von Eva Krivanec und Günter Hefler
In den letzten Jahren fand - und findet - eine Reihe von
ambitionierten Filmen, in deren Zentrum - auch - eine
Problematisierung sexueller Beziehungen stand, großes mediales
Echo1: Die Rezeption der Filme erfolgt dabei in doppelter Weise.
Einen Strang medialer Berichterstattung bildet die Skandalisierung
vorgeblich pornographischer Inhalte, Vorwürfe, die teils zu
juristischen Auseinandersetzung um Verbot und Zensur führten.
Einen anderen Strang bildet die Einbeziehung der Filme in die
Thematisierung eines neuen öffentlichen Umgangs mit Sex und
kulturellen Erzeugnissen, die diesen zu Konsumgütern zu
verarbeiten suchen. Als seriöse Avantgarde-Produkte werden die
Filme als Brückenschlag zwischen dem abgewerteten Sex-Business
und der anerkannten Kulturproduktion gesehen. Ähnlich wie
einschlägige Erotik-Shows und Dokumentationen durch eine
Berichterstattung über das "Porno-Biz" eine mediale
Integration der - noch - aus dem "Normalprogramm" des
öffentlichen Fernsehens verbannten Hardcore-Pornographie
bewerkstelligen, scheint die Integration sexuell expliziter Bilder im
"Kunstkino" und der Wechsel von "PornodarstellerInnen"
in "erstzunehmende" Produktionen einen Trend zur
Enttabuisierung all dessen, was Lust bereitet, voranzutreiben.2
Unabhängig vom eigentlichen Inhalt bewirkt die
Problematisierung von Sex damit medial nur die - sich ergänzende
- Fortsetzung zweier Diskurse: zum einen den Diskurs vom "Verfall"
sozialer Normen, die gegen das Exzessive der Sexualität nicht
länger zu schützen in der Lage sind. (Sinnbild der
Entgrenzung ist die Kinderschändung in all ihren medial
präsenten Formen wie Internetpornographie oder Sextourismus),
zum anderen einen Diskurs von der Befreiung des Konsums sexuell
konnotierter Kulturgüter von "gesellschaftlichen Fesseln".
Vor allem Pornographie erscheint als zu unrecht problematisiertes
Genussmittel, gleichermaßen geeignet für Männer und
Frauen3.
Beide diskursiven Stränge verhindern, dass der eigentliche
Inhalt der Filme medialen Niederschlag findet: Die Filme - sonst kaum
beachtet - sind ausschließlich Gegenstand dieser beiden
Diskurse. Auch vom Selbstanspruch her differenzierte
Auseinandersetzungen mit den Filmen - in den Feuilletons
anspruchsvoller Tageszeitungen, in der Filmpublizistik - bleiben
stark von diesen Verarbeitungsformen beeinflusst. Die Versuchung,
Zusammenhänge über die Explizität der Bilder und das
vordergründig auf genitale Praktiken ausgerichtete Geschehen
herzustellen, ist stark. Themen - und damit auch Unterschiede - der
einzelnen Filme treten in den Hintergrund. Exemplarisch lässt
sich dieses dreifache Verhältnis - ein doppelter Diskurs
verhindert die Wahrnehmung der eigentlichen Inhalte - an Romance
(1999) von Catherine Breillat zeigen. Romance war der erste Film der
Autorin und Regisseurin, der im deutschsprachigen Raum breit
rezipiert wurde, nachdem er in Frankreich für einen Skandal
gesorgt hatte.
Schon Catherine Breillats erster Roman - L'homme facile4 - 1968
erstmals erschienen, führte zu einer großen Aufregung in
der französischen Öffentlichkeit und zum ersten Verbot: Der
Roman - von einer 17-jährigen verfasst - erhielt Jugendverbot.
Ab diesem Zeitpunkt hatte Breillat als Autorin wie als Regisseurin
mit der Zensur zu kämpfen - und sie verfolgte konsequent den
Kampf gegen die mediale und juristische Deklarierung von
Einzelbildern - männliche Erektion, Ejakulation, Fellatio,
Penetration - zum einzigen Kriterium für die Unterscheidung von
Pornographischem und Nicht-Pornographischem. Ihren ersten Film -
Une vraie jeune fille - drehte sie 1975, ausgehend von ihrem 1974
publizierten Roman Le soupirail, in dem es um die Phantasien eines
jungen Mädchens geht, um das was sich in ihrem Kopf abspielt.
Während sich die Produktionsfirma eine Art "Softporno"
vorstellte, ging es Catherine Breillat um einen harten, brutalen
Blick auf die sich transformierende Sexualität der
Protagonistin, die Scham, die familiären Zwänge und die
Unthematisierbarkeit der Wünsche - eine Gratwanderung entlang
der Grenze des zu dieser Zeit Zeigbaren, Erträglichen. Die
Reaktion folgte prompt: Zunächst bekam der Film Jugendverbot,
dann meldete die Produktionsfirma Konkurs an und noch bevor der Film
in den Kinos laufen konnte, fiel er unter die neue, verschärfte
Pornographiegesetzgebung und wurde verboten. So wurde dieser Film
erst nach dem Erfolg von Romance öffentlich aufgeführt, und
- siehe da - die Reaktionen waren kaum weniger scharf, als man sie
sich für die Mitte der 70er Jahre hätte vorstellen können.
In der rechtskonservativen Tageszeitung Le Figaro erscheint die
Rezension des Films in Form eines offenen Briefs an die Regisseurin,
verfasst von Marie-Noëlle Tranchant, die nicht davor
zurückschreckt, den Umgang Breillats mit ihrer Hauptdarstellerin
- "l'exhibition, la salissure, l'irrespect de l'intimité
du corps"5 - mit der Situation deportierter Frauen in
Konzentrationslagern zu vergleichen. Aber auch in linksliberalen
Zeitschriften fällt das Urteil nicht viel milder aus:
"verwirrt", "krankhaft" sind Attribute, die nicht
nur der Protagonistin des Films, sondern auch der Regisseurin
zugedacht werden. Diese heftigen Reaktionen bieten eine Grundlage,
den Widerständen, Negationen, Aggressionen nachzuspüren,
die mit den Filmen Breillats an die Oberfläche gelangen.
Während der Viennale 99 in Österreich erstmals gezeigt,
wurde Romance nicht als Teil eines kohärenten Oeuvres rezipiert:
Die Filme Breillats waren weder vor Romance in Österreich
präsent6, noch scheint sich nach Romance daran etwas geändert
zu haben. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand die Rezeption des
Skandals in Frankreich - Pornostar, Oralverkehr, große Bilder
von großen und kleinen Penissen. Die Werbematerialien zum Film,
der in Wien nicht nur ein einem Programmkino (Filmcasino), sondern
auch in "Mainstream-Kinos" gezeigt wurde, betonten, wie ein
Großteil der medialen Filmbesprechungen einen vermeintlichen
Aspekt der "sexuellen Befreiung": Die ProtagonistIn von
Romance rebelliere gegen ihre sexuell unbefriedigende Beziehung,
indem sie sich auf sexuelle Abenteuersuche begebe. Medial
rezipiert wurden "Sexszenen", "echter" Verkehr
mit einem Pornostar, Rencontre mit einem Fesselfetischisten - auf die
Handlung des Films und die Konstruktion seiner Themen wurde jedoch
kaum eingegangen. Ausgespart wird das zentrale Thema des Films, der
Hass, den der geliebte Partner der Protagonistin entgegenbringt, ein
Hass, der sich mit ihrer von ihm gewünschten Schwangerschaft
neuerlich steigert. Die konsequente Distanzierung in allen
Lebensbereichen, die verhaltene Aggression des Partners, die sich bis
zu gewalttätigen Übergriffen steigert, wird ausschließlich
als vermeintliche Quelle einer "sexuellen Unbefriedigtheit"
der Protagonistin wahrgenommen, die diese auf die Suche nach
sexueller Erfüllung treibt. Die Gegenwart der Gewalt außerhalb
der Liebesbeziehung - nicht nur, dass der Fesselfetischist der
Vorgesetzte der Protagonistin ist, sie erleidet auch eine
Vergewaltigung auf der Stiege ihres Wohnhauses und muss als
Schwangere einer Gruppe von MedizinstudentInnen als Unterrichtsobjekt
dienen - bleibt ebenso unthematisiert wie die soziale Welt der
Protagonistin, als Volksschullehrerin ökonomisch unterlegene
Ehefrau eines reichen Photomodells, die im Verlauf der Handlung weder
mit einer vertrauten Frau oder - von ihren Sexualpartnern abgesehen -
einem vertrauten Mann noch mit Mitgliedern ihrer Familie spricht.
Kaum rezipiert wurden die Selbstverständigungsversuche der
Protagonistin, obwohl ihre Stimme die Handlung über weite
Strecken begleitet. Der innere Monolog korrespondiert mit der
gewalttätigen Handlung des Films, durchbricht sie nicht, sondern
übersetzt die äußere Gewalt in ein Gewaltverhältnis
der Protagonistin zu sich selbst. Nicht die wahren Gefühle
werden ausgesagt, sondern die Fortsetzung der äußeren
Gewalt in einer Grausamkeit gegen sich selbst wird gezeigt. Allein
mit sich führt die Reflexion der Protagonistin in die
Zementierung ihres Leidens: sie bestätigt sich ihre
Ausweglosigkeit. "Pourquoi je ne suis capable que de l'aimer ou
de le détester ? Pourquoi je n'arrive pas à être
indifférente ? Alors que je suis lucide, pour moi, un homme
qui est incapable de m'aimer physiquement c'est un puits de malheur.
Un gouffre de souffrance. - On dit d'hun homme qui baise une femme
qu'il l'honore. Il faut être attentif au langage ; parce que
c'est une chose vraie : Paul me dèshonore." 7 Das
Sprachmaterial - die proto-theoretischen Phrasen einer patriachalen
Welt - hilft nicht weiter. Die Selbstverständigungsversuche
- und ihre Fortsetzungen in den Gesprächen mit den
Sexualpartnern - bestätigen die von außen erfahrene
Abwertung: Der innere Monolog erfasst an vielen Stellen nicht ihre
Emotionen (und schon gar nicht deren Vielfalt und Ambivalenz),
sondern streicht diese durch. Im Drehbuch betont Breillat - z.B.
anlässlich des inneren Monolog zu einer Sequenz, in der sich die
Protagonistin, eben vom Fesselfetischisten heimgekehrt,
selbstbefriedigt - dass es darum geht, den Widerspruch zwischen den
Aussagen - der Bewertung - der Protagonistin und all dem, was sie
positiv erlebt, aber nicht fassen kann, darzustellen. Das Bild zeigt
die Selbstbefriedigungspraxis (mit geschlossenen Beinen, starker
Anspannung der Muskulatur) der Protagonistin, die diese sichtlich
genießt, aber im Text - nachdem sie Frauen als Opfer der Männer
bestätigt hat - als defizitär abwertet "Je me branle
toujours les jambes serrées, c'est très rare que
j'écarte les jambes, même à moi, je suis pas
capable de m'offrir, je me viole."8 Medial rezipiert wurde
die Aktivität der Protagonistin, die dem Hass der Beziehung zu
entfliehen versucht, nicht passiv bleibt, sondern sich auf andere
Beziehungen einlässt. Rezipiert wurde ebenfalls der finale
Furor, in der binnen einer Filmminute erzählt wird, wie die
Protagonistin ihren Partner ermordet: Kreissaal und explodierendes
Appartement im Schuss und Gegenschuss - ein furioses Ende, wie es
Breillat in vielen ihrer Filme inszeniert.9
In der Rezeption von Romance wurde stereotyp - dankenswerter Weise
hat Breillat sich selbst in Interviews dahingehend geäußert
- betont, die Filmemacherin verfolge obsessiv das Thema "Sexualität
junger Frauen". Die Dichte der Themenkomplexe, an denen sich
Breillat abarbeitet wurde dadurch ebenso negiert, wie die
künstlerischen Lösungen unthematisiert bleiben, die die
Filmemacherin entwickelt10. In Breillats Filmen sind Frauen
AdressatInnen intensiven Hasses, einer aggressiven Zurückweisung
und Erniedrigung durch Männer. Dieser Hass spricht sich in
sexuellen Phantasien und Praktiken aus - aber nicht nur dort. Wenn
Männer etwas erregend finden, werden sie es einfordern, werden
sie es durchsetzen, selbst wenn - gerade wenn - damit eine unbewusste
oder bewusste Erniedrigung und Verletzung der Partnerin einhergeht.
Dieser Hass beschwert Versuche von Frauen, zu einem positiven
Verhältnis zu sich zu selbst zu kommen: nicht nur, aber auch in
den höchst individuellen Ausprägungen sexueller Phantasien
und Praktiken. Noch sprachlich ist der Hass ganz nahe, ist kaum zu
überwinden, so anwesend ist er in den
Selbstvergewisserungsversuchen. Versöhnlich ist daran nichts,
Gewaltexzesse - real von Männern an Frauen, phantasiert von
Frauen an Männern - ein Verweis auf alltägliche
Gewalterfahrung.
Trotz allem sind die Versuche von Frauen, an den eigenen
Phantasien und Wünschen festzuhalten, für die Filme
Breillats so zentral wie die Gewalt. Den Protagonistinnen stehen
wenig Mittel zur Verfügung, insbesondere kaum Hilfe. Sie
erscheinen immer unbewaffnet - "naiv". Aber sie bleiben
dennoch aktiv, versuchen zu bekommen, was sie sich wünschen,
setzen dabei alles auf eine Karte und verlieren nur deshalb, weil sie
auf - in Breillats Filmen ein Pleonasmus - grausame Männer
stoßen. Die Versuche, zu wünschen und sich die Wünsche
zu erfüllen, werden nicht abgewertet, die Protagonistinnen
verteidigen diese, reflektieren nicht eine vermeintliche
Unmöglichkeit, sondern schaffen eine Mythologie aus verbalen und
non-verbalen Praktiken, die das Wünschen möglich erscheinen
lässt und ein Handeln ermöglicht11. Das doppelte
Angebot der dominierenden medialen Verarbeitung - Skandalisierung und
Umdeutung zur Geschichte der Befreiung des Konsums sexueller Angebote
- nimmt den Raum für eine Auseinandersetzung mit den Inhalten
der Sexualität - und Geschlechterverhältnisse -
thematisierenden Filme und den Formen, in denen die künstlerische
Umsetzung versucht wird. Das macht einerseits die Thematisierung
des Gelingenden und des Misslungenen an den Umsetzungsversuchen
unmöglich. Breillats Film Romance wird der Status eines
ambitionierten Werks vorenthalten. Zugleich findet damit aber Kritik
an der Umsetzung, an den Nuancierungen und Forcierungen, keinen
adäquaten Rahmen: Wenn die Ambitionen des Films nicht benannt
werden, lässt sich über das Scheitern der Umsetzung nicht
sprechen. KritikerInnen des Films Romance bleibt die Ambivalenz, den
Film schlecht, misslungen, inadäquat zu finden, ohne diese
Kritik differenziert äußern zu können, weil sie erst
die Legitimität der Ambitionen verteidigen müssen, bevor
sie daran denken können, von einem Scheitern zu sprechen - ein
Vorgehen, dass vielleicht im Rahmen eine Monographie zu leisten ist,
nicht aber im Rahmen einer allgemein - allen - zugänglichen
Rezeptionskultur. "Ich hab' ihn eigentlich schlecht gefunden,
könnte aber nicht sagen, warum" ist damit nicht die Aussage
einer individuellen Überforderung, sondern bestätigt die
mediale Leerstelle, die gerade auch durch eine breite
Berichterstattung hergestellt wird.
Andererseits verbinden sich individuelle wie kollektive
Widerstände - zum Beispiel gegen die Thematisierung von
Grausamkeit von Männern - mit den diskursiven Angeboten. Romance
- wie auch Breillats andere Filme - berührt, "attackiert"
die Mehrheit der ZuschauerInnen. Möglichkeiten auf
Vordergründiges auszuweichen - ob nun zur Ablehnung oder zur
verhaltenen Affirmation - behindern einen notwendigerweise
kollektiven Prozess, darüber zu sprechen, welche Widerstände
gegen das Gezeigte/Thematisierte aufbrechen. Unterschwellig taucht
das verdrängte Erleben der individuellen Rezeption in der
medialen Behandlung wieder auf, rationalisiert sich als vermeintliche
Fundamentalkritik an der Filmemacherin.12 Transformierbar sind die
dominanten Diskurse nur, wenn die Leerstellen, die sie erzeugen,
gefüllt werden, wenn Gegendiskurse eine Dichte an Texten weben,
an präsenten, für alle greifbaren Texten, die alternative
Rezeptionen der Filme unterstützen: Alternativen, die uns nicht
nur fordern sondern auch reicher machen, unsere Spielräume
erweitern.
Fußnote
1 Unter anderem die Filme Romance (Regie Catherine Breillat),
Intimacy (Regie : Patrice Chéreau ; Baise-Moi (Regie :
Virginie Despentes/Coralie Trinh Thi) und Le pornographe (Regie :
Bertrand Bonello)
2 (Ehemalige) PornodarstellerInnen agieren u. a. als
SchauspielerInnen in Romance und in Breillats kommenden Film zu ihrem
letzten Roman Pornocratie, in Baise-Moi und in Le Pornographe. Im
letztgenannten Film wird das Sujet - Set einer Pornoproduktion -
aufgenommen, die Problematisierung der Pornographie auf der Ebene der
Liebesbeziehungen der ProtagonistInnen - des schwer depressiven
Porno-Regisseurs, seiner Frau und deren Sohns - versucht: Die
Unfähigkeit von Vater und Sohn, befriedigende Liebesbeziehungen
zu leben, ihre Aggressionen gegenüber ihren PartnerInnen, die in
egomanischer Rücksichtslosigkeit und Distanziertheit ausagiert
wird, thematisiert indirekt einen zentralen Aspekte der Pornographie:
dass sie Aggression - Wut auf die RepräsentantInnen der
Beziehungswünsche - umsetzt, damit Elemente der Ambivalenz von
Beziehungswünschen einseitig verstärkt (vgl. dazu Stoller,
Robert J. (2001): Perversionen. Die erotisierte Form von Haß.
Gießen. Psychosozial-Verlag.
3 Die Betonung, dass Frauen Pornographie - ob nun als Literatur,
Bild oder Film - mögen bzw. mögen können, spielt dabei
eine wichtige Rolle, scheint doch mit einem "Vorurteil",
das Pornographie frauenfeindlich oder "for men only" sei,
aufgeräumt werden zu müssen. Die Berichterstattung über
Frauenpornographie und "pornographische" Bücher von
Frauen - nach dem Erfolg von Catherine Millets "Das sexuelle
Leben der Catherine M." z.B. im Profil vom 30.9.02 ("Bumsen
ist wie Atmen - [...] warum Frauen die männliche Domäne
Pornographie erobern wollen.") zum neuen Phänomen erhoben -
gehört deshalb zu den - offensichtlich auch gerne rezipierten -
medialen Standardangeboten.
4 Er erschien schon 1969 in deutscher Übersetzung unter dem
Titel "Der leichte Mann".
5 Übersetzung: "die Bloßstellung, die
Beschmutzung, die Respektlosigkeit gegenüber der körperlichen
Intimität"
6 In Berlin fand vom 31.5 - 9.6 2001 eine Retrospektive der Filme
Catherine Breillats statt. Breillats Filme - mit Ausnahme von Romance
- waren in Deutschland davor nicht zu sehen.
7 Skript (Breillat, Catherine (1999): Romance, Paris - Cahiers du
Cinema Livres; (Petite Bibliotheque)), Seite 9; Übersetzung:
"Warum bin ich nur fähig, ihn entweder zu lieben oder zu
hassen? Warum schaffe ich es nicht, dass er mir gleichgültig
ist? Obwohl ich doch für mich klar sehen kann, dass ein Mann,
der mich nicht körperlich lieben kann, eine Quelle des Unglücks
bedeutet. Ein Abgrund voller Schmerzen. - Man sagt, dass ein Mann,
der eine Frau fickt, sie ehrt. Man muss auf die Sprache achten, weil
das ist wohl wahr: Paul entehrt mich."
8 Seite 55, Übersetzung: "Ich wixe immer mit
geschlossenen Beinen, es ist ganz selten, dass ich die Beine spreize,
ich schaffe es nicht einmal mich mir selbst hinzugeben, ich
vergewaltige mich."
9 In Une vrai jeune fille stirbt der Geliebte der Protagonistin in
einer vom Vater ausgelegten Schussfalle. In Parfait amour wird die
Protagonistin von ihrem Geliebten in der Schlussszene durch zahllose
Messerstiche ermordet, in A ma soeur! ermordet ankündigungslos
ein Passant - die Familie schläft im Auto am Parkplatz einer
Autobahn - eine der ProtagonistInnen sowie ihre Mutter und
vergewaltigt die zweite Protagonistin.
10 Der Artikel basiert auf folgenden Filmen: Une vrai jeune fille
(1975/2001), 36 Fillette (1987), Parfait amour! (1996), Romance
(1999), A ma soeur! (2000). Nicht berücksichtigt werden konnten
Breillats letzter Film Sex is comedy (2002), die Filme Tapage
nocturne (1979) und Sale comme un age (1991) (derzeit nicht auf
DVD/Video erhältlich) sowie ihre Arbeiten für das
Fernsehen.
11 Auf das - aus unserer Sicht zumindest teilweise problematische
- affirmative Verhältnis Catherine Breillats zu einem Teil der
Selbstverständigungen ihrer Figuren - Breillats Mitweben an den
Mythologien - wollen wir im Zusammenhang mit diesem Artikel nicht
eingehen.
12 Neben den schon oben zitierten Vorwurf vgl. z.B. "[Breillat]
stellt ins Zentrum ihrer Filme stets eine junge Frau; um sie herum
gruppiert sie Männer. Die Frau ist mit einem allein nie
zufrieden, mit keinem von ihnen alleine, so gehen die Liebesentwürfe
in Seria, als Versuchsanordnungen mit Variationen. Die Männer
gewinnen dabei kaum Profil, nur als Experimentalobjekte." (ohne
AutorInnennennung auf: http://www.auteur.de/regisseure-breillat.html)
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