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Hallo, Leute von der Arge Wehrdienstverweigerung!
Dieses Schreiben richtet sich an alle, die in der Arge tätig sind und
sich verantwortlich fühlen.
Die Redaktion Context XXI ist über die Trennung von der Arge nicht unglücklich.
Längst schon hat es inhaltliche Differenzen gegeben, die jetzige Trennung
ist nur mehr eine formale Angelegenheit. Die Menschen in Eurem und unserem
Umfeld wissen das. Der formale Bruch folgt einem inhaltlichen, der lange vor
Eurem offiziellen Schreiben an uns stattfand. Einen einzigen Satz aus einem
namentlich gekennzeichneten Artikel als Auslöser heranzuziehen, entbehrt
nicht einer gewissen Fadenscheinigkeit.
Es ist offensichtlich, dass Eure inhaltliche Distanzierung vor allem mit
einer solidarischen Haltung gegenüber Israel und – damit vielleicht
noch viel mehr - der daraus resultierenden notwendigen Kritik an der Linken
zu tun hat, wie sie in vielen Beiträgen von Context XXI zum Ausdruck
kommt. Eure wortreiche Begründung scheint‘s, ist einzig deshalb
verfasst worden, um alles, bloß das nicht aussprechen zu müssen.
Aber eigentlich ist das ja auch egal – wann genau und wodurch der Bruch
stattfand, und wann er letztlich wie vollzogen wurde. Vielmehr geht es um
wenige aber sehr zentrale Fragen, denen ihr trotz der Ausführlichkeit
Eures Schreibens an uns leider ausgewichen seid. Zufällig?
Wie kann angesichts der Geschichte ein pauschaler, bedingungsloser Pazifismus,
der mit revolutionärem Antimilitarismus nichts zu tun hat, aufrechterhalten
werden? Wie kann im Bewusstsein von Auschwitz davon ausgegangen werden, dass
ein Krieg unter allen Umständen zu vermeiden ist? Warum glaubt ihr, ihr
könntet die Situation im Irak unter Saddam Hussein besser verstehen und
beurteilen, als die Menschen, die vor diesem Regime fliehen mussten, deren
Angehörige in Gefängnissen zu Tode kamen, deren Verwandte verschwanden?
Im Glauben, damit nicht als plumpe AntiamerikanerInnen dazustehen, bezieht
Ihr euch auf die „guten“, weil für die eigenen politischen
Zwecke gerade instrumentalisierbaren US-AmerikanerInnen, Irakis, Israelis
usw. Ja, der Lueger-Satz „Wer Jude ist, bestimme ich“ ist bis
heute von beklemmender Aktualität, auch im linken Milieu.
Erlaubt mir zum Schluss noch eine persönliche Bemerkung: Es ist das
Privileg der Nicht-Juden Auschwitz aus- oder einzublenden, wie es gerade ins
Konzept passt. Es ist ihr Privileg, „dass das, was in Auschwitz geschah,
zwar durchweg anerkannt wird, aber im eigenen Erleben nichts bedeuten“
muss (Dierk Juelich: Erlebtes und Ererbtes Trauma. Von den psychischen Beschädigungen
bei den Urhebern der Shoah. In: Heyl Schreier (Hg): Dass Auschwitz nicht noch
einmal sei. Zur Erziehung nach Auschwitz. Hamburg 1995, S. 98). Denn hier
verläuft er nämlich, der Graben, der Juden von Nicht-Juden trennt
(vgl. Ingrid Strobl: Anna und das Anderle. Frankfurt am Main 1995, S. 74f).
Das aus dem Zusammenhang gerissene und von euch als auslösende Begründung
für die Context XXI-Arge-Trennung genannte Zitat ist einem Beitrag entnommen,
den eine Jüdin geschrieben hat. Zufällig?
Hannah Fröhlich für die Redaktion Context XXI |