Christlichdemokratische Volkspartei
Beiträge
Context XXI, Heft 8/2003 — 1/2004

Blocher regiert

Erfolg und Ideologie der Schweizerischen Volkspartei
■  Alex Riva
Dezember
2003

Die SVP ist zur stärksten politischen Kraft in der Schweiz geworden. Sie setzt auf Ressentiments gegen Marginalisierte und auf einen Nationalismus, der sich einen antifaschistischen Anstrich gibt. Nachdem Blocher aufgrund des Wahlerfolgs der Schweizerischen Volkspartei (SVP) einen zweiten (...)

Christlichdemokratische Volkspartei
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Gründungsdatum: 22. April 1912
Gründungsort: Ruswil
Ideologie: Christdemokratie
Präsidium: Gerhard Pfister

Gerhard Pfister (Nationalrat, 2015)

Vizepräsidium: Ida Glanzmann
Generalsekretär: Gianna Luzio
Mitglieder im Bundesrat: Viola Amherd
Mitglieder: 100'000[1]
(Stand: 2014)
Frauenanteil: im Nationalrat: 28 %
im Ständerat: 36,4 %
(Stand: NR-Wahlen 2019)
Wähleranteil: 11,4 %
(Stand: NR-Wahlen 2019)
Nationalrat:
25/200
Ständerat:
13/46
Fraktion (BV): CVP/EVP-Fraktion
Fraktionspräsident: Filippo Lombardi
Kantonale Parlamente:
404/2609

(Stand: November 2019)
Kantonale Regierungen:
38/154

(Stand: November 2019)
Gruppierungen: CVP Frauen
Junge CVP
Christlichsoziale Partei
Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Gesellschaft
Forum politique suisse
Forum de l’entreprise
Hausanschrift: Hirschengraben 9
3011 Bern
Internationale Verbindungen: Christlich Demokratische Internationale
Europapartei: Europäische Volkspartei (assoziiert)
Website: www.cvp.ch

Die CVP Schweiz – Christlichdemokratische Volkspartei – ist eine der vier Schweizer Regierungsparteien und seit 1891 im Bundesrat vertreten.[2] Sie politisiert in der bürgerlichen Mitte des politischen Spektrums und setzt sich für die Werte Freiheit und Solidarität, Wohlstand und Gerechtigkeit, Souveränität und Offenheit, Menschenwürde und Fortschritt ein.[3]

Inhaltliches Profil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Position der CVP im politischen Spektrum der Schweiz (2007)

Die CVP bezeichnet sich in ihrem Parteiprogramm als liberal-sozial, wobei sie im Sinne der sogenannten sozialen Marktwirtschaft liberale Grundsätze mit der Gewährleistung von sozialen Grundrechten verbinden will. Die CVP sieht sich als Vertreterin für Familien sowie kleine und mittlere Unternehmen. Ausserdem will sie den Mittelstand stärken.

Die Expansion der Partei in die reformierten Kantone, in denen die CVP eine aus ihrer Sicht soziale und liberale Politik betreibt, steht der traditionellen Rolle der CVP als staatstragender Partei in den katholischen Stammlanden (Zentralschweiz, Wallis, Tessin) gegenüber; dort besteht die Wählerbasis noch immer aus eher konservativen Bürgern. Ein weiterer Grund ist die Dominanz der Partei in den Stammlanden – im Kanton Luzern stellte sie bis ins Jahr 2005 drei von fünf Mitgliedern der Regierung, im Wallis ist es immer noch so –, die zu einem Konsenskurs zwingt.

Politische Schwerpunktthemen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als staatstragende Partei versteht sich die CVP als zentrale Brückenbauerin in dem auf Kompromiss und Konkordanz ausgerichteten föderalen System der Schweiz. Die Politik soll lösungsorientiert und zukunftsgerichtet sein.[4] Die Politik der CVP deckt alle staatspolitisch relevanten Themen (Bildung und Forschung, Familie, Landwirtschaft, Service public & Verkehr, Sicherheit und Staatspolitik und Recht)[5] ab, fokussiert sich im Wahljahr 2019 aber auf folgenden Schwerpunkte:

  • Gesundheit: Den hohen und weiter steigenden Kosten des Gesundheitswesens will die CVP mit einer Kostenbremse-Initiative entgegen wirken. Die Partei gibt an, dass 20 % oder 6 Milliarden Franken der Kosten in der obligatorischen Grundversicherung ohne Qualitätsverlust eingespart werden können. Mit der Initiative sollen alle Prämienzahlenden, insbesondere der Mittelstand und Familien entlastet werden. Umgesetzt werden soll dies unter anderem durch tiefere Medikamentenpreise, mehr ambulante statt stationären Behandlungen sowie der Voranbringung des elektronischen Patientendossiers.[6]
  • Klima und Umwelt: 1971 wurde auf Anstoss der CVP der Umweltartikel in die Bundesverfassung aufgenommen.[7] Heute fordert die Partei die Nutzung einheimischer und erneuerbarer Energiequelle, den Ausbau von Cleantech sowie ein griffiges CO2-Gesetz zur konsequenten Umsetzung der Energiewende.[8]
  • Aussenpolitik: Die CVP fordert eine Schweiz, die neutral und souverän ist, sich aber nicht isoliert. Dazu verlangt sie enge wirtschaftliche und auch sozial tragfähige Beziehungen zu Partner, und vor allen der EU gegenüber ein selbstbewusstes Auftreten, insbesondere bei den verlangten Nachverhandlungen über das institutionelle Rahmenabkommen.[8]
  • Sozialwerke: Um auch in Zukunft sichere Renten zu garantieren, fordert die CVP Reformen bei der AHV und der zweiten Säule sowie ein flexibles Rentenalter, wobei das Referenzalter der Frauen dem der Männer angeglichen werden soll. Diese Forderung wird von den CVP-Frauen unterstützt mit der Verknüpfung der Lohngleichheit und dass die Kosten nicht zu Lasten der Frauen gehen dürfen.[9][10] Um die Sozialwerke weiter zu entlasten, verlangt die CVP zudem die bessere finanzielle Abgeltung von Pflegenden Angehörigen. Zur Umsetzung dieser Forderung wurde von CVP Vertretenden ein neues Bundesgesetz über die Verbesserung der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenbetreuung angestossen.[11] Weitere Massnahmen zu den Sozialwerken betreffen die Verhinderung von Missbrauch sowie Reformen bei der Finanzierung der zweiten Säule.
  • Nachhaltige Wirtschaft[12]: Die CVP vertritt die Perspektive, dass nur eine Wirtschaftspolitik, die wachstumsfreundlich und solidarisch ist, Wohlstand schafft. Sie setzt sie sich mit der Forderung nach kostengünstiger Kinderbetreuung, zwei Wochen Vaterschaftsurlaub, Lohngleichheit sowie flexiblen Arbeitsmodelle für die bessere Vereinbarkeit von Familien und Beruf ein. In der sogenannten Familieninitiative kämpfte die CVP dafür, dass Kinder- und Ausbildungszulagen von den Steuern befreit werden. Ausserdem sollen steuerliche Benachteiligungen von verheirateten Paaren und in eingetragenen Paaren aufgehoben werden. Dafür hat sich die Partei mit einer Volksinitiative eingesetzt. Die CVP versteht sich als die Partei, die den Mittelstand und die KMU stärkt. Letztere sollen von optimalen Rahmenbedingungen profitieren, um zu weiterhin wachsen und qualitativ hochwertige Berufsbildung anbieten zu können. Des Weiteren spricht sich die CVP für die Stärkung des Finanzplatzes Schweiz sowie die Nutzung der Chancen der digitalen Zukunft aus.
  • Migration: Der Fokus legt die Partei hier auf die schnelle und nachhaltige gesellschaftliche Integration der in der Schweiz aufgenommenen Migrantinnen und Migranten. Dabei will die CVP die Schweizer Werte des Zusammenlebens wahren und die Diskussion über diese Werte auch mit Personen aus anderen Kulturkreisen führen. Zugleich soll durch gezielte Entwicklungshilfe in den Herkunftsländern die Zahl an Hilfesuchenden reduziert werden. Ziel der Massnahmen ist eine Asylpolitik, die keinen Missbrauch zulässt.[13]

Parteiorgane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Delegiertenversammlung: Höchstes Organ auf Bundesebene ist die Delegiertenversammlung (Parteitag), in welcher die Kantonalparteien vertreten sind. Sie definieren die Parteipolitik und wählen die Funktionsträger auf Bundesebene.
  • Parteivorstand: Das leitende sowie vollziehende Organ der Partei ist der Vorstand. Dieser setzt sich zusammen aus den Mitgliedern des Parteipräsidiums, fünf Mitgliedern der Fraktion, zwei Personen pro anerkannte Vereinigung sowie je einer Frau und einem Mann pro Kantonalpartei.
  • Präsidium: Das Präsidium der CVP Schweiz besteht aus folgenden Personen:
Parteipräsident Gerhard Pfister
Vize-Präsident/in Ida Glanzmann-Hunkeler, Charles Juillard
Präsident der CVP-EVP-Fraktion Filippo Lombardi
Weitere Mitglieder des Präsidiums Pirmin Bischof, Martin Candinas, Marianne Binder-Keller, Stefan Müller-Altermatt, Elisabeth Schneider-Schneiter, Tino Schneider, Anne Seydoux-Christe[14]
  • Generalsekretariat: Die Generalsekretärin ist Gianna Luzio.

Vertretung in der Regierung und den Parlamenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bundesrat: Die CVP ist seit 1891 immer im Bundesrat vertreten. Aktuell ist CVP Bunderätin Viola Amherd als Departementschefin des Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) die erste Verteidigungsministerin der Schweiz.[15]
  • Bundeskanzler Walter Thurnheer
  • Bundeshausfraktion: In dieser sind alle amtierenden NationalrätInnen und StänderätInnen der CVP (40), EVP (2) und CSP (1) vertreten. Mit 43 Sitzen ist es die viertgrösste Fraktion der eidgenössischen Räte. Davon fallen 29 Sitze auf den Nationalrat und 14 auf den Ständerat. Im Ständerat ist die CVP damit die stärkste Partei, geführt wird die Fraktion von Fraktionspräsident Filippo Lombardi und Vize-Fraktionspräsident Leo Müller.
  • Kantonsregierungen: die CVP stellt in insgesamt 22 Kantonen 38 Regierungsrätinnen und Regierungsräte.[16] Dies entspricht 24,7 % aller Sitze.[17]
  • Kantonsparlamente: In allen kantonalen Parlamenten ist sie mit insgesamt 414 Mandaten vertreten. Dies entspricht 15,9 % aller Sitze.[18]



Vereinigungen der CVP[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die CVP hat folgende Vereinigungen:

Kantonalsektionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kantonalsektion Präsident
Resultate Nationalratswahlen 2019
Mandate im Nationalrat Mandate im Ständerat
Kanton Aargau CVP Kanton Aargau Marianne Binder-Keller 9,9 % Ruth Humbel Näf
Marianne Binder-Keller
-
Kanton Appenzell Ausserrhoden CVP Kanton Appenzell Ausserrhoden Claudia Frischknecht 0- - -
Kanton Appenzell Innerrhoden CVP Kanton Appenzell Innerrhoden Ruedi Angehrn 35,7 % Thomas Rechsteiner Ivo Bischofberger
Kanton Basel-Landschaft CVP Kanton Basel-Landschaft Brigitte Müller-Kaderli 8,5 % Elisabeth Schneider-Schneiter -
Kanton Basel-Stadt CVP Kanton Basel-Stadt Andrea Strahm 4,6 % - -
Kanton Bern CVP Kanton Bern Alexandra Perina-Werz 1,9 % - -
Kanton Freiburg CVP Kanton Freiburg André Schoenenweid 17,8 % Marie-France Roth Pasquier
Christine Bulliard-Marbach
-
Kanton Genf CVP Kanton Genf Sébastien Desfayes 7,7 % Vincent Maitre -
Kanton Glarus CVP Kanton Glarus Peter Landolt-Fischli 0- - -
Kanton Graubünden CVP Kanton Graubünden Stefan Engler 16,3 % Martin Candinas Stefan Engler
Kanton Jura CVP Kanton Jura Martial Courtet 22,5 % Jean-Paul Gschwind Anne Seydoux-Christe
Kanton Luzern CVP Kanton Luzern Christian Ineichen 25,5 % Priska Wismer-Felder
Ida Glanzmann-Hunkeler
Leo Müller
Andrea Gmür
Kanton Neuenburg CVP Kanton Neuenburg Vincent Pahud 4,2 % - -
Kanton Nidwalden CVP Kanton Nidwalden Therese Rotzer 35,8 % - -
Kanton Obwalden CVP Kanton Obwalden Christoph Amstad-Bucher
Bruno von Rotz
36,7 % - Erich Ettlin
Kanton Schaffhausen CVP Kanton Schaffhausen Marco Rutz 2,1 % - -
Kanton Schwyz CVP Kanton Schwyz Andreas Meyerhans 18,4 % Alois Gmür Othmar Reichmuth
Kanton Solothurn CVP Kanton Solothurn Sandra Kolly-Altermatt 14,2 % Stefan Müller-Altermatt Pirmin Bischof
Kanton St. Gallen CVP Kanton St. Gallen Patrick Dürr 18,8 % Nicolo Paganini
Markus Ritter
Benedikt Würth
Kanton Tessin CVP Kanton Tessin Giovanni Jelmini 18,2 % Fabio Regazzi
Marco Romano
-
Kanton Thurgau CVP Kanton Thurgau Gallus Müller 12,7 % Christian Lohr Brigitte Häberli-Koller
Kanton Uri CVP Kanton Uri Frieda Steffen 39,2 % Simon Stadler Heidi Z’graggen
Kanton Waadt CVP Kanton Waadt Claude Béglé
Axel Marion
2,4 % - -
Kanton Wallis CVP Kanton Wallis[Anmerkung 1] Anton Andenmatten (Oberwallis)
Serge Metrailler (Unterwallis)
34,8 % Sidney Kamerzin
Benjamin Roduit
Philipp Matthias Bregy
Beat Rieder
Marianne Maret
Kanton Zug CVP Kanton Zug Martin Pfister 23,8 % Gerhard Pfister Peter Hegglin
Kanton Zürich CVP Kanton Zürich Nicole Baradun-Gross 4,4 % Philipp Kutter -
Anmerkungen
  1. Die Kantonalpartei gliedert sich in vier Untersektionen: CVP Oberwallis, CVP Mittelwallis, CVP Unterwallis sowie CSP Oberwallis

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholiken im Kulturkampf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Josef Leu
Josef Zemp

Im Gasthaus Rössli in Ruswil unterzeichneten Vertreter einer konservativen Volksbewegung 1840 unter Bauernführer Josef Leu von Ebersol die Ruswiler Erklärung, die sich gegen den liberalen Zeitgeist wandte. Wenig später wurde im selben Wirtshaus der «Ruswiler Verein» gegründet, aus dem später die Katholisch-Konservative Partei wurde, die im gesamten 19. Jahrhundert im Kulturkampf eine kirchenfreundliche und in der nationalstaatlichen Frage eine föderalistische Haltung einnahm. Die Katholisch-Konservativen unterlagen im Sonderbundskrieg von 1847 und befanden sich im 1848 gegründeten Bundesstaat nachfolgend in deutlicher Opposition zur liberalen Mehrheit.[19]

In Gegensatz zur Lage im Gesamtstaat dominierten die Katholisch-Konservativen die Politik in den ländlich-katholischen Kantonen der Innerschweiz, im Wallis und im Kanton Freiburg, während sie sich im Tessin einen langwierigen Machtkampf mit den Liberalen lieferten. Wie die Liberalen besassen die Katholisch-Konservativen weder ein formelles Organisationsstatut noch ein Programm. 1882 erfolgte die offizielle Gründung der Fraktion. Die Gründungsversuche einer nationalen Partei (1874 «Association conservatrice suisse» durch Abbé Joseph Schorderet und Theodor Scherer-Boccard, 1881 «Konservative Union» durch Josef Zemp und Julius Schnyder von Wartensee, 1894 «Katholische Volkspartei» durch Anton Augustin und Ernst Feigenwinter) scheiterten jedoch jahrzehntelang an der föderalistischen Struktur der Schweiz und den Differenzen im katholisch-konservativen Lager.[20]

Der Prozess der Einbindung der Katholisch-Konservativen in den liberalen Bundesstaat begann Ende des 19. Jahrhunderts. Nach mehreren Abstimmungssiegen der Katholisch-Konservativen, die sie in unterschiedlichen Allianzen errungen hatten, erkannten die Liberalen und Radikalen, dass sich ihre Isolierungspolitik nicht mehr aufrechterhalten liess. Ausserdem bevorzugten sie mit dem Erstarken der Sozialdemokratie einen Schulterschluss der bürgerlichen Kräfte. Am 17. Dezember 1891 wurde schliesslich mit Josef Zemp zum ersten Mal ein Katholisch-Konservativer in den Bundesrat gewählt. Eine weitere wichtige Entwicklung der Jahrhundertwende war, dass neben dem traditionellen ländlich-katholischen Flügel ein christlichsozialer Arbeitnehmerflügel entstand, der besonders viel Unterstützung bei Katholiken fand, die in protestantische Kantone ausgewandert waren, in denen sich die Partei somit erstmals etablieren konnte.[20]

Katholisch-Konservative in der Zwischenkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahl-
jahr
Wähler-
anteil
Nationalrat Ständerat
1919 21,0 %
41/189
17/44
1922 21,0 %
44/198
17/44
1925 20,9 %
42/198
18/44
1928 21,4 %
46/198
18/44
1931 21,4 %
44/187
18/44
1935 20,3 %
42/187
19/44
1939 17,0 %1
43/187
18/44
1943 20,8 %
43/194
19/44
1947 21,2 %
44/194
18/44
1951 22,5 %
48/196
18/44
1955 23,2 %
47/196
17/44
1959 23,3 %
47/196
17/44
1963 23,4 %
48/200
18/44
1967 22,1 %
45/200
18/44
1971 20,3 %
44/200
17/44
1975 21,1 %
46/200
17/44
1979 21,3 %
44/200
18/46
1983 20,2 %
42/200
18/46
1987 19,7 %
42/200
19/46
1991 18,0 %
37/200
16/46
1995 16,8 %
34/200
16/46
1999 15,8 %
35/200
15/46
2003 14,4 %
29/200
15/46
2007 14,5 %
31/200
15/46
2011 12,3 %
29/200
13/46
2015 11,6 %
28/200
13/46
2019 11,4 %
25/200
13/46
1 Aussagekraft begrenzt, da stille Wahl in 9 Kantonen.

Im Jahr 1912 wurde die «Schweizerische Konservative Volkspartei» (KVP) im Hôtel Union in Luzern gegründet, die Katholisch-Konservativen waren damit erstmals in einer formellen gesamtschweizerischen Organisation verbunden, die 1919 mit Jean-Marie Musy einen zweiten Sitz im Bundesrat erhielt. Mit der Gründung des Christlichsozialen Arbeiterbundes 1919 gewann die christlichsoziale Arbeiter- und Angestelltenbewegung in der bisher bäuerlich-gewerblich und kleinstädtisch geprägten Partei an Bedeutung. In der Zwischenkriegszeit fanden innerhalb der Konservativen Volkspartei zeitweise Modelle einer «autoritären Demokratie» bis hin zu Ständestaatsgedanken eine gewisse Unterstützung. Der Höhepunkt dieser Tendenz war die sogenannte Revisionsinitiative, welche von Teilen der Katholisch-Konservativen gemeinsam mit den rechtsextremen Fronten lanciert wurde. Nach der deutlichen Ablehnung dieses Begehrens in der Volksabstimmung 1935 ebbte die korporatistische Bewegung wieder ab.[21]

Mitte der 1930er Jahre trat der Klassenkampf zwischen den Bürgerlichen und den Sozialdemokraten unter dem Druck des Faschismus in den Hintergrund und führte zu einer politischen Normalität zwischen den regierenden bürgerlichen Parteien – FDP, CVP und BGB – und den Sozialdemokraten. Im Jahr 1943 verloren die Freisinnigen die Regierungsmehrheit im Bundesrat. Im gleichen Jahr erhielt die CVP erstmals zu ihren zwei Bundesräten den Posten des Bundeskanzlers.[22]

Blüte in den Fünfzigerjahren und Erneuerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Getragen vom politischen Klima der Nachkriegszeit, erlebten die Konservativen in den 1950er Jahren einen Höhepunkt: Sie stellten die grösste Parlamentsdelegation ihrer Geschichte, und von 1954 bis 1958 belegte die Partei einen dritten Sitz im Bundesrat, den sie jedoch im Zuge der Einbindung der Sozialdemokratie 1959 ins Schweizerische Regierungssystem wieder abgab und sich nach der Zauberformel richtete. Mit 23,4 Prozent erreichte die Partei bei den Schweizer Parlamentswahlen 1963 das bisher beste Resultat ihrer Parteigeschichte.[23]

CVP-Signet nach 1970

Im Jahr 1957 wurde die Konservative Volkspartei in «Konservativ-Christlichsoziale Volkspartei» (KCV) umbenannt, da die Landespartei je nach Kanton konservative oder christlichsoziale Kantonalparteien umfasste. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil von 1962 bis 1965 wurde innerhalb der Partei die Forderung nach Anpassung an die gewandelte Gesellschaft laut und die KCV vollzog eine programmatische Öffnung, die zu den Parteireformen von 1970/1971 führte. Die neue Mittepartei koalierte in der Sozialpolitik häufig mit den Sozialdemokraten, in der Wirtschafts- und Finanzpolitik mit den Freisinnigen, während sie in der Kultur- und Kirchenpolitik christlich-konservative Positionen vertrat.[24] Weiter wurde während der Reformen ein neuer Name für die Partei gesucht: Einige schlugen «Christlichdemokratische Union» vor, während andere Kräfte aus dem «katholischen Ghetto» ausbrechen wollten und den Namen «Schweizerische Volkspartei» vorschlugen. (Die heutige Schweizerische Volkspartei wurde erst ein Jahr später gegründet). 1970 entschied man sich schliesslich für den heutigen Namen «Christlichdemokratische Volkspartei». In den folgenden Jahrzehnten konnte die CVP ihren Stimmenanteil halten, jedoch bereitete ihr die Auflösung des katholischen Milieus, einst einigende Klammer der Partei, zunehmend Probleme.[25]

Rückgang des Wähleranteils und Verlust eines Bundesratssitzes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wähleranteil der KVP/KCV/CVP seit 1919 (ohne 1939)
25%
20%
15%
10%
5%
0%

Obwohl die CVP in ihren Stammlanden, den früheren Sonderbundskantonen Luzern, Freiburg, Wallis, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden und Zug sowie (seit Beginn des 20. Jahrhunderts) im Kanton St. Gallen, eine dominante Stellung einnahm, kam es ab den 1980er Jahren zu Erosionserscheinungen, bedingt durch die Säkularisierung, die soziale Mobilität, die Wohlstandsgesellschaft sowie die Auflösung des katholischen Milieus. Die Abnahme der Stammwählerschaft führte ab 1980 zu einer stetigen Abnahme der erzielten Resultate bei den eidgenössischen Wahlen. Besonders in den 1990er und frühen 2000er Jahren wurden viele konservative Wähler aus den ländlichen Stammlanden von der national-konservativen SVP abgeworben.[24]

Bei der Bundesratswahl vom 10. Dezember 2003 wurde zudem mit der ultimativen Forderung der Schweizerischen Volkspartei auf einen zweiten Sitz für ihren Kandidaten Christoph Blocher die bisher geltende Zauberformel für die Zusammensetzung des Bundesrats gesprengt. In einer Kampfwahl wurde mit der Abwahl der amtierenden Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold erstmals seit langem wieder ein Bundesratsmitglied von der Vereinten Bundesversammlung nicht mehr bestätigt. An ihrer Stelle wurde Christoph Blocher gewählt. Damit verblieb Joseph Deiss als einziger CVP-Vertreter im Bundesrat.[26]

Jüngere Entwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stimmenanteile der CVP 2011

Unter der Führung ihrer Präsidentin und späteren Bundesrätin Doris Leuthard konnte die CVP Mitte der 2000er-Jahre ihren Rückgang vorübergehend aufhalten. Schweizer Medien sprachen vom Leuthard-Effekt. Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2007 konnte die CVP ihren Stimmenanteil leicht verbessern.[27] Die CVP bildete daraufhin mit der glp und der EVP für die 48. Legislaturperiode des Nationalrates eine gemeinsame Fraktion (nachdem die glp 2011 selbst Fraktionsstärke erreichte, wurde daraus die Fraktion CVP/EVP der Bundesversammlung). Als Grundlage hierfür wurde eine Stärkung der politischen Mitte, verbunden mit einem Führungsanspruch in dieser, angeführt. In der Folge arbeitete die CVP auch in verschiedenen Kantonen und Gemeinden mit EVP und glp sowie mit der 2008 als SVP-Abspaltung gegründeten BDP zusammen.

Seit Beginn der 2010er-Jahre verliert die CVP erneut Stimmen. Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2015 erhielt die CVP noch 11,6 % der Stimmen und gewann 27 Nationalrats- und 13 Ständeratssitze, bei denjenigen von 2019 11,4 % der Stimmen, 25 National- und erneut 13 Ständeratssitze. Da die BDP bei letzteren Wahlen ihre Fraktionkstärke verloren hatte, gehören ihre drei Nationalräte seither auch der Fraktion von CVP und EVP an.

Wahlergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr SchweizSchweiz 
National-
rat
Kantonsparlamente
Kanton ZürichKanton Zürich 
ZH
Kanton BernKanton Bern 
BE
Kanton LuzernKanton Luzern 
LU
Kanton UriKanton Uri 
UR
Kanton SchwyzKanton Schwyz 
SZ
Kanton ObwaldenKanton Obwalden 
OW
Kanton NidwaldenKanton Nidwalden 
NW
Kanton GlarusKanton Glarus 
GL
Kanton ZugKanton Zug 
ZG
Kanton FreiburgKanton Freiburg 
FR
Kanton SolothurnKanton Solothurn 
SO
Kanton Basel-StadtKanton Basel-Stadt 
BS
Kanton Basel-LandschaftKanton Basel-Landschaft 
BL
Kanton SchaffhausenKanton Schaffhausen 
SH
Kanton Appenzell AusserrhodenKanton Appenzell Ausserrhoden 
AR
Kanton Appenzell InnerrhodenKanton Appenzell Innerrhoden 
AI
Kanton St. GallenKanton St. Gallen 
SG
Kanton GraubündenKanton Graubünden 
GR
Kanton AargauKanton Aargau 
AG
Kanton ThurgauKanton Thurgau 
TG
Kanton TessinKanton Tessin 
TI
Kanton WaadtKanton Waadt 
VD
Kanton WallisKanton Wallis 
VS
Kanton NeuenburgKanton Neuenburg 
NE
Kanton GenfKanton Genf 
GE
Kanton JuraKanton Jura 
JU
2007 14,5 7,2 37,3 12,1 * * 23,2 2,1
2008 34,7 29,8 9,3 5,1 26,1 15,9
2009 20,8 15,0 48,5 3,2 9,9
2010 1,3 33,8 31,1 10,7 26,5 * 28,9
2011 12,3 4,9 31,1 26,6 9,3 4,2 * 20,5
2012 36,6 29,1 7,3 4,9 23,0 13,3 14,2 2,9
2013 18,4 43,8 2,7 10,6
2014 0,8 32,1 29,1 8,9 26,8 *
2015 11,6 4,9 30,9 9,6 6,0 * 18,6 26,8
2016 31,3 27,2 23,7 5,9 3,7 20,4 12,1 13,4
2017 18,9 2,2 41,7 2,7
2018 0,4 29,8 26,8 9,4 25,6 * 10,7
2019 11,4 4,3 27,5 9,8 4,4 * 17,6
Legende: * – Landsgemeinde oder Majorzwahlen/Gemeindeversammlungen in mehreren/allen Wahlkreisen; … – zuk. Wahlen im laufenden Jahr; kursiv – Einzug ins Parlament verpasst; Wahlergebnisse in Prozent; Quelle: [28]

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parteipräsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden Politiker waren beziehungsweise sind Parteipräsidenten der Konservativen Volkspartei, der Konservativ-Christlichsozialen Volkspartei beziehungsweise der Christlichdemokratischen Volkspartei.

Fraktionspräsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nachfolgenden Personen waren beziehungsweise sind Fraktionspräsidenten der CVP-Fraktion der Bundesversammlung.

Generalsekretäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nachfolgenden Personen waren beziehungsweise sind als Generalsekretär Mitglied der CVP.

Bundesräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nachfolgenden Politiker waren beziehungsweise sind als Bundesrat Mitglied der CVP.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Urs Altermatt: Der Weg der Schweizer Katholiken ins Ghetto. Die Entstehungsgeschichte der nationalen Volksorganisationen im Schweizer Katholizismus 1848–1919. 2. Auflage. Benziger, Zürich 1991, ISBN 3-545-25031-8.
  • Urs Altermatt: CVP. Von der katholischen Milieupartei zur Partei der bürgerlichen Mitte. In: Die Parteien in Bewegung. Nachbarschaft und Konflikte. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2013, ISBN 978-3-03823-846-1, S. 21–48.
  • Ludwig Zurbriggen: CVP und die soziale Mitte. Soziales Kapital, Koalitionen und symbolische Praxis der CVP. Rüegger, Zürich 2004, ISBN 3-7253-0762-8.
  • 100 Jahre CVP. Festschrift zum Jubiläum. Sonderausgabe Die Politik, online, Oktober 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Bund kurz erklärt 2014. (PDF; 14821 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) Schweizerische Bundeskanzlei, 28. Februar 2014, archiviert vom Original am 9. August 2014; abgerufen am 22. April 2014.
  2. Geschichte des Bundesrates. Abgerufen am 9. März 2019.
  3. CVP Schweiz: Leitbild. (PDF) Abgerufen am 9. März 2019.
  4. CVP Schweiz: CVP Botschafter. Abgerufen am 23. August 2019.
  5. Weitere Themen. In: CVP Schweiz. Abgerufen am 22. August 2019.
  6. KostenbremseInitiative «Für tiefere Prämien – Kostenbremse im Gesundheitswesen». In: CVP Schweiz. Abgerufen am 22. August 2019.
  7. Ueli Haefeli-Waser: Umweltschutz. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften, 14. Januar 2014, abgerufen am 24. August 2019.
  8. a b Aussenpolitik. In: CVP Schweiz. Abgerufen am 12. August 2019.
  9. Sozialwerke. In: CVP Schweiz. Abgerufen am 21. August 2019.
  10. CVP Frauen: CVP Frauen. In: CVP Schweiz. Abgerufen am 24. Juli 2019.
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