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Liebe Leserin, lieber
Leser!
Manchmal könnte alles
ganz einfach sein. Man bräuchte sich nur an die Gesellschaftskritikerin
Ulrike Meinhof zu erinnern und wüßte, daß Protest bedeutet,
zu sagen, daß einem dieses und jenes nicht paßt, Widerstand jedoch
meint, dafür Sorge zu tragen, daß das, was einem nicht paßt,
auch nicht mehr stattfindet. Und schon wüßte man, womit wir es momentan
in Österreich zu tun haben. Da sich aber heute kaum noch jemand für
Meinhof interessiert, sind wir mit Bürgern und Bürgerinnen konfrontiert,
die meinen, Teil einer Widerstandsbewegung zu sein, wenn sie mit Kochtöpfen
durch die Straßen lärmen.
Diese Bewegung gibt es
nun seit einigen Monaten. Trotzdem scheint niemand zu wissen, wie es im und
nach dem Sommer damit weitergeht. Um die Reflexion über das bisher Geschehene
ein wenig anzuregen, finden Sie in dem vorliegenden Doppelheft einen kleinen
Schwerpunkt zu Protest und Widerstand, bei dem es uns wichtig war, die damit
im Zusammenhang stehenden Probleme nicht ausschließlich anhand der aktuellen
Aktivitäten in Österreich gegen die schwarz-blau-braune Koalition
zu thematisieren. So finden sie in dem Heft auch einen einführenden Beitrag
über VertreterInnen einer der
ambitioniertesten Richtungen emanzipativer Gesellschaftskritik: die Situationisten.
Von ihnen stammen auch die Abbildungen im Schwerpunkt. Wir haben sie dem Ausstellungskatalog
"Situationistische Internationale 1957 — 1972" und der Textsammlung
"Der Beginn einer Epoche" (Edition Nautilus) entnommen.
In Anknüpfung an den
Artikel über "Globalisierten Konkurrenzkapitalismus" im letzten
Heft schildert Alexander Schürmann-Emanuely Ansätze zum Protest gegen
neoliberale Umstrukturierungen und zur Zügelung des Kapitalismus. Die Debatte
darüber möchten wir im nächsten Heft von Context XXI vor dem
Hintergrund der bevorstehenden IWF- und Weltbanktagung in Prag mit weiteren
Beiträgen zur Internationalisierung des Kapitalverhältnisses fortsetzen.
Eine Debatte, die schon
länger in unserer Zeitschrift geführt wird, ist jene über die
Gründe für den Jugoslawienkrieg. Nachdem Uli Krug in Heft 4-5/99 auf
Hannes Hofbauers Ausführungen in Heft 3/99 geantwortet hatte, greift nun
Gerhard Scheit Krugs Gedanken auf und weist auf die Besonderheiten deutscher
Projektionsleistungen im Krieg gegen Jugoslawien hin.
Um derartigen Diskussionen
auch weiterhin ein Forum bieten zu können, sind wir um die Weiterentwicklung
des Projektes Context XXI bemüht. Im Rahmen unserer Bemühungen um
eine verstärkte Vernetzung und Zusammenarbeit mit gesellschaftskritischen
Initiativen hat sich unsere Redaktion erweitert. Zum einen freuen wir uns, Robert
Kogler als neuen Redaktuer vorstellen zu dürfen. Zum anderen wird die "Ökologische
Linke" ihre Zeitschrift radix einstellen und arbeitet nun in Gestalt
von Marianne Kreutzer und Thomas Schmidinger, der unseren LeserInnen bereits
als Autor bekannt ist, bei Context XXI mit.
Eine andere Neuerung betrifft
die Funktion des koordinierenden Redakteurs. Ab Juli werden die mit dieser Funktion
verbundenen Aufgaben von einem oder einer anderen RedakteurIn erledigt werden,
da ich anderen Verpflichtungen nachzukommen habe, und mich daher auf diesem
Wege von ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, als koordinierender Redakteur
verabschiede.
Stephan Grigat, Juni
2000 |