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Standort und Ganzheitlichkeit |
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von Thomas Schmidinger
Der Studentische Sprecherrat der Universität München, sozusagen das
Münchner Pendant zur Österreichischen HochschülerInnenschaft, hat Ende
des vergangenen Jahres einen Sammelband mit auf ihrem Kongreß gegen Irrationalismus, Esoterik und Antisemitismus
gehaltenen Referaten publiziert. Die Beiträge von Colin Goldner, dem
Autor einer kritischen Dalai Lama-Biographie, Peter Bierl, der zuletzt
1999 einen Band über die Anthroposophie veröffentlicht hat, Natan
Sznaider, Thomas Ebermann, Christina Thürmer-Rohr, der Gegenuniversität
und des AK Irrationalismus spannen einen Bogen von der Kritik an der
esoterischen Psychoszene, der Anthroposophie Rudolf Steiners und seiner
Waldorfpädagogik bis zu Thomas Ebermanns Gedanken über eine
Standort-Esoterik. Die einzelnen Artikel fallen aufgrund ihrer Kürze
zwar manchmal zu oberflächlich aus, stellen aber gerade deshalb eine
ausgezeichnete Einführung zum Thema dar. Als Überblick ist der
Sammelband eine interessante und kompetente Lektüre.
Interessant ist auch der Anhang des Bandes. Der dem Band
zugrundeliegende Kongreß war nämlich mit einem Plakat beworben worden
auf dem sowohl der Dalai Lama als auch Adolf Hitler zu sehen war. Die
Folge waren wütende Proteste der "Repräsentantin Seiner Heiligkeit des
Dalai Lama" und deutscher esoterischer Tibet-Fans. Diese Briefe sind
teilweise im Anhang dokumentiert und durch einen Dalai Lama-kritischen
Text von Claudia Barth ergänzt.
Studentischer Sprecherrat der Universität München (Hg.):
Ganzheitlich und ohne Sorgen in die Republik von Morgen
Dokumentation zum Kongreß gegen Irrationalismus, Esoterik und Antisemitismus
Alibri-Verlag, Aschaffenburg, 2001
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