|
|
|
|
An unnecessary necessity |
| Print |
|
Von Marc Zannoni
Letztes Jahr erschienen zwei Sammelbänder mit
unterschiedlichen Intentionen zum Thema Amerika und Amerikakritik.
Während das eine Buch seinen Schwerpunkt auf die antiamerikanischen
Ressentiments innerhalb der Linken setzt, versucht das andere die
internationale Situation, mit der die USA konfrontiert ist, zu
umreißen. Beide Bücher skizzieren nur ansatzweise auf einer
theoretischen Ebene die ideologischen Versatzstücke des
Antiamerikanismus.
Dort wo das konkret-Buch eine theoretische
Auseinandersetzung vornimmt – insbesondere in den Beiträgen von Hahn
und Illing –, stellt sich diese jedoch als mangelhaft heraus, wenn
nicht gar als punktuell apologetisch und relativierend bezüglich linker
Animositäten. Gleichzeitig meint Hahn eine Abgrenzung gegenüber zu
scharfen GegnerInnen des Antiamerikanismus vornehmen zu müssen, die
darin zum Ausdruck kommt, dass versucht wird an Hand verkürzt
wiedergegebener bzw. unterstellter Positionen vermeintlicher
"Amerika-Fans", wie etwa Dan Diner, die Übertriebenheit respektive
Fehlerhaftigkeit ihrer Kritik aufzuzeigen.
Darüber hinaus postuliert Hahn die Notwendigkeit
einer "richtigen" Amerikakritik, ohne einleuchtend die Dringlichkeit
einer hiesigen Kritik an der derzeitigen Innenpolitik der USA zu
argumentieren und obwohl die Problematik der Konstruktion eines
"US-Sonderfalles" sowie das prinzipielle Eingebettetsein der USA im
globalen ökonomischen System Erwähnung findet.
Zur Bewertung der aktuellen US-Außenpolitik bedarf
ebenfalls die Verfasstheit seiner KontrahentInnen, sowohl der
militärischen als auch der politischen, einer solchen, um nicht einer
ressentimentanfälligen Fokussierung auf den mächtigen "Hegemon" anheim
zu fallen. Denn der Kontext bietet den Rahmen, der überhaupt erst die
Wahrnehmung des Gegenübers als aktives, und damit hinterfragbares,
Subjekt ermöglicht und diesen in Relation zum Agieren Amerikas setzt.
Zwar liefert das ça ira-Buch kaum Abhandlungen zu den Hintergründen des
zeitgenössischen Islamismus und des Ba'th-Regimes, aber diesen Punkt
behandeln bereits andere Bücher zur genüge.
Vielmehr legen mehrere Artikel die Stellung Amerikas
im arabischen Raum dar, wie auch welche Faktoren den Bruch zwischen den
USA und Europa befördern, mit besonderem Augenmerk auf Deutschland,
wodurch u.a. der oft beklagte Alleingang der USA nachvollziehbar wird.
Aus ideologiekritischer Sicht tritt dies vor dem Hintergrund einer
fundamentalen Differenz zwischen einem deutschen, immer mehr
europäischen, Standpunkt eines religiös unterfütterten Ethnopluralismus
gepaart mit dem Idealismus der Romantik und einem amerikanischen
Pragmatismus polit-ökonomischer Provenienz zu Tage. Dieser Kontrast ist
es, der die USA, nicht zu letzt Dank seiner Entstehungsgeschichte und
des Verhältnisses der Citoyens zum Staat, sympathischer erscheinen
lässt als Europa. Eine Feststellung, die Hahn als blinde Vergötterung
Amerikas missinterpretiert, deren Äußerung jedoch höchstens eine
Präferenz zum Ausdruck bringt.
Äußerst positiv unterscheidet das "Amerika"-Buch vom
anderen, die Einbeziehung der deutsch(-österreichische) Geschichte in
die Analyse, wodurch, neben dem deutschen Staat, auch die
Friedensbewegung in einem anderen Licht erscheint. Schon alleine auf
Grund der wiederholt vorgebrachten Vergleiche mit dem 2. Weltkrieg und
den daraus gezogenen Lehren, die mit moralistischem Verve exklusiv die
USA und Israel treffen, kann durchaus, wie in einem Beitrag auf den
Punkt gebracht, von einer Gegenwartsbewältigung als
Vergangenheitsbewältigung gesprochen werden. Summa summarum bleibt festzuhalten, dass beide Bücher interessante
Beiträge zu bieten haben, wenn auch eine tiefgreifendere Analyse vom ça
ira-Sammelband zu erwarten ist.
Thoas von der Osten-Sacken / Thomas Uwer / Andrea Woeldike (HgInnen.):
Amerika. Der "War on Terror" und der Aufstand der alten Welt. ça
ira-Verlag, Freiburg 2003, 320 Seiten, Euro 17,50.
Michael Hahn (Hg.): Nichts gegen Amerika. Linker Antiamerikanismus und
seine lange Geschichte. Konkret Literatur Verlag, Hamburg 2003, 176
Seiten, EUR 15,-.
*) Marc Zannoni studiert Informatik. |
|
|
|
|