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Deutsche Gegen-Aufklärung |
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Für den 20. November 2004 planen deutschvölkische Korporierte einen
Konrad-Lorenz Kommers in Wien. In dessen Vorfeld wollen die
Schmissgermanomanen auf einem Symposium mit der Frankfurter Schule als
der "9. Todsünde" abrechnen.
Von Heribert Schiedel
Die rechtsextreme Begeisterung für Konrad Lorenz ist
nicht neu: 1973 wurde er vom neonazistischen Deutschen Kulturwerk
Europäischen Geistes mit dem "Schiller-Preis" ausgezeichnet. Sie kommt
auch nicht von ungefähr, war doch Lorenz ein begeisterter Parteigänger
der nationalsozialistischen Idee der "Ausmerzung Minderwertiger". Wie
bei vielen Nazis schlug seine Begeisterung nach der Zerschlagung des
"Dritten Reichs" um in Depression, die er dann als Untergangsphantasien
gegenüber der "zivilisierten Menschhei"
öffentlich auslebte.
Lorenz, der "eigentlich" eine "Wildgans werden"
wollte, gilt gegenwärtig sogar in der Naturwissenschaft als toter Hund.
Bestenfalls Heiterkeit zieht er sich heute mit seiner Rede von
Instinkten zu: So glaubte Lorenz ernsthaft an einen
"Schönheitsinstinkt", welchen er etwa durch die Kompositionen
Schönbergs verletzt sah - sein "wissenschaftlicher" Beitrag zur Hetze
gegen "entartete Kunst". Und die Behauptung einer Degeneration durch
Domestikation ("Verhausschweinung") des Menschen wird von Kurt
Kotrschal, immerhin Leiter der "Konrad Lorenz Forschungsstelle" in
Grünau, abwechselnd als "Schnaps-" oder "fixe Idee" bezeichnet. Einzig
einige Apologeten in der Verhaltensforschung und offene Rassisten
versuchen weiterhin ihren Biologismus mit der österreichischen
Geistesgröße abzusichern. Und die heimischen Grünen weigern sich bis
heute, mit ihrem Gründervater zu brechen. Lorenz’ theoretisierte
Misanthropie, sein Sozialdarwinismus und Kulturpessimismus, geht bei
ihnen nach wie vor als Technik- und Zivilisationskritik durch.
Ebenfalls nicht neu ist der Hass von Rechtsextremen
auf die Kritische Theorie, von den Veranstaltern als "Verbindung von
Neomarxismus und Psychoanalyse" entlarvt. Bei der zweiten deutschen
Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 wurden die Werke von Marx und Freud
den reinigenden Flammen übergeben: "Gegen Klassenkampf und
Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung!"
"Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens, für den Adel
der menschlichen Seele!"
Der nun zum "Kommers" geladene Festredner Rolf
Kosiek(1) machte die Frankfurter Schule unter dem Pseudonym Rudolf
Künast bereits 1983 für die "Umweltzerstörung" verantwortlich. Dieses
Jahr erschien in fünfter Auflage sein Machwerk "Die Frankfurter Schule
und ihre zersetzenden Auswirkungen". Die antisemitische Figur von der
Zersetzung der Volksgemeinschaft durch (jüdische) Intellektuelle feiert
hier fröhliche Urständ. So macht Kosiek die "dem deutschen Denken
fremde(n)" Kritische Theorie für das "Einbringen dieses gefährlichen
geistigen Giftes des Marxismus in den deutschen Volkskörper" nach 1945
verantwortlich. Ermöglicht habe dies die "Umerziehung", mit welcher vor
allem die Angehörigen der Frankfurter Schule von den US-Alliierten
beauftragt worden seien. Die aus dem US-amerikanischen Exil als
"Sieger" zurückgekehrten Zersetzer haben laut Kosiek ganze Arbeit
geleistet: eine "egoistische Spaß- und Genussgesellschaft" habe die
gute alte "Volksgemeinschaft" abgelöst, "Fremde" könnten heute
ungehindert "in den deutschen Volkskörper in Millionenzahl einströmen",
es herrsche eine "völlige Vereinzelung und Bindungslosigkeit des
Individuums", durch den "Ungeist der Verneinung, Bezweiflung und
Verweigerung" sei die "Innenwelt" zerstört worden, anstatt einer "auf
biologischen Grundlagen beruhenden Weltsicht" habe sich ein
"Antibiologismus" durchgesetzt usw. usf.
Mit ihren jüdisch-amerikanischen "Betonungen reiner
Glücks- und Genussphilosophie" stehe die Kritische Theorie im scharfen
"Gegensatz zur Haltung der deutschen Tradition", die sich über "diese
niedere Sinnlichkeit (...) weit hinaus" hebe. Demgegenüber betont
Kosiek, was deutsch ist: Nämlich die Annahme, "dass der Sinn des Lebens
vor allem im Erfüllen einer Aufgabe, einem Werk, in einer Pflicht
beruht, und nicht im platten Glücksstreben."
Nicht nur ihren Hass auf alles "Deutsche", auch ihre
Verantwortung für die Umweltzerstörung leitet Kosiek von der Tatsache
ab, dass "fast alle führenden Vertreter der Frankfurter Schule dem
Judentum entstammten": Ihre "Anti-Natur-Haltung" gründe "in der
jüdisch-frühchristlichen Verneinung der Natur zugunsten eines rein
rationalen, intellektuellen Weltbildes". Tatsächlich ist es vor allem
die von deutschen "Gegen-Intellektuellen" (Hauke Brunkhorst) mit dem
Judentum identifizierte Rationalität und Intellektualität, die Kosiek
und seinesgleichen so in Rage versetzt. Anstatt der "vereinende(n)",
"ganzheitliche(n) Schau" der (noch) nicht umerzogenen und
naturverbundenen "Deutschen", würden die "von der Lebenswirklichkeit
gelösten" kritischen Intellektuellen "der zergliedernden (analytischen)
Methode" anhängen. Es soll aber nicht nur einfach geschaut, sondern
auch bejaht werden. Die deutsche Kritikfeindschaft gründet im
völkischen Einheits- und Reinheitswahn, der sich nach wie vor
zuallererst gegen Juden und Jüdinnen austobt.
Was Adorno über den Hass gegen die Psychoanalyse gesagt hat, gilt auch
für den gegen die Kritische Theorie: Er "ist unmittelbar eins mit dem
Antisemitismus, keineswegs bloß weil Freud Jude war, sondern weil
Psychoanalyse genau in jener kritischen Selbstbesinnung besteht, welche
die Antisemiten in Weißglut versetzt."
(1) Kosiek, Jg. 1934, war in den 1970er Jahren
Führungskader der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD),
daneben saß er damals im "wissenschaftlichen Beirat" der rassistischen
Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und
Verhaltensforschung des Hamburger Neonazis Jürgen Rieger. Seit 1981 ist
er führender Mitarbeiter des auf Holocaustleugnung abonnierten Grabert
Verlages. Zehn Jahre später schaffte er es auf den Vorsitz der
Gesellschaft für freie Publizistik, der wohl bedeutendsten Lobby
rechtsextremer Geschichtsfälscher. Kosiek, der auch Mitglied im
revanchistischen Witiko-Bund ist, referierte u.a. beim mittlerweile
behördlich aufgelösten Verein Dichtersein Offenhausen und beim nicht
minder neonazistischen Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes. |
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