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Liebe Leserin, lieber Leser!
Auch wenn das gebannte
Starren auf die Weltpolitik wohl keiner und keinem erspart bleibt, so
haben wir doch den „Frevel“ begangen, diese Ausgabe von Context XXI
nicht unter das Motto „drohender Irakkrieg“ zu stellen, vielleicht aus
der Angst heraus, von den Ereignissen „überrollt“ zu werden, aber vor
allem, weil wir es für wichtig erachten, der allerorts zu spürenden
Hektik im Hervorzaubern überwunden geglaubter Stereotype, eine gewisse
Ruhe und analytische Schärfe entgegenzusetzen.
Der
allgemeinen Konjunktur von Polemiken und Diffamierungen setzte kürzlich
der Unitat-Redakteur Simon Loidl (die Unitat ist die Zeitung des
kommunistischen Student.innen.verbands / KSV) die Krone auf, indem er
Heribert Schiedel, der vor der Gefahr einer rechtsextremen Beteiligung
an der diesjährigen „Opernballdemo“ aufgrund ihrer ausschließlichen
Ausrichtung als „Anti-USA“ und „Pro-Irak“-Demonstration warnte, der
„unhaltbaren Behauptungen“ und des „Ausnutzens“ seiner Position als
Mitarbeiter des DÖW bezichtigte. Hierzu wird es in der nächsten Ausgabe
eine ausführliche Stellungnahme geben.
Der Schwerpunkt dieser
Nummer lautet also – nur scheinbar anachronistisch – „Freud-Relektüren
– Relektüren mit Freud“. Darin finden sich zwei Texte, die aus
Vorträgen bei einem Seminar zum Thema „Psychoanalyse“ im Spätherbst
2002 entstanden sind: Andreas Pehams Darstellung von Elementen einer
psychoanalytischen Antisemitismus-Theorie bei Freud und der Aufsatz von
Ljiljana Radonic zum Thema „Psychoanalyse und Geschlechterverhältnis“.
Den dritten Teil bildet Günter Heflers Filmrezension, die den Diskursen
des Begehrens in drei sehr unterschiedlichen Filmen folgt, den vierten
die Zusammenstellung von Fotos für diese Ausgabe von Stella
Puig-Waldmüller.
Weiters haben wir uns dazu entschlossen,
nicht nur Gerhard Scheits Text zu „Suicide Bombings“ und den „neuen
Formen des Antisemitismus“ in voller Länge aufzunehmen, sondern auch
einen Einwand von Thomas Schmidinger und die darauf folgende Antwort
Gerhard Scheits. Solche auf Papier gebannten Diskussionen halten wir
für eine wichtige und spannende Form der Anregung von – nicht der
Polemik sondern dem Erkenntnisinteresse gewidmeten – öffentlichen
Diskussionen, die sich auch noch in den nächsten Ausgaben fortsetzen
können.
Dem Erkenntnisinteresse gewidmet ist auch die
Beschäftigung der Redaktion mit Hannah Fröhlichs Erlebnissen an ihrem
langjährigen Arbeitsplatz bei einem Zeitschriften- und Sozialprojekt.
Es geht um die (Selbst-)Reflexion von ausschließendem, abwehrendem,
diskriminierendem Verhalten innerhalb „fortschrittlicher“ Kollektive
und um die Rolle von offenem wie verstecktem Antisemitismus in dieser
Auseinandersetzung.
Schließlich gibt es noch viele
Rezensionen anzukündigen: Eva Krivanec beschäftigt sich unter dem Titel
„Körper & Geschlecht“ mit feministischen Neuerscheinungen, Marc
Zannoni bespricht ein kürzlich erschienenes Buch über Ernst Niekisch,
Manfred Gmeiner rezensiert das neue Buch von Scheit/Svoboda zum
„Feindbild Mahler“, Stephan Grigat liefert die dritte Ausgabe seiner
„Short Cuts“ und Thomas Schmidinger würdigt „Das steinerne Archiv“ von
Traude Veran.
Eine spannende Lektüre wünscht die Redaktion
von Context XXI – und uns wünschen wir viele interessierte LeserInnen
und AbonnentInnen!
Eva Krivanec März 2003 |