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Die Ideen des 1985 hingerichteten
linksislamischen Reformers Mahmud Muhammad Taha werden nach seinem Tod weit
über den Sudan hinaus als fortschrittliche Gegenthese zu reaktionären
Formen des islamischen Integralismus gesehen. Interessant sind Tahas Positionen
dabei einerseits in Hinblick auf seine Sozialismus-Vorstellungen, andererseits
aber auch in einer islamischen Annäherung an naturrechtliche Menschenrechtskonzeptionen - von Thomas Schmidinger
Die sudanesische
Reformbewegung der Republikanischen Brüder war bis zur Hinrichtung ihres
religiös-politischen Führers sehr von der Persönlichkeit Mahmud
Muhammad Taha geprägt.
Geboren
wurde "Ustad Mahmud" nach eigener Angabe 1909 oder 1911 in einer muslimischen
Familie in Rufa´a, einer Stadt am Ostufer des Blauen Nil. "Die familiäre
Religiösitiät hat zweifellos den Werdegang Tahas nachhaltig beeinflußt."1
Taha kommt religiös wohl aus dem im Sudan weit verbreiteten Umfeld an Sufi-Bruderschaften,
eine Zugehörigkeit seiner Familie zu einer bestimmten tariqa ist jedoch
nicht bekannt. Er selbst gehörte jedenfalls keiner der traditionellen Bruderschaften
an.
Taha, der
an der Schule für Ingenieurswesen am Gordon Memorial College in Khartoum
studiert hatte, arbeitete nach seinem Studienabschluß 1936 als Wasserbauingeneur
für die sudanesische Eisenbahngesellschaft in der "Eisenbahnerhauptstadt"
Atbara. Die kommunistisch beeinflußte Atmosphäre unter den Arbeitern
und Eisenbahnern in Atbara dürfte Taha in seinen politischen Überlegungen
nachhaltig beeinflußt haben. Taha beschäftigte sich während
seiner Zeit in Atbara mit Logik und Philosophie, las Marx und Hegel und befaßte
sich mit mathematischer Logik. Gleichzeitig beschäftigte sich Mahmud Taha
aber auch mit Vertretern des traditionellen, "islamischen Erbes, unter
denen al-Gazzali, Ibn al-Arabi und al-Hallag herausragen."2
Seit Tahas
Zeit im Gordon College engagierte sich Taha auch für die Unabhängigkeit
des Sudan. Er kritisierte dabei die Kompromißbereitschaft der meisten
Intellektuellen des Sudan. Schließlich, da er weder wie die Umma-Partei
für einen Sudan unter britischer Oberaufsicht, noch wie die Asiqqa-Partei
für eine administrativ-politische Einheit mit Ägypten eintrat, schloss
er sich keiner dieser Gruppen an, sondern gründete 1945 — zusammen
mit einigen fortschrittlichen Intellektuellen — "die Republikanische
Partei (al-Hizb al-gumhuri), deren Vorsitz er übernahm."3
Die politischen
Ziele der Republikanischen Partei bestanden v.a. in der Errichtung einer unabhängigen
föderalistischen Republik Sudan, in der ein demokratischer Sozialismus
individuelle Freiheit und soziale Gerechtigkeit garantieren sollten.4 Strategisch
übten sich die Republikaner vor allem in Propaganda durch öffentliche
Reden auf Plätzen, in Kaffeehäusern, Moscheen,..., sowie durch die
Verteilung von Flugblättern. Schon früh kamen die Republikaner dabei
in Konflikt mit der britischen Kolonialverwaltung. Nach einer seiner Aktionen
wurde Taha mit einigen seiner Genossen im März 1946 wegen regierungsfeindlicher
Propaganda verhaftet. Taha — der sich weigerte eine Garantie zu unterschreiben,
die ihn verpflichtete, künftig auf politische Betätigung zu verzichten
— wurde von einem britischen Standrichter zu einem Jahr Haft verurteilt,
allerdings bereits nach fünfzig Tagen wieder entlassen. In der Haft hatte
sich Mahmud Taha als noch gefährlicher erwiesen als in Freiheit, da seine
Haft nur die antibritische Stimmung im Lande anheizte.
Im selben
Jahr wanderte Mahmud Muhammad Taha jedoch wiederum für zwei Jahre hinter
Gitter. Die Republikaner kämpften gegen ein neues britisches Gesetz, das
nicht nur die traditionelle pharaonische Mädchenbeschneidung verbot, sondern
auch die ausführenden Frauen unter Strafandrohung stellte. Die Republikaner
wendeten sich zwar auch gegen die pharaonische Beschneidung, wollten deren Abschaffung
aber nicht durch Strafe der betroffenen Frauen, sondern durch Aufklärung
und Propaganda erreichen. Im britischen Gesetz sahen sie primär eine Möglichkeit,
ein Land, das um seine Unabhängigkeit kämpft, international als rückständig
zu diskreditieren.
Im Kampf
gegen dieses Gesetz rief Taha schließlich in einer Predigt zum Gihad gegen
die Briten auf, woraufhin die Bevölkerung zu Tausenden zum Verwaltungszentrum
eines Distrikts ging, um die Freilassung einer nach dem Gesetz verurteilten
Frau zu fordern. Die britische Kolonialverwaltung reagierte mit Härte.
"Unter der Anklage der Volksaufwieglung wurde Taha als Anführer der
Revolte mit der höchsten Strafe von zwei Jahren Haft und einem zusätzlichen
Jahr polizeilicher Überwachung belegt."4
Die Zeit
dieses Gefängnisaufenthaltes sollte schließlich entscheidend für
die Herausbildung von Tahas Islamverständnis werden. Während seiner
Haftzeit und zweier weiterer Jahre freiwilliger Zurückgezogenheit unterzog
sich Taha strengen sufistischen Praktiken des Fastens, Betens und Meditierens.
Dabei pflegte er ähnlich wie Ghandi in Indien eine Praxis, die einer Mischung
aus politischem Protest und religiöser Praxis nahekam und ein Zwischending
aus Hungerstreik und Fasten glich. Tahas Anhängern gilt dies als Wendepunkt
ihrer Geschichte, in der Taha schließlich seine Konzeption von der zweiten
Botschaft des Islam entwickelte. Die politischen Aktivitäten der Republikanischen
Partei ruhten während der Gefangenschaft Tahas und seiner freiwilligen
Isolation, um danach umso aktiver für die neu gewonnenen Erkenntnisse in
aufklärerischer Propaganda in der Bevölkerung zu werben.
Ab 1951
traten die Republikanischen Brüder — obwohl sie sich immer noch als
Republikanische Partei bezeichneten — mit der neuen Botschaft des Islam
an die Öffentlichkeit und bildeten von da an eine religiös-politische
Bruderschaft mit einem antilegalistischen und sich in vielem dem europäischen
Humanismus annähernden Islamverständnis.
Nach der
Unabhängigkeit des Sudan im Jahre 1956 beteiligten sich die Republikaner
nie an Parlamentswahlen. Auch ihre Mitarbeit in der Kommission zur Erarbeitung
einer permanenten Verfassung war nur von kurzer Dauer, "nachdem bereits
in der ersten Sitzung der Kommission deutlich geworden war, daß die von
Ansar und Hatmiya [den beiden traditionalistischen Sufi-Bruderschaften] dominierte
Regierung Einfluß zu nehmen suchte."5
Die Republikaner
konzentrierten sich auch in der Folge auf die Verbreitung ihrer Ideen und lebten
in Hausgemeinschaften ihre Form des Islam, die sich stark an den Praktiken des
traditionellen Sufismus im Sudan orientierte, veranstalteten dikr — rituelle
Gedenktänze — und "bezogen spirituelle Poesie und hymnische Gesänge
in ihre Methoden zur Verinnerlichung von Inhalten der Lehre und ihrer Bewegung
ein."6
Den beiden
Militärputschen standen die Republikaner nicht von Anfang an ablehnend
gegenüber. "Schon den militärischen Umsturz General Abbuds am
17. November 1958 hatten sie nicht generell verurteilt"7 — obwohl
die Politik Abbuds schließlich den Vorstellungen der Republikaner völlig
zuwiederlief — und der Militärputsch von Gafaar al-Numairi wurde von
den Republikanern sogar eher begrüßt. Mit dem Putsch der Freien Offiziere
Gafaar al-Numairis kamen schließlich politische Kräfte an die Macht,
denen die Republikaner einen gesellschaftlichen Wandel zutrauten. Der Putsch
wirkte für die Republikaner aus zwei Gründen befreiend: Einerseits
war wenige Tage zuvor ein Attentatsversuch auf Mahmud Tata verübt worden,
andererseits hatte die Mehrparteienregierung der zweiten demokratischen Periode
mit dem Verbot der Kommunistischen Partei und der Einschränkung der Meinungs-
und Glaubensfreiheit bereits den Weg zu einem konservativen Islam beschritten,
der gegen das Islamverständnis der Republikanischen Brüder gewandt
war. Ein erstes Verfahren gegen Taha wegen Glaubensabfall fand im November 1968
statt.
Mit dem
Numairi-Regime gab es in den ersten Jahren einige Berührungspunkte. Solange
Numairi sich auf einen arabischen Sozialismus berief und einen Teil seiner politischen
Basis in der sudanesischen Linken sah, hatten die Republikanischen Brüder
eine relativ gute Ausgangsposition. Da sich die Organisation nun auch offiziell
als Republikanische Brüder bezeichnete und nicht mehr als Partei betrachtete
konnte sie auch im Gegensatz zu anderen Parteien bestehen bleiben. Jedoch "seit
dem Loyalitätsverlust im linken Spektrum, durch die Zerschlagung der Kommunistischen
Partei 1971, war zu beobachten, daß Numairi verstärkt auf den Islam
als Mittel der Legitimation zurückgriff."8
Als Numairi
sich schließlich in den frühen Achzigerjahren zunehmend den Muslim-Brüdern
unter Hasan al-Turabi annäherte, wurden "small ideological and regional
groups such as the communists, Nuba Mountain Group, Republican Brothers, and
Ba´thists"9 zum Ziel der Repression des Militärregimes.
Insbesondere
die stärker ins Regime integrierten Muslim-Brüder arbeiteten auf die
Ausschaltung ihrer reform-islamischen Rivalen hin, da sich die Republikanischen
Brüder gegen die geplanten Scharia-Gesetze Numairis wehrten. Dies hatte
zur Folge, daß einige Monate vor der "September declaration the Republican
Brothers had fallen out of the regime´s favour and some of their leaders
were jailed, including Mahmud Muhammad Taha himself. They were released shortly
before September 1983, only to be re-arrested when they pronounced their opposition
to the new laws."10
Nachdem
am 29. April 1984 ein Bombenflugzeug einen Angriff auf Omdurman flog, nutzte
Numairi die Gelegenheit, den nationalen Ausnahmezustand auszurufen. In der Folge
kam es zu einem rapiden Anstieg standrechtlicher Vollstreckungen von Schariats-Strafen.
Die "unter dem Ausnahmezustand gebildeten Notstandsgerichte vollstreckten
zwischen August 1984 und März 1985 mehr als einhundert Amputationen wegen
Diebstahlvergehens und tausende von Auspeitschungen wegen angeblicher Verstöße
gegen das Alkoholverbot."11
In diesem
Klima des Terrors, das die Endphase der Militärherrschaft Numairis begleitete,
kam es zum zweiten Apostasie-Prozeß gegen Mahmud Muhammad Taha. Taha wurde
am 18. Jänner 1985 offiziell wegen erwiesener Apostasie hingerichtet. In
der Anklage war jedoch von Apostasie nur indirekt "die Rede gewesen; in
der Urteilsbegründung wurden dann aber die religiösen Überzeugungen
der Republikanischen Brüder zur Begründung herangezogen, nicht jedoch
die Delikte gegen den Staat, die ja de jure der eigentliche Grund für die
Anklage hatten sein sollen."12 Das Verfahren gegen ihn strotzte somit auch
nach damals gültigem sudanesischen Recht von Verfahrensfehlern, Rechts-
und Verfassungsbrüchen. Aber auch nachdem das Urteil nach einer Reihe von
Rechtsbeugungen gefaßt worden war, hätte es nach sudanesischem Recht
nicht vollstreckt werden dürfen. Taha war nämlich keine tauba-Frist
— in der er die Möglichkeit des Widerrufes gehabt hätte —
gewährt worden und der damals mindestens vierundsiebzig Jahre alte Taha
hätte nach sudanesischem Recht — das die Hinrichtung von über
Siebzigjährigen auf jeden Fall untersagte — niemals tatsächlich
exekutiert werden dürfen.
Die Hinrichtung
ihres religiös-politischen Führers schwächte die Republikanischen
Brüder sehr, führte aber nicht zu ihrer Auflösung. Schließlich
trug die Wut der Bevölkerung über die Hinrichtung des weit über
den Kreis seiner engeren AnhängerInnen beliebten und bekannten, großen
alten Mannes wesentlich zum baldigen Sturz Numairis bei. Die Rückkehr zum
Mehrparteiensystem brachte jedoch nicht den Siegeszug der Republikanischen Brüder
mit sich, sondern eine Restauration der alten Parteien, im Wesentlichen der
den religiösen Bruderschaften der Ansar nahestehenden Umma-Partei und die
dem Hatmiya-Orden nahestehende DUP.
Mit dem
von den Erzrivalen und Feinden der Republikanischen Brüder, den Muslim-Brüdern,
unterstützten Militärputsch vom 30. Juni 1989 kam es zu einer neuen
Unterdrückungswelle gegen die verbliebenen Mitglieder der Republikanischen
Brüder. Die Organisation existiert zwar im Untergrund und im Exil zumindest
partiell weiter, ihre reale Stärke im Sudan ist aber kaum abzuschätzen.
Wesentlich
bedeutender scheint der ideologische Einfluß zu sein, den die Schriften
Tahas auf reformorientierte MuslimInnen in der gesamten arabischen Welt haben
dürften. Sein zentrales Werk "The Second Message of Islam" erschien
1987 sogar in einer englischen Übersetzung, die die Ideen Tahas auch nichtarabischen
Muslimen zugänglich macht.
Wie die
Muslim-Brüder ist für die Republikanischen Brüder der Islam nicht
nur eine religiöse Vorstellung, sondern auch eine Grundlage für eine
Gesellschaftsordnung. Die Islamvorstellung Mahmud Muhammad Tahas orientiert
sich aber im Gegensatz zu jenen der Muslim-Brüder Hasan al-Turabis nicht
primär am offiziellen Schriftislam der einzelnen Rechtsschulen, sondern
eher an den sufistischen Traditionen des sudanesischen Volksislam.
Mit der
Idee der zweiten Botschaft des Islam, schuf Taha eine originäre Islaminterpretation,
die aber über das bloße Verwischen von Gegensätzen zwischen
Volks- und Schriftislam hinausgeht. "Die zentrale These Tahas, auf der
seine Forderung nach einer Reformierung des islamischen Rechts basiert, besagt,
daß Muhammad mit dem Koran gleich zwei Botschaften Gottes übermittelt
habe, von denen die erste, in Medina geoffenbarte und aus konkreten und detailierten
Gesetzesbestimmungen bestehend, speziell für die islamische Gemeinschaft
des siebten Jahrhunderts gedacht und daher von zeitlich begrenzter Gültigkeit
gewesen sei, während die zweite Botschaft, in Mekka verkündet, die
grundlegenden Prinzipien der Religion (usul ad-din) beinhalte und als solche
von ewigem Wert im Gegensatz zur ersten Botschaft heute noch maßgeblich
sei."13
Tatsächlich
ist zwischen den mekkanischen und den medinensischen Suren des Quran ein systematischer
Unterschied zu erkennen auf den auch europäische OrientalistInnen immer
wieder aufmerksam gemacht haben. In Medina — wo Muhammad als Richter (qadi)
tätig war — haben die Suren einen wesentlich stärkeren politischen
und rechtlichen Charakter als in Mekka. Bei den mekkanischen Suren geht es eher
um Mystik und grundlegende ethische Werte. Diese grundlegenden ethischen Werte
sind nun für Taha die zweite Botschaft des Islam, die zeitlose Gültigkeit
für sich beanspruchen kann, während die konkreten rechtlichen Vorgaben
des siebten Jahrhunderts heute ihre Gültigkeit auch dann verloren haben,
wenn sie quranischen Ursprunges sind.
Taha will
stattdessen von den Prinzipien der Religion (usul ad-din) ein modernes, zeitgemäßes
islamisches Recht neu herleiten.
Die Grundlegenden
Prinzipien der Religion faßt Taha wie folgt zusammen:
"Das
grundlegende Prinzip (al-asl) im Islam ist, daß jeder Mensch frei ist
[...], denn die Freiheit ist ein natürliches Recht (haqq tabi´i) dem
die Pflicht zum verantwortlichen Umgang mit der Freiheit (husn at-tasarruf fi
l-hurriya) entspricht.
Das grundlegende
Prinzip im Islam ist Gemeinschaftlichkeit des Besitzes (suyu´al-mal) zwischen
allen Menschen.
Das grundlegende
Prinzip im Islam ist vollkommene Gleichberechtigung (al-musawat at-tamma) zwischen
Männern und Frauen."14
Mit diesen
Positionen nähert sich Taha — ohne explizit davon zu sprechen —
den der europäischen Aufklärung zugrundeliegenden Werten ebenso an,
wie sozialistischen Vorstellungen, die das Gemeineigentum betonen. Wenn er von
der Freiheit als natürliches Recht spricht, so erinnern diese Argumente
an die Naturrechtsdebatte der europäischen Aufklärung und an frühe
Menschenrechtskonzeptionen.
Seine Sozialismusvorstellungen
klingen oft etwas nebulös und basieren sicherlich nicht auf marxschem Gedankengut,
sind aber teilweise von diesem beeinflußt und versuchen einen eigenen
islamischen Sozialismus zu schaffen.
Für
Taha heißt Sozialismus, "that people share the wealth of the earth."15
Konkret definiert Taha seinen "wissenschaftlichen Sozialismus", den
er von selbigem marxistischen Begriff unterscheidet über zwei Prinzipien:
"first
increased production from such resources as minerals, agriculture, animal wealth
and industry by means of science, technology, and administration; and second,
equitable distribution involving the way that the minimum limit is guaranteed
to every citizen, including children, old people, and the disabled, at a level
sufficient to sustain dignified human existence."16
Taha ist
mit dieser Sozialismusdefinition weit davon entfernt, Wertproduktion und Eigentum
an sich abschaffen zu wollen. Vielmehr will er eine Angleichung von Einkommen
und Besitz, um in sich geschlossene Klassen zu verhindern: "The gap between
maximum and minimum income must not be wide enough to create a higher class
which refuses to marry from the lower-income class. [...] No citizen should
own anything individually except a house and surrounding garden, furniture,
a car. The key here is that no one should be allowed to own anything that permits
the exploitation of one citizens labor to increase the income of another."17
Der Gleichberechtigung
der Frauen mißt er einen wichtigen Platz zu. Immerhin ist dies für
ihn ein Grundprinzip des Islam. "Bei Ehen zwischen Republikanischen Brüdern
und Schwestern wird ein Vertrag unterzeichnet, der Polygamie ausschließt
und der Frau das Recht auf Scheidung gibt."18
Gesetze
dienten für ihn schließlich in der islamischen Umma des siebten Jahrhunderts
primär als Erziehungsmaßnahme für Menschen, die noch nicht den
Entwicklungsstand der gegenwärtigen Menschheit erreicht haben. In seinem
Evolutionsmodell sind nun die Muslime fähig, die Grundprinzipien der Religion
ohne die strikten Gesetze der islamischen Frühzeit zu leben. Der Islam
sollte nur noch durch friedliche Mission und aktives Vorleben einer islamischen
Ethik verbreitet werden.
Auch in
der persönlichen Religionsausübung geht Taha — wie viele islamische
Mystiker der verschiedensten Sufi-Orden — davon aus, daß Muslime,
die einen bestimmten Grad an religiöser und ethischer Entwicklung erreicht
haben, nicht mehr unbedingt an die äußeren Riten des Islam gebunden
sind, sondern eine höhere Stufe der religiösen Praxis erreicht haben,
in der nicht mehr die strikte Einhaltung von Gebetszeiten oder des Fastenmonats
von Wichtigkeit ist, sondern die individuelle oder gemeinschaftliche mystische
Gotteserfahrung.
Tahas Islamkonzeption
ist also viel weniger an äußerlich-formalisierte Religionsausübung
und an den Gesetzesislam gebunden als die eines Hasan al-Turabi. Weil Taha dies
aber islamisch begründet und an sich ein genauso islamisch-integralistisches
Weltbild vertritt wie Hasan al-Turabi, wurden die Thesen der Republikanischen
Brüder zu einem Hauptfeindbild der Muslim-Brüder und einer Reihe anderer
konservativer Muslime.
Genau das
könnte ihn aber langfristig zu einem bedeutenden Denker und Wegbereiter
einer islamischen Moderne machen, die sich aus ihren eigenen geistigen Ressourcen
speisend den Problemen und Herausforderungen der Moderne auf eine weit zukunftsweisendere
Art stellen will, als dies reaktionäre IntegralistInnen wie Hasan al-Turabi
je könnten.
1
OEVERMANN, Annette: Die Republikanischen Brüder im Sudan, Eine islamische
Reformbewegung im Zwanzigsten Jahrhundert. Frankfurt am Main/Berlin/Bern/New
York/Paris/Wien, 1993: S. 43
2
ebenda: S. 48
3
ebenda: S. 48
4
ebenda: S. 49
5
ebenda: S. 51
6
ebenda: S. 52
7
ebenda: S. 53
8
ebenda: S. 55
9
ebenda: S. 81
10
LESCH, Ann Mosely: The Sudan, Contested National Identities, Bloomington
/ Oxford, 1998: S. 56
11
SIDAHMED, Abdel Salam: Politics in Contemporary Sudan, Richmond, 1997:
S. 138
12
OEVERMANN, Annette: S. 92
13
KÖNDGEN, Olaf: Die Kodifikation des islamischen Strafrechts im Sudan
seit Beginn der 80er Jahre, In: Wuquf 7-8/1992-1993, S. 223-254: S. 232
14
OEVERMANN, Annette: S. 109
15
zit. nach: OEVERMANN, Annette: S. 110f
16 TAHA,
Mahmoud Mohamed: The Second Message of Islam, New York, 1987: S. 153
17 ebenda:
S. 155
18 ebenda:
S. 155
19 ISMAIL,
Ellen: Frauenbewegung und Islam im Sudan, in: Wuquf 7-8/1992-1993, S. 523-534:
S. 528
Durch
die unterschiedlichen Transkriptionsweisen werden die gleichen arabischen
Begriffe in diesem Artikel teilweise unterschiedlich geschrieben. In meinem
Text habe ich nämlich, mit Ausnahme der Sonderzeichen, die in der deutschsprachigen
Orientalistik üblichen Trankriptionsregeln der Deutschen Morgenländischen
Gesellschaft verwendet, während ich in wörtlichen Zitaten die darin
verwendeten Transkriptionen belassen habe.
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