Liebe Leserin! Lieber Leser!
Noch ganz knapp bevor wieder ein Jahr um ist, können wir mit einer neuen
Ausgabe von CONTEXT XXI aufwarten und vielleicht auch einen vorläufigen
Bogen über die Arbeit dieses Jahres spannen. Rechtsextremismus, Antisemitismus,
Wehrmachts-Deserteure, NS-Medizin, Lateinamerika: das waren zentrale Themen
in den diesjährigen Ausgaben von Context XXI und sie finden sich in dieser
Nummer wieder. Dass es diesmal im Besonderen um österreichische Verhältnisse
gehen sollte, stellte sich erst im Zuge der Artikelsammlung heraus. Wie es dazu
kam? Das sei den Spekulationen unserer LeserInnen überlassen! Anlässe
gab es wohl genug...
Peter Pirker berichtet in seinem Beitrag „über eine Reise ins Innere
Österreichs“ anlässlich des abenteuerlichen Versuchs, Entschädigungen
für einen Wehrmachts-Deserteur zu erreichen. Die Abwendung Peter Sichrovskys
von der FPÖ ist Anlass für Heribert Schiedel, eine Analyse des Antisemitismus
in der FPÖ aber auch der Funktion, die Sichrovsky in diesem System ausfüllte,
vorzunehmen. Die viel gelobte Inszenierung von Taboris Mein Kampf in der Meldemannstraße
wird von Gerhard Scheit noch einmal genauer unter die Lupe genommen. Die Ausstellung
des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands „Krieg
gegen die Minderwertigen“ auf der Baumgartner Höhe in Wien, die sich
erstmals vor Ort der NS-Euthanasie widmet, wird von Judith Götz vorgestellt,
Hans Rohrbach skizziert hierzu die Geschichte der NS-Medizin „Am Steinhof“
und die Entwicklungen nach 1945.
Diesen „Österreich-Stilleben“ sind aber auch mehrere „Welt-Blicke“
gegenübergestellt: Alexander Schürmann-Emanuely beschreibt in seinem
Artikel exemplarische Lagerwechsel – von Links nach Rechts – im Frankreich
der 30er Jahre und konfrontiert diese „paradoxen Biographien“ mit
einigen Thesen aus Zeev Sternhells „Faschistische Ideologie“. Das
Gespräch von Samuel Laster mit dem israelischen Historiker Benni Morris
führt die Interview-Reihe zu Israel fort. Das Gespräch mit Suad Ibrahim
Ahmed, einer nubischen Aktivistin im Kampf gegen den Kajbar-Damm und der damit
verbundenen Vertreibung der NubierInnen führte Thomas Schmidinger. Die
Radiosendung zum Thema mit dem Titel „Äxte gegen Technokraten“
wurde Anfang des Monats mit dem -------------------Preis ausgezeichnet.
In dem Beitrag „Entgrenzte Konflikte“ versuchte die Redaktion den
Gründen nachzuspüren, warum das Buch „Niederlagen des Friedens“
von Mary Kreutzer und Thomas Schmidinger so außergewöhnlich heftige
Reaktionen auslöste.
In einem kurzen Ausblick auf das nächste Jahr möchten wir vor allem
auf die CONTEXT XXI Party und Präsentation am 14.1.2003 im WIRR (1070 Wien)
verweisen und ergänzen, dass auch das Thema „Sexualität“
noch ein paar „Nachspiele“ in den nächsten Ausgaben haben wird.
Eva Krivanec
Dezember 2002 |