Café Critique, Jahr 2007
Juli
2007

Antwort an Ulrike Lunacek

Unser Flugblatt zur Regenbogenparade, in dem wir über die Situation von Schwulen und Lesben im Iran informiert und sowohl den geplanten 22-Milliardendeal der OMV mit dem Regime in Teheran als auch die völlig unzureichende Stellungnahme dazu von Ulrike Lunacek kritisiert haben, hat zu einer Reaktion von Lunacek geführt. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des Nationalrats, Sprecherin der Grünen für Außen- und Entwicklungspolitik sowie für Gleichstellung von Lesben, Schwulen und TransGenders.

Nachstehend unsere Antwort an Ulrike Lunacek, die ebenfalls auf glocalist.com veröffentlicht wurde.

Sehr geehrte Frau Lunacek,

Sie stören sich daran, daß wir ihre Kritik am Zeitpunkt des OMV-Deals und die Forderung nach Einsatz der OMV für Menschenrechtsorganisationen bzw. Oppositionsmedien im Iran in unserem Flugblatt zur Regenbogenparade nicht erwähnt haben. Diese scheinen uns auch entbehrlich zu sein. Denn ob man nun ein Regime wie das iranische zu diesem oder jenem Zeitpunkt, mit oder ohne ein paar Anzeigen in einer oppositionellen Zeitung mit einem 22-Milliardendeal belohnt, ändert nichts an der Sache. (Und auch Sie wissen: die wahrhaft oppositionellen Zeitungen können im Iran gar nicht erscheinen, und dementsprechend kann die OMV auch nicht in ihnen inserieren. Zur Kommentierung Ihrer Forderungen hinsichtlich der OMV-Geschäfte mit der iranischen Theokratie siehe den Artikel von Stephan Grigat in der Berliner Wochenzeitung Jungle World: „Ein Beitrag der Zivilgesellschaft“)

Sie verweisen darauf, daß Sie als einzige Nationalratsabgeordnete die Situation von Schwulen und Lesben im Iran wiederholt kritisiert haben. Das ist uns bekannt. Deshalb heißt es in unserem Text auch: „... daß sie die lebensbedrohliche Situation der iranischen Homosexuellen nicht weiter interessiert, wenn es um die Verteidigung österreichischer Interessen geht.“ Wäre die Diskussion über das geplante OMV-Geschäft nicht ein sehr guter Zeitpunkt und eine passende Gelegenheit gewesen, auf die Situation von Schwulen und Lesben im Iran hinzuweisen, anstatt darauf, daß US-amerikanische Gesetze in Österreich keine Gültigkeit haben?

Zudem erklärt gerade die Tatsache, daß Sie in der Vergangenheit zu den wenigen gehört haben, die überhaupt öffentliche Kritik am Iran formuliert haben, warum wir Sie in unserem Text kritisieren. Von SPÖ- und anderen Politikern und Politikerinnen erwarten wir uns diesbezüglich nichts. Sie hingegen verstehen sich als eine der Emanzipation verpflichtete Politikerin. An eine solche richtet sich unsere Kritik, die nicht auf eine Diskreditierung Ihrer Person abzielt, sondern auf ihre Einsicht hofft. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie Ihre Position ändern (auch wenn es dafür in Ihrer abwehrenden Antwort keine Hinweise gibt) und öffentlich deutliche Opposition zu dem Milliardendeal der OMV artikulieren würden. Gelegenheit hätten Sie dazu beispielsweise bei der Kundgebung, die wir gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde am 30. September in Wien gegen die Iran-Geschäfte der OMV und gegen das Nuklearprogramm jener Mullahs organisieren, die mit einem zweiten Holocaust drohen.

Nebenbei gesagt (auch wenn das hier gar nicht viel zur Sache tut): Wir „entdecken“ nicht erst jetzt die Homophobie der iranischen Mullahs, wie Sie unterstellen. Aktivisten von Café Critique haben sich auch an der Kundgebung vor dem Büro der iranischen Fluglinie gegen die Hinrichtung von zwei Schwulen im Juni 2005 beteiligt. Anders als die Grünen tragen wir allerdings nicht jedesmal eine Fahne unseres Vereins durch die Gegend, wenn wir an einem politischen Protest teilnehmen.

Ihre Kritik der Verwendung des Wortes „Milieu“ ist, mit Verlaub, lächerlich und eine recht durchschaubare Abwehrstrategie. Ein Begriff hat nicht nur eine Semantik, sondern auch einen Kontext. Die Homophobie benutzt das Wort, um Schwule und Lesben ins Schmuddeleck zu stellen. Mit Milieu meinen wir in unserem Text jedoch unmißverständlicherweise nicht Homosexuelle, sondern die Grünen und ihren Anhang. Unser Text bezieht sich auf ein politisches Milieu, das permanent von Menschen- und noch lieber Völkerrechten redet, aber die USA treffen möchte; das mehrere zehntausend Menschen auf die Straße bringt, wenn es gegen die Beseitigung der Hussein-Diktatur im Irak geht, aber sich gar nicht dafür interessiert, wenn die Auslöschung Israels angekündigt wird; das sich angeblich für Frauen- und Homosexuellenrechte engagiert, aber Kritik am politischen Islam gerne als Rassismus abqualifiziert.

Sie nehmen für sich die „Kritik an einzelnen Positionen der US-Regierung“ in Anspruch. Wir auch. Allerdings: Der Antiamerikanismus gehört zur ideologischen Grundausstattung der postnazistischen Republik Österreich. Bei aller notwendigen Differenzierung: er artikuliert sich gerne auch in der „Kritik an einzelnen Positionen der US-Regierung bzw. vom Kongreß verabschiedeten Gesetzen“. Womit eben nicht gesagt ist, daß jede „Kritik an einzelnen Positionen der US-Regierung bzw. vom Kongreß verabschiedeten Gesetzen“ antiamerikanisch wäre. Nur: Erklären Sie uns doch einmal, was es an einem Gesetz zu kritisieren gibt, das Unternehmen von der Investition in einem Staat abhalten soll, in dem apokalyptische Märtyrerbanden herrschen, die in neuen religiösen und politischen Formen an den Vernichtungswahn des NS-Staats anzuknüpfen drohen? Wenn einem angesichts eines nationalen Schulterschlusses gegen die ’arroganten Amis’ als Reaktion auf die Kritik der USA an dem geplanten OMV-Geschäft im Iran nichts Besseres einfällt als die Klarstellung, daß US-Gesetze in Österreich keine Gültigkeit haben, dann bedient man damit natürlich den Antiamerikanismus. Wir jedenfalls freuen uns, daß wenigstens die USA diese Kritik formulieren — wenn’s die Grünen schon nicht hinbekommen.

Opportunismus gut und schön — doch unsachliche Lobgesänge auf das Menschenrechtsengagement der OMV gehen ins Leere. Den Schwulen und Lesben im Iran werden sie zumindest ebenso wenig helfen wie den Israelis, für die das Atomprogramm des Iran eine existentielle Bedrohung darstellt.

Mit freundlichen Grüßen
Café Critique
Wien, 7. 7. 2007

Eine Nachricht, ein Kommentar?
Vorgeschaltete Moderation

Dieses Forum ist moderiert. Ihr Beitrag erscheint erst nach Freischaltung durch einen Administrator der Website.

Wer sind Sie?
Ihr Beitrag

Um einen Absatz einzufügen, lassen Sie einfach eine Zeile frei.

Hyperlink

(Wenn sich Ihr Beitrag auf einen Artikel im Internet oder auf eine Seite mit Zusatzinformationen bezieht, geben Sie hier bitte den Titel der Seite und ihre Adresse bzw. URL an.)

OMV Aktiengesellschaft

Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000743059
Gründung 1956
Sitz Wien, Osterreich Österreich
Leitung Alfred Stern[1][2]
Mitarbeiterzahl 22.434 (2021)[3]
Umsatz 35,55 Mrd. Euro (2021)[3]
Branche Öl, Gas und Petrochemie & Recycling
Website www.omv.com
Der OMV-Hauptsitz in 1020 Wien im Hochhaus „Hoch Zwei

Die OMV Aktiengesellschaft mit Sitz in Wien ist ein börsennotierter integrierter Erdöl-, Erdgas- und Chemiekonzern, der sowohl im Upstream als auch im Downstream aktiv ist.[4] Mit einem Umsatz von 17 Mrd. Euro und rund 25.000 Beschäftigten (inkl. Borealis) im Jahr 2020 ist OMV eines der größten Industrieunternehmen Österreichs.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung des Konzerns erfolgte am 3. Juli 1956 mit seiner offiziellen Eintragung ins Handelsregister als „Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft“ (ÖMV)[5] und war aus der „Sowjetischen Mineralölverwaltung“ (SMV) hervorgegangen, die bis 1955 von der Sowjetischen Besatzungsmacht kontrolliert wurde.

Im Jahr 1960 wurde die Raffinerie Schwechat südöstlich von Wien in Betrieb genommen[6], 1968 wurde der erste Erdgasliefervertrag mit der damaligen UdSSR abgeschlossen.[7] Im Rahmen des ersten Börsengangs eines staatlichen österreichischen Unternehmens wurden 15 % der ÖMV Ende 1987 privatisiert.[8] Die ÖMV beteiligte sich 1989 beim dänischen Kunststoffkonzern Borealis mit zunächst 25 %. Die erste ÖMV-Tankstelle nahm am 26. Juni 1990 ihren Betrieb in Wien-Auhof auf.[9] Im selben Jahr übernahm die ÖMV die Chemie Linz (die später in Borealis eingegliedert wurde).

Ende 1994 stieg die International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi mit vorerst 19,6 % beim Konzern ein. Im Zuge dieser Internationalisierung wurde der Konzernname „ÖMV“ 1995 auf „OMV“ vereinfacht, da Umlautzeichen in etlichen Sprachen wenig geläufig sind. Auch in Osteuropa wuchs die OMV: 2000 erwarb das Unternehmen rund 10 % am ungarischen Mineralölkonzern MOL, 2003 akquirierte die OMV auch die Upstream-Sparte der deutschen Preussag Energie und baute das Tankstellennetz weiter aus.

Zum Marktführer in Mittel- und Osteuropa wurde die OMV 2004 durch den Erwerb von 51 % des rumänischen Öl- und Gaskonzerns Petrom. Im gleichen Jahr erhöhte die OMV das Grundkapital, womit erstmals mehr als 50 % der Aktien im Streubesitz waren. Nach dem Verkauf von 50 % der Tochtergesellschaft Agrolinz Melamine an die IPIC im Jahre 2005 wurde gemeinsam mit IPIC die Borealis-Gruppe zur Gänze übernommen.

2006 beteiligte sich die OMV mit 34 % am türkischen Erdölkonzern Petrol Ofisi.

Im Mai 2006 kündigten die Vorstände der OMV und der Verbund AG (Elektrizität) an, dass eine Fusion angestrebt werde. Es wurde spekuliert, dass diese Idee eher politisch als wirtschaftlich motiviert wäre. Zuerst schien eine Fusion politisch möglich, letztlich scheiterte sie aber am Widerstand der Landeshauptleute.

2007 erhöhte die OMV ihre Anteile am ungarischen Mineralölkonzern MOL auf vorerst 20,2 %. Nachdem ein Übernahmeangebot im August 2008 von der MOL abgelehnt worden war, und die EU-Kommission scharfe Auflagen für eine Genehmigung gemacht hatte, veräußerte die OMV im März 2009 ihre gesamten MOL-Beteiligungen. Ende 2010 übernahm die OMV den Anteil der Dogan-Holding an der Petrol Ofisi und erhöhte ihren Anteil somit auf 95,75 %. 2012 konnte mit der Domino-1-Bohrung im Neptun-Block vor der rumänischen Schwarzmeerküste der bisher ergiebigste Gasfund der OMV gemacht werden.[10]

Im Oktober 2013 schloss die OMV Verhandlungen über eine Beteiligung an den Öl- und Gasfeldern der norwegischen Statoil in Norwegen und Großbritannien (westlich der Shetlandinseln) erfolgreich ab. Mit 2,65 Mrd. US-Dollar stellte dies damals die größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte dar.[11] Der Verkauf des 45%-Anteils an der deutschen Raffinerie Bayernoil an die Varo Energy wurde im Juni 2014 abgeschlossen.[12]

2015 erhöhte die OMV ihre Beteiligung an der Petrol Ofisi auf 100 %. Im Jahr 2017 verkaufte sie das Unternehmen an die Vitol Gruppe.[13] Ebenfalls 2017 unterzeichnete die OMV gemeinsam mit ENGIE, Shell, Uniper und Wintershall einen Finanzierungsvertrag mit der Nord Stream 2 AG. Die 1.220 Kilometer lange Nord Stream 2 Gaspipeline wird von der russischen Küste durch die Ostsee nach Deutschland verlaufen.[14]

2019 gründeten die OMV und Sapura Energy Berhad die SapuraOMV Upstream Sdn. Bhd., ein führendes, unabhängiges Öl- und Gasunternehmen in Malaysia.[15] Im gleichen Jahr beteiligte sich die OMV mit einem 15 %-Anteil an ADNOC Refining in den Vereinigten Arabischen Emiraten.[16]

Im März 2020 unterzeichnete die OMV eine Vereinbarung zur Aufstockung ihrer Beteiligung an Borealis: die OMV, die bislang 36 % der Anteile an Borealis hielt, erwirbt weitere 39 % und erhöhte damit ihren Anteil auf 75 %. Diese Akquisition war die bisher größte in der Unternehmensgeschichte und gleichzeitig eine Erweiterung der Wertschöpfungskette in Richtung Petrochemie.[17] Im Dezember 2020 verkaufte die OMV ihr Tankstellennetz in Deutschland mit 285 Tankstellen an die britische EG Group[18]. Das deutsche Tankstellennetz wird unter der Marke OMV über die EG-Group-Tochtergesellschaft Echo Tankstellen weiterbetrieben.

Im Dezember 2020 nahm die OMV gemeinsam mit ihrem Partner Verbund in Schönkirchen (Niederösterreich) die damals größte Photovoltaikanlage Österreichs in Betrieb.[19]

Im Mai 2021 schloss der Verbund den Erwerb des 51%-Anteils der OMV an der Gas Connect Austria ab. Seit Anfang Juni 2021 ist Alfred Stern CEO der OMV,[20] und OMV und MOL Group einigen sich über den Kauf von OMV Slowenien durch MOL Group.[21] Vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts vermeldete die OMV im März 2022, keine Investitionen in Russland mehr tätigen zu wollen.[22]

Vorstandsvorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Vorstandsmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufsichtsratsvorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmensdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktionärsstruktur 2020[30]

31,5 % ÖBAG – Österreichische Beteiligungs AG
24,9 % Mubadala Petroleum and Petrochemicals Holding Company (MPPH)
30,6 % Institutionelle Investoren
12,1 % Privatanleger und diverse
1,8 % Unidentifizierter Streubesitz
0,1 % Eigene Aktien

Geschäftsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Exploration & Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Geschäftsbereich Exploration & Production exploriert, erschließt und produziert die OMV Öl und Gas in den vier Kernregionen Mittel- und Osteuropa, Mittlerer Osten und Afrika, Nordsee sowie Asien-Pazifik und produziert Gas in einem JV in Russland. 2021 wurden 486 kboe/d (entspricht 177,5 Mio boe) produziert. Während Erdgas 59 % zur Gesamtproduktion beitrug, erreichte der Erdöl- und NGL-Anteil 41 %. Zum Jahresende betrugen die sicheren Reserven 1.295 Mio boe.[3]

Refining & Marketing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der OMV Geschäftsbereich Refining & Marketing raffiniert und vermarktet Kraftstoffe und Erdgas. Er betreibt drei Binnenraffinerien in Europa, hält eine starke Marktposition in den Gebieten, in denen sich diese Raffinerien befinden, und bedient ein starkes MarkenRetail-Netz sowie gewerbliche Kunden. Im Mittleren Osten hält der Bereich einen 15%igen Anteil an ADNOC Refining und ADNOC Global Trading. Die Nominalkapazität der Raffinerien betrug rund 500 kbbl/d.[3]

Chemicals & Materials[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Geschäftsbereich Chemicals & Materials zählt die OMV durch ihre Tochtergesellschaft Borealis zu den weltweit führenden Anbietern von fortschrittlichen und kreislauforientierten Polyolefinlösungen mit Gesamtverkaufsmengen von 5,9 Mio t im Jahr 2021, und ist eine europäische Marktführerin bei Basischemikalien, Pflanzennährstoffen und Kunststoffrecycling. Gemeinsam mit der Borealis und den zwei wichtigen Joint Ventures – Borouge (mit ADNOC in den VAE und Singapur) und Baystar™ (mit TotalEnergies in den USA) – bietet das Unternehmen Kunden auf der ganzen Welt Produkte und Dienstleistungen an.[3]

Beteiligungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die OMV ist unter anderem an folgenden Unternehmen beteiligt:[31]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Vergangenheit stand die OMV vor allem wegen ihres Engagements im Sudan in der Kritik.[32][33] Im September 2007[34] hatte die OMV mit der National Iranian Oil Company einen Vorvertrag unterzeichnet, der nach iranischen Medienangaben über 25 Jahre ein Geschäftsvolumen von 22 Milliarden Euro umfassen soll. Während die österreichische Regierung die Vertragsverhandlungen wegen der größeren Unabhängigkeit von russischen Lieferungen begrüßte,[35] stieß das Vorhaben bei der US-Regierung[36] und bei Organisationen wie dem Jüdischen Weltkongress auf massive Kritik. Die OMV wurde aufgerufen, auf das Geschäft zu verzichten. Auf entsprechende Proteste vor der Jahreshauptversammlung 2008 entgegnete OMV-Chef Ruttenstorfer, dass noch kein Abschluss des Geschäfts absehbar sei und man geringere Abhängigkeit von russischen Energielieferungen gewährleisten wolle. Des Weiteren stieß der kostspielige Übernahmeversuch des ungarischen Mitbewerbers MOL auf Kritik bei der Jahreshauptversammlung.[37]

Im Sommer 2019 plante die OMV, vor der Küste Neuseelands nach Öl zu bohren. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte diese Bestrebungen wegen der schützenswerten Delphin- und Blauwalpopulationen. Alle anderen großen Ölkonzerne hätten sich bereits aus Neuseeland zurückgezogen.[38] Das österreichische Klimavolksbegehren betonte zudem die klimaschädlichen Auswirkungen von Ölförderungen und bezeichnete die Bohrpläne als an „Verantwortungslosigkeit nicht zu überbieten“.[39] Der im November 2019 angekündigte Verkauf des Ölfeldes reichte Greenpeace nicht, da weiterhin Öl- und Gasbohrungen geplant und die OMV dort immer noch im Besitz von zwei Gasfeldern sei.[40]

Der OMV wird weiterhin vorgeworfen, Klimaaktivisten mithilfe von internationalen Spionagedienstleistern systematisch überwachen zu lassen.[41] Hinzu kommen Vorwürfe, einen überhöhten Preis bei der Borealis-Übernahme gezahlt und den Aufsichtsrat ungenügend informiert zu haben.[41] Die OMV bestritt dies und geht deshalb juristisch gegen die Berichte der Süddeutsche Zeitung vor.[41]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: OMV – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Stern übernimmt am 1. September das Ruder bei OMV. In: ORF.at. 31. August 2021, abgerufen am 1. September 2021.
  2. Alfred Stern wird neuer OMV-Chef. In: orf.at. 1. Juni 2021, abgerufen am 2. Juni 2021.
  3. a b c d e Geschäftsbericht 2021. In: omv.com. Abgerufen am 22. April 2022.
  4. a b OMV Geschäftsbericht 2020. In: omv.com. Abgerufen am 20. Mai 2020.
  5. 60 Jahre und kein bisschen leise: OMVs bewegte Geschichte blog.omv.com, abgerufen am 4. Juli 2016.
  6. Raffinerie Schwechat: 60 Jahre und noch lange nicht pensionsreif Abgerufen am 20. Mai 2020.
  7. Jubiläum: 50 Jahre Gasliefervertrag Abgerufen am 20. Mai 2020.
  8. Die OMV Aktie: 30 Börsenjahre – 2.000 Prozent Rendite Abgerufen am 20. Mai 2020.
  9. 30 Jahre OMV Tankstellen Abgerufen am 20. Mai 2020.
  10. OMV Presseaussendung, ExxonMobil / OMV Petrom: Tiefwasser Gasfund vor der Rumänischen Schwarzmeerküste. Abgerufen am 7. April 2017.
  11. OMV Presseaussendung, OMV schließt Akquisition mit Statoil ab. Abgerufen am 7. April 2017.
  12. OMV Presseaussendung, OMV: Downstream Umstrukturierung auf Kurs. Abgerufen am 7. April 2017.
  13. OMV Presseaussendung, OMV verkauft die 100%ige Tochtergesellschaft OMV Petrol Ofisi an die Vitol Gruppe. Abgerufen am 7. April 2017.
  14. Nord Stream 2 entmystifizieren: OMV’s Gründe, sich am Projekt zu beteiligen Abgerufen am 7. Juli 2019.
  15. OMV und Sapura Energy schließen Vereinbarung zur Bildung einer strategischen Partnerschaft ab Abgerufen am 7. Juli 2019.
  16. ADNOC unterzeichnet bahnbrechende strategische Partnerschaftsabkommen mit Eni und OMV in den Bereichen Raffination und Handel Abgerufen am 7. Juli 2019.
  17. OMV stockt Borealis-Anteile auf Abgerufen am 7. Juli 2019.
  18. OMV verkauft Tankstellennetz in Deutschland. In: wienerzeitung.at. 14. Dezember 2020, abgerufen am 14. Dezember 2020.
  19. OMV und VERBUND intensivieren ihre strategische Energie-Kooperation Abgerufen am 13. Juli 2020.
  20. [1] Abgerufen am 22. April 2022.
  21. [2] Abgerufen am 22. April 2022.
  22. [3] Abgerufen am 22. April 2022.
  23. Deutscher Topmanager Rainer Seele wird neuer OMV-Chef. Artikel vom 27. März 2017, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  24. „Alfred Stern neuer Vorstandschef der OMV“ in orf.at, abgerufen am 1. Juni 2021.
  25. Kurier: Peter Löscher wird OMV-Aufsichtsratschef. Artikel vom 7. April 2016, abgerufen am 26. September 2017.
  26. Der OMV Aufsichtsrat. Abgerufen am 26. September 2017.
  27. Wolfgang Berndt ist neuer OMV-Aufsichtsratschef. Artikel vom 15. Mai 2019, abgerufen am 15. Mai 2019.
  28. a b Hanna Kordik: Neuer Aufsichtsratschef für die OMV. In: Die Presse. 17. September 2020, abgerufen am 18. September 2020.
  29. Hauptversammlung: Mark Garrett in den OMV-Vorstand gewählt. In: Wiener Zeitung. 29. September 2020, abgerufen am 4. November 2020.
  30. Aktionärsstruktur, OMV, abgerufen am 17. August 2021.
  31. OMV Geschäftsbericht 2016, Direkte und indirekte Beteiligungen der OMV Aktiengesellschaft, S. 209ff. Abgerufen am 7. April 2017.
  32. Philipp-Stephan Schneider: Engagement Multinationaler Unternehmen in Krisenregionen. Am Beispiel der OMV im Sudan, Diplomarbeit, Universität Wien 2004.
  33. taz: Mit blutigen Händen, 10. Juni 2010.
  34. Telepolis: Schweizer Energiekonzern unterzeichnet Milliardengeschäft mit Iran, 17. März 2008.
  35. Wirtschaftsblatt: Gusenbauer und Schüssel für OMV/Iran-Projekt (Memento vom 10. Juni 2015 im Internet Archive), 25. April 2007.
  36. Reuters: U.S. to discuss OMV's Iran gas deal with Austria, 23. April 2007.
  37. OMV: Erst das Fressen, dann die Moral. In: Die Presse. 14. Mai 2008.
  38. Greenpeace gegen OMV in Neuseeland: „Finger weg von Walen!“ In: www.diepresse.com. Abgerufen am 23. November 2019.
  39. Klimavolksbegehren verurteilt Neuseeland-Bohrungen der OMV. In: www.ots.at. Abgerufen am 23. November 2019.
  40. OMV zieht sich aus Ölförderung in Neuseeland zurück. In: kurier.at. Abgerufen am 23. November 2019.
  41. a b c Cathrin Kahlweit: OMV-Chef kündigt Rückzug an. In: Süddeutsche Zeitung. 27. April 2021, abgerufen am 5. Oktober 2022.

Koordinaten: 48° 12′ 49,2″ N, 16° 24′ 50,7″ O