hier sind sehr ruhig und überhaupt nicht aggressiv. Ich habe immer gesagt, es ist wie ein trauermarsch. Es ist ruhig und danach gehen alle trinken.

In nigeria sind die demos anders. Ich will damit nicht sagen, dass sie aggressiver sind, sonst kommt wieder jemand auf die idee zu behaupten, die afrikanerInnen wären von natur aus aggressiver. Man könnte auch demos in den usa oder jugoslawien hernehmen, z.b. die proteste gegen milosevic. Solche demos gibt es auch in nigeria, wo die leute wirklich ihre wut auf die straße tragen. Dann gibt es den willen etwas zu erkämpfen. Die behörde und der staat haben das gewaltmonopol. Das führt dazu, dass es menschen gibt, die dieses verhältnis brechen wollen. Wenn sich die menschen wirklich gegen eine regierung auflehnen, dann können sie auch „gewinnen“. Hier sind halt nach zwei wochen alle müde. Bei demos in nigeria, die ich erlebt habe, gibt es einfach viel mehr dynamik als bei demos in österreich.

Auf die demos folgte die größte repressionswelle der zweiten republik. In der „operation spring“ und ihren folgeaktionen wurden mehr als 200 menschen verhaftet und über 100 zu langjährigen haftstrafen verurteilt.

Ich ärgere mich immer, wenn so verallgemeinernd gesprochen wird, wenn z.b. gesagt wird „alle afrikaner sind drogenhändler“. Bei mir behaupteten sie einfach, ich sei drogenboss. Niemand hat gesehen, dass ich schriftsteller und intelektueller bin. Die „operation spring“ war letztlich nur ein konstrukt um die afrikanerInnen zu kriminalisieren. Wir erwarten uns von den Menschen und Gruppen, die mit uns solidarisch sind, dass sie unser bild wieder richtig stellen. Dass sie versuchen, diesen konsens in der gesellschaft wieder zu durchrbechen.

Die afrikanerInnen wurden verhaftet, aber bevor man sie verhaftete wurden sie schon verurteilt. Sie wurden einfach alle zu drogenhändlern erklärt. Wir können und wollen nicht sagen, dass es keine afrikanischen drogenhändler gibt, die gibt es immer und in jeder gesellschaft. Das liegt nicht an einzelnen personen oder gruppen, es trifft die ganze gesellschaft.

Viele gruppen haben nach der „operation spring“ nicht mehr mit den afrikanerInnen zusammen gearbeitet, ich habe das echt einige male erlebt. Viele leute haben uns alleine gelassen und gesagt, wenn ihr etwas mit drogen zu tun habt, dann unterstützen wir euch nicht mehr. Das hat ein ganz schlechtes licht auf die afrikanerInnen in österreich geworfen. Aber diese rassistischen verleumdungen passieren immer, auf der ganzen welt unter jeder regierung.

Wie ist das konstrukt der nigerianischen drogenmafia entstanden. Warum ist es so einfach eine ganze gruppe innerhalb der gesellschaft derartig zu diffamieren.

Für mich ist das eine typische verschwörungstheorie. So wurde die nigerianische drogenmafia konstruiert. Es gab auch keine andere möglichkeit, um uns alle zu verhaften. Aber das ist nur ein teil. Man hat auch versucht die geschichte von marcus omofuma unter den teppich zu kehren. Es hätte nicht mehr über marcus gesprochen werden dürfen. Es war auch ein versuch den innenminister zu verteidigen. Gesagt wurde nicht, dass es ein paar drogendealer gibt, sondern dass alle nigerianerInnen organisiert kriminell seien, das sie übermächtig und bestens organisiert seien. Das sind verschwörungstheorien.

In österreich haben antisemitismen eine lange tradition. Siehst du strukturelle verbindungen zwischen den konstrukten der „operation spring“ und den antisemitismen in der gesellschaft?

Die gibt es sicher. Österreich hat so schnell seine geschichte vergessen und verdrängt. Kein politiker in österreich hat gesagt, wir haben fehler gemacht. Es wurde nie aufgearbeitet und daher nur verdrängt. Antisemitismen gibt es in österreich immer und jeden tag. Schuld daran sind alle, die medien, die politik und die gesellschaft. Aber oft sprechen sie nicht darüber und versuchen es wegzuschweigen wie die großen politikerInnen. Auch die journalistInnen müssen viel besser arbeiten. Sie sind auch nur ein teil dieser gesellschaft und daher mitverantwortlich.

Du wurdest am 27. Mai als der große „drogenboss“ verhaftet. Jetzt läuft der prozess gegen dich. Wie weit ist das verfahren jetzt?

Ich habe damit gerechnet, dass mein prozess so verlaufen wird, wie er sich bis jetzt entwickelt hat. Man hat mich verhaftet und das sehr gut geplant. Es gibt so etwas wie eine unschuldsvermutung, aber die habe ich nie gesehen. Man sagt, es gibt drei teile eines staates. Die exekutive, das parlament und die justiz. Aber ich habe keinen unterschied gesehen zwischen diesen teilen. Wenn die zusammenarbeiten und das tun sie, wird es sehr schlimm, dann hast du keine chance. Im ersten verfahren wurde ich zu 10 monaten bedingt verurteilt. Das verfahren läuft aber weiter. Ich will, dass sie erkennen, dass ich völlig unschuldig bin.

Angefangen hat es für mich damit, dass sie mich zum drogenboss erklärten. Später wurden alle verfahren zu diesem punkt eingestellt. Dann erhielt ich die neue anklage. Es ging nur noch um angebliche falschaussagen. Beim letzten prozess haben sie auch die kriminelle organisation gestrichen und jetzt geht es nur noch um geldwäsche. Ich habe leuten geholfen geld nach nigeria zu überweisen. Jetzt sagt das gericht das war drogengeld, obwohl niemand von diesen leuten, für die ich das geld überwiesen habe, in die prozesse verwickelt ist oder sonst was mit drogen zu tun hat. Es muß einfach was übrig bleiben, denn das urteil wurde längst gesprochen.

In den prozessen wurden zum ersten mal anonymisierte zeugen eingesetzt. Der wichtigste zeuge in der operation spring, der das gesamte konstrukt aufrecht erhält ist als AZ1 [3] bekannt geworden und wurde nun selbst wegen beihilfe zum drogenhandel verurteilt.

Ich kann dazu nur sagen, dass ich ihn nicht verstehen kann. Er kann nicht alles über alle wissen. Man glaubt ihm und man akzeptiert ihn. Er ist wohl der einzige afrikaner in diesem staat dem einfach alles geglaubt wird. Jetzt wissen wir, dass dieser mann selbst mit grossen drogengeschäften zu tun hat. Bei einem zeugen mit helm, wie soll man sagen, ob er recht hat oder nicht. Ich weiß nicht, ob ich diese person je getroffen habe oder sonst mit ihm kontakt hatte. Jemand geht vermummt zu gericht, erzählt irgendwas und alles wird akzeptiert.

Doch die konsequenz aus diesem gesamten prozess ist sehr schwerwiegend. Die eigentliche funktion der „kronzeugen“ ist nun durchgesetzt. Sie wurde getestet und war „erfolgreich“. Nun ist es möglich, diese regelgungen auch bei anderen gruppen einzusetzen. Es hat einmal funktioniert und es wird wieder funktionieren.

Seit februar 2000 gibt es einen relativ breiten widerstand gegen eine koalitionsregierung aus einer rechten und einer rechtsextremen partei, [4] der sich auch immer wieder als antirassistisch bezeichnet.

Die bunten sind schon solidarisch mit dem neuen widerstand. Aber die interessen innerhalb der bunten sind auch sehr verschieden, und es gibt einige bei uns, die das thema nicht interessiert. Es gibt auch viel mehr an möglichkeiten als „normale“ demonstrationen. Viele von uns wollen nicht mehr ständig auf demonstrationen gehen, weil sie schon genug probleme haben, um die sie sich kümmern müssen. Und sie sind noch immer damit beschäftigt, sich wieder stark zu organisieren. Die „operation spring“ hat die african communtiy völlig zerschlagen und es ist nicht leicht sich in österreich zu organisieren. Viele leute haben österreich auch schon verlassen, als die „operation spring“ passierte, und viele haben sich darauf vorbereitet, dass sie österreich schnell verlassen können, wenn es nötig wird. Es hilft niemandem, dass man bleibt und immer für alle probleme vorbereitet, weil man selbst ständig gefährdet ist.

In deinem neuen buch schreibst du wieder über die aktuelle situation in österreich.

Das neue buch handelt von menschenrechten. Von den erlebnissen eines asylsuchenden in europa. Das buch ist aber noch nicht erschienen und auch noch nicht fertig.

Was hast du jetzt vor?

Ich hoffe halt, dass dieser prozess bald vorbei ist. Ich will wieder mein leben leben können, als künstler, schriftsteller und politisch aktiver mensch.

[1Viele berichte zum tod von Marcus Omofuma, den demonstrationen und den darauf folgenden rassistischen Drogenrazzien gibt es im Internet unter der Adresse www.no-racism.net

[2Die Bunte Zeitung erscheint ca. vier mal jährlich und ist im strassenverkauf erhältlich. Unter anderem ist die zeitschrift auch im Infoladen 10; EKH Wielandgasse 2-4, 1100 Wien erhältlich.

[3AZ1: Anonymisierter Zeuge 1. Die meisten der urteile gegen die gefangenen der Operation Spring wurden ohne sachbeweise, nur aufgrund der aussagen dieses zeugen gefällt. Seine identität wurde der öffentlichkeit bis jetzt verschwiegen.

[4Bei der bezeichnung der FPÖ als rechtsextreme partei folgen wir der rechtsextremismusdefinition die Willibald Holzer in seinem artikel im handbuch des österreichischen rechtsextremismus formuliert hat und den analysen von Brigitte Bailer und Wolfgang Neugebauer über die FPÖ in eben diesem: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (Hg.): Handbuch des Österreichischen Rechtsextremismus, Wien, 1993

*) Charles Ofoedu lebt und arbeitet seit 10 Jahren in Wien. Er studierte in Nigeria Publizistik und arbeitete unter anderem als Lehrer, als Medienverleger und als Beamter. Jürgen Schmidt ist in der Plattform Für eine Welt ohne Rassismus aktiv.

Obiora C-Ik Ofoedu: Morgengrauen. Ein Bericht, Mandelbaum Verlag, 264 Seiten, Preis: 268,— öS, ISBN 3-85476-033-7

Eine Nachricht, ein Kommentar?
Vorgeschaltete Moderation

Dieses Forum ist moderiert. Ihr Beitrag erscheint erst nach Freischaltung durch einen Administrator der Website.

Wer sind Sie?
Ihr Beitrag

Um einen Absatz einzufügen, lassen Sie einfach eine Zeile frei.

Hyperlink

(Wenn sich Ihr Beitrag auf einen Artikel im Internet oder auf eine Seite mit Zusatzinformationen bezieht, geben Sie hier bitte den Titel der Seite und ihre Adresse bzw. URL an.)

Angebote zum Thema bei

Morgengrauen. Ein literarischer Bericht von Obiora ... | Buch | Zustand sehr gut

EUR 2,69
Angebotsende: Samstag Dez-28-2019 18:11:32 CET
Sofort-Kaufen für nur: EUR 2,69
Sofort-Kaufen | Zur Liste der beobachteten Artikel hinzufügen

Morgengrauen - Ein literarischer Bericht von Obiora Ofoedu Mandelbaum 2000

EUR 9,90
Angebotsende: Sonntag Jan-5-2020 23:43:53 CET
Sofort-Kaufen für nur: EUR 9,90
Sofort-Kaufen | Zur Liste der beobachteten Artikel hinzufügen