Liebe
Leserin, lieber Leser!
Von den
einschneidenden Sparmaßnahmen der Regierung zur "Erhöhung der
sozialen Treffsicherheit" sind nicht nur, aber auch, die Universitäten
und ihre Studierenden massiv betroffen. Wir wollen dies nicht zum Anlaß
nehmen, in das weit verbreitete Gejammer linksliberaler StudentInnenfunktionärInnen
einzustimmen, die den freien Bildungszugang bedroht sehen, sondern einige grundsätzliche
Fragen zur Funktion von Bildung in einem kapitalistischen Nationalstaat stellen.
Eröffnet wird diese Debatte in der vorliegenden Nummer von mit einem Beitrag
von zwei Aktivisten der Basisgruppe Politikwissenschaft, von Florian Ruttner
und Thomas König. In der nächsten Nummer wollen wir diesem Artikel
einen längeren Beitrag von Freerk Huisken über die Ökonomie des
Bildungssektors folgen lassen.
Mit welchen
Debatten sich Studierende in Lateinamerika beschäftigen, zeigt der zweite
Teil unseres Interviews mit Mitgliedern des Streikrates der UNAM, der größten
und wichtigsten Universität Mexikos. In dieser Fortsetzung des bereits
im letzten Context XXI erschienenen Beitrags geht es vor allem um die Frage
des Nationalismus und um die Zukunft der StudentInnenbewegung in Mexiko. Außer
einem Artikel über Botswana beschäftigen sich die meisten anderen
Beiträge dieses Heftes jedoch mit der Wirklichkeit des schwarzblau-regierten
Österreichs und den darunterliegenden ideologischen Gebilden. Katrin Auer
beschäftigt sich etwa in ihrem Beitrag mit dem "Feindbild PC",
den "Gutmenschen" und anderen Konstrukten, die zur Zeit wieder einmal
durch die regierungsnahe Presse von der Kronenzeitung bis "Zur Zeit"
geistern. Die Gruppe mañana macht sich Gedanken über eine österreichische
Wirklichkeit zwischen Blasmusik, einer ÖVP-Werbekampagne und der Verteufelung
der einen wie dem Massenkonsum der anderen Drogen. Marc Zannoni beschreibt eine
traurige Restlinke, die sich in genau einem Punkt kaum vom österreichischen
Mainstream unterscheidet, nämlich in ihrer Holocaustverharmlosung und ihrem
Antisemitismus.
Von der
ARGE Wehrdienstverweigerung erfahren wir etwas über die de-facto-Abschaffung
des Zivildienstes und die einzige Institution, die zur Zeit nicht sparen muß,
das Bundesheer.
Abgerundet
wird dieses Heft durch einen theoretischen Beitrag von Stephan Grigat über
die Gesellschaftskritik Guy Debords, womit wir unsere Artikelserie über
die Situationistische Internationale zu einem Abschluß bringen.
Unsere
nächste Papierausgabe von Context XXI wird Mitte Dezember mit einem Schwerpunkt
zum Thema "Menschenrechte" erscheinen.
Zum Schluß
möchte ich die Aufmerksamkeit unserer LeserInnen noch darauf richten, daß
das multimediale Projekt Context XXI seit Ende Oktober einen fixen Sendeplatz
für seine Radiosendungen hat und nun jeden Montag von 13.00 bis 14.00h
auf Radio Orange 94,0 in Wien empfangen werden kann.
Ab sofort
übernimmt auch Radio Helsinki aus Graz unsere Sendungen zum selben Zeitpunkt
auf 92,6 MHz. Einen fixen Sendetermin soll es in Kürze auch bei Radio Fro
auf 105,0 MHz in Linz geben. Bis zu Redaktionsschluß war der genaue Zeitpunkt
dafür aber noch nicht fixiert.
Wer weder
Radio Orange, noch Radio Fro oder Radio Helsinki empfangen kann, kann sich unsere
Sendungen nach ihrer Ausstrahlung auch auf unserem dritten Medium, unserer Website
im Internet (URL siehe unten) anhören.
Thomas
Schmidinger, Oktober
2000 |