Heft 5/2000
September
2000

Arthur Cravan — Die Niedertracht der Tafelrunde

Der Boxer, Anarchist, Deserteur, Abenteurer und Herausgeber der Zeitschrift Maintenant beschrieb sich selbst als Hochstapler, Seemann im Pazifik, Mauleseltreiber, Orangenpflücker in Kalifornien, Schlangenbeschwörer, Hoteldieb, Neffe von Oscar Wilde, Holzfäller in den riesigen Wäldern, Ex-Boxchampion für Frankreich, Einbrecher, …

„Die Kräfte des Rausches für die Revolution gewinnen“, darum kreise der Surrealismus, hatte Walter Benjamin gesagt. Vielleicht verpuffen sonst diese Kräfte, ohne je wirklich etwas bewegt zu haben, wenn sie nicht aufgefangen werden von der Dynamik einer tragenden Gruppe Gleichberauschter. André Breton gewann nicht nur den Rausch von Lebenden, sondern auch den einiger Toter für seine Revolution, er ließ sie mit ihren damals teils vergessenen Werken wieder auftauchen und Furore machen, vor allem Sade und Lautréamont kamen zu diesen Ehren. Aber auch jüngst Verstorbene wurden zu Surrealisten, bzw. zu Vorkämpfern erkoren, da standen plötzlich Apollinaire, Rimbaud, Jarry, Vaché und der „Dichter mit den kürzesten Haaren“: Arthur Cravan von den Toten auf. Letzter war Neffe des Skandalschöpfers Oscar Wilde gewesen, was einiges zu bedeuten hat, vergötterte er sein Onkeltier nicht nur, sondern ließ sich auch von seinem Motto „Das Leben imitiert die Kunst, vielmehr als die Kunst das Leben imitiert“ leiten, ein Satz der auch auf die Surrealisten abfärben sollte.

In einem Lob auf Cravan schrieb Breton: „(er) will das Temperament rehabilitieren, in der fast physischen Bedeutung des Wortes (ein Zurückgehen nicht länger zur Kindheit der Menschen, sondern zu jener der Welt, zur Prähistorie; eine Onkelliebe, in diesem Falle zu Oscar Wilde, der auf seine alten Tage als Dickhäuter dargestellt wird:“Ich vergöttere ihn, weil er aussah wie ein großes Tier„...)“.

Doch nicht nur Breton fand Bewunderung für Cravan, einige Jahrzehnte später schrieb Guy Debord: „Die Menschen, die ich mehr als alle anderen bewundere, sind Arthur Cravan und Lautréamont, und ich wußte genau, daß all ihre Freunde, hätte ich mein Studium an der Universität fortgesetzt oder eine Künstlerkarriere angestrebt, mich verachtet hätten; aber genau diese Freundschaften wollte ich haben und hätte mich niemals mit anderen zufrieden gegeben.“

Cino Severini: Portrait d’Arthur Cravan
papiers collés, 1912

Eigentlich wurde Arthur Cravan als Fabian Lloyd 1887 in Lausanne geboren. Dort befand sich damals eine kleine englische Kolonie, ein Stück High Society des British Empire, in permanenter Sommerfrische. Ob die Scheidung seiner Eltern, das sich ausgestoßen fühlen oder ein prickelndes Gefühl bei den Schauergeschichten über Onkel W ... aus dem kleinen Fabian einen Arthur, einen Rimbaud oder Tafelrundenskandalkönig machte und aus einem Sprößling der Lloyds, einer in höchsten Würden am Hof stehenden Familie, einen Cravan, was im Englischen soviel wie feige und niederträchtig bedeutet, oder eine Karavane seiner selbst machte, soll den paar Cravan-Biographen überlassen werden; eingehen in die Geschichte wollte und sollte er als „Dichter mit den kürzesten Haaren der Welt“, als Boxer, Anarchist, Deserteur, Abenteurer und Herausgeber, sowie Alleinverfasser der zwischen 1912 und 1915 fünfmal erscheinenden Zeitschrift Maintenant (Jetzt). Sich selbst beschrieb er als: Hochstapler, Seemann im Pazifik, Mauleseltreiber, Orangenpflücker in Kalifornien, Schlangenbeschwörer, Hoteldieb, Neffe von Oscar Wilde, Holzfäller in den riesigen Wäldern, Ex-Boxchampion für Frankreich, Enkel des Kanzlers der Königin, Autochauffeur in Berlin, Einbrecher usw. usw. usw."

Er gedachte eher zu reisen, als brav im Wohlgefühl einer Ansässigkeit zu versumpern und kam in den wenigen Jahren seines Lebens fast überall hin. Nach eigenen Angaben schlägt er sich ab 1903 in Kalifornien als Boxer, Chauffeur, Orangenpflücker und Holzfäller durch, zumindest wenn Kalifornien am Genfer See liegt. Nach einigen Abenteuern in Berlin landet er schließlich 1909 in Paris, wo neben seiner Boxerkarriere auch sein Skandalleben beginnt. Seinen Kindheitstraum, nämlich Dichter zu sein, hatte er nun vor, in der Stadt Rimbauds zu verwirklichen. Sich unter Futuristen und Kubisten bewegend, fällt er unangenehm bei akademischen Empfängen und Vernissagen auf. Wegen in Maintenant veröffentlichten Beleidigungen muß er 1914 sogar 8 Tage ins Gefängnis. Seine Zeitschrift kolportiert er selbst auf einem Karren durch Paris fahrend, denn er wollte sein Werk nicht irgendwo in gut sortierten Buchhandlungen verstauben sehen. Doch die verstaubte Welt durfte er sich ebenfalls nicht entgehen lassen und besucht 1911 alle 39 Mitglieder der Académie Française, die Unsterblichen, wie sie genannt werden, einzeln. Einen Besuch beim verstaubten André Gide widmete er sogar einen bösen Artikel.

Die Formel für Maintenant war: „Jeder große Künstler hat einen Sinn für Provokation“. Um aufzufallen hält er Konferenzen, später sollten ihm das Dadaisten und Futuristen nachmachen, doch verkündet er dort keine Manifeste, sondern hält sie nur, um zu provozieren, um als Provokateur berühmt zu werden. Nach dem Motto: die Poesie auf die Straße und ins Kunstleben die Straße bringen, und wenn nötig mit ein paar kräftigen Schlägen, geht Cravan vor. Die berühmteste Schlägerei hatte Cravan jedoch nicht auf einer eigenen Konferenz, sondern nach einem Vortrag von Valentine de Saint Point über Die futuristische Frau 1912, als ein aufgebrachtes Publikum die Bühne erstürmt und Cravan, der zwar die Futuristen nicht wirklich mochte, dem aber Vortrag und Vortragende gefallen hatten, diese um sich boxend verteidigte. Seine eigenen Konferenzen, er hielt ungefähr drei oder vier davon, kündigte er so an: „Les Noctambules 7, rue Champollion, 7 (Quartier Latin) Freitag, 6. März um 9 Uhr abends Arthur Cravan LIEST TANZT BOXT Eintritt 2 F. 50“.

In den fünf Nummern von Maintenant erscheinen vier Gedichte, ein Prosapoem, drei Texte über Oscar Wilde, einer über André Gide und eine Kunstkritik, die ihm Prozesse und Gefängnis einbringt. Er war sicher stolz darauf, daß er wohl als einziger Kunstkritiker der Geschichte für eine Kritik eingesperrt wurde. Zuerst mag es paradox klingen, daß er gerade die Künstler des 30. Salons der Unabhängigen attackiert, samt ihren Papst Apollinaire und mit wüstesten Beschimpfungen über sie herfällt, stellen sie doch die Avant-Garde dar. Daß diese Avant-Garde jedoch nicht weit genug ging und selbst zur Institution wurde, zur Akademie, ist eine wahrscheinliche Erklärung, warum Cravan gegen seine Freunde los zu schimpfen begann.

Er schrieb z.B. über den Maler Delaunay „Bevor er seine Frau kennen lernte, war Robert ein Esel; vielleicht hatte er von einem Esel alle guten Eigenschaften: er war ein Schreihals, er liebte Disteln und sich im Gras zu wälzen, und sah sich die Welt, die so schön ist, mit großen verdutzten Augen an, ohne dabei zu überlegen, ob sie modern oder alt ist, er hielt einen Telegraphenmast für eine Pflanze und glaubte eine Blume sei eine Erfindung. Seitdem er mit seiner Russin zusammen ist, weiß er, daß der Eiffelturm, das Telefon, die Autos und ein Aeroplan moderne Dinge sind. Nun, diesem großen Dummkopf gereicht es sehr zum Schaden, so viel zu wissen, nicht daß Kenntnisse einem Künstler schaden könnten, aber Esel bleibt Esel und Temperament besitzen, heißt, sich selbst nachzuahmen. Ich sehe also bei Delaunay einen Mangel an Temperament. Wenn man das Glück hat, ein Rohling zu sein, muß man es bleiben können.“

Francis Picabia: Portrait présumé de Cravan

So treffend und sympathisch die exzessiven Meldungen Cravans oft auch sein konnten, kann nicht darüber hinweg getäuscht werden, daß er nicht nur versuchte, jeden zu provozieren, sondern es auch schaffte. Cravan wollte nicht ausschließlich als Bürgerschreck auffallen, sondern als Schreck aller, die ihm mißfielen, und das konnten auch die besten Freunde sein. Seine Wortwahl, seine Bilder sind heute oft nicht nachvollziehbar, vor allem, wenn sexistische oder rassistische Töne auftauchten; und bei der Lektüre von Maintenant wird sobald jedem Leser zumindest einmal schlecht, z.B. schrieb er in der erwähnten Kunstkritik, weit unter der Gürtellinie, über die Malerin Marie Laurencin „Das ist wieder eine, die es nötig hätte, daß man ihr den Rock lüftet und einen großen ... irgendwo reinsteckt, um sie zu lehren, daß die Kunst keine kleine Pose vor dem Spiegel ist. Du prüdes Lieschen! (halt’s Maul!). Malen heißt gehen, laufen, trinken, essen, schlafen und seine Notdurft verrichten. Sie können, so oft Sie wollen, sagen, ich sei ein Schwein — es stimmt doch alles.“

War das Leben in Paris teilweise schon vor 1914 unerträglich, hält es Cravan nach Ausbruch des Krieges überhaupt nicht mehr aus. Nach einer kurz vor dem Krieg unternommenen Europareise, die ihn in Athen noch einen Boxkampf einbringt, zieht Cravan 1915 nach Barcelona, wo er sich vom Boxweltmeister Jack Johnson KO schlagen läßt, übrigens sollte Cravan fast jede Boxerei verlieren. Die halbe Pariser Bohème lebt in den Kriegsjahren in Barcelona, vielleicht bleibt er deshalb nur ein Jahr dort und wandert 1916 nach New York aus. Auf dem Schiff begegnet er Trotzki, der über ihn schrieb: „Ein Boxer und Gelegenheitsliterat, der Cousin Oscar Wildes, gab offen zu, daß er lieber die Kiefer der Yankees in einem noblen sportlichen Kampf zerschmettern wollte, als sich die Rippen von einem Deutschen kaputtschlagen zu lassen.“

In New York macht er ähnliche Furore wie in Paris und unterbricht Konferenzen, sowie weitere Salons der Unabhängigen. Auf einem Benefizball fürs Rote Kreuz führt sich Cravan nicht nur skandalhaft auf, er lernt auch die englische Dichterin Mina Loy kennen, die vom New York Evening Sun kurz zuvor zum Prototyp der modernen Frau ernannt wurde. Sie bewundert ihn, weil er aus dem Nichts lebt, sich nicht der Sorge des Überlebens hingibt, sondern das Jetzt ausschöpft, so wie er es ständig proklamiert. Er bewundert sie, weil sie nicht nur von der Moderne spricht, sondern sie auch lebt. Ihre Beziehung war dementsprechend turbulent, auf dem Blindman’s Ball der Greenwich Village Community, die sich selbst als ultra Bohème, prähistorisch und post-alkoholisch bezeichnete, entkleidet sich Cravan, wie schon am Roten Kreuz Ball, öffentlich, während Mina Loy im Bett von Duchamp einen ménage à cinq durchlebt. Trotzdem heirateten sie nach einem Jahr und Mina Loy wird schwanger.

Da die USA inzwischen ebenfalls Krieg führten und Cravan wieder glaubte eingezogen werden zu können, brach er erneut auf und zwar als Soldat verkleidet, Picabia schrieb dazu: „Arthur Cravan zog sich als Soldat an, um kein Soldat sein zu müssen, genauso wie sich unsere Freunde als brave Bürger kleiden, um keine braven Bürger sein zu müssen.“ Zuerst wollte er nach Kanada fliehen, ganz vergessend, daß dort auch Krieg herrscht, ganz vergessend, daß er eigentlich als in der Schweiz geborener Schweizer war und nirgends hätte hinfliehen müssen. Er zog schließlich mit Mina Loy nach Mexiko, wo er eine Boxerakademie eröffnete, in der er Vorträge über Altägyptische Kunst hielt. Das frisch verheiratete Paar entschloß sich, nach einigen Streifzügen durch Mexiko nach Buenos Aires auszuwandern. Mina Loy reiste voraus, Arthur Cravan sollte jedoch niemals nachkommen.

Wie sein Vorbild Rimbaud verschwand er auf hoher See, irgendwo im Golf von Mexiko im Jahre 1918 oder 1920, die Quellen sind sich darüber nicht einig.

Cravans Rausch ist sicher wegen der Initiativen seiner Bewunderer nicht verpufft, und bis hin in den Mai 68 ließen sich viele von seiner konsequenten Wildheit vertieren. Er selbst jedoch hat wahrscheinlich sein ganzes Leben nur darauf hingearbeitet, daß von seiner Existenz nichts anderes übrigbleibt, als das pompöse Plakat, auf dem steht: „Gran fiesta de boxeo: Jack Johnson — Arthur Cravan“.

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Portrait d'Arthur Cravan, Jean-Paul-Louis Lespoir

Arthur Cravan (* 22. Mai 1887 in Lausanne als Fabian Avenarius Lloyd; zuletzt gesehen im November 1918 in Puerto Ángel, Mexiko und wahrscheinlich wenig später im Pazifischen Ozean ertrunken) war ein Schweizer Dichter, Amateurboxer und Künstler. Er war ein Neffe des irischen Dichters Oscar Wilde.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fabian Lloyd wurde als zweiter Sohn von Otho Holland Lloyd und Hélène Clara St. Clair in der Schweiz geboren und dort an einer Privatschule in St. Gallen, später im englischen Worthing erzogen. Die Schwester seines Vaters, Constance Mary Lloyd, war die Ehefrau des irischen Dichters Oscar Wilde und Mutter seiner beiden Söhne. Fabian erfuhr von dieser Verwandtschaft erst nach Wildes Tod, da die Familie sich des wegen Homosexualität zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilten Schwagers schämte. Für Fabian war diese Entdeckung eine Offenbarung: er verwarf seine Pläne, Ingenieur zu werden, und wollte ein Leben als Dichter führen und dem berühmten Onkel nacheifern.

Nach Auslandsaufenthalten in den USA und Deutschland, wo er für erste Skandale sorgte, lebte er ab 1909 in Paris. Im folgenden Jahr nahm er an den französischen Amateurmeisterschaften im Boxen teil und wurde Landesmeister, ohne einen einzigen Kampf auszutragen, da sämtliche Herausforderer verzichteten.

Wahl des Pseudonyms[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1912 änderte Lloyd seinen Namen in Arthur Cravan. Über diese Namenswahl ist viel spekuliert worden. Der Vorname Arthur mag mit Bezug auf den Dichter Arthur Rimbaud ausgesucht worden sein, an dessen Stil sich die Gedichte des jungen Lloyd anlehnen. Aber auch die ursprüngliche Namensbedeutung „Bär“ (von keltisch „Artorius“) ist im Hinblick auf die außergewöhnliche Körpergröße und Kraft Lloyds denkbar. Der Nachname Cravan spielt auf das Dorf Cravans im Département Charente-Maritime im Westen Frankreichs an, den Geburtsort von Lloyds Freundin Renée Bouchet, die er entgegen anderslautenden Quellen niemals geheiratet hat. Auch gibt es Bezüge zum englischen Substantiv „craven“ („Feigling“, „Memme“). Da Cravan jedoch in Frankreich lebte und arbeitete und seine Muttersprache nicht mehr perfekt beherrschte, dürfte ihm dieser Zusammenhang nicht unbedingt aufgefallen sein.

Mutmaßungen über Oscar Wilde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Namensänderung publizierte er in loser Folge die Zeitschrift „Maintenant“ im Selbstverlag. Sie enthielt Gedichte, Beschimpfungen etablierter Pariser Künstler und Gerüchte über die Person von Oscar Wilde. Höhepunkt war im Jahr 1913 ein Artikel, in dem er behauptet, sein Onkel Oscar Wilde sei noch am Leben und habe ihn in Paris besucht. Eine detaillierte Personenbeschreibung lieferte er gleich mit. Außerdem deutete er an, dass sich in Wildes Grabstätte in Paris unveröffentlichte Werke des Dichters im Sarg befänden statt eines Leichnams, und forderte die Exhumierung. Dieses Gerücht wurde von der New York Times geglaubt, deren Pariser Korrespondent erfolglos nach Zeugen suchte, die jemals den toten Wilde gesehen hätten.

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1913 trat Cravan auch als Conférencier in Paris auf und bereitete mit chaotischen Soiréen den Boden für die Dada-Bewegung. Seit Ausbruch des Ersten Weltkriegs reiste er mit gefälschten Pässen durch Europa, um sich der britischen Wehrpflicht zu entziehen. 1916 flüchtete er ins neutrale Spanien. In Barcelona trug er am 23. April einen Boxkampf gegen den ehemaligen Schwergewichts-Weltmeister Jack Johnson aus und ging – verabredungsgemäß – in der sechsten Runde k.o. Mit dem Auftrittshonorar finanzierte er die Überfahrt nach New York auf dem Dampfer „Montserrat“ am Ende des Jahres. Auf dieser Reise machte er die Bekanntschaft von Leo Trotzki, der Cravan in seiner Autobiographie erwähnte.

1917 bewegte er sich in der künstlerischen Avantgarde New Yorks. Bei der Vernissage der ersten Ausstellung der Society of Independent (der Ausstellung, zu der Marcel Duchamp seinen berühmten Fountain einreichte) am 9. April 1917 trat er auf Einladung von Francis Picabia und Duchamp auf, wobei er das Publikum lange warten ließ und sich dann angetrunken auszog. Daraufhin verließen einige Besucher entrüstet die Ausstellung. Duchamp nannte es nachher einen "wundervollen Vortrag".[1]

Er traf die britische Dichterin Mina Loy, die er im folgenden Jahr heiratete. Auf der Flucht vor den Behörden irrte er zwischenzeitlich einen Monat durch Kanada.

Das letzte Jahr seines Lebens verbrachte er mit seiner Frau in Mexiko. In der Hauptstadt Mexiko-Stadt eröffnete er eine Boxschule und trug am 15. September seinen letzten Kampf gegen Jim Smith aus. Auch in diesem verlor er durch K.O. Im November schickte Cravan Mina Loy mit einem Schiff nach Buenos Aires und wollte ihr auf eigene Faust nachreisen. In Salina Cruz an der Pazifikküste charterte er ein Boot und brach mit einem Begleiter zu einer Probefahrt auf. Sie kehrten nie zurück; 1920 wurde Cravan offiziell für tot erklärt. Gerüchte über sein Fortleben hielten sich noch lange, doch er bleibt für immer verschollen. Seine einzige Tochter, Fabienne, wurde am 5. April 1919, nach Mina Loys Heimkehr, in England geboren. Ihre Nachkommen leben in Aspen (Colorado).

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Œuvres : Poèmes, articles, lettres. Editions G. Lebovici, Paris 1987, ISBN 2-85184-179-3.
  • Der Boxer-Poet oder die Seele im zwanzigsten Jahrhundert. Aus dem Französischen von Pierre Gallissaires und Hanna Mittelstädt. Nautilus, Hamburg 1991, ISBN 3-89401-188-2.
  • König der verkrachten Existenzen. Aus dem Französischen von Pierre Gallissaires und Hanna Mittelstädt. Nautilus, Hamburg 2015
  • Maintenant. Nr. 1, 1912, April - 5, 1915, März/April. Edition Nautilus, Hamburg [1986], ISBN 3-921523-28-1. Deutsche Erstausgabe.

Ausstellungskataloge

  • Emmanuel Guigon (Hrsg., Kurator): Arthur Cravan, 1887–1918 : le neveu d'Oscar Wilde. Musée de Strasbourg, Strasbourg 2005, ISBN 2-35125-002-8. (Ausstellungskatalog: Strasbourg, Musée d'art moderne et contemporain, 18. November 2005 bis 26. Februar 2006).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • María Lluïsa Borràs: Arthur Cravan. Une stratégie du scandale. J.-M. Place, Paris 1996, ISBN 2-85893-194-1.
  • Bertrand Lacarelle: Arthur Cravan, précipité. Grasset, Paris 2010, ISBN 978-2-246-74831-1.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cravan vs. Cravan; Dokumentation, Regie und Buch Isaki Lacuesta, Spanien 2002

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arthur Cravan ist Gegenstand zweier Romane von Antonia Logue und Philippe Dagen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Niemeyer: You press the Button - Fotografie und Konzeptkunst. Revolver Archiv für aktuelle Kunst, Frankfurt 2004, S. 17.
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