Eric Rohmers „Le genou de claire“ [Claires Knie] (1970)
Bertrand Bonellos „Le Pornographe“ (2001) und
Larry Clarks/Ed Lachmann (Drehbuch: Harmony Korine) „Ken Park“ (2002)
von Günter Hefler
Erwachsenes Begehren
Wir wissen: dass wir begehren, ist
nicht selbstverständlich. Begehren stellt sich nicht bedingungslos ein,
wir sind an seiner Fabrikation beteiligt. In manchem ist das Bild einer
„inneren Quelle des Begehrens“ zuträglich – Phantasma der Autarkie.
Primär erscheinen aber die Beziehungen, in denen unser Begehren sich
herzustellen scheint: Formen, in denen wir uns auf uns selbst beziehen
– z.B. durch Abgrenzung von anderen - ist dabei nur eine Gruppe an
Beziehungsformen. Wir wissen viel über Formen des Scheiterns,
über Nebenwirkungen: wir begehren zwar, der Genuß – lange vermisst –
stellt sich ein, zugleich leiden wir und es erscheint empfehlenswert,
Variationen in unseren Beziehungsformen herbeizuführen: Idealisiere
nicht so, mach’ Dich nicht abhängig, genieße Deine Bedürftigkeit, laß’
Dir helfen. Wir erfahren, jede Form hat ihre Komplikationen, verbraucht
sich – für sich genommen – rasch, behält ihre begehrensnährende
Funktion nur im Ensemble. Nur ein Beispiel: wir lernen uns selbst
zu bewundern und genießen die Bewunderung anderer. Wir erlernen
Praktiken, wie wir das tun können (wir zeigen uns). Wir lernen mit
Schwankungen umzugehen. Die Angst, nicht mehr bewundernswert zu sein –
reine Annihilation, vollständige Auslöschung dessen, was gerade unser
Begehren konstituiert hat – müssen wir bewältigen. Das geht nur, in dem
wir Versuchungen widerstehen, der Angst zu folgen (Flucht nach Vorne,
Widerholungszwang), die Ambivalenz aushalten.
Sind wir
erwachsen, haben wir einiges an Praktiken gelernt, können mischen,
abwägen aushalten. Uns ist klar, wie sehr wir für das Sprudeln der
Quelle unseres Begehrens selbst verantwortlich sind, wir hängen an
keiner mütterlichen Nabelschnur. Zugleich wissen wir, nichts geht ohne
Gabentausch, es gibt keine Selbstgenügsamkeit, wir verschenken uns und
sind darauf angewiesen, beschenkt zu werden - und es ist eben kein
Handel: sind wir nicht an der richtigen Stelle, an der uns, was wir
brauchen, zugetragen wird, dann nutzt auch noch so hektische Aktivität
nichts: was wir für unser Begehren brauchen, können wir nicht
verdienen, nur finden. Für unser Begehren müssen wir arbeiten und doch
reicht Arbeit nicht hin.
Claires Knie
Es muss
keine Krise sein, die uns zu Phantasien verführt, es wäre plötzliches
und voraussetzungsloses Begehren einzuheimsen: Jérôme, erfolgreicher
Diplomat und Schriftsteller Mitte 30, geht es gut. Er wird in den
kommenden Wochen heiraten, aber das wird an der von den PartnerInnen
geteilten Libertinage nichts ändern. Auroras Fragen – Freundin aus
Pariser Studientagen, die er zufällig an seinem Urlaubsdomizil trifft –
erscheinen rein rhetorisch: nein, er steht an keiner Wende, nichts wird
sich ändern, er ist zufrieden und trägt noch Bart und Haartracht
studentischer Revolutionäre. Aber Auroras Stichelei verfängt. Es
ist nichts dabei, Augen und Gedanken an Claire zu heften, keine 17,
groß und schlank und blond und liiert mit dem sportlichen Beaux des am
See gelegenen Villenviertels. Es ist auszuhalten, wenn das Begehren
entdeckt und zurückgewiesen wird, auch wenn Aurora recht hat, dass es
leichter wäre, aus individuellen Gründen zurückgewiesen zu werden denn
aufgrund des Alters, wodurch frau einfach einer anderen Welt – nicht
der Welt der Jugendlichen – angehört, damit aus kategorialen Gründen
nicht in Frage zu kommt. Claires Beziehung ist unglücklich, ihr
Freund „Trophäenjäger“ und völlig beziehungsunfähig: dass er sie
betrügt, will – Höhepunkt des Films – Jérôme ihr sagen. Claires selbst
jedoch ist stumm: als ob mit dem Versuch, in das Beziehungsspiel
einzusteigen (und den ersten Preis zu gewinnen), es ihr die Rede
verschlagen hätte, als ob damit die Möglichkeit, sich für etwas anderes
als das Unglück der aktuellen Beziehung zu interessieren, verebbt wäre.
Claires Dumm- wie Stummheit, ihr Reduziertsein auf den
unglücklichen Part einer Sommerbeziehung muss Jérôme schon deshalb
auffallen, weil er die Zeit, die er gerne mit Claire verbringen würde,
mit ihrer Schwester verbringt. Laura, etwas jünger als Claire, schwarz
gelockt, flirtet mit Jérôme, einzig interessanter Mann vor Ort, mit dem
sich reden läßt. Würde er sie nicht als Kind betrachten, ihre Rede, ihr
Selbstbewußtsein und ihre Energie, hätten ihn völlig für sie
eingenommen (Aurora spricht ihn darauf an: warum macht er sich nicht
bewusst, dass er Lauras Lebenskraft genießt, während er auf Claires
Knie fixiert bleibt). Jérôme lernt zu langsam, Laura fährt zurück
ins Internat. Noch ist Claires Bann nicht gebrochen: er holt Claire mit
dem Boot ab –plant ihr die Untreure ihres Lovers zu beweisen -, doch
sie müssen vor einem Unwetter an Land und unter einem Flugdach zuflucht
nehmen. Claire ist verzweifelt, sie weint, Jérôme nützt die Ambivalenz
von Gesten, folgt vorgeblich Trost spendend seiner Begierde, Claires
Knie zu berühren. Damit zerstäubt das Phantasma seines Begehrens, er
findet sich selbst mit einem unglücklichen, weinenden Kind und dem
Bewusstsein wieder, sich völlig deplaziert und gefühllos – besser:
aggressiv, gewaltsam – benommen zu haben. Aurora wird ihn dafür
auslachen.
Rohmers ProtagonistInnen – die Erwachsenen
Jérôme und Aurora, die Jugendliche Laura – reflektieren die Versuchung,
sich der Mühsal der Verantwortung für das Begehren durch die Aneignung
des bloß Vorgefundenen, durch die Regression auf einfache Akte - Akte
der Aneignung, der Aggression – zu entziehen. Hier, wie in vielen
Filmen Rohmers erscheint das Begehren der Jugendlichen als etwas, was
entweder für immer verloren ist und deshalb bei den Erwachsenen
schmerzliche Sehnsucht auslöst oder aber – mehr oder minder gewaltsam -
geraubt werden kann. (In Rohmers Filmen verteidigen die jugendlichen
ProtagonistInnen sich deshalb gegen jede Form der Ausbeutung durch die
Unbefriedigtheit der vorgeblich Erwachsenen, paradigmatisch in Pauline
à la plage.) Dort wo die Formen des Begehrens der Jugendlichen
erwachsen – „altklug“ – daher kommen, wo Jugendliche – hier Laura - von
sich aus den Altersunterschied überspielen, dort stellt sich das
Phantasma eines voraussetzungslosen Glücks nicht ein. Zugleich –
Rohmers ProgatonistInnen analysieren von der ersten bis zur letzten
Minute – geht es um die Integration der Phantasien in eine
facettenreiche Begehrensökonomie, in der eine Unzahl an Ingredienzien
abzuwägen und zu mischen sind: Jérôme Übergriff wurde nur von ihm
selbst bemerkt, er selbst ist darüber erschrocken und hat begonnen zu
lernen. Er wird die Freude der anderen – hier der Jugendlichen – als
positiv erleben können, als etwas, dass ihm auch dann nicht weggenommen
erscheint, wenn er unter keinen Umständen der Welt daran teil haben
kann (Ein Sommerabend am See, halbwüchsige Mädchen und Jungen am Steg:
das ist ihr Glück, und unseres nur, wenn wir uns am Glück der anderen
zu freuen gelernt haben.). Claires Knie – eine von sechs contes moraux
ist damit ein Film über die Arbeit an den Grenzen des Begehrens – wir
werden heute und immer begehren, was wir einst begehrt haben, auch wenn
es für uns im einzelnen nicht mehr erreichbar ist, wir werden aber
nicht unter dieser Unmöglichkeit leiden, sondern uns an der
Vielfältigkeit unser sonstigen Möglichkeiten erfreuen, darunter: dass
wir anderen Glück gönnen können.
Der Pornograph
Jacques,
Protagonist des Films, konnte die Filmidee, die ihm am meisten
bedeutete, nicht umsetzen: eine Fuchsjagd, mit Hunden, in einem Wald,
nur dass statt dem Fuchs eine junge Frau verfolgt wird. „Wer sie fängt,
darf sich mit ihr vergnügen“ [Zitat]. Jetzt, wo er aus Geldnöten
wiederum ins Geschäft einsteigt, seinen Namen und sein – wenngleich
wenig gefragtes – Regietalent in die Produktion von Pornovideos
einbringt, hat er diesen Gedanken immer noch nicht aufgegeben. Eine
Journalistin erfragt, warum er in den späten 60iger Jahren zum
Pornodrehen begonnen hat und er reproduziert seine Legende: Pornos zu
drehen sei ein politischer Akt gewesen. Nicht nur habe es sexuelle
Tabus durchbrochen, es habe auch Spass gemacht, sei hedonistische
Praktik gewesen und als solche Teil der politischen Gegenkultur. Es
selbst sei dazu gekommen, wie in diesen Zeiten alle zu ihren Sachen
gekommen seien: zufällig, en passent („Du trinkst mit Leuten am Abend
und am nächsten Tag hast Du einen neune Job“). Die zentrale Frage, die
alle fasziniert und die den Mythos pornobiz ausmacht, bringt ihn in
Rage: nur seiner Frau habe er einmal gesagt, ob er mit den Mädchen
schlafe, die er filme.
Das Filmen des Filmes, am Set der
Pornoproduktion, der Sex exemplarisch in den Vordergrund gestellt,
damit der Hintergrund deutlicher wird: Jacques ist schwer depressiv,
narzisstisch, unfähig, Anerkennung für die Liebe seiner Partnerinnen zu
geben – er beharrt auf seiner Autarkie, Festung seines Unglücks, zieht
die Grenzen. Zum hundersten Mal verlässt er die gemeinsame Wohnung,
inszeniert das Verlassen der Mutter, die er nicht brauchen darf. Er
sitzt auf der Wiese und vermisst rund um sich mit einem Zollstock den
Grundriß eines Hauses, dass er ganz alleine bauen will – niemand darf
ihm helfen, er wird es erschaffen. Der Erzählung des Freundes, dass sie
es doch gut hätten, das Glück nicht zu zwingen sei – was machst Du,
wenn Du eine jüngere Frau findest, die aber mit 40 Brustkrebs bekommt –
kann er nichts abgewinnen. Mitte 50 besteht seine Jugendlichkeit in der
absoluten Unfähigkeit zu lernen.
Kennenlernen wird er nur
seinen Sohn Joseph, der mit ihm vor Jahren den Kontakt abgebrochen hat,
nachdem er herausgefunden hatte, dass sein Vater kein wichtiger
Filmkünstler ist, sondern Pornos dreht. Der „Hintergrund“ blitzt nur
auf: die Mutter hat Selbstmord begangen und nicht nur der Sohn mag dem
Vater dafür eine Mitschuld zurechnen. Joseph beklagt die Zeitenwende:
während die 68’erInnen sich dem bürgerlichen Leben entziehen wollten,
stünde seiner eignen Generation nur der Sinn danach, mit etwas
anzufangen, endlich aufgenommen zu werden in eine bürgerlicher Welt, in
der Dinge zu bewegen sind und Geld zu verdienen ist. Mitglieder seiner
jugendlichen Wohngemeinschaft finden beredten Ausdruck für ihre
Ahnungs- und Sprachlosigkeit: sie fordern in einem Manifest alle Welt
auf, in ein unverbrüchliches Schweigen zu verfallen. Seiner
Freundin Monika macht Joseph einen Heiratsantrag: mehr hat er ihr nicht
zu sagen. Das mögliche Glück einer Liebesbeziehung, das jeder Film
durch die Wahl seiner jugendlichen ProtagonistInnen andeuten kann, ist
für den Sohn so unerreichbar wie für den Vater: seine Depressivität
setzt er in Grausamkeit um, demütigt Monika, die von ihm schwanger ist,
durch offensives Desinteresse (gemeinsam in die Disko gehen, sie in ein
Eck setzen und alleine auf die Tanzfläche). Um ihren Sex geht es nicht:
in einem Film, in der die Kopulation der PornodarstellerInnen groß ins
Bild gerückt wird, muss eine Großaufnahme Monikas Handfläche als
Repräsentanz für die körperliche Beziehung des jungen Paars herhalten.
Betrand
Bonellos Spiel mit der Vordergründigkeit des Sex und der
Hintergründigkeit der Beziehungen geht auf: das Sensationelle am Porno
wird uninteressant, Sex als Praktik gerade dadurch in den Zusammenhang
der Beziehungswünsche und Begehrensformen rückübersetzt, in dem die
ProtagonistInnen des Films sexuell weitgehend desinteressiert
erscheinen. Oder genauer: aus dem Feld der sexuellen Praktiken im
engeren Sinn haben nur wenige mögliche Bedeutungen Sinn: Jagen und
Dominieren, Zurückstoßen und Autarkie zelebrieren. Daneben gelingt
Vater und Sohn wenig, die Folgewirkungen der Praktiken, mit denen sie
ihr Begehren herstellen, die sie – auch im generationellen Sinn -
wiederholen – verurteilen sie zur Depressivität (An die Angehörigen:
Flüchtet!). Pornographie – vorgeblich eine Grenzüberschreitung, im Film
reinszeniert als Befreiung des Begehrens – wird zur Repräsentanz der
denkbar größten Monotonie, ist nur mehr: Jagen und Dominieren,
Zurückstoßen und Autarkie zelebrieren
Ken Park
Drei
Jugendliche, die die Zuschauerin in 80 Minuten lieben gelernt haben,
ficken mehrere Filmminuten lang entspannt und glaubhaft genießend zu
dritt und das Drama ist an seinen ersten Ruhepol gelangt: Nackt auf dem
Sofa spielen sie „Stradivari“, eine/r denkt an eine Figur, die anderen
müssen diese erraten – es darf nur mit ja und nein geantwortet werden.
Shawn hat an Ken Park gedacht, so findet der Film zurück zu seiner
ersten Szene, in der der dem Film den Namen gebende Junge – der sonst
keinerlei Rolle spielt – sich eine Kugel in den Kopf jagt. Was
passiert, wenn wir erwachsen sind und doch keinen Reichtum an
Möglichkeiten haben, unser Begehren zu produzieren und unsere Wünsche
zu befriedigen? Was passiert, wenn wir nehmen müssen, was kommt, und
wir gegenüber dem Leiden, das dadurch entsteht, so unempfänglich, wie
wir uns selbst unverständlich sind. Der Film von Larry Clark und Ed
Lachmann – basierend auf dem Drehbuch des 1974 geborenen Harmony
Korine, der bereits für Kids das Buch verfasst hat - zeigt nicht nur
vier Jugendliche: er zeigt insbesondere vier
Erwachsene/Erwachsenenpaare, deren hilfloses Unglück und deren
Übergriffe auf die jugendlichen ProtagonistInnen. Eine erwachsene
Frau hat ein sexuelles Verhältnis mit dem etwa 17jährigen Shawn, der
eigentlich der Freund ihrer Tochter ist: Sie genießt die Möglichkeit,
den Jüngeren zu dirigieren, der wenn die Tochter aus dem Haus ist
morgens kommt, um sie zu lecken. Ihr häusliches Unglück erhält dadurch
eine Bestätigung, die Gier, die Möglichkeit nicht ungenützt zu lassen,
bestätigt das Grauen ihres Hausfrauendaseins: die Konkurrenz mit der
Jugend – bald wird wenig an das Cheerleader-Girl von einst erinnern –
ist ein Motiv, sie lässt sich bestätigen, dass sie besser im Bett sei
als die Halbwüchsige (dafür lügt sie dem Buben etwas über die Größe
seines Schwanzes vor). Der Vater könnte seinen Sohn Claude für
seine Weichlichkeit und sein „Skater“-Gehabe jeden Tag ohrfeigen und
hat er genug getrunken, tut er das auch. Er sagt ihm auf das Gesicht
zu, seine Mutter glaube, er sei schwul. In nichts gleicht der
weichliche Junge seinem Vater, in allem seiner hochschwangeren Mutter,
die versprechen muss, ein Kind nach des Vaters Geschmack zu gebären.
Den Sohn beleidigen, sein Skateboard zertreten, ihn schlagen: es
wundert nicht, dass im Rausch der Vater sogar das Bett seines Kindes
findet und sich am Schlafenden die Hosen auszieht. Völlige
Haltlosigkeit, kein Genuss, der ein Begehren stabilisieren könnte, die
Zerstörung des Selbst und aller Beziehungsobjekte schreitet voran. Der
Sohn verlässt das Haus. Die Großeltern lieben ihren Enkelsohn
Tate, der bei ihnen aufwächst. Seiner Schwierigkeit begegnen sie mit
Nachsicht, dass sie verständnislos sind und das Leben Tate schrecklich,
dass ihr idyllisches Glück für das Enkelärgernis im Kinderzimmer keinen
Raum kennt, rechtfertigt nicht Tates psychotischen Blutrausch, dessen
Messerstiche sie zum Opfer fallen. Schwierigkeiten, Störungen der
Entwicklung sind nicht vorgesehen. Wer kann was dafür, wenn Tate nur in
Todesangst, mit der Schlinge um den Hals und diese fest zugezogen,
onanieren kann, aber nicht in der Lage ist, befriedigende (sexuelle)
Beziehungen aufzunehmen? Das komplett eingerichtete Leben der
Großeltern, deren emotionale Ökonomie, in der wenige Elemente eine
fixe, kein Außen benötigende, keinen Anschluss ermöglichende Beziehung
eingehen, wirken auf Tate, der auf eine aufmerksame Beziehung
angewiesen wäre, so verheerend wie die Haltlosigkeit der Eltern der
anderen Kids. Peaches gleiche ihrer verstorbenen Mutter, betont
ihr Vater, der psychotisch und einem religiösen Wahn verfallen ist.
Sein sexuelles Begehren ist auf seine Tochter gerichtet, die er rein
und auf den Pfaden Gottes zu halten gedenkt. Nachdem er Peach mit ihrem
Lover im Bett erwischt und den Jungen fast totgeschlagen hat, zwingt er
seine Tochter zu einer inszenierten Hochzeit, ein wohl wieder und
wieder eingesetztes Bestrafungsritual, an dessen Ende die Erlaubnis
steht, die Braut zu küssen.
Die Unfähigkeit der Erwachsenen,
ihr Begehren in einer nicht zerstörerischen Weise zu konstituieren und
zu befriedigen, bildet einen zentralen Strang des Films: Antworten der
Jugendlichen auf die Frage, wie Begehren zu generieren ist - Skaten und
ungehemmter und gerade darin zärtlicher, weil nicht untergründig
aggressiver Sex, miteinander kiffen, quatschen und Spaß haben -, sein
Gegengewicht. Der Film gleicht einer Versuchsanordnung, die den
Schrecken des Scheiterns erwachsenen Begehrens nutzt, um allgemein
geächtete, zumindest unterbewertete Praktiken in ihrer konstitutiven,
das Leben der Jugendlichen rettenden Bedeutung darzustellen. Auch wenn
es zur Rettung nicht reichen wird: es geht um die Betonung von Begehren
konstituierenden, Genuss ermöglichenden Praktiken als politische
Aufgabe: gerade in amerikanischen Kleinstädten, Synonym für Ödnis, Ort,
wo jedes Begehren zum Erliegen kommt. |