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Konsensuales
Verhalten und die Reaktionen eines sozialdemokratischen Innenministeriums. Ein
Interview mit Charles Ofoedu*
Die Übermacht
und die undurchschaubare Struktur der "organisierten Kriminalität",
der Schutz "unserer Frauen" und "unserer Kinder" und nicht
zuletzt die "Reinheit unseres Volkes" führen zu einem konsensualen
Verhalten unter dem Titel: Wir verfolgen wen wir wollen!
das
Gespräch führte Jürgen
Schmidt Im februar
1999 wurde Ahmed F. der aus dem senegal vor 10 jahren nach österreich migrierte
in einer wiener u-bahnstation von polizeibeamten so lange geschlagen bis er
tot war. Am 1. Mai 1999 starb Marcus Omofuma beim versuch des österreichischen
staates ihn per flugzeug nach nigeria zu deportieren. Die rassistische praxis
in staat und gesellschaft führte schließlich dazu, dass sich migrantInnen
selbst zu einem breiten bündnis zusammen schlossen und mehrere demonstrationen
in wien organisierten. Die erste dieser demonstrationen lief unter dem titel
"stoppt den rassistischen polizeiterror".1
Die notwendigkeit
dieser parole wurde in den nächsten monaten mehr als deutlich. Am 27. Mai
1999 startete die größte polizeiaktion der zweiten republik, die
"operation spring". Damit war das konstrukt der nigerianischen drogenmafia
durchgesetzt. Von medien und gesellschaft wurde es begierig aufgenommen. Die
antisemitischen und rassistischen ressentiments dieser verfolgungspraxis stießen
auf einen breiten konsens. AfrikanerInnen werden heute ständig zu drogendealerInnen
stigmatisiert, die in übermächtigen strukturen organisiert sind und
die sicherheit der ganzen welt bedrohen. Im frühling 2000 wurde Imre B.
in seinem auto sitzend von einem polizeibeamten erschossen. Das ist die lehre,
die polizei und medien aus ihrem kampf gegen afrikanerInnen gezogen hat. Erst
schießen und dann fragen, schließlich geht es um unsere sicherheit.
Doch von
mord darf nicht gesprochen werden. mord als politische kategorie zu benennen,
führt wieder zu strafverfolgung. Eine aktivistin der african community
brachte es im mai 1999 auf den punkt: "sie haben beschlossen, dass wir
nicht hier sein dürfen und jetzt bringen sie uns einfach um".
In
deinem buch morgengrauen hast du deine erlebnisse mit der "operation
spring" und der medialen hetze niedergeschrieben. Jetzt schreibst du
an einem neuen buch über einen afrikaner, der in österreich um asyl
ansuchen will. Wie siehst du die verbindung zwischen kunst und politik, zwischen
deiner literatur und den herrschenden zuständen in der gesellschaft?
Als schriftsteller
bin ich teil dieser gesellschaft. Das schreiben muss daher auf meine umgebung
zurückwirken. Wir sind ja auch politische menschen. Auch wenn jemand schreibt
um kultur zu schaffen, handelt es sich letztlich immer um politik. Die politik
ist ein teil des lebens der menschen. Für mich ist es sehr wichtig immer
über themen zu schreiben, die mich bewegen. SchriftstellerInnen könnten
auch als die augen einer gesellschaft angesehen werden. Es gibt schriftstellerInnen,
die kritiseren und die etwas zu sagen haben, und andere, die nur über liebe
schreiben. Ich sehe mich als jemand, der schreibt um politik zu machen.
Charles
du bist bei den bunten und bei der african community. Wie würdest du
diese zusammenschlüsse charakterisieren?
Die bunten
existieren seit 4 oder 5 jahren und sind eine politische organisation, die leute
aus den einzelnen kontinenten zusammengebracht hat. Die beteiligten kommen aus
unterschiedlichen zusammenhängen und bringen ganz individuelle voraussetzungen
mit. Es sind leute aus afrika, aus lateinamerika, aus asien, aus europa. Gegründet
hat sich diese gruppe um für die würde der menschen zu kämpfen,
egal welcher religion, welcher hautfarbe oder welcher kultur sie sich zugehörig
fühlen.
Unser ziel
ist es die unterdrückungen zu beenden. Wir versuchen, dass unsere stimme
gehört wird. Es gibt auch eine zeitung, die "bunte zeitung".2
Da wir keinerlei budget haben ist es oft sehr schwierig, die zeitung überhaupt
zu produzieren.
Die
african community ist eine zusammensetzung von verschiedenen gruppen, die
hauptsächlich von afrikanerInnen getragen werden.
Die community
gibt es seit ca. zwei jahren und sie ist für alle afrikanischen vereine
und personen offen, die sich dafür interessieren. Es gibt hier keinen vorstand
oder was ähnliches. Wir kommen zusammen, erzählen uns von unseren
problemen und überlegen, wie wir sie lösen können und weiter
arbeiten können. Wir sprechen auch oft über integration und was wir
dazu beitragen können. Aber ich habe das gefühl, dass meist integration
mit assimilation verwechselt wird. So etwas wie integration kann es hier nicht
geben.
Auch innerhalb
der bunten gibt es oft widersprüche. Die bunten sind ja eine gemischte
gruppe von männern und frauen. Man darf nicht vergessen, dass frauen immer
sagen, dass sie sich emazipieren müssen. Was bedeutet emanzipieren? Die
männer haben die frauen immer diskriminiert. Wenn man sagt, du musst zuhause
bleiben, du kannst nicht rausgehen, dann macht man den gleichen druck wie er
gegen afrikanerInnen gemacht wird. Die afrikanerInnen sollen lieber nicht kommen,
die sind so gefährdet. Wir haben viel von den feministinnen gelernt und
wir können noch viel lernen.
Die
bunten wurden oft, vor allem aus der "österreichischen" linken,
kritisiert, zu unpolitisch zu sein und sich nur für menschenrechte —
á la amnesty international — einzusetzen. Wie geht ihr mit solchen
kritiken um?
Wir haben
eine klare politische linie. In erster linie geht es uns darum, dass wir selbst
für unsere rechte einstehen und dafür auch kämpfen können.
es gibt auch noch andere kritiken, die von migrantInnenvereinen kommt. Die bunten
würden versuchen alle migrantInnen zu vertreten. Aber wir sagten, das geht
nicht, und das wollen wir auch nicht. Wir können nur uns selbst vertreten.
Die anderen müssen das auch selber tun.
Ich denke
mir, dass eine gruppe, die nie kritisiert wird, auch nicht wahrgenommen wird.
Deswegen freut mich diese kritik. Sie zeigt, dass wir zumindest schon gehört
werden und auffallen. So freut es mich, dass ich noch der obmann der bunten
bin.
Im
frühling 1999 kam es zu großen demos gegen rassismen. Am 19. März
unter dem motto "stoppt den rassistischen polizeiterror".
Diese demonstrationen
waren die ersten, bei denen die afrikanerInnen überhaupt selbst auf die
straße gegangen sind. Viele menschen hatten die ganze zeit angst. Sie
wußten, niemand könne uns hier verteidigen. Aber die nigerianerInnen
in wien haben zumindest schon einmal vorher eine demonstration organisiert.
Nach der wahl in nigeria kam ein rechter präsident an die macht und da
gab es eine aktion vor der botschaft in wien. Aber es war nicht so, wie wir
uns das vorgestellt hatten. Es waren fast nur österreicherInnen und polizistInnen
dabei. Wir waren nur ganz wenige. Alle, die uns sahen, haben uns mit großen
augen angestarrt, so unter dem motto "was machen die afrikanerInnen in
österreich auf der straße".
Wir haben
oft, schon bevor Marcus Omofuma starb, über die brutalität der polizei
gesprochen. Wir diskutierten auch über die angriffe, denen afrikanerInnen
auf der straße und bei der polizei ausgesetzt sind. In der öffentlichkeit
hat aber niemand etwas gesagt oder etwas getan. Die demonstrationen bei ahmed
f. und marcus omofuma waren dann dafür da, dass wir überhaupt gehört
werden. Wir arbeiteten mit verschiedenen organisationen zusammen. Dabei lernten
wir, wie demos organisiert werden. Das war protest, der sagt, wir sind menschen
und wir können zusammen für unsere rechte kämpfen. Wir haben
gezeigt, dass wir zusammen arbeiten können. Nach den demonstrationen hat
der staat auf die afrikanerInnen eingeschlagen um ihre ganze zusammenarbeit
zu zerstören. Ich hoffe, dass wieder eine zeit kommt, in der die afrikanerInnen
in österreich auf die straße gehen können, um für ihre
rechte zu kämpfen.
Es
gab, wie du auch erzählt hast, unzählige übergriffe bis zu
morden an migrantInnen. Warum wurde aus marcus o. eine "ikone"?
Marcus
Omofuma kam ohne papiere als asylwerber nach österreich. Wenn er nicht
gestorben wäre, würde wahrscheinlich niemand Marcus Omofuma kennen.
Ich kannte ihn auch nicht. Ich habe ihn nie gesehen. Bekannt geworden ist er
aufgrund der situation. Er ist in einem flugzeug bei einer abschiebung erstickt
und die polizisten hatten die verantwortung. Die reaktionen der österreichischen
politik unter schlögl und klima waren unglaublich. Marcus wurden alle seine
rechte genommen. Die leute, die afrikanerInnen, haben dagegen gekämpft,
sonst wäre es unter den teppich gekehrt worden und niemand hätte darüber
geredet, wie immer in österreich. Darum mussten wir die geschichte von
Marcus Omofuma in der gesellschaft bekannt machen und polizei und regierung
dazu zwingen, zu diesem vorfall stellung zu nehmen. Marcus omofuma darf nie
vergessen werden.
Wichtig
— für das bekannt werden — war auch, dass er in bulgarien gestorben
ist. Denn wäre das in österreich passiert, hätten medien und
politikerInnen sicher wieder versucht, ihn als dealer darzustellen, um behaupten
zu können, er sei an drogen gestorben.
Anläßlich
der ersten demo nach Marcus Omofumas tod entstand die plattform "für
eine welt ohne rassismus". Es kam zu einer zusammenarbeit zwischen migrantInnen
und "mehrheitsösterreicherInnen".
"für
eine welt ohne rassismus" ist eine struktur, die schnell entstand und es
war großartig, dass wir eine solche organisation hatten. aber für
uns als afrikanerInnen ist es immer dasselbe. Es wird immer gesagt, dass wir
nichts machen können, und dass andere für uns entscheiden müssen.
Das diskriminiert uns. Ich habe gut gefunden, dass wir zusammen gearbeitet haben,
aber meine eigene erfahrung war immer wieder die selbe. Wir diskutieren über
ein thema und am ende entscheiden immer die österreicherInnen. viele afrikanerInnen
in der plattform dachten, dass ihnen das helfen kann. Aber ich habe gesehen,
dass die plattform nichts für die afrikanerInnen tun kann. Wir haben zuviele
probleme hier, mit wohnungen und arbeit. Ich glaube jetzt, es ist besser, wir
bleiben so wie wir sind. Da können wir nicht einfach unter den tisch fallen
und zusammenarbeiten können wir trotzdem. Viele der afrikanerInnen sind
auch einfach nicht mehr gekommen aufgrund dieser irren repression, die gegen
sie eingesetzt wurde. Für sie ist es jetzt sehr wichtig sich wieder selbst
stark zu organisieren.
Was in
der plattform passierte war das gleiche wie überall anders auch. Alle haben
ihre eigenen interessen. Manchmal lache ich, wenn wer sagt, ich kämpfe
gegen rassismus. Ich frage mich, was bedeutet rassismus überhaupt. Wir
kämpfen gegeneinander mit intrigen und dann sprechen wir von antirassismus.
Rassismen gibt es in vielen verschiedenen formen, bewußt und unbewußt.
Die leute verhalten sich oft rassistisch und erklären, dass sie eigentlich
rassismus bekämpfen wollen. Oft habe ich das gefühl, sie haben nichts
anderes zu tun. Meist können sie gar nicht verstehen was passiert, weil
sie ganz anders davon betroffen sind und meistens ja profitieren. Von einigen
hat sich auch die plattform getrennt, oder die leute sind eh selber gegangen.
Ich denke
mir, die leute sollten sich mal fragen, was rassismus überhaupt ist. Wie
passiert rassismus in der gesellschaft, in der religion, in der kultur? Was
ist rassismus in den menschen?
Kannst
du differenzen nennen zwischen widerstand und demonstrationen in nigeria und
dem was du hier erlebst?
Ich habe
dabei viel gelernt. Ich habe österreich kennengelernt. Wie sich die menschen
hier verhalten, wie sie arbeiten. Ich habe auch gelernt, dass wir protestieren
können. In jeder gesellschaft schmerzen demonstrationen die regierung.
Daher werden aktivistInnen auch immer von der staatsmacht attackiert. Die demos
hier sind sehr ruhig und überhaupt nicht aggressiv. Ich habe immer gesagt,
es ist wie ein trauermarsch. Es ist ruhig und danach gehen alle trinken.
In nigeria
sind die demos anders. Ich will damit nicht sagen, dass sie aggressiver sind,
sonst kommt wieder jemand auf die idee zu behaupten, die afrikanerInnen wären
von natur aus aggressiver. Man könnte auch demos in den usa oder jugoslawien
hernehmen, z.b. die proteste gegen milosevic. Solche demos gibt es auch in nigeria,
wo die leute wirklich ihre wut auf die straße tragen. Dann gibt es den
willen etwas zu erkämpfen. Die behörde und der staat haben das gewaltmonopol.
Das führt dazu, dass es menschen gibt, die dieses verhältnis brechen
wollen. Wenn sich die menschen wirklich gegen eine regierung auflehnen, dann
können sie auch "gewinnen". Hier sind halt nach zwei wochen alle
müde. Bei demos in nigeria, die ich erlebt habe, gibt es einfach viel mehr
dynamik als bei demos in österreich.
Auf
die demos folgte die größte repressionswelle der zweiten republik.
In der "operation spring" und ihren folgeaktionen wurden mehr als
200 menschen verhaftet und über 100 zu langjährigen haftstrafen
verurteilt.
Ich ärgere
mich immer, wenn so verallgemeinernd gesprochen wird, wenn z.b. gesagt wird
"alle afrikaner sind drogenhändler". Bei mir behaupteten sie
einfach, ich sei drogenboss. Niemand hat gesehen, dass ich schriftsteller und
intelektueller bin. Die operation spring war letztlich nur ein konstrukt um
die afrikanerInnen zu kriminalisieren. Wir erwarten uns von den Menschen und
Gruppen, die mit uns solidarisch sind, dass sie unser bild wieder richtig stellen.
Dass sie versuchen, diesen konsens in der gesellschaft wieder zu durchrbechen.
Die afrikanerInnen
wurden verhaftet, aber bevor man sie verhaftete wurden sie schon verurteilt.
Sie wurden einfach alle zu drogenhändlern erklärt. Wir können
und wollen nicht sagen, dass es keine afrikanischen drogenhändler gibt,
die gibt es immer und in jeder gesellschaft. Das liegt nicht an einzelnen personen
oder gruppen, es trifft die ganze gesellschaft.
Viele gruppen
haben nach der operation spring nicht mehr mit den afrikanerInnen zusammen gearbeitet,
ich habe das echt einige male erlebt. Viele leute haben uns alleine gelassen
und gesagt, wenn ihr etwas mit drogen zu tun habt, dann unterstützen wir
euch nicht mehr. Das hat ein ganz schlechtes licht auf die afrikanerInnen in
österreich geworfen. Aber diese rassistischen verleumdungen passieren immer,
auf der ganzen welt unter jeder regierung.
Wie
ist das konstrukt der nigerianischen drogenmafia entstanden. Warum ist es
so einfach eine ganze gruppe innerhalb der gesellschaft derartig zu diffamieren.
Für
mich ist das eine typische verschwörungstheorie. So wurde die nigerianische
drogenmafia konstruiert. Es gab auch keine andere möglichkeit, um uns alle
zu verhaften. Aber das ist nur ein teil. Man hat auch versucht die geschichte
von marcus omofuma unter den teppich zu kehren. Es hätte nicht mehr über
marcus gesprochen werden dürfen. Es war auch ein versuch den innenminister
zu verteidigen. Gesagt wurde nicht, dass es ein paar drogendealer gibt, sondern
dass alle nigerianerInnen organisiert kriminell seien, das sie übermächtig
und bestens organisiert seien. Das sind verschwörungstheorien.
In
österreich haben antisemitismen eine lange tradition. Siehst du strukturelle
verbindungen zwischen den konstrukten der operation spring und den antisemitismen
in der gesellschaft?
Die gibt
es sicher. Österreich hat so schnell seine geschichte vergessen und verdrängt.
Kein politiker in österreich hat gesagt, wir haben fehler gemacht. Es wurde
nie aufgearbeitet und daher nur verdrängt. Antisemitismen gibt es in österreich
immer und jeden tag. Schuld daran sind alle, die medien, die politik und die
gesellschaft. Aber oft sprechen sie nicht darüber und versuchen es wegzuschweigen
wie die großen politikerInnen. Auch die journalistInnen müssen viel
besser arbeiten. Sie sind auch nur ein teil dieser gesellschaft und daher mitverantwortlich.
Du
wurdest am 27. Mai als der große "drogenboss" verhaftet. Jetzt
läuft der prozess gegen dich. Wie weit ist das verfahren jetzt?
Ich habe
damit gerechnet, dass mein prozess so verlaufen wird, wie er sich bis jetzt
entwickelt hat. Man hat mich verhaftet und das sehr gut geplant. Es gibt so
etwas wie eine unschuldsvermutung, aber die habe ich nie gesehen. Man sagt,
es gibt drei teile eines staates. Die exekutive, das parlament und die justiz.
Aber ich habe keinen unterschied gesehen zwischen diesen teilen. Wenn die zusammenarbeiten
und das tun sie, wird es sehr schlimm, dann hast du keine chance. Im ersten
verfahren wurde ich zu 10 monaten bedingt verurteilt. Das verfahren läuft
aber weiter. Ich will, dass sie erkennen, dass ich völlig unschuldig bin.
Angefangen
hat es für mich damit, dass sie mich zum drogenboss erklärten. Später
wurden alle verfahren zu diesem punkt eingestellt. Dann erhielt ich die neue
anklage. Es ging nur noch um angebliche falschaussagen. Beim letzten prozess
haben sie auch die kriminelle organisation gestrichen und jetzt geht es nur
noch um geldwäsche. Ich habe leuten geholfen geld nach nigeria zu überweisen.
Jetzt sagt das gericht das war drogengeld, obwohl niemand von diesen leuten,
für die ich das geld überwiesen habe, in die prozesse verwickelt ist
oder sonst was mit drogen zu tun hat. Es muß einfach was übrig bleiben,
denn das urteil wurde längst gesprochen.
In
den prozessen wurden zum ersten mal anonymisierte zeugen eingesetzt. Der wichtigste
zeuge in der operation spring, der das gesamte konstrukt aufrecht erhält
ist als AZ13 bekannt geworden und wurde nun selbst wegen beihilfe zum drogenhandel
verurteilt.
Ich kann
dazu nur sagen, dass ich ihn nicht verstehen kann. Er kann nicht alles über
alle wissen. Man glaubt ihm und man akzeptiert ihn. Er ist wohl der einzige
afrikaner in diesem staat dem einfach alles geglaubt wird. Jetzt wissen wir,
dass dieser mann selbst mit grossen drogengeschäften zu tun hat. Bei einem
zeugen mit helm, wie soll man sagen, ob er recht hat oder nicht. Ich weiß
nicht, ob ich diese person je getroffen habe oder sonst mit ihm kontakt hatte.
Jemand geht vermummt zu gericht, erzählt irgendwas und alles wird akzeptiert.
Doch die
konsequenz aus diesem gesamten prozess ist sehr schwerwiegend. Die eigentliche
funktion der "kronzeugen" ist nun durchgesetzt. Sie wurde getestet
und war "erfolgreich". Nun ist es möglich, diese regelgungen
auch bei anderen gruppen einzusetzen. Es hat einmal funktioniert und es wird
wieder funktionieren.
Seit
februar 2000 gibt es einen relativ breiten widerstand gegen eine koalitionsregierung
aus einer rechten und einer rechtsextremen partei,4 der sich auch immer wieder
als antirassistisch bezeichnet.
Die bunten
sind schon solidarisch mit dem neuen widerstand. Aber die interessen innerhalb
der bunten sind auch sehr verschieden, und es gibt einige bei uns, die das thema
nicht interessiert. Es gibt auch viel mehr an möglichkeiten als "normale"
demonstrationen. Viele von uns wollen nicht mehr ständig auf demonstrationen
gehen, weil sie schon genug probleme haben, um die sie sich kümmern müssen.
Und sie sind noch immer damit beschäftigt, sich wieder stark zu organisieren.
Die operation spring hat die african communtiy völlig zerschlagen und es
ist nicht leicht sich in österreich zu organisieren. Viele leute haben
österreich auch schon verlassen, als die operation spring passierte, und
viele haben sich darauf vorbereitet, dass sie österreich schnell verlassen
können, wenn es nötig wird. Es hilft niemanden, dass man bleibt und
immer für alle probleme bereitet, weil man selbst ständig gefährdet
ist.
In
deinem neuen buch schreibst du wieder über die aktuelle situation in
österreich.
Das neue
buch handelt von menschenrechten. Von den erlebnissen eines asylsuchenden in
europa. Das buch ist aber noch nicht erschienen und auch noch nicht fertig.
Was
hast du jetzt vor?
Ich hoffe
halt, dass dieser prozess bald vorbei ist. Ich will wieder mein leben leben
können, als künstler, schriftsteller und politisch aktiver mensch.
Charles Ofoedu lebt und arbeitet seit 10 Jahren in Wien.
Er studierte in Nigeria Publizistik und arbeitete unter anderem als Lehrer,
als Medienverleger und als Beamter. Jürgen Schmidt ist in der Plattform
"Für eine Welt ohne Rassismus" aktiv.
1
Viele berichte zum tod von Marcus Omofuma, den demonstrationen und den
darauf folgenden rassistischen Drogenrazzien gibt es im Internet unter der
Adresse www.no-racism.net .
2
Die "Bunte Zeitung" erscheint ca. vier mal jährlich und
ist im strassenverkauf erhältlich. Unter anderem ist die zeitschrift
auch im Infoladen 10; EKH Wielandgasse 2-4, 1100 Wien erhältlich.
3
AZ1: Anonymisierter Zeuge 1. Die meisten der urteile gegen die gefangenen
der Operation Spring wurden ohne sachbeweise, nur aufgrund der aussagen dieses
zeugen gefällt. Seine identität wurde der öffentlichkeit bis
jetzt verschwiegen.
4
Bei der bezeichnung der FPÖ als rechtsextreme partei folgen wir der
rechtsextremismusdefinition die Willibald Holzer in seinem artikel im handbuch
des österreichischen rechtsextremismus formuliert hat und den analysen
von Brigitte Bailer und Wolfgang Neugebauer über die FPÖ in eben
diesem: DOKUMENTATIONSARCHIV DES ÖSTERREICHISCHEN WIDERSTANDS (Hg.):
Handbuch des Österreichischen Rechtsextremismus, Wien, 1993
Obiora
C-Ik Ofoedu: Morgengrauen. Ein Bericht, Mandelbaum Verlag, 264 Seiten, Preis:
268,— öS, ISBN 3-85476-033-7 |