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Nimsawi, die Österreicher - Geschenke aus Europa |
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Eine der schlimmsten Waffen, unter denen die iranische und die
irakische Bevölkerung leiden musste, hieß "Nimsawi". Ein Dankeschön an
Österreich - von Falah Muradkhin Shakir
Meine Begegnung mit Österreich beginnt in Halabja an der
iranisch-irakischen Grenze zu Beginn der 80er Jahre. Der Iran
attackierte damals irakische Dörfer und Städte in der Nähe der Grenze,
doch meine Stadt lag bereits außerhalb ihrer Reichweite. Plötzlich hieß
es, dass der Iran eine neue Waffe besitze, die bis ins Stadtzentrum von
Halabja reiche und sogar bis Suleymania. "Nimsawi" - damals hatten wir
keine Ahnung, was das Wort bedeutet, wir waren noch Kinder. Oft mussten
wir vor Angriffen flüchten und jemand schlug einen Unterschlupf vor.
Dann sagte ein Erwachsener: "Nein, hier nicht, die Nimsawi erreichen
diesen Ort". Wir hatten Angst vor diesem schrecklichen Wort. Nimsawi
waren voller Dynamit, zusätzlich waren sie auf zwei Seiten mit Gas
gefüllt und besaßen eine Sprengkraft, die ganze Häuser in die Luft
jagen konnten. Dieses großartige Geschenk des modernen Europas wurde
großzügigerweise nicht nur an den Iran geliefert, sondern auch an die
Ba´thisten im Irak. Somit konnten die BewohnerInnen jenseits beider
Grenzen in die Luft gejagt werden.
Später ging ich zur Universität um Geografie zu
studieren. Ich wusste nun, dass "Nimsa" Österreich bedeutet, und wo
dieses Land liegt, das dem Iran und dem Irak jene Mordkanonen lieferte.
Zweimal wurde unser Haus samt Hab und Gut von einer
Nimsawi komplett zerstört und mein Bruder besitzt heute noch ein Foto
von den Regierungstruppen, die mit einem Panzer kamen, um den Schaden
zu sichten. Als Kind war ich vor allem beeindruckt und traurig über den
großen Baum, der samt dem Haus in die Luft flog.
Von Halabja hört man immer nur im Zusammenhang mit
1988, als der große Giftgasangriff der irakischen Armee unsere Stadt
komplett zerstörte und über 5000 Menschen elendig sterben ließ. Doch
die Angriffe durch Nimsawi begannen viel früher, im Zuge des ersten
Golfkrieges, ab Anfang der 80er Jahre. Damals gab es Zeiten, wo alle
zwei Stunden zwei Nimsawi vom Iran aus auf Halabja gefeuert wurden. Es
war ein psychologischer Zermürbungskrieg.
Wir wohnten in Halabja, aber wir waren nie in
Halabja. Unser Leben verbrachten wir ständig auf der Flucht. Manchmal
frage ich mich, wie wir es schafften, zur Schule und zur Universität zu
gehen, unser Leben in den Griff zu bekommen und überhaupt zu
überleben...
Ich kann mich an zwei Freunde in meinem Viertel erinnern: Soran und
Lawan. Sie wollten zur Schule um ihre Zeugnisse abzuholen und wurden am
Rückweg von einer Nimsawi zerfetzt.
Gab es damals Massenproteste auf den Straßen
Österreichs? Dort und anderswo in den großartigen Demokratien Europas
und der Welt wurden und werden diese Waffen produziert. Doch man
scheint die Hintergründe zu ignorieren, unser Schicksal war nie
wirklich von Interesse. Die gefürchtetste Waffe kam aus Österreich.
Dieses kleine Land hat sich nie bei uns entschuldigt. Wissen die Leute
dort überhaupt, wie viele Menschen mit ihren Waffen hier getötet
wurden? Ich habe nie von Demonstrationen mit über 30.000 Menschen auf
den Straßen Wiens gegen die Waffenlieferungen an den Iran und den Irak
gehört, nur von Demonstrationen dieser Größenordnung gegen den Sturz
des Diktators.
Falah Muradkhin Shakir ist der irakische
Koordinator der Hilfsorganisation WADI in Sulyemaniah (Nordirak) und
überlebte als Kind den Giftgasangriff auf Halabja. Er studierte
Geografie und Rechtswissenschaften in Hawler/Arbil und ist
Mitherausgeber der politik- und rechtswissenschaftlichen Zeitschrift
"Yasa".
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