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Transfer eines Feindbildes |
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Antisemitismus in islamischen Gesellschaften
In
der Diskussion über die jüngste Eskalation des Nahostkonfliks und die
antisemitischen Angriffe der “weltweiten Intifada” in Europa kommt
leider nur zu oft die sachliche Analyse und Kritik des Antisemitismus
in islamischen Gesellschafen zu kurz.
von Thomas Schmidinger
Bisher
sind zu diesem Thema nur einzelne Artikel, u.a. in Context XXI,
erschienen. Nun ist jedoch in einem kleinen Verlag ein neues Buch dazu
erschienen, das davon ausgeht, dass “die Matrix des neuen Feindbildes
als identitätsbildendes Moment [...] zweifelsohne nicht in der
islamischen Tradition zu finden” ist. Aber nach der Staatsgründung
Israels wäre ein halbwegs konfliktfreies Zusammenleben von Muslimen und
Juden nicht mehr möglich gewesen. “Von den einst großen jüdischen
Gemeinden in arabischen Ländern gibt es heute nur noch in Marokko und
Tunesien nenneswerte Reste. In Ägypten. Libyen, im Irak und in Algerien
endete blitzartig eine jüdische Gemeindetradition, die teilweise bis in
die Antike zurückreichte. Das >Verschwinden< der Juden aus den
arabischen Gesellschaften, bzw. der Verlust des alltäglichen
Miteinander-Lebens, ermöglichte den Prozess einer
Feindbildkonstruktion, der die Erinnerungen an das viele Generationen
überdauernde friedliche Zusammenleben bedeutungslos werden läßt."(S. 11)
Kiefer
beschreibt detailliert den Import völkischer antisemitischer Stereotype
in islamische Gesellschaften, die sich heute weit über die arabischen
Staaten hinaus wiederfinden. Er analysiert den politischen Islam dabei
nicht als vormodernes Phänomen, sondern sieht dessen Antisemitismus
geradezu als Aspekt der islamischen Moderne, eben als modernen
Antisemitismus. Der Analyse der Islamisierung des Antisemitismus folgt
eine Nachbemerkung zum islamischen Antisemitismus bei Milli Görüs,
Kaplans Kalifenstaat und anderer islamisch-integralistischer
Organisationen in Deutschland, die dieses empfehlenswerte Buch noch
lesenswerter macht.
Michael Kiefer:
Antisemitismus in den islamischen Gesellschaften
Der Palästine-Konflikt und der Transfer eines Feindbildes
Verlag: Verein zur Förderung gleichberechtigter Kommunikation e.V.
Düsseldorf, 2002
ISBN: 3-9805861-2-X
14,90 EURO |