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von Katrin Auer
Liebe Leserin! Lieber Leser!
Diese Ausgabe der Context XXI ist dem Sudan gewidmet. Der Krieg in Darfur,
die systematische Vertreibung der Zivilbevölkerung und die Bilder aus
den Flüchtlingslagern sind bekannt. Die Situation in Darfur musste sich
erst zur Katastrophe entwickeln, bis westliche Regierungen und Medien den
Ursachen und Umständen mehr Aufmerksamkeit schenkten. Bei der Berichterstattung
wie auch bei der Nachbar in Not-Spendenaktion überwiegt jedoch die oberflächliche
Betrachtung der Situation. Context XXI will daher mit dem Themenschwerpunkt
Sudan die Hintergründe und Ursachen darstellen um die aktuelle Situation
umfassender zu analysieren. Ishraga M. Hamid beleuchtet die Krise im Sudan
aus der Geschlechterperspektive, um zu zeigen welche Auswirkungen und Folgen
die Gewaltsituation auf Frauen im Sudan allgemein und im Speziellen in Darfur
hat. Ebenso werden die Ausmaße der sexuellen Gewalt als Kriegswaffe
dargestellt. Thomas Schmidinger weist in seinen Texten zum einen auf die politischen
und historischen Hintergründe der Krise im Sudan hin und diskutiert zum
anderen die Bedeutung des Faktors Islamismus in Bezug auf den Krieg im Sudan.
Thomas von der Osten-Sacken wiederum analysiert das Agieren und Reagieren
der arabischen Regierungen in Sachen Sudan.
Neben dem Themenschwerpunkt Sudan bietet Ihnen Context XXI diesmal wieder
eine vielfältige Auseinandersetzung mit diversen Formen der Vergangenheitsarbeit,
ideologischen Kontinuitäten und aktuellen politischen Diskursen und Diskussionen.
Alex Gruber setzt sich mit Antizionismus als anti-emanzipatorischem Kampf
gegen die Zivilisation auseinander und behandelt somit – wie die Zerstörung
der Theodor-Herzl-Gedenktafel in Wien durch AntizionistInnen zeigt –
ein unaufhörlich drängendes und akutes Thema. Renate Göllner
widmete sich den boomenden "Vatibüchern" sowie den Motiven
der schreibenden und publizierenden Nachkommen von Nazi-TäterInnen, was
Hannah Fröhlich in einem offenen Brief an eine österreichische "Vatibuch"-Autorin
als klare Kritik formuliert. Die ideologischen Kontinuitäten des Antiziganismus
in Literatur und Schulpädagogik bringt uns Cordula Behrens-Naddaf in
ihrem Artikel näher, während Fabian Kettner die verschiedenen Epochen
der deutschen historiographischen Forschung zu Nationalsozialismus und Shoah
beleuchtet und Matthias Küntzel Kritik am linken Diskurs zu 9/11 und
der Weigerung, den Antisemitismus als zentrales ideologisches Motiv der Attentäter
zu sehen. Heide Hammer widmete ihren Text dem Todestag von Michel Foucault
und der Frage nach einer Verbindung von kritischer Theorie und Poststrukturalismus.
Heribert Schiedels Recherche zum rechtsextremen Konrad-Lorenz-Kommers sowie
die Buchrezension zur Filmindustrie im Ersten Weltkrieg von Eva Krivanec und
Antiamerikanismus in der Linken von Marc Zannoni beschließen diese Ausgabe
der Context XXI.
Wir freuen uns Ihnen die Zusammenarbeit mit der Schweizer Zeitschrift Risse.
Analyse und Subversion bekannt zu geben. In den folgenden Ausgaben von Context
XXI wird ein Teil der Artikel von Risse-RedakteurInnen beigesteuert. Als Context
XXI-LeserIn können Sie sich darum zum einen auf eine noch vielfältigere
Themenpalette und Schweizer Perspektiven freuen und zum anderen gewiß
sein, dass sich an der inhaltlichen Ausrichtung von Context XXI durch die
Fusion mit Risse nichts ändert, denn diese beiden Zeitschriften verbindet
nicht zuletzt das Anliegen nach interner und innerer Kritik und Auseinandersetzung.
So gesehen also noch ein weiterer guter Grund Context XXI zu lesen, im Radio
zu hören, zu abonnieren, weiterzuempfehlen und zu fördern.
Katrin Auer,
Oktober 2004 |